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man muß lernen, auf eigenen Beinen zu stehen

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Zahnina Zahn
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BeitragVerfasst am: 03.04.2009, 19:45    Titel: man muß lernen, auf eigenen Beinen zu stehen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo.
Ich bin neu hier und habe im Vorstellungsbereich schon nette Antworten bekommen. Darum denke ich, daß ich hier vielleicht den Mut finden kann, mein Leben allein zu meistern.
Mit meinem Mann bin ich seit 9 Jahren zusammen, fast 4 davon verheiratet. Als ich ihn kennenlernte trank er schon immer gern, jedoch hab ich nicht gedacht, daß das ein Problem sein könnte. Ich hatte noch nie Erfahrungen mit Alkoholikern gemacht...
Jetzt, nach all den Jahren ist mir eigentlich bewußt geworden, daß er wohl doch ein ziemliches Problem hat.
Seit wir vor 8 Jahren zusammengezogen sind finde ich in verschiedenen Verstecken immer wieder leere Vodka-Flaschen, er füllt das Zeug sogar in Wasserflaschen, damit es nicht auffällt.
Ich komme abends von der Arbeit nach Hause und sehe in seinen Augen sofort, daß er wieder betrunken ist. Er streitet das ab und wenn ich eine Flasche finde heißt es immer nur: "Ich weiß nicht, wo die herkommt. Von mir ist sie jedenfalls nicht!"
Er hat schon eine gescheiterte Ehe hinter sich und ich habe ihm bei der Regelung all seiner Sachen geholfen. Ich habe immer hinter ihm gestanden und für ihn Behördensachen erledigt usw.
Die ganzen Jahre über habe ich ihn immer wieder angefleht, mit den Trinken aufzuhören, ich habe ihm gedroht ihn zu verlassen und jedesmal hat er versprochen sich zu ändern. Ich hab ihm geglaubt, vielleicht weil ich gehofft habe, daß es diesmal wahr wird.
Eigentlich habe ich erst heute bewußt wahr genommen, daß er Alkoholiker ist. Durch das Lesen der Erfahrungsberichte hier im Forum. Er hatte zwar im Suff schon mal versucht, mich in die Vitrine zu werfen aber ich hab mir immer eingeredet daß er eines Tages aufwachen wird.
Jetzt muß ich wohl überlegen ihn zu verlassen, aber das fällt mir nicht gerade leicht.
Wenn ich gehe wird er sich sicher total gehen lassen, den Job verlieren und alles was dazu gehört. Zum Glück hat es mit dem Kinderwunsch noch nicht geklappt.
Ich würde mich freuen, wenn mir jemand Ratschläge geben könnte, wie ich am besten von ihm loskomme oder ob es vielleicht doch noch Hoffnung gibt, daß er sich ändert...
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Zahnina Zahn hat zum Thema: man muß lernen, auf eigenen Beinen zu stehen geschrieben
dagmar007
sehr aktiver Teilnehmer


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Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 03.04.2009, 20:06    Titel: Re: man muß lernen, auf eigenen Beinen zu stehen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo, liebe Zahnina Winken

auch bei mir war es eine Beziehung von fast einem Jahrzehnt. Mehr also, als ein fünftel meines Lebens. Auch ich habe von Anfang an die Brisanz nicht erkannt, eine Steigerung bemerken müssen und letztendlich innerhalb von wenigen Monaten den kompletten Horror.

Es ist nicht leicht auszusteigen und neu zu starten. Es lohnt sich ganz sicher immer, aber der Weg ist langsam und steinig und das, was nun gesünder und sicherer für mich als Co ist fühlt sich relativ neu und unbekannt an.

Bekannt waren Schmerz, stets auf Hab-Acht-Stellung was passiert, welcher Polizist, Gerichtsvollzieher oder sonst auch immer vor der Türe steht. Oder ist es gar eine Anzeige.... in der stärker werden Sucht ist nämlich auch eine ganze Anzeigenlawine ins Rollen gekommen.

Wenn Du gehst, liebe Zahnina, dann wird ihm (vielleicht?) sein Zahn gezogen, dass er sein Leben im Griff hat. Vielleicht ermöglicht ihm das die Chance des Aufwachens. Ich bin zu spät gegangen, ich denke mal, mein Gegenstück ist zumindest bisher nicht erwacht von seinem Dornröschenschlaf mit der Pulle. Wer ihn wachküst wird vermutlich irgendwann einmal eiin Nierenversagen oder Papa Korsakow sein. Ich weiß es nicht, aber ich weiß dass mein Leben neue Facetten bekommen hat und wieder ein Leben ist.

