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Trinkpause oder Rückfall?

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lobanshee
Gast






BeitragVerfasst am: 12.03.2009, 15:44    Titel: Re: Trinkpause oder Rückfall? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Danke Euch allen fürs Schreiben!

Ich habe eine Erkenntnis aus allen Beiträgen für mich herausgelesen.

Aber ich fange mal anders an! Angenommen, ich hätte diese Beiträge vor meiner Entgiftung lesen können und wäre auch schon mit der absoluten Notwendigkeit und der gebotenen Ernsthaftigkeit dem Thema "Alkoholsucht" offen gewesen, hätten sie mir folgendes gesagt:

Wie ernst ist es Dir, mit dem Trinken aufzuhören? Tust Du es für Dich, oder weil Du aufgefallen bist? Wärst Du bereit, Dich zu "outen"? Bist Du bereit für einen Arztbesuch? Willst Du Dir Hilfe holen oder meinst Du, es alleine zu schaffen? Bist Du der Meinung, alkoholkrank zu sein oder siehst Du es nur als "Mißbrauch" oder schlechte Phase an? Sind noch Restzweifel vorhanden? Meinst Du, ein kontrolliertes Trinken wäre bei Dir noch möglich?

Und jetzt beantworte Dir diese Fragen ganz ganz ehrlich! Du bist allein, keiner sieht, was Du gerade durchmachst. Du kannst mit dieser Kasteiung aufhören, wenn Du nicht magst und Dir weiterhin "die Leichtigkeit des Seins" ansaufen, wenn Du willst. Niemand verbietet es Dir!

Es sei denn, Du willst es! Es sei denn, Du erkennst, dass es im Zweifel noch ein paar Runden braucht, aber aus der Nummer entkommst Du nicht mehr. Es sei denn, Du möchtest wieder angstfrei leben, Du möchtest wieder Schlaf finden, Du möchtest nicht mehr Flaschen im Slalom umliegender Einkaufsmärkte oder Kioske nach Hause schleppen und diese ebenso im Slalom umliegender Flaschencontainer möglichst im Dunkeln entsorgen. Es sei denn, Du möchtest frei sein im Denken und Fühlen, Du möchtest morgens irgendwie doch gut aussehen, jedenfalls nicht nach mehreren Flaschen Alk, Du möchtest wenigstens keinen Alkoholgeschmack im Mund haben, Du möchtest keine Fahne mehr und Du möchtest wieder Selbstvertrauen haben.

Wenn Du das Zweite denkst, dann müsste es doch das Rüstzeug für einen gelungenen Start in die Trockenheit sein! Wenn Du das Zweite denkst, dann bist Du bereit für Deine wunderbare Zukunft!

Ich glaube, die Ehrlichkeit zu sich selbst ist der Schlüssel zum Beginn, an seiner Krankheit zu arbeiten. Wenn ich dieses alles gelesen hätte, wäre ich davon überzeugt gewesen?
Beim besten Willen, ich kann es nicht sagen.
Denn bin ich an dem Punkt, wo ich noch trinke und mir gleichzeitig etwas nehmen muss, was mir ja subjektiv vom Gehirn als Belohnung vorgegauckelt wird, kann man das schaffen?

Irgendwem möchte ich danken, für meine unaufgeregte Not, die ich in meiner Nacht der Nächte hatte, für die trotz hoher Promille glasklare Erkenntnis: "Daraus komme ich nicht mehr allein!"
Irgendwo muss da ein Engel gewesen sein!
Man, ich bin so dankbar, ich kann es kaum in Worte fassen.

"Höre nie auf, anzufangen und fange nie an, aufzuhören!"

Herzlich

an Euch und an mich! Smilie

Lobanshee
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lobanshee hat zum Thema: Re: Trinkpause oder Rückfall? geschrieben
thomas73
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 21.05.2007
Beiträge: 24
Wohnort: Erfurt

BeitragVerfasst am: 12.03.2009, 16:06    Titel: Re: Trinkpause oder Rückfall? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Besser hätt ich`s nicht sagen können:

lobanshee hat Folgendes geschrieben:
Danke Euch allen fürs Schreiben!

