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Was verkraftet meine Seele und mein Körper?

 
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Autor Nachricht
Karsten
Administrator
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Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.11.2004
Beiträge: 32801
Alter: 49
Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 13.04.2009, 08:44    Titel: Was verkraftet meine Seele und mein Körper? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

Bei der Suchterkrankung wird oft vom persönlichen Tiefpunkt gesprochen, wenn es um die Alkoholsucht geht. Bei der Coabhängigkeit stellt sich auch sehr oft die Frage, wo liegen meine Grenzen und was verkraftet mein Körper und meine Seele.
Wir alle haben nur ein Leben und darum geht es. Wir sollten unser Leben so gestalten, dass wir damit zufrieden sind.
Nun gibt es viele äußere Einflüsse die zur Lebensgestaltung dazugehören.
Einige Dinge können wir ändern, aber wenn diese Einflüsse von anderen Menschen kommen, wie eben ein trinkender Partner, haben wir selten Einfluss darauf.
Daher stellt sich immer wieder die Frage, wo wegen meine eigenen Grenzen und wie schaffe ich es, diese Grenzen anderen Menschen begreiflich zu machen?
Wir sind nicht ewig belastbar.

Gruß
Karsten
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Karsten hat zum Thema: Was verkraftet meine Seele und mein Körper? geschrieben
Susanne
Gast






BeitragVerfasst am: 13.04.2009, 09:38    Titel: Re: Was verkraftet meine Seele und mein Körper? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Karsten,

die eigenen Grenzen zu erkennen, war für mich als Co-Abhängige genau das, was bei mir nicht funktionierte. Mit den Augen rollen

Wenn ich mir die Verhaltens- und körperlichen Symptome der Grundbausteine ansehe, dann war es bei mir wirklich der persönliche Tiefpunkt in Form von massiven körperlichen Symptomen, die mir deutlich machten, daß ich etwas verändern mußte!

Ich konnte zu diesem Zeitpunkt nicht wahrnehmen, was ich mir und meiner Seele bis dahin antat, denn dies ist ja das Verzwickte an der Co-Abhängigkeit, daß die Wahrnehmung a) verzerrt und b) auf den Anderen fokusiert ist.
Gedanken/Gefühle, immer die Starke sein zu müssen für den kranken Partner, für die Kinder, die ja auch meist in dieser Umgebung mitleiden, übernahm ich als ebenfalls Süchtige, die *volle* Verantwortung, nahm mich zurück.
In diesem Zusammenhang bildete sich auch ein starker Perfektionismus, alles aushalten zu können, alles allein bewältigen zu müssen, keine Schwächen zu zeigen, um dem kranken Teil der Suchtspirale den Halt liefern zu können.

Ich habe bis zum Tiefpunkt es nicht geschafft, meine Grenzen aufzuzeigen, denn in all der Zeit verlor ich den Selbstwert, daß ich überhaupt Grenzen setzen darf.

Heute, nach einem tiefen Sturz, mit katastrophalen Folgen für meine Gesundheit, Erwerbsunfähigkeit, mangelnder seelischer Belastbarkeit habe ich gelernt, meine Grenzen erkennen zu können, diese auch zu setzen. Aber mit irreparablen Schäden.

Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, daß es sehr hilfreich ist, als Angehörige, als Co-Abhängige frühzeitig sich mit dem Thema zubeschäftigen, sich Hilfe zu suchen bei einer Beratungsstelle, Selbsthilegruppe (in meinem Fall dieses Forum!) und zu lernen, seine Grenzen erst einmal wahrzunehmen, diese dann auch zu setzen. Dies bedeutet aber auch, sich dessen bewußt zu sein, daß ich dann einen schmerzvollen Weg gehe.
Dieser Weg beginnt bei mir, ich muß die Bereitschaft mitbringen, mich ganz ehrlich zu reflektieren, mir meiner Schwachpunkte bewußt sein, bereit sein, diese nicht zu verharmlosen, sie nicht auf den kranken Partner verschieben wollen, Eigenverantwortung übernehmen zu wollen!

