| Trockenheit seit 1 1/2 Monaten-jetzt Ekel • Optimist bleiben.. |
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 31612 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 07.04.2009, 20:22 Titel: Gründe für Rückfälle |
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Hallo,
Mir ist heute extrem aufgefallen, dass wir zwar sehr viele Erfolge haben und viele Menschen hier ein nüchternes Leben erlernen konnten, aber kaum eine "Statistik" haben, wo es Hilfesuchende nicht geschafft haben.
Viele bleiben ja dann einfach weg, ohne den Grund zu schreiben, denn alle werden ja auch nicht wieder rückfällig geworden sein.
Daher möchte ich dieses Thema mal den Rückfällen widmen.
Ich selbst habe ja auch sehr viele Rückfälle gehabt, die aus heutiger Sicht meiner damaligen Arroganz und Überheblichkeit zuschreibe.
Ich habe nach jeweils nach einem Jahr immer geglaubt, es geschafft zu haben und einfach so ein normales Leben führen zu können.
Ich würde mich freuen, wenn auch andere Forenteilnehmer schreiben könnten, warum sie aus ihrer Sicht heraus, rückfällig wurden.
Vielen Dank.
Gruß
Karsten |
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Boerni Gast
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Verfasst am: 07.04.2009, 20:57 Titel: Re: Gründe für Rückfälle |
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Hallo
ein paar Meiner Gründe waren
-Scheidung
-glauben wieder kontrolliert trinken zu können
-Selbstmitleid
-wenn eh alles den Bach runter geht
-des Lebens müde
-finanzielle Sorgen
-kein Selbstwertgefühl
irgend wann wurde ich für meine harte trockenheitsarbeit nicht mehr belobigt..... sie wird zur selbstverständlichkeit, erste sprüche: Mir kann das eh nicht mehr Passieren......weggang aus der SHG.....
Einzelgespräche nicht mehr wahrnehmen
Bernd |
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Backmaus Gast
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Verfasst am: 07.04.2009, 22:04 Titel: Re: Gründe für Rückfälle |
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Hallo Karsten
abgesehen von den schon von Bernd genannten Gründen.....Schwierigkeiten einen Trink"grund" zu finden gab es nicht.
Ich habe auch getrunken weil ich mich für irgendwas belohnen wollte,um "lockerer" zu werden,Nervosität zu verstecken/zu mindern oder mich schonmal in Stimmung zu bringen.....
War die Idee erst mal im Kopf,war sie auch ruck-zuck umgesetzt.
Das schlecht Gewissen am Tag "danach" war dann ein Grund mehr.
Liebe Grüsse
Backmaus |
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kawi sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 29.06.2008 Beiträge: 2991 Alter: 40 Wohnort: Berlin
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Verfasst am: 08.04.2009, 06:22 Titel: Re: Gründe für Rückfälle |
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Hallo Karsten,
Gründe für einen Rückfall gibt es für mich nicht.
Das einzigste wäre, meine TA zu vernachlässigen und mich selbst aufzugeben, aber dann würde ich auch bewusst trinken.
Ich habe viele Höhen und auch Schicksalschläge erlebt, aber nichts des Erlebten würde es rechtfertigen, mich selbst aufzugeben.
Aus meiner heutigen Sicht weiss ich für mich ich hatte keine Rückfälle, es waren nur Trinkpausen.
die kawi |
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Lumpi neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.04.2009 Beiträge: 30 Alter: 42
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Verfasst am: 25.04.2009, 20:55 Titel: Re: Gründe für Rückfälle |
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Lieber Karsten,
erstmal danke für´s freischalten noch nach der Sperrstunde )
Meine ev. Gründe, wie ich fürchte könnten sein:
Dass ich verdränge, wie schlecht es mir nach dem Trinken ging.
Dass ich nur das Hochgefühl, das mir das erste Glas vermittelt, in Erinnerung habe, und die skurrilen neuen Ideen, die ich im illuminierten Zustand hatte (!? ))
Definitiv fürchte ich, dass ich verdränge, weil es mir absolut unangenehm ist, mir das noch einmal vorzustellen,
wie ekelig ich wohl ausgesehen haben mag
WIE armselig ich wohl am Telefon geklungen habe
WIE ich wohl streng gerochen haben musste
wie ich völlig vergessen konnte, was gestern war
die Liste ist endlos.
