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Die ersten Tage, Wochen, Monate

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Spanijoggel
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Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 13.02.2008
Beiträge: 8589
Alter: 70
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 10.01.2009, 07:18    Titel: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Antonia!

Wir alkoholkranke müssen uns zuerst um uns kümmern.
Wenn ich meine Kräfte zu sehr in Hilfe an andere investiere kann es sehr schnell sein,dass sie für mich nicht mehr reichen.
Und das ist dann wohl das Verkehrteste was passieren kann!

Abgrenzen heisst ein Zauberwort das ich mir fast täglich vornehmen muss.

Das könnte für Dich heissen,dass Du ihn wohl nicht fallen lässt,aber doch zuerst für Dich da bist! und aus dieser Sicht die Prioritäten setzt.

Könnte es sein,dass Du Co-Anteile hast oder entwickelst?

Du hast ein grosses Ziel vor Dir: Dein trockener Weg durchs Leben.

Liebe Grüsse
Yvonne
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Spanijoggel hat zum Thema: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben
misselli
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 15.12.2008
Beiträge: 59
Alter: 46

BeitragVerfasst am: 10.01.2009, 10:40    Titel: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Antonia,

ich habe ja ein ähnliches Problem mit meiner Schwester, sie ist sehr krank und trinkt auch, war vor 1,5 Jahren in Therapie, hat aber den Absprung nicht geschafft auch sonst ist ihr Leben ganz furchtbar, finde ich.
Aber ich kann es nicht ändern, sie muß was ändern, mir kann ja auch keiner helfen, wenn ich mich nicht um mich kümmere und mein Leben in die Hand nehme, jeder kann sich Hilfe holen bei geeigneten Stellen (Therapie , Beratung), sie macht es leider nicht und wird an ihrer Krankheit sterben, fürchte ich , aber ich habe da innerlich Abstand gewonnen, ich kann es einfach nicht ändern. Das ist nicht hartherzig, es ist einfach so, es nützt niemandem, wenn ich mich runterziehen lasse und mich aus sympathie mit totsaufe, das mache ich mir immer klar, wenn mir die Abgrenzung schwerfällt .

Liebe Grüße

Elli

Elli
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misselli hat zum Thema: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben
zerfreila
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 01.01.2009
Beiträge: 10354
Wohnort: trocken seit: 07-06-2008

BeitragVerfasst am: 10.01.2009, 11:34    Titel: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Antonia,

als ich Dir gerade antworten wollte, habe ich gesehen, dass Spanijoggel und misselli dies schon getan haben.

Ich kann mich den beiden nur anschließen, trotzdem nochmal kurz in meinen Worten: Also Abgrenzung ist oberstes Gebot, es geht nicht, dass Du Dich da mit 'reinziehen lässt. Du hast ja genug Arbeit mit Dir, die eigene Trockenheitsarbeit ist wichtiger und muss für Dich oberste Priorität haben. Und eine vermeintliche Hilfe von Dir kann Dich erstens
selbst in Gefahr bringen und Deinem besten Freund auch nicht wirklich nutzen.

Du musst ihn ja nicht wie eine heiße Kartoffel fallen lassen, sondern ihm die Zusammenhänge so erklären, wie es aus diesen Antworten heraus hervor geht. Ich glaube, so hättest Du ihm den Tipp gegeben, dass Du für sein Alkoholproblem nicht zuständig bist und er dies selbst in die Hand nehmen muss.

In diesem Sinne Dir weiter einen guten Weg.

zerfreila
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zerfreila hat zum Thema: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben
Fünf-vor-Zwölf
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 22.12.2008
Beiträge: 38
Alter: 43

BeitragVerfasst am: 10.01.2009, 12:22    Titel: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen


Spanijoggel hat Folgendes geschrieben:

Könnte es sein,dass Du Co-Anteile hast oder entwickelst?


