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Der steinerne Weg zum eigenen Leben

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Sonnenstrahl
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 14.04.2009
Beiträge: 256
Alter: 41

BeitragVerfasst am: 18.04.2009, 09:47    Titel: Der steinerne Weg zum eigenen Leben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe EKAs,

tief in mir drinnen weiß ich, dass ich endlich auf dem richtigen Weg bin, aber ich habe Angst, fühle mich wie eine Marionette, die endlich vom Fadenkreuz abgeschnitten ist und nun einen eigenen Weg auf ihren hölzernen Beinen finden muss.

12 Jahre wohne ich nun schon nicht mehr zuhause, habe ja schon ein eigenes Leben, aber mir ist klar geworden, dass ich nie ein eigenes Leben hatte, weil ich immer noch stark mit meiner Co-Alkoholikerfamilie verbunden bin/war und abhängig war von ihr.

Einen kleinen Rückblick, dass ihr verstehen könnte, was ich meine. Es ist ein bisschen viel zu lesen, entschuldigt bitte, aber vielleicht notwendig, um meine Situation zu verstehen.

Ich bin in einer kleineren Beamtenstadt aufgewachsen. Meine Eltern übernahmen einen Handwerksbetrieb von meinen Großeltern väterlicherseits - gezwungenermaßen. Meine Grosseltern hassten meine Eltern und meinen Bruder und mich und, obwohl sie im gleichen Haus wohnten, hatten wir keinen Kontakt, im Gegenteil. Mein Vater bezeichnete seine Eltern als Teufel und Hexe, was uns Kindern zusätzlich Angst machte. Sie schlugen meinen Vater als Kind und gaben keine Liebe.

Mein Vater konnte sich trotzdem nicht lösen, es war so eine Art Hassliebe zu seinen Eltern. Als er und meine Mutter das Geschäft übernahmen, fing er an zu trinken. Die nächsten Jahre wurden immer schlimmer. Meine Mutter rackerte sich für das hochverschuldete Geschäft ab, versorgte uns Kinder, gab uns Liebe, aber das Geschäft war im Vordergrund.

Mein Vater schwankte zwischen Wutausbrüchen -wir schlossen uns dann in unseren Zimmern ein - und weinerlichen Liebesbezeugungen. Wir Kinder reagierten mit Krankheiten - Bronchitis, Pseudokrupp usw. und Angstzuständen.

Wegen der Kleinstadt, war der Alkoholismus unseres Vaters bekannt, mein Bruder und ich wurden oft gehänselt und verhöhnt. Mobbing in Schule und Ausbildung war keine Ausnahme. Ich hatte so gut wie keine Freunde und verlagerte mich aufs Lernen für die Lehrer, die mir die Anerkennung und Lob brachten, das ich so sehr vermisste.

Mit 21 brach ich nach unerträglichem Mobbing auf meiner Arbeitsstelle zusammen und war 6 Wochen mit schlimmsten Panikattacken im Krankenhaus. Erst dann verließ meine Mutter die elterliche Wohnung und zog mit uns aus. Ich kämpfte mich durch, machte das Abitur nach und fing an zu studieren. Allerdings schaffte ich es nicht, wegzugehen. Ich pendelte zum Studienort.

Nach dem Abschluss hatte ich die Möglichkeit, noch ein Aufbaustudium im Ausland zu machen und war erstmal weg. Statt die Konflikte, die in mir brodelten aufzulösen, arbeitete ich dort Tag und Nacht für das Studium. Jede Note, die schlechter als eine 1 war, war für mich Grund zur Panik und schlimm. Ich kam mehr als einmal an meine Grenzen. Aber auch das Studium schaffte ich bestens und bekam auch gleich in einer grossen Stadt einen Arbeitsplatz.

