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10 Jahre - Alkohol: Herzlich Willkommen im Alkoholikerforum.
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Karsten
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BeitragVerfasst am: 26.01.2009, 14:52    Titel: 10 Jahre Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Die vergangenen 10 Jahre,

ich hatte heute Vormittag einen sehr langen Beitrag geschrieben, der aufzeigen sollte, wie die letzten 10 Jahre meines Lebens verlaufen sind. Als ich diese Zeilen eben noch einmal durchgelesen habe, habe ich sie wieder gelöscht.
Ich wurde dabei sehr nachdenklich, denn ich schrieb viel über meine nasse Zeit und viel über die ersten Jahre meiner Nüchternheit, die aus heutiger Sicht sehr glücklich waren, aber auch viele Tiefen enthielten.
Ich verglich meine ersten Jahre mit den Lebensgeschichten, die ich hier oft lese und bin froh und dankbar, dass ich einst so tief unten war. Ich hatte das Glück, dass mein Leben so zu Ende war, denn sonst würde ich mich auch heute noch im Kreis drehen. Ich habe über sieben Jahre immer wieder neue Anläufe genommen, mein Leben zu ändern und in vielen Beiträgen hier, lese ich von anderen Menschen, diese meine sieben Jahre von erfolglosen Versuchen. Sie schreiben oft, dass was ich versucht habe und woran ich immer gescheitert bin.
Ich sehe sie auf meinem Weg und wenn manche Forenteilnehmer nach einer langen Abwesenheit wiederkommen und vom Rückfall erzählen, werde ich traurig, denn das war auch mein Leben.
Mein Leben und in erster Linie meine Gedanken haben sich heute vor 10 Jahren geändert.
Ich wünsche jeden Menschen, dass er oder sie meine sieben Jahren der Versuche und Enttäuschungen nicht auch durchleben muß.
Lernt zu vertrauen und glaubt an die Erfahrungen anderer Menschen, denn sie sind der Weg in ein nüchternes Leben.
Jeder kann es schaffen, aber nur wenige Menschen schaffen es.
Vertraue, der Weg lohnt sich!

Gruß
Karsten
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Karsten hat zum Thema: 10 Jahre geschrieben
Boerni
Gast






BeitragVerfasst am: 07.02.2009, 18:40    Titel: Re: 10 Jahre Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Karsten

Habe gerade " die vergangenen 10 Jahre " gelesen.
bei mir waren es 5 Jahre vergeblicher Versuche. Aber genau diese schlimmen Jahre haben mir die Weichen auf das Gleis " Abstinentes Leben " gestellt.
du hast geschrieben--Jeder kann es schaffen, aber nur wenige Menschen schaffen es--- wenn ich darüber nach denke werde ich traurig.
Mir persönlich, war der Satz -- NUR DU ALLEIN KANNST ES SCHAFFEN, ABER DU SCHAFFST ES NICHT ALLEIN.--eine große Hilfe.

viele grüße von Boerni
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Boerni hat zum Thema: Re: 10 Jahre geschrieben
Karsten
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Geschlecht: Geschlecht:Männlich
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Beiträge: 32801
Alter: 49
Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 07.02.2009, 18:45    Titel: Re: 10 Jahre Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Boerni,

ich habe auch sieben Jahre von nicht trinken und trinken hinter mir, wo es öfter mal ein Jahr Trinkpause gab. Die Angst vor der Zukunft war immer irgendwie da, denn mir konnte es nicht schnell genug gehen. Leider dauerte es dann eben diese sieben Jahre bis ich mal wirklich nachdachte und einen anderen Weg einschlug.
Ich weiß, dass dieser Satz weh tut, aber es ist die Realität und vor dieser dürfen wir uns nicht verschließen.
Es kann jeder schaffen, aber nur wenn er oder sie wirklich dazu bereit ist.

