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Outen sich auch Angehörige?

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Susanne
Gast






BeitragVerfasst am: 11.05.2009, 08:05    Titel: Re: Outen sich auch Angehörige? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Lobanshee,

ich schreibe dir jetzt mal als Expartnerin eines Alkoholikers, Kind von Alkoholikern und Mutter zweier Kinder, die meine alkoholabhängigen Partner erlebt haben.

Wir haben uns anfangs sehr geschämt, verschwiegen, entschuldigt, schöngeredet. Bei Familienfesten war es immer ganz besonders schlimm, denn da haben wir uns (die Kinder und ich) immer *versteckt*. Wir waren oft traurig, daß wir immer zurückstecken mußten, wenn er getrunken hatte.

Aber heute tun wir dies nicht mehr, denn wir haben alle gelernt, daß Alkoholismus eine anerkannte Krankheit ist, für die wir uns nicht schämen muß.

Mein jüngster Sohn hat seine eigene Selbsthilfegruppe, in der er gelernt hat, ganz offen in der Schule dazu zustehen, daß der Partner seiner Mama ein trockener Alkoholiker ist. Mein ältester Sohn sagt Einladungen ab, weil es ihm unangenehm ist, wenn dort Alkohol getrunken wird, und er sagt, daß er genug Alkohol hat fliessen sehen in der Familie. Aber, ohne das es ihm peinlich ist.

Wir handhaben es sehr offen, sowohl in der Familie als auch nach Aussen hin, denn sich zu schämen und es zu verheimlichen, ist ja genau das, was vielen Angehörigen das Leben so schwer macht.

Ich hoffe, Du kannst mit dieser Antwort etwas anfangen.

Grüße

S.Käferchen
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Susanne hat zum Thema: Re: Outen sich auch Angehörige? geschrieben
Weißbär
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 21.04.2009
Beiträge: 297
Alter: 60
Wohnort: Region Hannover

BeitragVerfasst am: 11.05.2009, 10:05    Titel: Re: Outen sich auch Angehörige? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Lobanshee,

Ich selbst bin trockene Alkoholikerin. Meine Familie besteht/bestand eigentlich nur aus meinen Eltern. Mein Onkel samt Familie lebt in Südamerika und es besteht kein Kontakt.

Meine Mutter hat nie akzeptiert, dass ich Alkoholikerin bin, wäre für sie eine persönliche Niederlage und es käme die Frage nach Schuld, ein zentrale Thema bei meinen Eltern.

Bei Geselligkeiten kam dann der Spruch –A... trinkt kein Alkohol muss noch fahren, nimmt Medis
und ähnliches-.

Gruß Weißbär
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Weißbär hat zum Thema: Re: Outen sich auch Angehörige? geschrieben
lobanshee
Gast






BeitragVerfasst am: 11.05.2009, 12:46    Titel: Re: Outen sich auch Angehörige? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo an alle und danke für die vielen verschiedenen Ansichten!

Letztendlich hat es Carolinepfeifer auf den Punkt gebracht.

carolinefeifer hat Folgendes geschrieben:
Meine Tochter ist stolz, dass ich trocken bin, will aber nicht darauf angesprochen werden, eine betroffene zu sein. Sie hat sich belesen, fühlt sich aber nicht als Co und möchte auch nicht mit ihren Freunden und Lehrer darüber sprechen.
Für sie bin ich trocken und das war es. Sie ist jetzt nicht mehr der Peinlichkeit ausgesetzt und Co ist sie nicht und will sie nicht sein.


Meine Gründe dieser Frage erschließen sich mir aber noch nicht wirklich. Es ist so ziemlich das erste Mal, dass ich immer wieder schreibe und immer wieder wegstreiche, weil ich mir selbst nicht sicher bin, was mich da wirklich beschäftigt.
Sicherlich die Frage, was meine Familie selber empfindet, wenn sie sagen müssen/sollten/wollten, dass ihre Schwester/Mutter trockene Alkoholikerin ist. Wie fühlen sie sich damit, denn ich habe natürlich bestimmte Emotionen, wenn ich mich an ihre Stelle versetze. Mir fällt dann immer mehr der Spruch: "Mensch, Lobanshee, musste das sein!" ein, den ich mir persönlich manchmal in den Sinn kommen lasse, um ihn abzuhaken. Klar ist das gesund für mich, aber für meine Familie?

