| Mein Tagebuch • Für mich der einzige Überlebensweg!!! |
|
|
| Autor |
Nachricht |
|
|
Lebenslust-1 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 01.02.2009 Beiträge: 148
|
Verfasst am: 23.05.2009, 13:18 Titel: Re: Stärke beweisen |
|
|
Hi Rose,
ich kämpfe doch nicht gegen den Alkohol. Ich kämpfe endlich wieder um mich selbst. Wenn es schon um Kampf geht.
Menschen nehmen Drogen nur zu sich, weil sie ihr Selbstbild nicht ertragen können. Da beginnt der Kampf und deshalb spreche ich von Kapitulation:
Mein Bild stimmt nicht. Ich mache mir etwas vor. Diesem Bild gegenüber zu stehen ist hart.
Ich bin nicht stark, weil ich den Alkohol lasse. Ich bin stark, weil ich ohne den Alkohol etwas sehe, was ich nicht gewohnt bin, zu sehen.
Diese Bild möchte ich gern ertragen können. Das ist Stärke. Oscar Wilde hat dazu mal was geschrieben - leider nicht ausgehalten.
Liebe Grüße
Susanne |
|
| Nach oben |
|
 |
espoir sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 29.11.2008 Beiträge: 1150 Alter: 44
|
Verfasst am: 23.05.2009, 13:58 Titel: Re: Stärke beweisen |
|
|
Hallo Karsten,
dieses Thema finde ich unglaublich wichtig und möchte gerne auch meine Meinung dazu schreiben.
Ich glaube nämlich, dass schon die Frage an sich oftmals falsch gestellt wird: "Bin ich stark, wenn ich die Nähe trinkender Menschen aufsuche und ertrage?" Und daran schließt sich ja auch gerne der mindestens ebenso falsche Umkehrschluss: "Bin ich schwach, wenn ich's eben nicht mache?". Da wird der Gaul doch von der völlig falschen Seite aufgezäumt.
Für mich stellt sich die Frage nach dem Selbst-Bewusstsein.
Ganz offensichtlich stand es mit dem ja nicht so zum Besten, sonst hätte ich ja nicht getrunken. Ich hätte ja nicht versucht, eine andere zu sein, als die, die ich in dem Augenblick war. Ich hätte nicht mit Hilfe des Alkohols versucht, gut gelaunt zu sein, entspannt zu sein, mutig zu sein, erotisch zu sein, gesellig zu sein, geistreich, humorvoll, ach was weiß denn ich nicht noch alles. So. Und nun trinke ich nicht mehr. Puuuh, was kommt denn da alles auf mich zu? Nix Schönes, so scheint es (zumindest am Anfang).
Plötzlich muss ich es mit mir selber aushalten, ich muss mich selber aushalten, und das komplett ohne Alkohol. Is' fei nicht schön am Anfang! Aber irgendwann habe ich angefangen, aus der Not eine Tugend zu machen, war ja schließlich kein anderer da, mit dem ich mich hätte ablenken können, also musste ich mich mit mir selber beschäftigen, mit meiner Krankheit und mit meinem Umgang damit. Und ich habe gelernt, mich gut zu behandeln und alles von mir fernzuhalten, was mich und meine noch zarte Abstinenz in Gefahr bringen konnte. Ich war mir bewusst, wie schnell alles wieder kaputt sein könnte.
Zu diesem Bewusstsein gehört meines Erachtens aber auch noch etwas anderes, nämlich schlicht und ergreifend Wissen. Ich muss gewisse Dinge über meine Krankheit einfach gehört oder gelesen haben, um zu wissen, dass das Suchtgedächtnis zu den hinterhältigsten Dingen gehört, die es auf dieser Welt überhaupt gibt. Dass der Geruch und der Anblick von Alkohol in einer typischen Situation, in der ich früher auch getrunken habe, mein Suchtgedächtnis auf Hochtouren bringt und mir irgendwann gnadenlos präsentiert wird, das muss ich einfach wissen, um selbstbewusst sagen zu können: "Dem setze ich mich nicht aus!".
Fazit: Menschen, die sich in solche Situationen begeben, sind für mich weder stark noch schwach, sondern haben kein gutes Selbst-Bewusstsein.