Es sei denn, Du willst es! Es sei denn, Du erkennst, dass es im Zweifel noch ein paar Runden braucht, aber aus der Nummer entkommst Du nicht mehr. Es sei denn, Du möchtest wieder angstfrei leben, Du möchtest wieder Schlaf finden, Du möchtest nicht mehr Flaschen im Slalom umliegender Einkaufsmärkte oder Kioske nach Hause schleppen und diese ebenso im Slalom umliegender Flaschencontainer möglichst im Dunkeln entsorgen. Es sei denn, Du möchtest frei sein im Denken und Fühlen, Du möchtest morgens irgendwie doch gut aussehen, jedenfalls nicht nach mehreren Flaschen Alk, Du möchtest wenigstens keinen Alkoholgeschmack im Mund haben, Du möchtest keine Fahne mehr und Du möchtest wieder Selbstvertrauen haben.

Lobanshee


...Und das alles geht nur, wenn Du (und ich) keinen Alkohol mehr trinkst! Nie wieder! Nothing!!!

Und dann passiert es doch.... warum auch immer. Es gibt Dinge (Ereignisse) die man nicht vorhersehen kann. Wo alles Auf-sich-selbst-acht-geben - so wichtig das ist - nicht reicht... Nimm das und Deine Beschreibung der Krankheitseinsicht zusammen und ich denke, man kann zurecht von einem Rückfall sprechen und nicht von dem Ende einer Pause. Und dann bleibt die Frage, wie stark man ist, wie sehr die Krankheitseinsicht verinnerlicht wurde, wie sicher die Absicht zu einem selbstbestimmten Leben war und ist. Denn auch ein Rückfall ist kein endgültiges Urteil. Auch ein Rückfall kann rückgängig gemacht werden.

All diese Fragen und Ausführungen treffen auf eine Trinkpause nicht zu!
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thomas73 hat zum Thema: Re: Trinkpause oder Rückfall? geschrieben
lobanshee
Gast






BeitragVerfasst am: 12.03.2009, 19:06    Titel: Re: Trinkpause oder Rückfall? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Thomas,

ja, es passiert! Das ist so und auch ich bin nicht davor sicher!

Ich war heute auf so ner medizinischen "Schlaumeier"-Seite Smilie

Dort konnte ich lesen, dass ein Rückfall auch eine Chance bedeuten kann zur Festigung ind Stärke im weiteren Trockensein. Hauptsache, wir stehen sofort wieder auf, hauptsache, es ist genügend Polster da zum Auffangen.

Wenn es denn so passiert: Aufstehen und weitermachen!

Mit sehr viel Überzeugung habe ich das jetzt aber nicht geschrieben!

Lobanshee

@all und "alte Hasen"

Was bedeutet eigentlich "Alkoholmißbrauch"? Ist das noch keine Sucht?
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lobanshee hat zum Thema: Re: Trinkpause oder Rückfall? geschrieben
Erdling
neuer Teilnehmer


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Beiträge: 392
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BeitragVerfasst am: 12.03.2009, 19:26    Titel: Re: Trinkpause oder Rückfall? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

lobanshee hat Folgendes geschrieben:

Was bedeutet eigentlich "Alkoholmißbrauch"? Ist das noch keine Sucht?


Hallo lobanshee,
Alkoholmißbrauch ist (soweit ich weis) die Vorstufe zur echten Sucht. Allerdings sind die Grenzen bei dem Thema sehr fließend, so das es schwer zu sagen ist, ob wer nur Missbrauch betreibt oder bereits Süchtig ist.
Der Hauptunterschied soll wohl darin liegen, das ein Mensch der "nur" Missbrauch betreibt eher seelisch vom Alkohol abhängig ist und u.U. wieder ein normales Verhältniss zum Alkohol entwickeln kann. Was einem "echten" Alkoholiker mit körperlicher Abhänigkeit nicht mehr möglich ist.
Aber der einzig gute Rat den man beiden Personengruppen gegeben kann, ist wie ich meine Lebenslang die Finger vom Alkohol zu lassen.
Liebe Grüße
Erdling
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Erdling hat zum Thema: Re: Trinkpause oder Rückfall? geschrieben
thomas73
neuer Teilnehmer


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Beiträge: 24
Wohnort: Erfurt

BeitragVerfasst am: 12.03.2009, 20:09    Titel: Re: Trinkpause oder Rückfall? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