Gruß
Karsten
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Karsten hat zum Thema: Re: 10 Jahre geschrieben
Boerni
Gast






BeitragVerfasst am: 07.02.2009, 19:48    Titel: Re: 10 Jahre Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo Karsten

Bin absolut deiner meinung.
warum ich traurig werde? in der reha 2006 habe ich einen sehr lieben alkoholiker vor ort verloren und 4monate nach der langzeit noch einmal.
sie waren beide nicht bereit.Diese Realität war hart aber ich habe mich Ihr nicht verschloßen sondern daran hochgezogen.
ich lebe eine zufriedene abstinenz und das wünsche ich euch allen allen allen

HG Boerni Sehr glücklich
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Boerni hat zum Thema: Re: 10 Jahre geschrieben
mustasch
neuer Teilnehmer


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Alter: 57
Wohnort: edmonton

BeitragVerfasst am: 10.04.2009, 22:43    Titel: Re: 10 Jahre Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hi Karsten,
Es liegt in der Natur der Suchtkrankenhilfe als Helfer nur beschraenkte
Hilfestellungen dem Hilfesuchenden anzureichen.
Ich selber habe eine zeitlang Suchtpraevention in Schulen und Jugend-
verbaenden betrieben.
Am Anfang dieser Aktionen war mir schon klar,dass meine Erfolgsaus-
sichten als eher gering einzustufen waren.Stelle Dir vor,Du stehst vor
einer desinteressierten,Kaugummi-fressenden Gruppierung und versuchst
deine Erfahrungen als mahnendes Abschreckungsmodul zu verkaufen.
Aus der ersten Reihe wirst Du noch angeschaut,in der Zweiten wird sich
bereits lebhaft ueber Parties unterhalten und aus der letzten Reihe
erkennst Du gelegentlich irgendwelche Stinkefinger.
Dennoch zog ich mein Programm durch,waehrend ich merkte,dass
einigen Schuelern das Verhalten ihrer Mitschueler unangenehm war.
Ich hatte Einiges in meiner Trickkiste und so erzaehlte ich nach einer
Weile von meiner Knastzeit-
Karsten-ich sage Dir,es war sofort Totenstille im Raum,100 % Aufmerk-
samkeit war mir gewiss.Die Schueler nahmen gebannt meine Geschichte
auf und ich spuerte foermlich,wie sich in ihren Koepfen etwas bewegte.
Oefter bat mich der eine oder andere Schueler nach meinem Vortrag
um Einzelgespraech zu dem ich gerne bereit war.
Warum ich dieses niederschreibe hat einen bestimmten Grund!
Wir alle wissen,wie unterschiedlich und complex menschliche Verhaltens-
weisen sind.Diese Tatsache unterscheidet uns im Wesentlichen vom Tier.
Jedes neugeborene Tier versucht durch sein artgerechtes,bedingungs-
loses Nacheifern zu ueberleben.
Nur bei uns Menschen klappt das nicht.Wir denken und kochen unser
eigenes Sueppchen.Und nicht zuletzt pocht jeder auf sein Recht der
freien Entfaltung.
Dies hat zur Folge,dass einige von uns Probleme im Grenzbereich haben
die sie immer wieder scheitern lassen.
Karsten-Ich mache mir nichts vor ueber die Realitaeten,aber ich sehe
meine Mission in der Suchtkrankenhilfe und somit Praeventionsarbeit
bereits darin erfuellt,wenn ich nur einen Schueler erreichen konnte und
ihn vielleicht vor Schlimmen bewahren konnte.
Suchtkrankenhilfe ist aber auch eine ideale Methode,fuer uns trockene
Alkoholiker,sich staendig mit uns selbst zu befassen.
So brutal sich das auch anhoeren mag,aber was wuerde aus uns
Trockenen,wenn die "Frischen" nicht mehr gaebe?
Es ist wie es ist-nicht mehr und nicht weniger.
Gruss mustasch
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mustasch hat zum Thema: Re: 10 Jahre geschrieben
Karsten
Administrator
Administrator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
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Beiträge: 32801
Alter: 49
Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 11.04.2009, 11:24    Titel: Re: 10 Jahre Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