LG
espoir |
|
| Nach oben |
|
| espoir hat zum Thema: Re: Stärke beweisen geschrieben
|
|
 |
Weitsicht Gast
|
Verfasst am: 23.05.2009, 14:35 Titel: Re: Stärke beweisen |
|
|
| Zitat: |
Für mich stellt sich die Frage nach dem Selbst-Bewusstsein.
Ganz offensichtlich stand es mit dem ja nicht so zum Besten, sonst hätte ich ja nicht getrunken. Ich hätte ja nicht versucht, eine andere zu sein, als die, die ich in dem Augenblick war. Ich hätte nicht mit Hilfe des Alkohols versucht, gut gelaunt zu sein, entspannt zu sein, mutig zu sein, erotisch zu sein, gesellig zu sein, geistreich, humorvoll, ach was weiß denn ich nicht noch alles. So. Und nun trinke ich nicht mehr. Puuuh, was kommt denn da alles auf mich zu? Nix Schönes, so scheint es (zumindest am Anfang).
|
Danke Espoir für diesen Beitrag, ich sehe es ähnlich, setze für mich meine Nikotin- und Süssigkeitsabhängigkeit ein. Als EKA sind die meisten suchtgefährdet, jede/r hat hier eigene Süchte entwickelt. Schliesslich haben wir Suchtstrukturen von unseren Eltern verinnerlicht. Diese loszulassen ist kein einfacher Spaziergang. Sicherlich hat mich meine alkoholkranke Mutter vom Alkohol trinken abgeschreckt, ich habe dafür andere Süchte, die genauso zum Tod führen können, gewählt. Dessen bin ich mir heute bewusst.
| Zitat: |
Plötzlich muss ich es mit mir selber aushalten, ich muss mich selber aushalten, und das komplett ohne Alkohol. Is' fei nicht schön am Anfang! Aber irgendwann habe ich angefangen, aus der Not eine Tugend zu machen, war ja schließlich kein anderer da, mit dem ich mich hätte ablenken können, also musste ich mich mit mir selber beschäftigen, mit meiner Krankheit und mit meinem Umgang damit. Und ich habe gelernt, mich gut zu behandeln und alles von mir fernzuhalten, was mich und meine noch zarte Abstinenz in Gefahr bringen konnte. Ich war mir bewusst, wie schnell alles wieder kaputt sein könnte.
|
So ist es, Ängste sowie eine innere Leere, zeigen sich mehr als vorher, die Zigarette oder Süssigkeiten gaben/geben mir vermeintlichen Halt, sowie Ablenkung und geben mir Unterstützung weiterhin meine Probleme zu verdrängen. Doch ohne Kontakt zu unserem eigenen Denken und Fühlen (Gefühlen) zu bekommen, werden wir von verinnerlichten Mustern aus unserer Kindheit gelebt. Ist so meine Erfahrung.
| Zitat: |
Zu diesem Bewusstsein gehört meines Erachtens aber auch noch etwas anderes, nämlich schlicht und ergreifend Wissen. Ich muss gewisse Dinge über meine Krankheit einfach gehört oder gelesen haben, um zu wissen, dass das Suchtgedächtnis zu den hinterhältigsten Dingen gehört, die es auf dieser Welt überhaupt gibt. Dass der Geruch und der Anblick von Alkohol in einer typischen Situation, in der ich früher auch getrunken habe, mein Suchtgedächtnis auf Hochtouren bringt und mir irgendwann gnadenlos präsentiert wird, das muss ich einfach wissen, um selbstbewusst sagen zu können: "Dem setze ich mich nicht aus!".
Fazit: Menschen, die sich in solche Situationen begeben, sind für mich weder stark noch schwach, sondern haben kein gutes Selbst-Bewusstsein.
|
Ein gutes Selbst-Bewusstsein konnten wir als EKA`s nicht entwickeln, dieses Wissen hat mir weiter geholfen. Ich war kein gutes Vorbild für meine Kinder was das Rauchen betrifft, wenn bei diesen jetzt Lungenkrebs festgestellt würde, das wäre eine Situation, die mir den Boden unter den Füssen wegziehen würde.