Ich weiß aber auch, dass der Weg nicht einfach ist und auch die Traurigkeit und Angst vor der Zukunft uns ständig "in den Hintern tritt". Es ist nur die Frage, ob nicht ein einmaliger starker Tritt in Richtung "Dein Leben selber in die Hände nehmen" besser ist als viele "kleine Tritte im Miteinander, durch welche der Hintern nicht mehr sitzfähig ist".

Ich wünsche Dir viel, viel Kraft für Deinen Weg.

Lieben Gruß von Dagmar
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dagmar007 hat zum Thema: Re: man muß lernen, auf eigenen Beinen zu stehen geschrieben
Doro
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BeitragVerfasst am: 03.04.2009, 20:26    Titel: Re: man muß lernen, auf eigenen Beinen zu stehen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Zahnina,

schön, dass du jetzt auch hier schreibst.

Natürlich fällt es schwer.
Aber wie lange soll man warten?
Ich lese bei dir raus, dass du ziemlich leidest, wenn du schreibst, du hast ihn angefleht, klingt das bei mir so, dass du wirklich drunter leidest.
Also sitzt du sozusagen im Wartezimmer und wartest, dass er sich endlich ändert. Und das Problem ist, das kann wirklich ewig dauern.

Ich wünsch dir erstmal viel Kraft und guten Mut, egal, wie du dich entscheidest und was du als nächstes tust.

Liebe Grüße
Doro
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Doro hat zum Thema: Re: man muß lernen, auf eigenen Beinen zu stehen geschrieben
Zahnina Zahn
neuer Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 03.04.2009, 20:27    Titel: Danke für die klaren Worte Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Dagmar,
heute habe ich festgestellt, daß es viele Menschen mit ähnlichen und auch viel schlimmeren Sorgen gibt, als ich sie habe.
Ich danke Dir, daß Du klar sagst, es ist besser zu gehen als kaputt zu gehen. Du sagst auch, daß es hart wird. Und genau das ist es was mir Angst macht.
Ich habe in den Jahren mit ihm so ziemlich alle Freundschaften vernachlässigt, die ich hatte und bin nie ausgegangen, weil immer die Angst da war ihn allein zu lassen. Jetzt stelle ich fest, daß ich diejenige bin, die allein ist. Sogar wenn ich mit ihm zusammen bin.
Ich bewundere Dich, daß Du diesen Schritt (Trennung) geschafft hast und wünsche mir, genauso stark sein zu können.
Ich habe mir überlegt, mal eine Selbsthilfegruppe zu besuchen, damit ich wieder unter Menschen komme, und vielleicht auch Hilfe bekomme, nicht einfach aufzugeben und weiterzuhoffen, daß eines Tages alles besser wird.
Du hast recht, er wird wahrscheinlich nie aufwachen - das tut er seit Jahren nicht!
Den Gerichtsvollzieher hatten wir vor Jahren auch schon, das habe ich durch Zufall erfahren. War arbeiten als der gute Mann zu Besuch kam. Hab dann viel später in der Jackentasche meines Mannes das Schreiben gefunden.
Das ist zum Glück alles geregelt - so weit ich das weiß....
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Zahnina Zahn hat zum Thema: Danke für die klaren Worte geschrieben
Zahnina Zahn
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BeitragVerfasst am: 03.04.2009, 20:33    Titel: leide wie ein Hund Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Doro,
auch Dir danke ich dafür, daß Du mir Mut machst.
Du hast Recht, ich leide tatsächlich, obwohl ich schon geglaubt habe, es wäre mir egal. Aber während ich das hier schreibe bin ich schon wieder am Heulen.
Ich weiß einfach nicht, was das Richtige ist. Einerseits will ich unbedingt weg, aber andererseits denke ich, vielleicht kann er sich ja doch noch ändern und alles wird gut. Aber ich glaube, ich belüge mich selbst, oder?
Ich bin jetzt 30, also habe ich noch die Chance neu anzufangen. Was ist, wenn ich warte und irgendwann keine Chance mehr bekomme?
Aber was, wenn ich gehe und es war falsch? Wenn er total abstürzt bin ich dann schuld daran??
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Zahnina Zahn hat zum Thema: leide wie ein Hund geschrieben
Doro
sehr aktiver Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 03.04.2009, 20:37    Titel: Re: man muß lernen, auf eigenen Beinen zu stehen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ach ja, und noch was.