Ja! Wenn ich hier so im Co-Bereich lese, erkenne ich mich auf beängstigende Weise in vielem wieder. Gut, dass mal jemand das Kind beim Namen nennt, danke Yvonne.
Na, dann habe ich eben noch eine Baustelle, die ich aber gerade jetzt nicht auf später verschieben darf.

Mir war das mit der Co-Abhängigkeit bislang gar nicht so bewusst.

Nun, ihr sagt "nicht fallen lassen wie eine heisse Kartoffel". So grob könnte ich gar nicht sein.

Ihr habt sicher Recht, wenn ihr von Abgrenzung sprecht, eben das muss ich erst lernen: kein schlechtes Gefühl/Gewissen zu haben, wenn ich meine Hilfe auf das Nötigste beschränke, ohne mich dabei mies zu fühlen.

Es ist wohl eine Gratwanderung mit der Hilfsbereitschaft.
Zum Glück wird mein Hirn täglich klarer!

Liebe Grüße
Antonia
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Fünf-vor-Zwölf hat zum Thema: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben
live2008
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 27.05.2008
Beiträge: 290

BeitragVerfasst am: 10.01.2009, 13:08    Titel: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hllo Antonia

auch von mir Herzlich Willkommen!

Ich verstehe dich ganz gut, weil ich auch so ein Mensch bin, der sich um andere kümmert und versucht für andere da zu sein.
Und gerade da habe ich mich verloren.
Ich war für andere da und selbst bin ich auf der Strecke geblieben.
Es ist nicht einfach egoistisch zu sein.
Aber das müssen wir lernen.
Motto des Tages: Ich bin wichtig! sollte unser Leben bestimmen.

Als ich im November 08 zur Entgiftung im KH war, versuchte ich jeden Tag 1000 mal mir zu sagen:
Du bist wichtig!
Kümmere dich um sich selbst!
Alles andere ist erstmal egal!

Immer wieder habe ich es wiederholt und das tue ich seit dem jeden Tag, nicht so intensiv und auch nicht so oft aber ich tue es.

Weil nur wir selbst sind für unseres Leben verantwortlich und wir selbst bestimmen, wie es weiter gehen soll. Und dafür brauchen wir genügend Zeit, Kraft und Egoismus.

Kümmere dich im sich selbst.
Deinem Freund kannst du es sagen, was du gerade durchmachst und dass er dich runterziehen würde. Wenn er ein echter Freund ist, wird er das verstehen.
Wenn er das nicht akzeptiert, dann ist er kein Freund sondern nur jemand, der dich ausnutzt.

Liebe Grüße
live2008
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live2008 hat zum Thema: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben
espoir
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 29.11.2008
Beiträge: 1150
Alter: 44

BeitragVerfasst am: 10.01.2009, 13:44    Titel: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

live2008 hat Folgendes geschrieben:

Deinem Freund kannst du es sagen, was du gerade durchmachst und dass er dich runterziehen würde. Wenn er ein echter Freund ist, wird er das verstehen.
Wenn er das nicht akzeptiert, dann ist er kein Freund sondern nur jemand, der dich ausnutzt.


Grüß dich, Antonia, auch von mir ein "Herzlich Willkommen"!

Ich finde die letzten Sätze von live total wichtig: sprechen, sprechen, sprechen!
Auch ich habe die Erfahrung machen müssen, dass ich besser fahre, wenn ich mir bewusst bin, was mir gut tut und was ich will, was mir bei meinem Weg in die zufriedene Abstinenz hilft, und was mich eher behindert. Natürlich ist das erst einmal schwer und ungewohnt, diese gedankliche Verbindung herzustellen zwischen dem anderen helfen und im selben Augenblick nichts für sich zu tun, weil man ja mit dem anderen beschäftigt ist. Ist aber so. Du brauchst jeden noch so kleinen Zipfel Energie für dich selber, alles andere lenkt deinen Blick doch nur von dir selber ab, oder?
Und mal ehrlich: Welcher Nichtschwimmer möchte schon einem anderen das Schwimmen beibringen? Eben.