DEFINITIV bräuchte ich für mich eine schonungslose Videoaufnahme von mir, oder ein Tonband, o.ä. --- damit ich schwarz auf weiss habe, wie mein Lumpi (Verstand) im Fehgefeuer in die Hölle abfährt!
liebe Grüsse,
Lumpi
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Borius neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 30.04.2009 Beiträge: 54 Alter: 58 Wohnort: NRW
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Verfasst am: 03.05.2009, 07:34 Titel: Re: Gründe für Rückfälle |
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Moin Karsten,
eine interessante Umfrage, zu der ich gern meinen Senf beisteuern möchte.
Aus meiner Sicht spielt die Heftigkeit der Entgiftung eine erhebliche Rolle, ob es zu einem Rückfall kommt oder eher nicht.
Ich denke schon, daß es ein Unterschied ist, wenn man im Delirium Tremens dem Teufel mit ach und krach von der Schippe springt,
oder wenn man einen medikamentösen soft-Entzug macht.
Bei mir war es der Erstere.
Meine Beobachtung über Jahrzehnte ist der, daß die meisten Rückfälle entstehen, weil
1.) der Entzug "ja nicht so schlimm ist"
2.) eine stationäre Behandlung in Form einer Käseglocke "mal eine willkommene Abwechslung ist"
Fazit:
der Unterschied zwischen Trinkpause und Trockenheit/Nüchternheit wurde nicht verstanden oder schlichtweg ignoriert.
MEIN erster und bislang einziger Rückfall ist aus reiner Neugier entstanden - 1 Jahr nach der Therapie - 3 Tage lang - dann hatte ich begriffen, daß "es nie mehr geht".
Die Tatsache, daß man auch nach jahrzehnten nicht von einem Rückfall gefeit ist, läßt sich in meinem thread nachlesen.
Gruß
Peter |
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lobanshee Gast
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Verfasst am: 04.05.2009, 07:06 Titel: Re: Gründe für Rückfälle |
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Hallo Peter,
als ich Deinen Beitrag las, habe ich zuerst gedacht: "Nö, stimmt gar nicht!" Dann eine Nacht drüber geschlafen und nun sehe ich schon wieder differenzierter, zumal Du ja sowieso aus Deiner Sicht geschrieben hast.
So viel weißt Du sicherlich noch nicht von mir. Zu dem stationären Entzug, den ich freiwillig und aus der Erkenntnis heraus, mir nicht mehr allein helfen zu können, selbst gegangen bin, und der sicherlich nicht so schlimm war, wie Deiner, kann ich nur sagen: "Mir hat er voll und ganz gereicht!" Gut, das kommt jetzt arrogant rüber und vorhersagend, deswegen setze ich hinzu, ob er gereicht hat, weiß ich erst, wenn entweder doch ein Rückfall stattfindet oder ich irgendwann abtreten muss.
Manche sagen dazu "Tiefpunkt", ich auch, aber manchmal sehe ich es auch als meine natürliche Schamgrenze an, die sehr sehr hoch ist. Ich konnte mich immer außerhalb meiner Wohnung disziplinieren, nur alleine mit mir kam ich mit dem Alkohol überhaupt nicht klar. Daher gelang es mir auch bis zum Schluss, die fast perfekte "Blenderin" zu spielen.
Nach dem Entschluss, den Notarzt zu rufen, sich den Mund fuselig zu reden, damit sie mich mitnahmen, nach der Erkenntnis, nun einen Entzug zu machen, nach Durchwühlen meines persönlichen kleinen Handgepäckelends nach Alkohol, was mich total entsetzte, ließ ich mich fallen. Zwei Tage gebrochen, geschlafen und umgekehrt. Großen Durst auf Apfelsaft, um ihn sofort wieder auszubrechen.
Nach drei Tagen kam Lobanshee im neuen Leben an. Eine willkommene Abwechslung war das für mich nicht, aber die beste Zeit, die ich seit langen langen Jahren hatte.
Nein, ich vergesse nicht die hässlichen Zimmer, die schlechten sanitären Anlagen, die Schicksale der anderen Patienten, und das bewahre ich mir auch, aber ich zehre noch von der guten Behandlung durch Ärzte und Schwestern, vom Loslassen aller Schuldgefühle und dem Gefühl des "behütet Sein" als ersten Angriff bzgl. meiner Krankheit. Auch zehre ich immer noch von den vielen Schicksalen und den Gesprächen und den Eindrücken von immer wiederkehrenden Patienten, die sich untereinander ein fröhliches "Hallo" zuriefen, und somit passt dann auch Dein Ausdruck "willkommene Abwechslung", für mich war gerade dieser Eindruck Grauen pur, denn bei mir kam an: "Da haben sich Alkoholiker mit Rückfällen geradezu angefreundet!"
