| Warum passiert das? • Angst vor Verlusten - Verlustängste |
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Ette sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 25.01.2007 Beiträge: 1660 Alter: 55
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Verfasst am: 11.01.2009, 11:55 Titel: Opferrolle |
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Hallo,
immer wieder lese ich hier davon, wie schlecht trinkende Partner mit ihren Angehörigen umgehen. Von Vergeudung von Zuneigung ist die Rede, von Scheusal, von Beschimpfungen usw.
NIEMAND ist dazu verurteilt, dies mit sich machen zu lassen. Jedoch hat die Opferrolle den Vorteil, dass wir Mitleid, Aufmerksamkeit und Zuwendung erhalten. Warum also sollten wir sie ändern? Zumal eine Veränderung mit Ungewissheit, Risiken und u. U. mit dem Verlust relativer finanzieller Sicherheit verbunden ist.
Wie Nora an anderer Stelle schon schreibt, wir selbst begeben uns in diese Opferrolle. Der andere, trinkende Partner agiert so, wie es in seiner Sucht möglich ist. Aber gerne wird genau dieses Verhalten dann angeprangert. Wer prangert denn einen Masernkranken an dafür, dass er rote Flecken hat?
Der Alkoholabhängige ist krank und wir sind es auch. Aber wir machen ihn für unsere Krankheit verantwortlich und erwarten, dass er sich ändert, damit es uns wieder gut geht. WIR selbst haben es in der Hand, es uns gutgehen zu lassen und gut für uns zu sorgen. Kein noch so mitfühlender Mensch in unserem Umfeld kann das für uns tun. Aber solange wir uns in der Opferrolle gefallen, können wir nichts ändern. Wir müssen einfach handeln, um nicht mehr be-handelt zu werden. Es liegt also in unserer Hand.....
LG
Ette |
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| Ette hat zum Thema: Opferrolle geschrieben
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Julchen148 sehr aktiver Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 23.12.2008 Beiträge: 2962
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Verfasst am: 11.01.2009, 12:21 Titel: Re: Opferrolle |
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Hallo Ette
es stimmt, es liegt in unserer Hand. Das zu erkennen ist aber ein weiter Weg.
Ich hab das erst erkannt als ich auf dieses Forum gestossen bin.
Ich war mit meinem Mann bei der Nachsorge und ich war bei meiner Therapie. Immer hieß es ich solle machen was mir gut tut, aber das konnte ich doch nicht. Mein Mann hat gejammert daß es ihm schlecht geht, er hatte dieses oder jenes Wehwechen, wie konnte ich da so egoistisch sein und es mir gut gehen lassen?
Ich weiß nicht ob ich mir in der Opferrolle gefallen hab, für mich war das ja Normalität.
Es stimmt , ich hab meinen Mann auch dafür verantwortlich gemacht, daß es mir schlecht geht. Ich hab ihm immer gesagt, er kann was ändern, ich nicht. Daß ich ihn verlassen kann, kam mir nie ernsthaft in den Sinn, ohne mich würde er ja untergehen.
Wie gesagt, mir wurden erst hie in diesem Forum die Augen geöffnet und dann konnte ich erst handeln.
Schöne Grüße
julchen |
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| Julchen148 hat zum Thema: Re: Opferrolle geschrieben
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Susanne Gast
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Verfasst am: 11.01.2009, 14:48 Titel: Re: Opferrolle |
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Hallo Ette,
ein tolles Thema, das immer wieder stark durchdringt ist mit dem Gedanken, daß ich aus dieser Opferrolle auch nihct herauskomme, solange der Alkoholiker sich nicht ändert...etc.
Wenn man sich die Grundbausteine genau durch liest, kommt man an den Punkt:
Die Erkenntnis, dass der süchtige Partner/ Elternteil nur ein Auslöser für die eigenen kranken Anteile ist und nicht Schuld daran ist, dass es einem schlecht geht. Jeder Mensch kann selbst entscheiden, wie er mit seinem Leben umgeht und befindet sich nicht in einer Opferrolle. Der Co-Abhängige lässt nur so viel mit sich machen, so viel er zulässt.
...Und solange diese Erkenntnis nicht erfolgt ist, werde ich mich als Co-Abhängiger auch nicht bewegen, mein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen! Und dann kommen die *Runden und Runden in Selbstmitleid, in Gründen, die nicht dazu führen, mein Leben zu verändern.
