| Bin ich da richtig ? • Alkoholentzug und Therapie hat geholfen |
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proscrito neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 14.11.2005 Beiträge: 58 Wohnort: thale
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Verfasst am: 05.12.2005, 02:52 Titel: mein weg in die sucht! |
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mein erster kontakt war wie für viele jugendliche im osten, der zur jugendweihe mit 14 jahren. gleich ein kleiner rausch. zu hause hatte ich zwar nichts bekommen, eingedenks meines trinkenden vaters, wozu hat man aber freunde. dann war schluss bis 16 dafür sorgten schon die älteren jahrgänge im dorf. mit 16 dann durfte man ja dann offiziell bier trinken, mein vater selbst schwer alkoholabhängig, wollte es mir ständig verbieten, was immer wieder zu derben aueinandersetzungen führte.
neben sport, ich spielte seit meinem 9. lebensjahr handball fand ich bald anschluß an die musikszene in unserer gegend. dort lernte ich auch den alkohol gezielt einzusetzen aber nicht nur da. bald merkte ich das er ganz gut half wenn ich wieder mal stress mit dem "alten" hatte oder einer auseinandersetzung verbal nicht gewachsen war und und und. es gab viele gründe fürs trinken auch als lehre ,sport und band nicht mehr so richtig gut zu händeln waren. schließlich flog ich beim handball raus, die lehre packte ich mit ach und krach und mit der musik wars zu ende, weil die "fahne" rief und ich eigentlich auch erst mal die schnauze voll hatte von den saufexzessen. auf einiges bei der fahne bin ich nicht stolz auf anderes besonders. auf eines ganz besonders, auch wenn es mir die ersten seiten meiner zur wende recht fülligen stasieakte einbrachte.( ich verweigerte mein ja zum schießbefehl an der grenze und war somit für den dienst an der grenze ungeeignet , längerdienende wurden gefragt, ich hatte eigentlich eine andere laufbahn angestrebt war aber gesundheitlich durchgefallen)
dieses nein bekam ich während meiner gesammten dienstzeit zu spüren. die folge war das ich wieder den leichten und bekannten weg wählte. ich trank. das fiel nicht besonders auf denn viele tranken. schon bald versuchte ich vorzeitig entlassen zu werden. eingaben beim regiment beim vorgesetzten stab und sogar beim ministerium brachten nichts als stress und ärger für mich . noch weniger urlaub, ich hatte inzwischen geheiratet und ein kind war da. jetzt versuchte ich es mit einer wohnung am standort und dabei hatte ich glück. nicht etwa das ich eine wohnung bekam aber der verantwotliche war blöd genug mir schriflich mit siegel und unterschrift zugeben das auf lange sicht keine möglichkeit bestände mir wohnraum zu vermitteln. das schickte ich verbunden mit einer eingabe meiner frau an honnecker persönlich und siehe da 2 monate später war ich zivilist.
jetzt hätte eigentlich ein neues leben anfangen können,weniger sorgen weniger trinken.
in meinem neuen beruf fand ich keine arbeit, ich war ja nach der hochzeit zu meiner frau gezogen. hier fand ich zunächst nur arbeit als kraftfahrer. war ein sehr schlecht bezahlter job und so wechselte ich schon nach 3 monaten wechselte dann in einen besser bezahlten bei der stadt. mit der trinkerei gings bis auf freitag und sonnabend . da gab ich mir regelmäßig die kante. das erste mal das ich mir nen kopf machte das ich eventuell ein probs mit dem alkohol haben könnte war als sie mich eines morgens vor fahrtantritt reinholten zum "pusten". nie wäre ich auf die idee gekommen das es mich mal treffen könnte. ich hatte nichts drin aber der schock saß tief. hielt mich aber nicht vom trinken ab. dann kam er der absolute tiefpunkt, eine alkoholfahrt, ich tastete mich regelrecht am straßenrand entlang. nichts passierte, keiner bemerkte etwas, aber mir war von da an klar, das mein verhälniss zum alkohol nicht mehr normal war. gegen den begriff alkoholiker wehrte ich mich allerdings wehement denn das war mein vater ,ich doch aber nicht.
w i r d f o r t g e s e t z t !