Meine Kollegen waren nun meine Familie, ich fühlte mich soweit wohl und versuchte, durch Leistung die Anerkennung und Lob weiter zu bekommen. Das ging solange gut, bis ich durch Umstrukturierunen aus der Abteilung gerissen wurde. Ich wurde krank, hatte Bauchschmerzen ohne Ende und Allergien und auch Panikattacken. In die Zeit fiel auch meine erste Beziehung (mit 30), die mich an einen Mann mit einer sehr schwierigen Persönlichkeit geraten liess, der mich nur runtermachte und ich fühlte mich nicht im Stande, was dagegen zu tun. Nach der Trennung von ihm und einer Reha ging es mir blendend und ich welchselte den Arbeitsplatz, um mehr mit Menschen zu machen.

Eine zweite Beziehung war wieder mit einem Mann, der sich selbst hasste, mit dem keine S**ät möglich war und der mich kritisierte ohne Ende. ich brach fast wieder zusammen, aber hatte Angst, mich zu treffen, um nicht alleine zu sein. Gleichzeitig hatte ich am Arbeitsplatz wieder Probleme. Mein Vorgesetzter ist oft aufbrausend und ich kann damit nicht gut umgehen; kann mich nicht wehren. Ich wurde wieder krank - Burnout, Erschöpfung, an der ich immer noch leide.

in all der Zeit machten mir meine Mutter und mein Bruder ebenfalls Sorgen. Meine Mutter, mittlerweile längst im Rentenalter, schuftet nach wie vor für nichts im Geschäft, um meinen mittlerweile sehr kranken Alkoholikervater zu ernähren. Mein Bruder, unfähig sich zu lösen, wohnt noch bei meiner Mutter, ist unselbständig und hat sich mit einem eigenen Geschäft genau in dem Haus selbständig gemacht, in dem mein Vater immer noch wohnt und ihn jeden Tag beschimpft.

Nun hat mein Bruder finanzielle Probleme und - nach jahrelangem Desinteresse an mir, seiner Schwester, bat er mich, ihm Geld zu geben. Da find das aktuelle Dilemma an. Ich weigere mich, das Co-Alkoholikertum meiner Familie weiter zu unterstützen, und sagte das auch. Tja, nun ist mein Bruder sauer und hasst mich wahrscheinlich. Ein Gespräch mit meiner Mutter ergab, dass ich für sie die einzige Person auf der Welt sei, mit der sie reden könne und sie weinte mir was vor.

Nun fühle ich mich schlecht und erdrückt. Mein Körper ist am Streiken und mein Lebensmut auf dem Nullpunkt. Ich habe ein schlechtes Gewissen, möchte aber mehr Abstand zu meiner Familie. Ich bin auch wütend auf sie, auf meine Mutter, meinen Bruder und meinen Vater.

Vor lauter jahrzehntelangem Anpassen kenne ich mich nicht wirklich, fühle mich verloren, weiß nicht, was ich nun machen soll. Ich bin krank, habe Angst, vielleicht Krebs zu haben oder zu bekommen bei all dem Stress und habe keinen Partner. Ich möchte noch eine Familie gründen, aber wird das überhaupt möglich sein? Ich habe nicht gelernt, wirklich für mich zu sorgen, mich gut mit mir zu fühlen. Ich ertappe mich dabei, mir zu "wünschen", dass ich im Krankenhaus oder sonstwo endlich wieder verpflegt, umsorgt werde, und alle Verantwortung abgeben kann. Gleichzeitig wünsche ich mir nichts mehr, als endlich zu leben.

Ich weiß, der Text ist sehr lange, aber es tat gut, sich mal alles von der Seele zu schreiben. Ich bin froh, das Forum gefunden zu haben und Menschen, die verstehen, was in mir vorgeht.

Ich danke euch!!!

LG,

Sonnenstrahl
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Sonnenstrahl hat zum Thema: Der steinerne Weg zum eigenen Leben geschrieben
caro1969
sehr aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 01.09.2007
Beiträge: 5934

BeitragVerfasst am: 18.04.2009, 10:23    Titel: Re: Der steinerne Weg zum eigenen Leben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo sonnenstrahl!

herzlich willkommen hier bei uns kindern!

schön das DU hier bist...hier wirst DU auf sehr viel verständnis stossen,denn wir alle kennen das leben MIT DER FAMILIENKRANKHEIT ALKOHOLISMUS!

das gefühl NICHT allein zu sein in der eigenen not,gibt trost...