Dazu ist es aber erforderlich, sich den Spiegel vor das Gesicht zu halten und zu*erkennen*, daß ich auch krank bin!!!!
Danke Ette für diese Gedanken.
Liebe Grüße
S.Käferchen |
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| Susanne hat zum Thema: Re: Opferrolle geschrieben
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Thelma Gast
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Verfasst am: 11.01.2009, 15:37 Titel: Re: Opferrolle |
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Hi,
ich habe mal einen provokanten Satz gehört:
Manchmal sind Opfer die wahren Täter.
Was ist damit gemeint:
Menschen, die sich jahrelang in eine Opferrolle begeben, leben in einer Art Sicherheit. Die Verantwortung für sich selbst wird abgegeben.
(Wir sprechen hier nicht von Kindern!!!)
Sie üben durchaus eine gewisse Macht aus.
Man kann immer mit dem Finger auf den "bösen" zeigen und sagen:"Er ist schuld, dass es mir schlecht geht."
Von aussen wird man bemitleidet und es gibt keinen Anlass, aus dieser durchaus bequemen Konstellation auszubrechen.
Es wird in Kauf genommen, dabei kaputt zu gehen, nur um nicht aktiv zu werden und sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, Eigenverantwortung zu übernehmen.
Manchmal hat mein Mann im Streit zu mir gesagt:"Jetzt machst Du wieder auf Opfer."
Und wenn ich ehrlcih bin, er hatte ab und zu durchaus recht. Nicht immer.
Ich fühlte mich dann richtig ertappt.
Ein Leben mit einem Alkoholiker ist zerstörend, keine Frage.
Aber wie oft wird er vorgeschoben, um uns selbst nicht anschauen zu müssen?
Im Grunde bin ich alles andere als ein Opfertyp.
Liebe Grüße von der nachdenklichen Thelma |
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| Thelma hat zum Thema: Re: Opferrolle geschrieben
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Melinak sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 10.12.2008 Beiträge: 5012 Alter: 40
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Verfasst am: 11.01.2009, 16:03 Titel: Re: Opferrolle |
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hallo ette,
fin dich prima das du es hier ansprichst!
du hast damit den nagel auf den kopf getroffen.
mehr dazu kann ich nicht sagen, du sprichst mir sowas aus dem herzen!
du bekommst für mich ne glatte eins für diese aussage!!!!!!!
danke für diesen denkanstoss melina |
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| Melinak hat zum Thema: Re: Opferrolle geschrieben
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norA50 Gast
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Verfasst am: 14.01.2009, 00:23 Titel: Re: Opferrolle |
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| Zitat: | ... immer wieder lese ich hier davon, wie schlecht trinkende Partner mit ihren Angehörigen umgehen. Von Vergeudung von Zuneigung ist die Rede, von Scheusal, von Beschimpfungen usw.
...
Der Alkoholabhängige ist krank und wir sind es auch. Aber wir machen ihn für unsere Krankheit verantwortlich und erwarten, dass er sich ändert, damit es uns wieder gut geht.
LG
Ette |
Hallo Ette,
bei der letzten Auseinandersetzung mit meinem Exfreund warf er mir vor, ich wollte doch nur alles (nämlich unseren Urlaub nicht abbrechen - er wollte unbedingt heim - wahrscheinlich um sich zu betrinken), damit MEIN Seelenheil in Ordnung ist...
Ich war wütend, weil er mir auch noch andere Sachen an den Kopf warf, einfach ungerecht war.
Aber natürlich wollte ich für mich die schönen Tage fortsetzen. Was in ihm wühlte, die Sucht, die ihn nach Hause trieb, wollte ich einfach wegwischen. Die Sucht, die Krankheit... Angenommen er hätte einen Anfall irgendeiner anderen Krankheit bekommen, wieviel milder hätte ich gedacht! Wäre ich gekränkt gewesen, wenn er wegen Herzproblemen oder einer Grippe nach Hause gewollt hätte?
Allerdings kann man bei Herzproblemen und Grippe dem Partner zur Seite stehen, ob beim Arztbesuch oder mit heißen Getränken usw.
Noch ein Unterschied: Der Herzkranke oder Grippepatient will wieder gesund werden und tut alles zur Genesung. Der Süchtige will meistens gar nicht, der Kiffer sieht überhaupt keinen Anlass etwas zu ändern.