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| proscrito hat zum Thema: mein weg in die sucht! geschrieben
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proscrito neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 14.11.2005 Beiträge: 58 Wohnort: thale
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Verfasst am: 05.12.2005, 14:04 Titel: Re: mein weg in die sucht! |
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hallo!
nach dem der einstieg in die psychische abhängigkeit doch fast zu sehr mit meiner lebensgeschichte verwoben ist soll der zweite teil eher die suchtgeschichte durchleuchten.
der job bei der städtischen müllabfuhr war zwar einigermaßen bezahlt aber der leumund war in der ddr nicht der beste. hätte wenn und aber.
ich hörte auf eine freundin von meiner frau, zog wider besseren wissens wieder eine uniform an und landete als schließer im frauenknast. scheißjob extrem gut bezahlt.(in der ddr). der knast war mehr als klein und beschaulich und so wurde er auch 3 jahre nachdem ich dort angefangen hatte geschlossen. mir war das im nachhinein nicht recht denn meine probs fingen erst so richtig hart im männerstrafvollzug an.
probleme giebts bei unterstellungsverhälnissen immer und so fraß ich den ganzen ärger ob mit kollegen oder vorgesetzten in mich hinein bzw. spülte ihn hinunter bis nichts mehr reinpasste dann platzte mir meist im falschen moment der kragen und mein ganzer ärger entlud sich aus das zufallsopfer. dabei war mir der dienstgrad völlig wurscht. das das höhere chargen ganz anders sahen konnte man in meiner disziplinarakte einsehen. der frust durch die bestrafung wollte dann auch herunter gespült sein. da ich im mit den strafgefangenen im betrieb arbeitete, besser gesagt sie dort beaufsichtigte, bekam ich beizeiten mit das es eine diskrepanz gab zwischen den markigen zeitungs- und fernsehparolen und der realität in den betrieben. ich machte aus meinem herzen keine mördergrube und erhielt schon bald warnungen ich solle mein loses mundwerk halten oder zumindest drauf achten wem ich was erzähle.
meine stasieakte wuchs. ich trank mittlerweile täglich mindestens 5 halbe bier oft aber mehr dann bis zu 8. bald kamen auch kleine schnäpse hinzu. erst ab und zu kaffee- oder kirsch- oder pfefferminzlikör, was es gerade gab. später wurde daraus weinbrand. natürlich hatte ich schon während der armeezeit meine schnapsperiode aber da wars aus zeit- und platzgründen 1. wahl.
noch später dann "kräuter" wegen der höheren prozente. in die zeit fielen ernste eheliche und dienstliche probleme und meine ersten versuche auzusteigen aus der sucht.
mit meiner frau einigte ich mich dahingehend das ich versuchen werde es von allein zu schaffen. bei meinen vorgesetzten reichte ein "ihr könnt mich mal". im dienst wurden meine nachfolgenden fehltritte übergangen ich wurde in ecken gesteckt wo ich keinem auffiel und ansonsten in ruhe gelassen. der fallstrick ließ aber nicht lange auf sich warten. sie hatten mich etwa eineinhalbes jahr in ruhe gelassen. dann kamen sie auf mich zu ( ich muß dazu sagen ich hatte es all die jahre geschafft nicht in die partei einzutreten obwohl das als selbstverstänlichkeit angesehen wurde ja fast zur pflicht gehörte) und meinten das es für mich zeit sei farbe zu bekennen wo ich denn stehe und bla, bla, bla, andernfalls sehe man sich gezwungen mich aus dem organ zu entfernen. hätten sie diese nummer zwei jahre eher gebracht hätte ich gesagt: und nur zu, und hätte gepokert. jetzt war ich schon beim morgentlichen nachtrinken angekommen und wußte so ziemlich genau in welchem schlamassel ich steckte. ich traf eine entscheidung wie ich sie in dieser situation aus eigenschutz nur treffen konnte, ich war kein held, ich kniff und wurde kandidat.