lies dich in aller ruhe hier ein und schreib bis das die tasten glühen,wann IMMER DIR DANACH IST...

wir sind immer für dich da...

ich wünsch DIR einen regen und hilfreichen erfahrungsaustausch..

liebe grüsse caro Winken
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caro1969 hat zum Thema: Re: Der steinerne Weg zum eigenen Leben geschrieben
Weitsicht
Gast






BeitragVerfasst am: 18.04.2009, 10:24    Titel: Re: Der steinerne Weg zum eigenen Leben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Sonnenstrahl,

herzlich willkommen bei uns EKA`s.

hast Dir einen tollen Nick (wärmenden) ausgesucht.

Auch ich hatte eine Angstneurose, als Erwachsene, in einer suchtkranken Familie, sowie durch den religiösen Einfluss meines Pfarrers in der Schule und Kirche, entwickelt.

Ich durfte durch Aufarbeitung und HInsehen wollen auf meine Erlebnisse in der Kindheit, meine Ängste wieder in normale Bahnen lenken. Angst ist ja ein, uns vor Gefahren, schützen wollendes Gefühl.

Schreibe und lese hier weiter.

Hast Du schon Bücher über unsere Kindheit mit Alkoholikern gelesen?

Welche Folgeschäden, für Kinder, daraus entstehen?

Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier.

Alles Liebe Weitsicht
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Weitsicht hat zum Thema: Re: Der steinerne Weg zum eigenen Leben geschrieben
Sonnenstrahl
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 14.04.2009
Beiträge: 256
Alter: 41

BeitragVerfasst am: 18.04.2009, 10:30    Titel: Bücher zum Thema Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Weitsicht und Caro1969,

vielen Dank für die liebe Begrüßung. Es fühlt sich gut an, verstanden zu werden!!

Ich habe mir die Bücher von Janet Woititz bestellt und schonmal grob überflogen. Ja, da sind viele Punkte enthalten, in denen ich mich wiederfinde, bei anderen Themen fühle ich mich nicht angesprochen. Aber das ist normal, denke ich. Die Bücher sollen ja die Erfahrungen von möglichst vielen Menschen abdecken.

Leider habe ich jahrelang den Fakt des Co-Alkoholikertums verdrängt und mich einfach nur als psychisch labil oder überempfindlich angesehen. Mir ist aber klar geworden, dass das alles zum System gehört - diese kranke Beziehung zur Herkunftsfamilie und auch psychosomatische Erkrankungen.

Na, es kann ja nur besser werden!! Winken

LG,

Sonnenstrahl
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Sonnenstrahl hat zum Thema: Bücher zum Thema geschrieben
caro1969
sehr aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 01.09.2007
Beiträge: 5934

BeitragVerfasst am: 18.04.2009, 10:34    Titel: Re: Der steinerne Weg zum eigenen Leben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Sehr glücklich sehr gute einstellung! Auf den Arm nehmen

ja es kann nur besser werden...

fokus nurnoch auf DICH!!!!

ich wünsche DIR den mut zur veränderung

liebe grüsse caro Winken
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caro1969 hat zum Thema: Re: Der steinerne Weg zum eigenen Leben geschrieben
Sonnenstrahl
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 14.04.2009
Beiträge: 256
Alter: 41

BeitragVerfasst am: 19.04.2009, 19:28    Titel: Mit dem Körper versöhnen - wie geht das? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

das war heute ziemlich seltsam. Eien Freundin von mir hat mich zu ihrer Geburtstagsnachfeier eingeladen. Ich war das einzige Nicht-Familienmitglied. Vor der Feier hatte ich heute morgen ziemliche Probleme. Mein Körper streikte mal wieder mit Kopfschmerzen, Schwindel usw. Ich bin dann trotzdem gefahren und es war schön. Ich fand gleich Kontakt zu der Mutter meiner Freundin und hatte ein tolles Gespräch. Sie hat auch noch Ähnlichkeit mit meiner Mutter. Es war wie als wäre ich ein Bestandteil dieser Familie.