In meiner Nacht der Nächte, so drücke ich es immer aus, habe ich erkannt, dass ich mich gehen lasse, dass ich nur noch in Dunkelheit lebe, dass ich nur noch zugedröhnt leben kann, dass ich Angst selbst schon vor dem Telefon und der Post habe (überspitzt gesagt, aber die letzten Tage war das so), dass ich kurz davor war, es auch im Arbeitsleben nicht mehr geheimhalten zu können. Mein Endpunkt war erreicht, um ganz klar zu sehen: "Du musst was tun, irgendetwas, nur tue was!"
Während der Entgiftung lernte ich eine Frau kennen, sie geht gerade den fast schon zielgerichteten Weg nach unten, aber ihren Tiefpunkt scheint sie noch nicht erreicht zu haben. Sie war aufgrund ihres Arbeitgebers und ihrer Eltern eingeliefert worden.
Vielleicht ist da der Unterschied, oder sogar sehr wahrscheinlich, dass sie selbst nicht von der Notwendigkeit überzeugt war, ich es aber selbst erkannt und auch durchgeführt habe.
Und wenn ich Backmaus lese, die jetzt fast drei Jahre trocken ist, und ihr Anlass, aufzuhören, die Worte ihrer Tochter waren, um endlich zu erkennen und anzunehmen, dass sie alkoholsüchtig ist und dieses so erfolgreich geschafft hat, dann könnte ich mir vorstellen, dass auch diese Theorie stimmen könnte.
Ich schreibe extra "auch". Letztendlich ist das eigene "Begreifen und Erkennen sowie Annehmen" das A und O! Irgendwie so!
Liebe Grüße
Lobanshee |
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| lobanshee hat zum Thema: Re: Gründe für Rückfälle geschrieben
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Borius neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 30.04.2009 Beiträge: 54 Alter: 58 Wohnort: NRW
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Verfasst am: 04.05.2009, 20:45 Titel: Re: Gründe für Rückfälle |
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Moin lobanshee,
naja, dem Karten geht in diesem thread um eine Art Statistik wo es Hilfesuchende nicht geschafft haben.
Jetzt müßte man natürlich die Kernfrage stellen:
Wer ist mit "Hilfesuchender" gemeint ?
Du gehörst nach Deinen Schilderungen ganz sicher zu dieser Gruppe.
Ich hingegen zähle mich nicht dazu (zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt).
Meine Mutter hat mich (damals 22 Jahre jung) am 1. Weihnachtsfeiertag mit einem Krankenwagen abholen lassen - Delirium -
Ich habe keine genaue Erinnerung an den "eigentlichen Entzug"
7 Tage Koma mit irren, immer wiederkehrenden Halluzinationen (an die ich mich noch heute sehr ungern erinnere).
Als ich dann irgendwann halbwegs klar im Kopf war, konnte ich weder sprechen noch mich bewegen.
Ich war unendlich traurig, daß ich noch am Leben war ........
Erst am 31.12. kapierte ich was geschehen ist - wieder im Leben angekommen.
Der Stationsarzt wünsche allen einen "guten Rutsch" und gestattete mir "ausnahmsweise" 2 Glas Bier oder Wein.
Vor lauter Wut und Verzweiflung schlug ich ihm mit der Faust aufs Auge (es wurde ein prächtiges Veilchen).
Gut, ich erlebte den "Rutsch" fixiert im Bett, aber mir war von dem Moment an klar - ICH WILL DAS ZEUG NIE MEHR
Während meiner folgenden Therapie,die ich mir selbst gesucht habe, lernte ich viele "Wiederkehrer" kennen.
Viele kannten sich bereits aus anderen Einrichtungen - verstanden hab ich sie damals nicht.
Aber sie waren mir letztlich auch egal, weil ICH die Therapie für MICH machte - für keinen anderen - nur für mich.
In den 90er Jahren hatte ich 5 Jahre eine Kneipe - echt ein übler Schuppen - und da waren sie wieder ......
Die ewigen "Wiederkehrer" ..........
um zum Ursprung dieses threads zurückzukommen.
Ob man diese "ewigen Wiederkehrer" in die Statistik der "Hilfesuchenden"
einreihen sollte - ich weiss es nicht - ich weiss es wirklich nicht.
Liebe Grüße
Peter |
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| Borius hat zum Thema: Re: Gründe für Rückfälle geschrieben
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