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Mein Vater, meine Mutter, mein Mann - und ICH

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Jaqui82
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 01.05.2009
Beiträge: 11
Alter: 29

BeitragVerfasst am: 02.05.2009, 08:18    Titel: Mein Vater, meine Mutter, mein Mann - und ICH Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen

Schön, dass ich dieses Forum gefunden habe. Mein Name ist Jaqui, ich bin 26 Jahre alt und komme aus dem Saarland. Seit 3 Jahren bin ich verheiratet und noch kinderlos. Nun, warum habe ich mich hier angemeldet?

Ich bin Angehörige und Coabhängig von mehreren Familienmitgliedern die Alkoholiker sind bzw. ein Alkoholproblem haben. Leider weiß ich überhaupt nicht wie ich damit umgehen soll und meines Erachtens wird es immer schlimmer. Ich möchte bei meinen Eltern anfangen:
Mein Vater trinkt laut Aussage meiner Mutter seit er 25 ist. Mittlerweile ist er fast 65 Jahre alt. Meine Eltern waren 20 Jahre verheiratet, als ich 11 war, hat sich meine Mutter von meinem Vater getrennt. Als ich noch ganz klein war, habe ich es nicht so bemerkt, dass mein Vater trinkt. Mit ca. 7 Jahren und mehr sind meine Mutter und ich an seine Autowerkstatt gefahren. Jeden und jeden Freitag Abend mussten wir ihn aus der gegenüberliegenden Kneipe abholen. Meine Mutter hatte keine Kraft mehr, dass ich ihn abholte und sie draußen im Wagen geblieben ist. Manchmal dauerte es sogar Stunden, bis er endlich mit mir kam. Er war total besoffen, war voller Lippenstift von anderen Frauen uvm.
Als sich meine Eltern getrennt haben ist die Situation eskaliert, so dass meine Mutter uns beide versteckt hat in einem Fraunehaus. Meine Mutter hatte zu dem Zeitpunkt einen neuen Freund, der ihr halt gab.
Mein Vater hatte solche extremen Komasaufanfälle, dass er es schaffte an einem Wochenende 80 Dosen Bier zu trinken. Sie berichtet mir häufig, dass er sie gerade in jungen Jahren geschlagen hat, vor meinen Augen hat er es nie getan. Ich komme bis heute nicht damit klar, dass sich die beiden getrennt haben, kann es aber verstehen, da niemand so leben kann.
Nun zu meiner Mutter:
Sie trank in der Zeit mit meinem Vater nie etwas. An Geburtstagen oder Festchen mal ein Wein oder ein Bier, allerdings habe ich sie noch nie besoffen gesehen. Ihr neuer Freund hat meiner Mutter aufblühen lassen, Sie lachte wieder, ging fort, genoss einfach das Leben. Mittlerweile sind die beiden seit 15 Jahren zusammen und seit 10 Jahren verheiratet. Ihr neuer Mann kaufte anfangs jedes Wochenende tolle Weine aus Italien und Spanien ein. Sie haben sich angewöhnt abends Wein zu trinken mit Trauben und Käse. Dann kam mein Stiefvater in Geldsorgen und nahm einen Kredit auf. Die beiden gingen nicht mehr weg und nach den Jahren ist der Alltag eingetreten. Meine Mutter trinkt seit Jahren 2-3- Bier und 2-3 klaren Schnaps, jeden Tag.... Sie besäuft sich nicht so wie mein Vater, aber gibt zu jeden Tag Alkohol zu brauchen. Sie versteckt auch nichts vor uns allen. (Die Exfrau meines Stiefvaters wurde von ihm wegen Alkoholproblemen verlassen, sie trank zum Schluss sogar Parfum).
Mein Vater wurde vor genau 1,5 Jahren in eine Klinik eingeliefert, da er sich fast todgesoffen hätte. Allein wenn ich daran denke stehen mir die Tränen in den Augen. Seine neue Frau die ebenfalls seit 10 Jahren mit ihm verheiratet ist, trinkt meiner Meinung nach auch. Er wohnt in Frankreich, ca 80 Minuten von mir weg. Ich besuche ihn einmal im Monat, wenn es meine Schichtarbeit zulässt. Wir haben ihn damals zwangseingewiesen da er 2 Monate lang jeden und jeden Tag so viel getrunken hat, dass er nicht mehr gehen konnte. Er hat in die Hose gemacht und war voller Blut am ganzen Körper, da er nur in seinem Haus rumgestürzt ist. Seine Frau hat ihn dann mit meinem Onkel in eine ehemalige Suchtklinik gefahren ins Saarland. Ich habe in Frankreich mehrmals den Arzt angerufen und einen Krankenwagen bestellt, warum haben die ihn nicht mitgenommen? Er deutschsprechende Arzt sagte mir, dass man ihn nicht gegen seinen Willen mitnehmen kann. Mein Vater wehrte sich mit aller Kraft die er noch hatte. ((( Ich hatte todesangst, dass er stirbt. Aus der Klinik hat ihn meine "Stiefmutter" nach 4 TAGEN! auf eigenen Willen entlassen. Ich war soooo sauer auf sie. Wenn es nach mir gegagen wäre, hätte ich ihn dort über Wochen drin gelassen. Er versprach immer und immer wieder Dinge die er nie hielt. "Ich trinke nicht mehr, bitte bitte hol mich hier raus, die geben mir hier Medikamente" (Ich sollte erwähnen, dass er zusätzlich eine Lungenentzündung hatte und Fieber. Er raucht ca 3-4 Pä. Zigaretten am Tag)