@ lobanshee: Ja, dass mit der Chance hab auch ich schon gehört, aber darauf soll es ja nicht hinauslaufen. Wir haben doch bereits unsere Chance. Wir sind immerhin trocken!
Ich mach mich jetzt wegen eines möglichen (irgendwann in der Zukunft eventuell mal kommenden) Rückfalls auch nicht verrückt! Ich denke, dass brächte mich auch nicht weiter. Wir hatten einen in der LZT, der hatte solch einen Bammel davor rückfällig zu werden, hat immer wieder betont, dass das nicht passieren darf und hat am Ende so viel Druck aufgebaut, dass er dem nicht mehr standhalten konnte und wurde als erster der Gruppe rückfällig...

Man (also auch ich Winken ) geht ja davon aus, dass irgendetwas unvorhergesehenes passieren muss... Ich wünsche Dir, dass Du davor verschont bleibst!
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thomas73 hat zum Thema: Re: Trinkpause oder Rückfall? geschrieben
lobanshee
Gast






BeitragVerfasst am: 12.03.2009, 20:49    Titel: Re: Trinkpause oder Rückfall? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich danke Dir sehr herzlich, Thomas!

Und natürlich wünsche ich Dir das auch!

Lobanshee
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lobanshee hat zum Thema: Re: Trinkpause oder Rückfall? geschrieben
Andreas1970
aktiver Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 03.04.2006
Beiträge: 843
Alter: 42
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BeitragVerfasst am: 13.03.2009, 05:54    Titel: Re: Trinkpause oder Rückfall? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen Thomas,

von der Angst vor einem Rückfall kann ich mich nicht ausschließen. Gerade im ersten halben Jahr nach meiner Entgiftung war diese sehr stark ausgeprägt. Mit zunehmender Zeit ist sie in den Hintergrund gerückt und zu einem gesunden Respekt davor geworden. Macht diese Phase eigentlich jeder trocken werdende Alkoholiker durch?

"Gedankenspiele", was passiert, wenn etwas unvorhergesehenes eintritt sind mir auch nicht unbekannt. Bis jetzt habe ich solche Situationen nicht bis zu Ende gedacht, kurz gesagt, ich habe sie dann verdrängt.

Bis bald
Andreas
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Andreas1970 hat zum Thema: Re: Trinkpause oder Rückfall? geschrieben
thomas73
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 21.05.2007
Beiträge: 24
Wohnort: Erfurt

BeitragVerfasst am: 13.03.2009, 09:35    Titel: Re: Trinkpause oder Rückfall? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hi Andreas!

Ich denke jeder Alkoholiker, der es ernst meint, der an sich arbeitet und sich seiner Ohnmacht vor dem Alk (wenn er denn konsumiert wird) bewusst ist hat auch eine gewisse Angst oder Respekt vor dem Rückfall. Ich selbst mach mich zwar nicht verrückt, aber Respekt davor habe ich auch! Ich hab ja weiter vorn geschrieben, dass für mich dieses Thema Rückfall noch wie ein unbekanntes Etwas vorkommt, wie ein Teil der Krankheit, den ich noch nicht kenne. Nur es kann ja nicht darauf hinauslaufen, dass man einen Rückfall "produziert", um die eigene Krankheit besser kennen zu können... Von daher ist das alles noch reichlich verwirrend für mich. Manchmal, wenn auch äußerst selten, hab ich das Gefühl, es wäre besser, wenn ich schon mal einen gehabt hätte.. Nur sagt ja auch keiner, dass es überhaupt passieren muss.

Oh je, das ist so ein Thema, das mir schnell einen wirren Kopf bereitet.

Ich denke ist ist ganz gut ein Netzwerk von Menschen zu haben, die mit der Problematik zurechtkommen, bei denen man nicht das Gefühl haben muss vor Scham in den Boden versinken zu müssen und an die man sich wenden kann, auch dann, wenn`s "zuspät" ist.. Bei mir hat sich dieses Netzwerk durch Therapie, Nachsorge, Familie und ein/zwei Bekannte gebildet, ohne dass ich groß etwas dazu tun musste. Wie wichtig das ist, auf so etwas zurückgreifen zu können, ist mir erst in den letzten Tagen durch diesen Thread bewusst geworden..

Ehrlich!
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thomas73 hat zum Thema: Re: Trinkpause oder Rückfall? geschrieben

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