Diese Erfahrung mit den Schulklassen habe ich auch gemacht. Ich habe circa drei Jahre lang vor 13-18 jährigen meine Lebensgeschichte erzählt. Anfangs waren die Schüler auch sehr unaufmerksam, aber so mehr ins Detail ging, hörten sie mir gespannt zu.
Ob ich jemanden erreichen konnte und ihm vom Alkoholkonsum abbringen konnte, war auch nicht die Zielsetzung dieser Unterrichtsstunden.
Es ging mir darum, den jungen Menschen aufzuzeigen, wie weit es kommen kann, wenn in den jungen Jahren die Weichen für eine Alkoholabhängigkeit gestellt werden.
So sehe ich das auch hier im Forum. Auch wenn ich mir manchmal Gedanken darum mache, warum viele Leser und Forenteilnehmer so sind wie sie sind, weiß ich, dass alleine schon das aufzeigen von Gefahren und Risiken, sich später daran erinnert.
Der Satz, wenn nur ein erreichst, hast Du schon viel erreicht, halte ich mir immer vor Augen. Wenn ich die vielen Menschen, vor allem im geschützten Bereich, sehe, die sich jeden Tag intensiv und aktiv mit ihrer Suchtkrankheit auseinandersetzen, dann sind hier aus dem einen, den es zu erreichen galt, schon sehr viele Menschen geworden. Viele haben sich aus ihrer Sucht befreit und leben nun ein glückliches Leben ohne Alkohol. Auch wenn ich nur einen geringen Anteil daran habe, macht es mit stolz, wenn ich mir die glücklichen Gesichtern hinter den Beiträgen vorstelle.
Meine letzten 10 Jahre waren natürlich auch nicht nur Sonnenschein. Rückblickend kann ich aber sagen, dass ich keinen Tag bereue. Gerade die Anfänge in der damaligen Wohngemeinschaft , waren nicht leicht, aber sie haben mir gezeigt, dass es für mich nur so ging.
Auf der anderen Seite, macht es mich manchmal traurig, wenn ich lese, dass Hilfesuchende im Forum versuchen, ihre eigenen Gedanken mehr Gewicht zu geben, als den Erfahrungen von Langzeittrockenen. Ich weiß aus meiner eigenen Anfängen, dass ich nicht anders war.
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Karsten hat zum Thema: Re: 10 Jahre geschrieben
Spanijoggel
Moderatorin
Moderatorin


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Anmeldungsdatum: 13.02.2008
Beiträge: 8589
Alter: 70
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 11.04.2009, 12:27    Titel: Re: 10 Jahre Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Karsten!

Hab da was gefunden,das ganz wichtig ist!

Zitat:
Meine letzten 10 Jahre waren natürlich auch nicht nur Sonnenschein. Rückblickend kann ich aber sagen, dass ich keinen Tag bereue.


Winken Winken Winken Danke!

Liebe Ostergrüsse
Yvonne
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Spanijoggel hat zum Thema: Re: 10 Jahre geschrieben
Borius
neuer Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 30.04.2009
Beiträge: 54
Alter: 58
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 04.05.2009, 19:48    Titel: Re: 10 Jahre Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Moin Karsten,

Zitat:
Ob ich jemanden erreichen konnte und ihm vom Alkoholkonsum abbringen konnte, war auch nicht die Zielsetzung dieser Unterrichtsstunden.


Dazu kurz folgendes:
ich habe meine Entgiftung vom 26.12.1976 - 16.01.1977 mit ach und krach überlebt.
Prävention gab es zu dieser Zeit nicht - weder in Schulen noch im Berufsleben - noch in den Medien.

Das bedeutete für mich, daß mit meiner Alkoholerkrankung kaum jemand umgehen konnte.

Heute sieht es völlig anders aus !

Wenn ich heute einem jungen Menschen (oder auch den älteren Leuten), sage, daß ich Alkoholiker bin, schaue ich nicht mehr in fassungslose Gesichter - höre nicht mehr den Satz "aber Du trinkst doch garnichts ...."

Heute ist ein Großteil der Bevölkerung aufgeklärt, und das ist der Arbeit zu verdanken, die Du (und viele andere Alkoholiker vor Dir) an Präventionsarbeit geleistet haben.

Insofern möchte ich Dir dafür danken, daß meine Mitmenschen mich besser verstehen und mit mir umgehen können.

viele Grüße
Peter
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Borius hat zum Thema: Re: 10 Jahre geschrieben

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