Naja, wie gesagt, es kommt die Zeit, um dieses Thema anzugehen oder auch nicht! Ich denke eindeutig manchmal zu viel, aber so bin ich nunmal.
Eure Antworten auch von den Cos sind alle sehr schlüssig gewesen, bei mir ist nur niemand Co gewesen, keiner. Es müssen/sollten/wollen sich diejenigen outen, die zu den Normalos gehören. Vielleicht ist das der Grund meiner Frage gewesen.

Eure Lobanshee
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lobanshee hat zum Thema: Re: Outen sich auch Angehörige? geschrieben
charly66
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 03.05.2009
Beiträge: 73
Alter: 45
Wohnort: münchen

BeitragVerfasst am: 11.05.2009, 21:04    Titel: Re: Outen sich auch Angehörige? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo lobanshee,
bei uns kommt es gar ned zu einem richtigen outen. mein freund is alk, is des negativ? is des schlecht?
mein sohn hatte letztes jahr in der schule des thema. da wurden die alkoholkranken ziemlich runter gemacht. mein kurzer is ein ganz ruhiger, der selten den mund vor mehreren menschen aufmacht, aber da stellte er sich vor die lehrerin und fragte, ob man sich auch dafür schämen sollte wenn man krebs hat, oder ob man ein schlechterer mensch is wenn man zuckerkrank is. sie soll sich mal überlegen was sie da sagt. sein größtes vorbild is der freund seiner mama und der is alkoholiker.
lieben gruß charly
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charly66 hat zum Thema: Re: Outen sich auch Angehörige? geschrieben
summerdream
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.02.2007
Beiträge: 6712

BeitragVerfasst am: 11.05.2009, 23:12    Titel: Re: Outen sich auch Angehörige? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hi lobanshee

so einfach läßt sich für mich deine frage nicht beantworten - einfach weil es für mich ne entwicklungssache war/ist.

früher hab ich mich geschämt, hab mit meiner oma drüber geredet und das wars scho. ne freundin wußt zwar auch, aber das ich mit ihr sonderlich geredet hätte, nö...

erst als ich mich mit der krankheit alkohol beschäftigt hab, wurden die schamgefühle kleiner - hat aber ne weile gedauert, kannste dir ja denken Winken

ne zeit lang hab ich das thema ansprechen/drüber sprechen regelrecht geübt, inzwischen bin ich da wählerischer... ich geh halt danach mit wem ich drüber reden will und wem nicht.

meine mutter hat etz über ein halbes jahr nix getrunken, sie fühlt sich wohl in ihrer shg, beschäftigt sich mit und wirkt einfach ausgeglichener... find ich klasse!

sie kann frei entscheiden mit wem sie drüber redet und wem nicht, so wie ich halt auch... is für mich ne sache wo sie sich nicht schämen braucht und ich mich auch net...

aber ob ich das auch so sehen würde wenn das ganze schon vor einigen jahren so gekommen wär?
bevor ich mich mit dem thema beschäftigt hätte?
bevor ich trockene alkoholiker kennen gelernt hätte, auch näher und wo ich sehr gern hab?

ganz ehrlich, ich weiß es nicht Verlegen

lg -Dani-
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summerdream hat zum Thema: Re: Outen sich auch Angehörige? geschrieben
Rosita
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 27.03.2009
Beiträge: 391

BeitragVerfasst am: 18.05.2009, 13:48    Titel: Re: Outen sich auch Angehörige? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

am Anfang des Threads wurde auch gefragt, ob EKAs sich outen?
Ich habe mich als Kind sowas von geschämt für meinen Vater, habe Prügel von meiner Mutter bezogen und fing an, mich in mich selbst zu kehren.

Noch heute habe ich Probleme damit, mich öffentlich zu outen, dass ich eigentlich nur von Alkoholikern umgeben bin und so dumm war, den zweiten zu heiraten.
Als ich das Thema mal ansprach, wurde mir gesagt, so blöd wäre ich nie!!!
Die wissen ja nicht, wie das ist. Klar war ich blöd! aber auch unwissend der Sache gegenüber.