Nun zu meinem Mann:
Er ist 30 Jahre alt und wir sind vor 5 Jahren zusammen gekommen. Mein Mann trank anfangs keinen Alkohol, kiffte allerdings und nahm Extasy uvm zu sich. Als ich es nach 2 Wochen bemerkte, setzte ich ihn vor die Wahl: Entweder ich oder das Zeug. Mein Mann machte mit mir zu Hause einen Entzug durch und kommt bis heute super damit klar nichts mehr anzurühren. Ich bin in dieser Hinsicht echt stolz auf ihn. Seit 2,5 Jahren allerdings hat er sich angewöhnt am Wochenende wenn er frei hatte ein Feierabendbier zu trinken.... Aus einem wurden zwei, aus zwei drei.... Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt wo täglich jeden Abend 1-2 Bier und 2-4 Whiskey zu sich genommen wird. In einer Woche ist eine Flasche Whiskey leer (wenn sie so lange überhaupt hält). Ich spreche oft mit ihm darüber und sage ihm, dass mich das stört. Ich bekomme zur Antwort: "Schatz, ich trinke nicht viel, ich bin nicht wie dein Vater oder deine Mutter!!!"

Nun nochmal zurück zu mir:
All das macht mich völlig verrückt. Ich befinde mich seit über einem Jahr in Psychotherapie da ich an Depressionen und Angstzuständen leide. Ich traue mich ab und an nicht mehr aus dem Haus, aus Angst umzufallen und einfach tod zu sein. Ich kann mit niemandem darüber reden, da es keinen gibt in meiner Familie der nicht trinkt - außer ich. Ich trinke seit 2 Jahren gar kein Alkohol mehr. Denn immer dann wenn ich an einem Familienfest ein Schluck Wein oder Champagner getrunken habe, bekam ich sofort Angstzustände. Meine Psychologin sagt mir dann immer "Jaqui, das hängt mit dem Alkohol und deiner Vorgeschichte zusammen. Du verbindest den Alkohol mit all den Erlebnissen."
Es geht sogar soweit, dass ich nachts 3 verschiedene Telefone neben meinem Bett liegen habe, dass ich auch ja im Notfall erreichbar bin. Ich habe einen Kontrollzwang meine Eltern ständig anzurufen und zu fragen wie es ihnen geht aus Angst sie zu verlieren. Durch die Scheidung leide ich an ganz argen Verlustängsten....


Ich hoffe ihr könnt mir ein paar Tipps geben was ich nun tun/machen soll? Ich habe keine Lust alle zu bevormunden Traurig
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Jaqui82 hat zum Thema: Mein Vater, meine Mutter, mein Mann - und ICH geschrieben
caro1969
sehr aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 01.09.2007
Beiträge: 5934

BeitragVerfasst am: 02.05.2009, 10:34    Titel: Re: Mein Vater, meine Mutter, mein Mann - und ICH Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

guten morgen jaqui!

herzlich willkommen hier bei uns kindern!

alkoholismus ist eine familienkrankheit und ALLE sind davon betroffen,leider..jeder auf seine art und weise....

ich kann verstehen das du keinen bock hast "alle zu bevormunden"..weisst du was das schöne daran ist?

DA brauchst das auch garnicht!!!!!!wir kinder meinen immer das wir MÜSSTEN....

diese last kann keiner tragen

komm hier in aller ruhe an,schreibe wann immer dir danach ist und tausch dich mit uns aus...wir wissen wie es dir geht,denn auch wir leben "dein"leben....

dieser thread ist NUR FÜR DICH!

wir begleiten dich sehr gern...

liebe grüsse caro Winken
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caro1969 hat zum Thema: Re: Mein Vater, meine Mutter, mein Mann - und ICH geschrieben
Enidan
neuer Teilnehmer


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Beiträge: 27
Alter: 33

BeitragVerfasst am: 02.05.2009, 11:33    Titel: Re: Mein Vater, meine Mutter, mein Mann - und ICH Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Jaqui,

du hast keine Lust alle zu bevormunden? Gute Einstellung! Denn das kannst du nicht bzw wird es nichts bringen, außer das es dich Energe kostet.

Dein Vater lebt mit seiner neuen Frau zusammen und di beiden scheinen sich eine Beziehung aufgebaut zu haben, in der sie beide funktionieren. So weh es tut, du kannst NICHTS machen.

Bei deiner Mutter ist es genauso. Sie weiß, sie kann nicht ohne Alk und sie kennt die Gefahr ja auch selbst, hat sie doch lang mit deinem Vater gelebt.
Und nur die beiden können entscheiden, was sie mit ihrem Leben anstellen. Sie sind erwachsen.