der lauf der geschichte erlöste mich. ehe es zur aufnahme in die patei kam wars vorbei mit der partei. ich bemerke gerade das bei meiner ganzen schilderurng die physische abhängigkeitswerdung zu kurz geraten ist.
der übergang erfolgte fließend, war da zuerst nur ein wenig schwitzen und unwohlsein das mit einer guten mahlzeit und körperlicher belastung wegfiel, kam langsam aber sicher ein leichtes zittern der hände hinzu. dieses zittern verging nur sehr schwer meist erst nach dem nächsten schluck. lange zeit tat ich beides, ich ging in gaststätten und trank aber auch zu hause. später als es krach wegen der vielen "kneipenbesuche" gab trank ich öfter zu hause. erst als ich schon lange heimlich trank hörten die gaststättenbesuche fast ganz auf. ich ging dann nur noch wenn ich gerade wieder einmal anfing zu trinken um die atmophäre zu genießen.
als einmal der punkt des morgentlichen nachtrinkens erreicht war ging es rappide bergab. zähneputzen war ein greuel, standig mußte man sich übergeben. und dann das zeug was man alles kaute um die "fahne" zu überdecken. mundwasser pur war das harmloseste, nelken und lorbeerlaub was für die harten. Nichts half wenn du morgens um halb 4 uhr schon aufstehen mustest um dir ne vietel flasche weinbrand mit kaffee hintergießen mußtest um fit für die frühschicht zu sein und den rest der flashe aufgeteilt auf zwei thermoskannen tee mitzunehmen um den tag zu überstehen. manchmal reichte das für den ganzen tag manchmal kamen noch ein paar bier hinzu immer öfter aber war mir das bier zu viel flüssigkeit mit zuwenig wirkung. jetzt traten auch diese phasen auf wo ich einfach nichts mehr aß. tagelang nichts bis zum zusammenbruch. ich fand das ich dannaus allen poren stenk obwohl ich mich regelmäßig duschte und zusätzlich noch vollbäder nahm. dann schleppte ich mich bis freitag hin es sei denn es erwischte mich montag dann ging ich zum arzt, dort brauchte ich nix zu sagen und kriegte für drei tage einen krankenschein. dann folgte ein kalter entzug. am anfang zitterte und schwitzte ich einen tag und erholte mich zwei mit essen und so auch schlaf weil der suff mir auch das durchschlafen raubte. später dann wurden es zwei tage zittern und schwitzen und die erholung dauerte auch länger. bis ich dann bei insgesammt 5 tagen angekommen war ehe ich wieder fit war. da soff ich dann allerdings schon 3 flaschen am tag. dazu später. inzwischen war selbst mir klar geworden das ich abhängig bin. hatte ich ja das beste beispiel hierfür in meiner jugend und auch später vorgelebt bekommen. außerdem hatte ich mich mit allem was darüber in der bibo zu haben war gelesen. so wußte ich so ziemlich genau in was für einem dilemma ich da steckte. was unsere lieben kommunisten mit leuten wie mir anzustellen pflegten hat mein vater am eigenen leib verspürt. zwangseinweisung, experimente mit medis , massive vesuche der zerstörung der persönlichkeit. erreichtes ziel, mein alter herr zog es vor sich tod zu saufen. also das wollte ich mir ersparen. es folgten alle möglichen und unmöglichen versuche wieder kontrolliert zu trinken. jedesmal entdeckte ich einen neuen "fehler" weshalb ich scheiterte und begann den nächsten versuch. dabei rutschte ich unmerklich immer tiefer in die sucht. ich durchlief alle phasen heilich trinken ,alk verstecken , den versteckten alk nicht wiederfinden(die "böse" frau hat ihn gefunden). dann begann es tatsächlich das meine frau allen alk den sie fand wegschüttete, bis sie von meiner hausärztin erfuhr das es in meiner situation schon mal ins auge gehen kann. meine hausärztin war es auch die mir riet wenn ich schon keine hilfe in anspruch nehmen würde sollte ich es doch einmal versuchen eine weile ganz ohne alkohol auszukommen. beim ersten versuch hielt ich es so ziemlich ein halbes jahr durch dann trank