Und ich kann nicht sagen: Ich habe es nicht gewusst, dass die Zigaretten so grossen Schaden anrichten können. Die Sucht ist nicht mitfühlend, sie ist am Vernichten interessiert.
Selbstbewusste Menschen sind/werden nicht süchtig, da sie ihrem Selbstwert und Selbstliebe, in sich, Raum und Zeit schenken.
Und sie wissen von sich, dass sie keinem anderen Menschen erlauben, dass diese ihnen den Boden unter den Füssen wegziehen dürfen. Egal um welchen Menschen es sich handelt. Ich weiss um meine Sterblichkeit, sowie um meine Stärken und Schwächen. Alles zusammen gehört zu meinem Selbstbild, das ich von mir, im Laufe meiner Entwicklung, als EKA, aufgebaut habe und dem ich treu verbunden bleibe, um nicht rückfällig zu werden und meinen Süchten zeige, dass meine Liebe zu mir und das Leben, stärker ist, als sie es sind. Nur die Liebe heilt.
Alles Liebe Weitsicht |
|
| Nach oben |
|
| Weitsicht hat zum Thema: Re: Stärke beweisen geschrieben
|
|
 |
Gänger Gast
|
Verfasst am: 23.05.2009, 15:25 Titel: Re: Stärke beweisen |
|
|
Hallo zusammen,
dieses hat Maddin zu dem Thema geschrieben und ich bin genau seiner Meinung:
| Zitat: | | Viel mehr verschließen sie ihre Augen vor ihrer Krankheit, dem Alkoholismus. |
Das ist für mich der Grund für Leichtsinnigkeiten und dem Drang Stärke zeigen zuwollen.
Ich kann mich noch gut an den Moment erinnern als ich meine Abhängigkeit als Krankheit akzeptiert habe. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon einige Monate trocken und befand mich noch mitten in der Anfangseuphorie.
Ich weiß nicht was das Ausschlaggebende war, aber die Euphorie wechselte plötzlich in Trauer denn mir wurde bewusst, dass ich niemals so leben kann wie andere, gesunde Menschen.
Mittlerweile habe ich das akzeptiert und ich habe begriffen, dass mein Leben aufgrund meiner Krankheit, nicht zwangsläufig weniger glücklich verlaufen muss. Im Gegenteil, ich bin gezwungen mich intensiver mit mir selbst zu beschäftigen und viel achtsamer durchs Leben zugehen. Das sehe ich durchaus als Bereicherung an und es macht sogar Spaß mich selbst kennen zulernen.
VG
Oliver |
|
| Nach oben |
|
| Gänger hat zum Thema: Re: Stärke beweisen geschrieben
|
|
 |
Starfish neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 28.02.2009 Beiträge: 118 Alter: 49 Wohnort: Westküste
|
Verfasst am: 23.05.2009, 17:30 Titel: Re: Stärke beweisen |
|
|
| Oliver hat Folgendes geschrieben: |
Ich weiß nicht was das Ausschlaggebende war, aber die Euphorie wechselte plötzlich in Trauer denn mir wurde bewusst, dass ich niemals so leben kann wie andere, gesunde Menschen.
Mittlerweile habe ich das akzeptiert und ich habe begriffen, dass mein Leben aufgrund meiner Krankheit, nicht zwangsläufig weniger glücklich verlaufen muss. Im Gegenteil, ich bin gezwungen mich intensiver mit mir selbst zu beschäftigen und viel achtsamer durchs Leben zugehen. Das sehe ich durchaus als Bereicherung an und es macht sogar Spaß mich selbst kennen zulernen.
VG
Oliver |
Genau! An der Akzeptanz knabbere ich noch, aber beweisen muss ich mir nichts - im Gegenteil, ich hab Angst vor Feiern und Geburtstagen und gehe da bisher nicht hin.
Früher dachte ich, was gibt dort zu trinken, haben die auch Wein?
Heute denke ich genauso, aber eben um zu erwägen, ob ich da problemlos hingehen kann, d.h. ist die Feier alkoholfrei (Kindergeburtstag zum Beispiel).