Es ist bisweilen sehr schwer, solche Abhängigkeiten als Krankheit zu sehen...
Es grüßt Dich eine ratlose
Nora... |
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| norA50 hat zum Thema: Re: Opferrolle geschrieben
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kaltblut sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.06.2006 Beiträge: 4741 Alter: 53 Wohnort: beiM
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Verfasst am: 14.01.2009, 10:57 Titel: Re: Opferrolle |
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| norA50 hat Folgendes geschrieben: | Allerdings kann man bei Herzproblemen und Grippe dem Partner zur Seite stehen, ob beim Arztbesuch oder mit heißen Getränken usw.
Noch ein Unterschied: Der Herzkranke oder Grippepatient will wieder gesund werden und tut alles zur Genesung. Der Süchtige will meistens gar nicht, der Kiffer sieht überhaupt keinen Anlass etwas zu ändern.
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Hallo Ihr Lieben,
jetzt frage ich mich aber schon, wie das zu verstehen ist. Geht es um die Würdigung der Unterstützung oder um die Gesundung aus einer Krankheit?
Nehmen wir einmal an, ich bekomme einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall, Krebs oder ähnliches, dann habe ich mit größter Wahrscheinlichkeit vorher 10,20 oder mehr Jahren unbewußt Dinge gemacht, die dazu beigetragen haben und ich habe laufend Warnbotschaften Dritter ignoriert. In meinem Fall wären das Saufen, Rauchen, Fressen, falsche Ernährung, Bewegungsmangel, Schlafmangel, Streß und nochmals Streß. Ohne akute Umstände habe ich mich fleißig falsch verhalten und gut gemeinte Hinweise Dritter nicht beachtet. Genauso wie bei Suchtabhängigen eine hohe Rückfallquote normal ist, werden viele akut Betroffene nach der ersten Genesungsphase wieder in alte Muster zurückfallen.
Irgendwie müßte sich doch jeder, der ein Kind groß zieht, einen Alten pflegt, mit einem Kranken liiert ist, ein kleines bißchen selbst zerstören.
Wo ist denn jetzt der Unterschied? Erklärt mir das doch bitte einmal.
LG Kaltblut |
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| kaltblut hat zum Thema: Re: Opferrolle geschrieben
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norA50 Gast
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Verfasst am: 14.01.2009, 11:50 Titel: Re: Opferrolle |
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| Zitat: | Wo ist denn jetzt der Unterschied? Erklärt mir das doch bitte einmal.
LG Kaltblut |
Hallo Kaltblut,
klar, um zu solchen Erkrankungen zu kommen, bedarf es einiger Unvernunft in den früheren Lebensjahren.
Aber es besteht ein Unterschied: Kein Herz- oder sonstwie Kranker wird sich derart gegen seine "Pfleger" benehmen wie dies bei einem Abhängigen der Fall ist. Beschimpfungen, Schuldzuweisungen, Lügen, ein vehementes sich gegen jede Therapie stemmen ist doch wohl eher bei Abhängigen der Fall. Die Pflege eines Kranken ist zermürbend und kräftezehrend, die Pflege eines Abhängigen ist aber fast tödlich für die "pflegende" Person. So ist jedenfalls meine Erfahrung. In Glücksfällen mag es so sein, dass der Patient kuriert wird. Aber eben nur in Glücksfällen...
Meines Erachtens ist auch ein wichtiger Aspekt, dass Abhängige eben seelisch und psychisch kranke Menschen sind, deshalb ist es wesentlich schwieriger für einen Laien, diesen Menschen "pflegend" zur Seite zu stehen, als einem an Grippe oder sonst was erkrankten. Wobei schwere körperliche Erkrankungen ja auch nicht daheim, sondern in einer Klinik behandelt werden!
Man muss sich wirklich von dem Irrglauben befreien, dass man Abhängige heilen kann, ohne die notwendigen Fachkenntnisse zu besitzen. Und schon gar nicht, wenn der Patient keine Einsicht hat und z. B. die Kifferei als selbstverständlich und lebensbereichernd betrachtet (wie bei meinem Exfreund).
Liebe Grüße
Nora |
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| norA50 hat zum Thema: Re: Opferrolle geschrieben
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