Alles Gute dir!
espoir
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espoir hat zum Thema: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben
Fünf-vor-Zwölf
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 22.12.2008
Beiträge: 38
Alter: 43

BeitragVerfasst am: 13.01.2009, 01:03    Titel: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Abend,

eure Worte haben mich zum Denken angeregt, ich danke euch dafür, allerdings hat sich die Situation bez. meines Freundes sehr plötzlich sehr verändert. Doch da das in meinen Gedanken und Gefühlen momentan nicht im Vordergrund steht (habe es bewusst etwas zur Seite geschoben, so gut es eben geht), werde ich darüber erst mal nicht schreiben.

Heute morgen war ich bei der Caritas, und in der Wartezeit las ich in einigen Broschüren. Beim Thema "Phasen der Alkoholabhängigkeit" las ich einen Satz, der mich sehr beschäftigt: Der Kranke zeigt sich mit zunehmenden inneren Qualen als Kompensation nach außen selbstsicher und optimistisch, ja sogar oft fröhlich, vermittelt den Eindruck eines optimistischen Menschen, der sein Leben unter Kontrolle hat (so sinngemäß). Hätte dahinter gestanden "Trifft das auf Sie zu?", ich hätte zähneknirschend "ja" angekreuzt.

Der Gedanke wirbelte den ganzen Nachmittag im Hirn herum und machte mich ganz schwindelig. Ich glaubte ein ehrlicher Mensch zu sein, aber ich habe jahrelang alle belogen, auch mich selbst. Das erschreckt mich sehr.

Heute abend war ich zum ersten Mal in einer Selbsthilfegruppe.
Das Thema war Umgang mit der Vergangenheit (so langsam glaube ich nicht mehr an Zufälle!). Als ich dazu gefragt wurde, sagte ich erst mal MMH..., dann fiel mir spontan eine Metapher ein: die Vergangenheit als prächtiges Schloss, außen voller Gold und Silber, innen kalt, leer und schmutzig. Ich bin vor ein paar Tagen in Panik hinausgerannt, habe aus dem Fundament Steine herausgeschlagen und sehe nun beim Einsturz zu. Stehe nackt und staunend daneben, immer in der Angst, dass mich Steine treffen und erschlagen könnten. Und weiß nicht wohin.
Weiß nur, dass ich ein neues Haus bauen muss, klein, bescheiden und gemütlich, in dem ich wohnen kann, und die Steine dafür mühsam zusammentragen. Habe aber nicht die leiseste Ahnung, wo ich die Steine hierfür finde. Die Trockenbausteine mögen das Fundament sein, aber es braucht noch mehr.

Ich werde fast alles aufgeben müssen, mein Denken und Handeln in den vergangenen Jahren. Fühle mich unsicher und orientierungslos.
Und ich werde lernen müssen, Hilfe anzunehmen.

Es tut so gut, das niederzuschreiben. Und dass ihr zuhört.

Liebe Grüße
Antonia
(deren Hände nicht mehr zittern, aber der Kopf fängt an)
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Fünf-vor-Zwölf hat zum Thema: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben
Spanijoggel
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 13.02.2008
Beiträge: 8589
Alter: 70
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 13.01.2009, 07:12    Titel: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Antonia!

Wenn Du Stein um Stein zusammentragen musst,nimm Dir Zeit dazu.
Es soll ja etwas solides werden.

Du bist nackt? Dann ziehe Dir was Warmes an.Nimm Deinen Vorsatz,trocken zu werden und zu bleiben. Er wird Dich vor den Einflüssen der unmittelbaren Umwelt schützen.

So kannst Du getrost in aller Ruhe Stein für Stein suchen,finden,einsetzen.

Wahrscheinlich können wir Dir auch hie und da zeigen wo so ein Stein liegt,dann kommst Du besser voran.

Also: Zieh Dich warm an und fang an.

Liebe Grüsse
Yvonne
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Spanijoggel hat zum Thema: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben

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