LG
Starfish |
|
| Nach oben |
|
| Starfish hat zum Thema: Re: Stärke beweisen geschrieben
|
|
 |
bigbee neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.05.2009 Beiträge: 16
|
Verfasst am: 23.05.2009, 19:27 Titel: Re: Stärke beweisen |
|
|
Ich glaube meine größte Stärke entwickelte sich dadurch, dass ich meine "Schwäche" zugab, d.h. dass ich alkoholkrank bin und mit Alkohol nicht umgehen kann. Obwohl, ist Krankheit eine Schwäche?
Na ja, vielleicht doch, dass mein Körper, meine Seele keinen Alkohol "vertragen", aber ansonsten lebe ich sehr viel gesünder und fühle mich auch körperlich total fit.
Ich habe auch nicht mehr das Gefühl, dass ich durch den Verzicht auf Alkohol ein eingeschränktes Leben führe, sondern dadurch, dass ich keinen mehr trinke, habe ich doch eine viel größere Freiheit gefunden und habe somit auch eine entschieden höhere Lebensqualität als zu Trinkzeiten.
lG
bigbee |
|
| Nach oben |
|
| bigbee hat zum Thema: Re: Stärke beweisen geschrieben
|
|
 |
Randy Gast
|
Verfasst am: 20.07.2009, 11:25 Titel: Re: Stärke beweisen |
|
|
Hallo zusammen,
mein Name ist Randy und ich bin ganz neu hier im Forum.
Stärke....
Mein Problem war nie das Nichttrinken in Gesellschaft. Im Gegenteil - dort fällt es mir leicht auf Alkohol zu verzichten. Auch beruflich habe ich regelmäßig mit Feiern zu tun, auf denen Alkohol konsumiert wird.
Kritisch wird es für mich, wenn ich Zuhause alleine bin. Aufgrund dessen, hatte ich mich schon teilweise bei einer Freundin einquartiert - sozusagen als Selbstschutz. Der Situation des Alleinseins, ist aber nicht so einfach aus dem Weg zu gehen und die Frage ist auch, ob das sinnvoll ist? Also muss ich meine "Stärke" immer wieder testen, und Tage Zuhause verbringen. Sonst wäre ich wieder abhänging,und zwar von der Gegenwart eines anderen Menschen.
Lieben Gruß
Randy |
|
| Nach oben |
|
| Randy hat zum Thema: Re: Stärke beweisen geschrieben
|
|
 |
macs neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 13.07.2009 Beiträge: 435 Alter: 46
|
Verfasst am: 20.07.2009, 11:58 Titel: Re: Stärke beweisen |
|
|
Hallo Randy,
ich bin auch neu im Forum. Das Problem, das du beschreibst, kenne ich auch. Nicht das Nichttrinken in Gesellschaft war das Problem....
Nun habe ich mich gerade gestern mit Martin im Chat darüber ausgetauscht, der folgendes sagte: das Problem besteht jedoch darin, daß du in Gesellschaft Alkohol trinkende Menschen siehst, was sodann - durch dein Suchtgedächtnis ausgelöst - den Saufdruck auslöst, wenn du zuhause im stillen Kämmerlein sitzt! Diese Erkenntnis muß man erst mal haben.
Gerade in diesem Thread habe ich sehr viel gelesen, in dem ich mich wiedererkenne... zum Beispiel fehlt es mir auch noch an der Akzeptanz, daß ich tatsächlich eine Krankheit habe... Und den persönlichen Tiefpunkt hatte ich meiner Meinung nach auch noch nicht, nicht das ich da unbedingt hin will :-) Aber vielleicht sind das ja Grundvoraussetzungen, um zu erkennen, daß ein alkoholfreies Umfeld unverzichtbar ist. (und das ist an dieser Stelle auch eine Antwort an Hartmut aus dem Thread "Neustart" http://www.forum-alkoholiker.de/ftopic17842-56.html - sorry irgendwie bekomme ich Linksetzen noch nicht hin.
LG Andrea
ich hab den Link mal "korrigiert", Martin |
|
| Nach oben |
|
| macs hat zum Thema: Re: Stärke beweisen geschrieben
|
|
 |