ich wieder über die weinachtsfeiertage und sylvester etwas hörte dann wieder auf aber nach 6 weiteren wochen war ich wieder drauf. es folgten mehrere unschöne episoden die ich mir immer wieder vor augen führte wenn ich oder ein anderer dem ich in gleicher situation wußte, meinte , wer hat das schon mitbekommen. spielte sich doch alles daheim im stillen kämmerlein ab wenn ich im koma lag. ich erinnerte dann immer an den morgen danach wenn der stoff alle war, nichts mehr zum nachtanken und dann voll auf entzug in die kaufhalle. die flasche mit zittrigen händen aufden kassentresen gestellt und wehe das geld war nicht abgezählt. wer hat da wohl nichts mitbekommen wie die hände kaum das geld herausbekamen und diese gier . am liebsten würdest du ja schon im laden die flasche an den hals setzen, aber die leute. der ganze körper schlottert und das soll keiner mitbekommen haben? warum gehst du denn nicht mehr so gern in die kneipe, doch wohl auch weil du beim ersten glas beide hände brauchst.(es sei denn du hast "vorgeglüht")
dann kam die "wende". ich saß jetzt entgültig auf dem a... . aus unserer stve wurde eine jva, allerdings nicht für lange, dann wurde abgewickelt.
ich beschloss nach einer trauerorgie endlich trocken zu werden und wieder als kraftfahrer zu arbeiten. meine längste trockene phase am stück war eineinhalb jahr die längste nasse ein viertel jahr(war ich arbeitslos). so zog sich das ganze bis 94 hin dann endlich nach einem suizidversuch ließ ich professionelle hilfe zu.
proscrito
ps eines ist mir noch wichtigzu sagen, die strafvollzugseinrichtungen in denen ich war sind nicht zu vergleichen mit einrichtungen wie bautzen, cottbus, brandenburg oder untermassfeld oder hohneck um nur einige der beuechtigsten herauszunehmen. es gab auch andere wie thale z.b. in denen es seit der un anerkennung wesentlich humaner zu ging. immer noch keine perfekten zustaende aber a i hatte nichts meh rzu bemaengeln. ich glaube in den oben genannten einrichtungen waere ich ganz sicher nicht alt geworden, so oder so.
soll keine entschuldigung fuer meine vergangenheit sein, ich steh dazu wenn auch nicht stolz.
proscrito |
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| proscrito hat zum Thema: Re: mein weg in die sucht! geschrieben
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EinzigEine neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 21.10.2005 Beiträge: 84 Alter: 45
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Verfasst am: 31.12.2005, 10:46 Titel: Re: mein weg in die sucht! |
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Hallo Proscrito,
ich habe deine Geschichte gelesen und sie hat mich sehr berührt ...vielleicht nicht zuletzt deswegen, weil ich nicht weit weg wohne. Ich kenne Thale, habe in der "Hütte"gelernt. Es ist ein eigenartiges Gefühl ... man denkt immer, wenn man im Internet surft, sind die Leute ganz weit weg ... ist aber nicht immer so.
Ich hoffe, dir geht es jetzt einigermaßen gut und wünsche dir für das kommende Jahr nur das Beste!
EinzigEine |
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| EinzigEine hat zum Thema: Re: mein weg in die sucht! geschrieben
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Teufelchen Gast
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Verfasst am: 31.12.2005, 11:13 Titel: Re: mein weg in die sucht! |
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Hallo proscrito,
beeindruckend wie sehr Du Dich mit Deiner Vergangenheit auseinandersetzt. Ich halte das für sehr wichtig.
Jetzt ist es Zeit nach vorn zu sehen. Ich wünsche Dir viel, viel Glück.
Simone, Alkoholikerin |
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| Teufelchen hat zum Thema: Re: mein weg in die sucht! geschrieben
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