Die SAche mit dem "er wird sich gehen lassen", diese Gedanken kenne ich auch von meiner ersten Trennung damals. (vom gleichen Mann wie jetzt Verlegen )

Also, irgendwie stimmte es, andererseits auch wieder nicht.
Er ließ sich ja vorher schon gehen.
Aber die Kurve zur Trockenheit hat er dann plötzlich völlig ohne mich bekommen, allerdings erst einige Jahre nach der Trennung. Ich dachte, ich versteh die WElt nicht mehr, dass alles schließlich ohne mich ging, nur weil er endlich eingesehen hatte, dass es so nicht mehr weitergeht.
Also, ich denke, jeder normale Erwachsene kann schon für sich sorgen, wenn er will. Oder sich eben irgendwie Hilfe organisieren. Jedenfalls ist das meine ERfahrung mit meinem Mann. Ich habe immer das Gefühl, ihm helfen zu müssen, aber wenn es drauf ankommt, packt er das auch alleine oder organisiert sich jemanden, der ihm hilft.
Oder er lässt es eben bleiben, aber dann, weil er es irgendwie nicht richtig will, weil er das Leben im Suff nicht aufgeben will und alles andere in Kauf nimmt.

Wie kommt man von ihm los?

Bei mir liefs so:
Wenn ich Angst um mein eigenes Leben bekam, Angst, dass ich zu viel opfern muss für ihn. Wenn also der Preis mir zu hoch erschien.
Und dann entstand der Druck, dass ich was ändern muss, dass ich mich lösen MUSS, auch wenns schwer fällt.

Meine Strategie war und ist:
viel schreiben, sich bewusstwerden, sich selbst gut zureden.

Alles Gute
Doro
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Doro hat zum Thema: Re: man muß lernen, auf eigenen Beinen zu stehen geschrieben
Doro
sehr aktiver Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 03.04.2009, 20:44    Titel: Re: man muß lernen, auf eigenen Beinen zu stehen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ach, jetzt haben sich unsere Nachrichten überschnitten.

Das mit deinem Alter, das habe ich auch gleich gedacht.
Ich war bei der ersten Trennung von ihm 29 und für mich war das ein ganz entscheidender Knackpunkt, dass ich dachte: Ich will Familie gründen, ein Leben aufbauen, mit ihm geht das nicht.
Jetzt oder nie.
Aber er war damals schon so drauf, dass der Alkohol bei him dazu geführt hat, dass er gar nicht gearbeitet hat und überhaupt war das kein Leben zu zweit mehr. Das ist bei euch ja anders.

Dass ich nun mit demselben Mann doch eine Familie gegründet habe, liegt daran, dass er trocken wurde, einige Jahre nach der Trennung. Und da war ich noch single und hab mich halt wieder auf ihn eingelassen.
Und nun ist er nach einigen Jahren rückfällig...
Aber das ist ne andere Geschichte.

Wenn das einzige, was dich bei ihm hält, das Pflichtbewusstsein ist...
Das geht nicht.
Überleg doch mal, du kannst doch nicht dein Leben in die Tonne werfen, damit er nicht abrutscht.
Wenn du dich trennst, hat er ja die Chance, sich noch zu ändern und ihr könnt es doch noch zusammen schaffen.

Alles Gute
Doro
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Doro hat zum Thema: Re: man muß lernen, auf eigenen Beinen zu stehen geschrieben
Zahnina Zahn
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
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BeitragVerfasst am: 03.04.2009, 21:24    Titel: Re: man muß lernen, auf eigenen Beinen zu stehen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ja Du hast Recht. Er läßt sich jetzt schon gehen.
Das beste Beispiel ist z.B. : Ich arbeite in einer Zahnarztpraxis( hast du vielleicht aufgrund des Namens schon vermutet). Da fange ich manchmal schon um 6 Uhr morgens an und habe dann (natürlich mit einer Pause) um 18 Uhr Feierabend. Der Monsieur ist um 16 Uhr zu Hause. Er legt sich auf die Couch und tut was immer er so tut. Wenn ich nach Hause komme, sieht die Wohnung aus, als wären drei Schwadronen Ritter durchgetrampelt und ich kann dann noch aufräumen und die Katzen (2) versorgen. Am Wochenende bin ich teilweise von morgens bis abends mit dem Haushalt beschäftigt, er jedoch guckt fern oder daddelt am PC.
Und wenn ich während der Wochen abends nach Hause komme liegt er schnarchend auf der Couch und ich weiß sofort, er hat wieder getrunken. Dann werde ich erst furchtbar wütend und möchte ihm am liebsten ein Kissen aufs Gesicht drücken aber dann werde ich einfach traurig daß alles so gekommen ist und gehe ins Arbeitszimmer und heule mich erst mal aus und hoffe, daß der nächste Tag besser wird.
Du schreibst, daß dein Mann rückfällig geworden ist. Wie schaffst du das nur? Ich kann mir vorstellen, daß das sehr hart ist und auch du die eine oder andere Träne weinst.
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Zahnina Zahn hat zum Thema: Re: man muß lernen, auf eigenen Beinen zu stehen geschrieben

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