Ich weiß, sicher genau wie alle anderen hier, das es wehtut mitansehen zu müssen, wie sich die eigenen Eltern kaputt machen. Nur wirst du es nicht ändern können.
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Enidan hat zum Thema: Re: Mein Vater, meine Mutter, mein Mann - und ICH geschrieben
Sleepless72
neuer Teilnehmer


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Beiträge: 87
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BeitragVerfasst am: 04.05.2009, 07:48    Titel: Re: Mein Vater, meine Mutter, mein Mann - und ICH Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Süsse,

schön, dass du meinem Rat gefolgt bist. Ich bin immer für dich da Mausi. Du kannst mich jederzeit anrufen oder auch vorbei kommen, wenn du jemandem zum reden brauchst. Scheu dich nicht, mein Angebot anzunehmen. Ich verstehe dich und werde dich nie verspotten. Smilie

Knuddel
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Sleepless72 hat zum Thema: Re: Mein Vater, meine Mutter, mein Mann - und ICH geschrieben
Jaqui82
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 01.05.2009
Beiträge: 11
Alter: 29

BeitragVerfasst am: 05.05.2009, 10:28    Titel: Besuch am Samstag Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich danke euch für die Rückmeldungen. Das lesen und schreiben im Vorum hilft mir sehr.

Bisher gibt es nichts neues... zum Glück

Ich habe mich in den letzten Tagen gesträubt meinen Vater anzurufen da es mir sonst schlecht geht. Was ist aber, wenn er am Samstag - da gehe ich ihn besuchen - betrunken ist ?
Würdet ihr was sagen? Heim fahren? Gelassenheit bewahren?
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Jaqui82 hat zum Thema: Besuch am Samstag geschrieben
Enidan
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
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Beiträge: 27
Alter: 33

BeitragVerfasst am: 05.05.2009, 11:21    Titel: Re: Mein Vater, meine Mutter, mein Mann - und ICH Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Jaqui,

wenn meine Ma betrunken war, wenn ich kam, bin ich so lange geblieben, wie ich es ausgehalten habe.
Das war total tagesformabhängig und hat lange gebraucht, bis ich es raus hatte, wieviel ich mir selbst zumuten konnte.
Irgendwann konnte ich ihr sogar sagen, das ich jetzt gehe, weil sie betrunken ist.

Ich wünsche dir für den Samstag alles Gute.
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Enidan hat zum Thema: Re: Mein Vater, meine Mutter, mein Mann - und ICH geschrieben
Jaqui82
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 01.05.2009
Beiträge: 11
Alter: 29

BeitragVerfasst am: 06.05.2009, 08:41    Titel: Re: Mein Vater, meine Mutter, mein Mann - und ICH Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Meine Psychologin sagt mir, ich soll zu ihm sagen "ich fahre jetzt heim weil du betrunken bist und ich damit nicht klar komme. meld dich nochmal wenn du nüchtern bist"... aber das kann ich nicht.
ich habe dann angst er säuft noch mehr... schließlich hat er ja dann einen grund Traurig
es ist alles nicht so einfach. mir graut es jetzt schon vorm samstag, aber ich freue mich so ihn zu sehen.
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Jaqui82 hat zum Thema: Re: Mein Vater, meine Mutter, mein Mann - und ICH geschrieben
summerdream
Moderatorin
Moderatorin


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Anmeldungsdatum: 05.02.2007
Beiträge: 6712

BeitragVerfasst am: 06.05.2009, 19:01    Titel: Re: Mein Vater, meine Mutter, mein Mann - und ICH Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hi jaqui

herzlich willkommen erstmal!

mh... gründe fürs trinken? da gibts soooo viele - der geklaute parkplatz beim einkaufen, der nachbar der nicht grüßt und gern gesehn natürlich die bösen verwandten Geschockt
weil wir da sind, weil wir nicht da sind, weil wir was gesagt ham, weil wir nix gesagt ham - egal wie, es is immer des "falsche"

so individuell jeder is, in manchen (sogar in bißchen mehr als manchen) sind sie alle gleich - gründe fürs trinken finden is da auch ne sache wo da drunter fällt.

meine mutter hatte auch heute diesen, morgen jenen grund. mal absolut unerfüllbar, mal schon und es wurde auch noch gemacht - dann kam er der nexte grund zum tragen.

ich bin auch irgendwann mal bei meiner mutter gegangen wenn sie dann betrunken war - hat mir einfach zu weh getan und ich wollt's mir nicht mehr ansehn. war anfangs nicht leicht, bin aber froh drum, denn dann gings leichter und mir damit stück für stück besser.

vielleicht magste einfach mal abwarten - noch is gar nicht samstag und du weißt nicht was sein wird. wenns dann soweit is kannst du immer noch entscheiden...

mir hat viel geholfen hier zu lesen, bei uns kindern aber auch bei den alkoholikern - auch da konnt ich einiges lernen. auch das ich nicht schuld bin und kein grund zum trinken!

lg -dani-
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summerdream hat zum Thema: Re: Mein Vater, meine Mutter, mein Mann - und ICH geschrieben

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