Wenn ich für mich die Verantwortung übernehmen gelernt habe, kann ich auch anderen die Grenzen setzen, denn dies bedeutet ja auch, zu sich selbst stehen zu können, Konflikte auszuhalten, zur eigenen Grenze eine große Portion Selbstbewußtsein dazu zupacken. Das ist ein langer Prozess, der sich nicht dadurch einstellt, daß ich den Partner verlasse, ein Ultimatum stelle oder einfach sage:*So, nun war ich ein paar Male bei Therapeuten oder bin ein paar Wochen hier im Forum*. Dies ist ein langer, ich behaupte sogar, ein Lebensprozess, zu erlernen, sich selbst immer mehr in den Mittelpunkt zu stellen.

Für mich ist jeden Tag eine Herausforderung, immer wieder harte Arbeit an mir, mir meiner Grenzen bewusst zu sein, mich zu fragen, was ist normal, wo kann ich die Grenzen auch mal etwas ineinander überfliessen lassen, wo wird es krankhaft, wo gebe ich mich schon wieder zu sehr auf.

Meine Belastbarkeit als co-abhängige Partnerin habe ich über die Maßen überschritten, indem ich mich komplett für den Partner aufgab. Heute ist es für mich nicht einfach, mir a) der Grenzen bewusst zu sein, und b) diese dann auch klar zu benennen und c) dann auch noch durchzusetzen. Aber mir immer wieder bewusst zu sein, daß dies mein Thema ist, es zu erlernen, daß dieser Prozess in Fleisch und Blut übergeht, lohnt sich, bringt Lebensqualität zurück. Jeden Tag ein Stück weit, für mich gut zu sorgen, nicht, um den kranken Partner zu etwas zu bewegen, was er selbst tun sollte, sondern nur für mich und meine Gesundheit.

Lieben Gruß

S.Käferchen
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Susanne hat zum Thema: Re: Was verkraftet meine Seele und mein Körper? geschrieben
dagmar007
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.05.2008
Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 18.04.2009, 15:03    Titel: Re: Was verkraftet meine Seele und mein Körper? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Ihr Lieben,
das Erkennen der eigenen Grenzen bzw. des eigenen Potentials ist ein Punkt der schon nicht ganz einfach ist - sprich das "gut auf sich selber achten".

Ist dieses dann mal glorreich gelernt, so will es umgesetzt sein, was mir beispielsweise nicht unbedingt leicht fällt.

Es gibt Charaktere, die haben die Art andere Menschen zu überfallen, andere wie ich sind geniale Opfer: ich muss nämlich erst einemal meine Grenze erspüren, beachten dass sie regelmässig verletzt wird um dann dem entgegen zu treten. Habe ich das dann geschafft, was dauert, dann heisst es noch beständig zu bleiben. Denn nicht nur Alkoholiker versuchen penetrant alle Wege auszuprobieren um die gesetzten Grenzen wieder einzureißen.

Mittlerweile bin ich soweit, dass ich es einem Menschen im überdeutlichen Ton sage, dass er bereits wiederholt meine Grenzen überschritten hat, mich einengt und ich alleine sein will oder was auch immer. Wird das nicht akzeptiert, dann meide ich jeglichen Kontakt zu diesem Menschen (ebenso wie zu meinem ehemaligen Suchtpartner).

Derzeit bin ich in einer solchen "Stalking"-Situation und muss sagen, wohl fühle ich mich nicht. Wenn dieser Mensch sich durch das Gelände hier bewegt ziehe ich mich in den entferntesten Winkel des Hauses zurück um quasi so viel Entfernung wie möglich aufzubauen. Nicht genial, aber ich will keinerlei Kontakt zu denjenigen, die normal gesagtes nicht akzeptieren und wieder und wieder versuchen wollen sich durchzusetzen.

Auf der anderen Seite bekomme diejenigen Menschen von mir, die anders mit mir und meinen Grenzen umgehen können, nun wesentlich mehr "Seeleninneres" von mir als das noch vor kurzem der Fall war. Denn vor kurzem noch war ich überall auf Abstand.

Allerdings merke ich bei mir, wenn ich einmal gesagt habe was Sache ist, so möchte ich keine weiteren Gespräche. Dieses ist natürlich ein davon rennen aus Diskussionen. Dennoch: wenn ich gesagt habe "nein" und dieses "nein" nicht akzeptiert wurde will ich keine weiteren Gespräche oder Erklärungen nachsetzen müssen.

Für mich gerade ein sehr, sehr schwerer und lästiger Weg.

Lieben Gruß von Dagmar
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dagmar007 hat zum Thema: Re: Was verkraftet meine Seele und mein Körper? geschrieben

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