Als wir dann nach einem Spaziergang im Wohnzimmer sassen, fingen plötzlich die Beschwerden wieder an und ich verabschiedete mich und fuhr nach Hause. Manchmal merke ich nicht, wenn es wieder "kippt", weil es so schnell passiert. Ich denke einen Gedanken und dann plötzlich reagiert mein Körper, manchmal in schnellem Wechsel - Atembeschwerden, Kopfweh, Bauchweh, Schwäche usw.

Wie soll ich denn den Zusammenhang erkennen. Bis jetzt machen mir diese Symptome einfach Angst und sind schwer zu ertragen.

Gerade geht es mir auch wieder nicht gut, weil ich ein Telefonat führen muss, das einen ernsteren Hintergrund hat und ich Angst vor der Antwort des anderen haben. Ich möchte so gerne mal rationaler reagieren, aber das geht irgendwie gar nicht. Es war immer so, seit meiner Kindheit, dass ich auf emotionale Belastungen mit körperlichen Beschwerden reagiert habe.

Was habt ihr für Erfahrungen mit eurem Körper gemacht? Wie kann man sich mit seinem Körper versöhnen? Ich weiss ja, dass er es gut meint, aber muss es denn immer so krass sein mit den Reaktionen?

LG,

Sonnenstrahl
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Sonnenstrahl hat zum Thema: Mit dem Körper versöhnen - wie geht das? geschrieben
summerdream
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.02.2007
Beiträge: 6642
Alter: 28

BeitragVerfasst am: 23.04.2009, 19:28    Titel: Re: Der steinerne Weg zum eigenen Leben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo sonnenstrahl

ich las eben das von dir bei linde Winken
Zitat:
Es wäre so schön, einen Hund zu haben, wenn ich nicht den ganzen Tag berufstätig wäre. Aber vielleicht kann ich ja mal einen Hund für jemanden ausführen

kannst du bestimmt wenn du magst, hier gibts z.b. die möglichkeit hunde vom tierheim auszuführen. is zwar an bestimmte regeln gebunden (hier z.b. das du nicht mit dem tier die straße überqueren darfst ect.), aber ich glaub damit kann man leben. und du tust dem tier was gutes und dir selbst auch Smilie

Zitat:
Ich habe noch nicht gelernt, wirklich für mich zu sorgen, mich gut mit mir zu fühlen.

ich hab in dein satz ein kleines wort ergänzt, mir persönlich gefällt der satz so besser Cool genehmigt?

was nicht is kann noch werden, schritt für schritt eins nach dem anderen und geduld is dabei auch ein wichtiger wegbegleiter.

wie gehts dir heute?

lg -Dani-
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summerdream hat zum Thema: Re: Der steinerne Weg zum eigenen Leben geschrieben
Karotte
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 18.12.2007
Beiträge: 2817
Alter: 36

BeitragVerfasst am: 23.04.2009, 22:17    Titel: Re: Der steinerne Weg zum eigenen Leben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Sonnenstrahl, hallo ich bin Karotte (CO). Ich habe auch durch starke körperliche Reaktionen angefangen mich anders mit Sachen zu beschäftigen und bin z.B. auf mein Co sein gestoßen.

Wenn Du Schmerzen hast oder sich etwas ungut bemerkbar macht kann es sehr hilfen sich diesem Bereich liebevoll zuzuwenden und es anzulächeln. Und vielleicht mal so ganz leise nach Innen fragen: Was möchtest Du mir sagen? Manchmal erschließt sich da schon manches.
Dann habe ich noch einen Buchtip für Dich, ich hoffe es klappt mit dem Link:
Ein ganz ganz tolles wahres Buch. Wenn Du weißt um was es geht kannst Du Dir auch positive Sätze basteln die Du dann vor Dich hersagen kannst (hilft ganz erstaunlich, hatte damit schon recht extreme Erfahrungen gemacht - gute).
Heile-die-Wunden-Deiner-Seele
Buchtipp, Ps. die Autorinn hat noch einige andere gute Bücher geschrieben, auch der Autor Dahlke ist interessant.

LG Karotte
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Karotte hat zum Thema: Re: Der steinerne Weg zum eigenen Leben geschrieben

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