Es kann schon mal passieren, dass ich mich als Co zu erkennen gebe, aber nur bei mir vertrauten Personen, denn mein Vertrauen in die Mitmenschen ist gebrochen.
Rosita
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Rosita hat zum Thema: Re: Outen sich auch Angehörige? geschrieben
Melinak
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 10.12.2008
Beiträge: 5012
Alter: 40

BeitragVerfasst am: 18.05.2009, 15:41    Titel: Re: Outen sich auch Angehörige? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo zusammen,

ich habe mich nie versteckt hinter einer schönen fassade. habe immer klar und deutlich gemacht, das meine mutter zu viel trinkt. habe dann später auch klar gemacht, das mein ex mann alkoholiker ist und ich es hätte erkennen können, wenn ich nicht selbst probleme habe, durch meine erfahrungen mit meiner mutter. klar stellt man sich damit ins blitzlichtgewitter. aber die leute um mich herrum sind doch auch nicht blind. die sehen das doch genau so. da lässt sich doch nix verbergen. mir ist es lieber als hinter dem schönen schein eine bruchbude zu haben. so von wegen aussen hui innen pfui.dazu zu stehen war mir immer schon sehr wichtig. auch für meinen inneren seelenfrieden, denn damit hab ich mich nicht selbst belogen!

gruß melanie
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Melinak hat zum Thema: Re: Outen sich auch Angehörige? geschrieben
Skye
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.05.2009
Beiträge: 293
Alter: 42

BeitragVerfasst am: 25.05.2009, 23:19    Titel: Re: Outen sich auch Angehörige? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Zusammen,

das mein leiblicher Vater Alkoholiker war habe ich nie verschwiegen. Ich habe mir da nie Gedanken gemacht ob das nun falsch oder richtig sein könnte das zu erzählen. Ich bin mit diesem Wissen groß geworden, für mich war das normal.

Anders sah das bei meiner Mutter aus, als ihr mißbräuchlicher Konsum nicht mehr zu übersehen war bzw. nicht mehr von mir unbemerkt blieb. Da habe ich höchstens gesagt, sie hat zuviel getrunken und wenn ich wirklich sauer war, habe ich sie besoffen genannt. Das auch nur vor ganz wenigen Leuten, ansonsten habe ich gar nichts gesagt.
Aber Alkoholikerin, das hat gedauert, bis ich das sagen konnte. Dabei ging es nicht um persönliche Scham, die habe ich nie gehabt, bis heute nicht, sondern darum, dass ich sie nicht bloßstellen wollte. Was wohl auch mit ein Grund war, dass ich sie solange nicht offen Alkoholikerin genannt habe, war dass es mir so leichter fiel, die Augen vor der schmerzhaften und beängstigenden Wahrheit zu verschließen, dass sie es ist.

Noch bevor ich wirklich angefangen habe etwas für mich zu tun, habe angefangen, das Kind beim Namen zu nennen. Warum denn auch nicht, sie war krank, das ist doch nichts schlimmes. Anfangs fühlte sich das noch sperrig an und ich habe mein Gegenüber genau beobachtet, ob es Anzeichen dafür gab, ob es meine Mutter dafür verachtet. Wenn, dann konnte derjenige sich warm anziehen. Das kann übrigens heute noch jeder, weil ich einfach nicht richtig finde, dass jemand meine Mutter, aufgrund ihrer Krankheit beurteilt. Es gibt nur noch wenige Menschen die sie wirklich gekannt haben und die beurteilen sie nicht und richten nicht über sie. Anderen, die sie nicht gekannt haben, steht das nicht zu.

Ich rede darüber, wenn das Gespräch es ergibt, wenn ich lügen oder beschönigen müsste um es nicht auszusprechen. So wie ich auch über jede andere Krankheit rede, ich trete es nicht breit, aber ich verschweige es nicht mehr. Manchen Menschen muss man ja nicht alles erzählen, egal um was es geht. Wenn ich Schweißfüße hätte, würde ich das ja auch nicht jedem erzählen, nur weil das etwas normales ist, dessen man sich nicht schämen muss. Es gibt ja auch noch was, das nennt sich Privatsphäre.

Gruß
Skye
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Skye hat zum Thema: Re: Outen sich auch Angehörige? geschrieben

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