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Die ersten Tage, Wochen, Monate

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Fünf-vor-Zwölf
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 22.12.2008
Beiträge: 38
Alter: 43

BeitragVerfasst am: 09.01.2009, 00:22    Titel: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Abend,

wo ich anfangen soll, weiß ich gar nicht genau. In meinem Kopf drehen sich so viele Gedanken, Eindrücke, Informationen...ganz zu schweigen vom emotionalen Chaos.
Ich war bis heute morgen 10 Tage lang in der Entgiftung und nun wieder zu Hause, und es kommt mir vor, als sei ich ewig lange auf einem anderen Planeten gewesen. Ein solches Nebeneinander von Glück und Leid, von Mut und Angst, von Kraft und Erschöpfung habe ich seit vielen Jahren nicht mehr erlebt.
Ja, ich bin froh, wieder intensive Gefühle (vor allem die positiven) zu haben, ganz ohne Alkohol. Nun steht mir ziemliche Aufräumerei bevor, und vielleicht brauche ich hier gelegentlich eure Hilfe, gerne auch mal einen Tritt in den A****.
Dies war mein erster und hoffentlich letzter Entzug nach etwa 20 Jahren Alkoholmissbrauch (in den letzten 10-15 Jahren täglich) und somit befinde ich mich in einer völlig neuen und unbekannten Situation, allein dass mein Hirn wieder halbwegs normal arbeitet, ist ein längst vergessenes Gefühl...

Habe einiges über die Krankeit gelesen und gehört, doch fällt es mir wahrscheinlich in der nächsten Zeit erst mal schwer, den Bogen von der Theorie zur Praxis zu schlagen, da ich eben keinerlei Übung damit habe.
So insgesamt freue ich mich wie ein Schneekönig über meine Entscheidung, ENDLICH den ersten Schritt getan zu haben und auf die Zeit, die vor mir liegt!
Um SHG und ambulante Thrapie kümmere ich mich nächste Woche.

Was ist am wichtigsten in den ersten Tagen und Wochen, worauf soll ich besonders achten?

Ich bin sehr froh, dieses Forum gefunden zu haben, und hoffe dass ich die Hilfe, die ich hier erhalte und schon erhalten habe, irgendwann weitergeben kann.

Liebe Grüße
Antonia
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Fünf-vor-Zwölf hat zum Thema: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben
Alpenrose
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.09.2008
Beiträge: 461
Alter: 65
Wohnort: Oberbayern

BeitragVerfasst am: 09.01.2009, 01:32    Titel: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Antonia,

erstmal herzlich willkommen hier!

Gratuliere, dass Du auch den Absprung geschafft hast.

Du fragst, was Du in der nächsten Zeit für Deine weitere Abstinenz tun kannst.

Da finde ich den Austausch mit anderen Betroffenen sehr wichtig und den kannst Du hier im Forum sicher finden.
Hier kannst Du lesen, was gerade die schon länger Trockenen getan haben, um zu einem zufriedenen Leben zu finden.
Du kannst Fragen stellen und viele werden Dir ihre Erfahrungen mit auf den Weg geben.

Ich möchte Dir fürs erste den Hinweis auf unsere so genannten Trockenbausteine geben.

http://www.forum-alkoholiker.de/grundbausteine-der-nuechternheit.php

Deren Umsetzung ist der erste wichtige Schritt in eine trockenen Zukunft.

Alles Gute für Dich!

Gruß
Alpenrose
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Alpenrose hat zum Thema: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben
Feengesicht
Gast






BeitragVerfasst am: 09.01.2009, 06:02    Titel: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Antonia

Herzlich Willkommen zurück!

Heute ist Freitag und du kannst dich heute noch um deine SHG oder Therapie kümmern, warum auf nächste Woche schieben, es sind doch nur Anrufe!

Erzähl doch mal wie es war!

lg Pia
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Feengesicht hat zum Thema: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben
Spanijoggel
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 13.02.2008
Beiträge: 8589
Alter: 70
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 09.01.2009, 07:36    Titel: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen Antonia!

Herzlich willkommen hier im Forum!
Ich glaube,Deine Erwartungen an das Forum sind realistisch:

-Wie es weiter gehen soll hat Alpenrose Dir eben erklärt (Grundbausteine)Dazu möchte ich noch anfügen,dass es sehr wichtig ist,dass Du Dich mitteilst.Also schreib,schreib,schreib!
Das ist für Dich enorm wichtig,denn es hilft Dir Deine Gedanken und Gefühle zu sortieren.

-Tritte in den A..... kannst Du haben,à discrétion wenn nötig!!Winken

-Sei Dir bewusst dass mit Deiner kurzen Zeit von Nüchternheit jahrzehnte langem Alkohol-Missbrauch gegenüber stehst.
Was heisst,dass recht viel Arbeit Und Geduld gefragt sind.

Ich freue mich auf Dich!

Herzliche Grüsse
Yvonne
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Spanijoggel hat zum Thema: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben
Fünf-vor-Zwölf
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 22.12.2008
Beiträge: 38
Alter: 43

BeitragVerfasst am: 09.01.2009, 11:48    Titel: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen ihr Nachteulen und Frühaufsteher,

danke für die nette Begrüßung!
Heute morgen bin ich zum ersten Mal seit 12 Tagen ausgeschlafen und alles sieht schon etwas weniger durcheinander aus.
Frühstück und Tee statt Rotwein auf nüchternen Magen...arg ungewohnt!

Hab mir für heute vorgenommen, eine Liste zu schreiben, was alles nicht in Vergessenheit geraten soll, nein DARF: all die üblen Auswirkungen des Alkohols, welche vom Hirn über kurz oder lang vielleicht vergessen oder verdrängt werden könnten.
Die morgendlichen Angstzustände, das Zittern, die verschwitzten Bettlaken, all das.

Yvonne, tja Geduld war noch nie meine Stärke, dazu muss ich mich regelrecht zwingen.
Pia, hab`mir vorgestern schon eine offene Sprechstunde bei der Caritas und eine Frauen-SHG ausgeguckt, beides Montag. Und Mittwoch+Freitag AA anschauen.
Es soll jetzt so bald wie möglich weiter gehen.
Alpenrose, die Trockenbausteine habe ich als Theorie im Kopf, nun geht`s um die Umsetzung, und hier tauchen doch immer mal Fragen auf oder es klappt nicht so einfach. Ich frag euch dann einfach ganz ungeniert okay?

Und ich glaube nun zu wissen, was mich in den 10 Tagen in der Klinik so erschüttert hat: habe über 30 Menschen mehr oder weniger gut kennengelernt inklusive ihrer Geschichte. Keiner von ihnen war wie ich zum ersten Mal da, einer zum 80sten Mal (!!!), und nur bei 2-3 Leuten hatte ich das Gefühl, dass sie es schaffen wollen/können.
Viele waren durch die Rückfälle schon völlig resigniert und hatten ihre Kraft und ihren Mut verloren. Andere hatten Angst wie ein Kaninchen in der Falle.
Das ging mir z.T. sehr nah, und obwohl ich mich bemühte, meine eigene "Genesung" sowohl gedanklich als auch emotional in den Vordergrund zu stellen, so gelang es mir nicht in Gegenwart von soviel Leid. Habe mich oft dabei ertappt, dass ich mehr Anteil am Schiksal der anderen nahm als über mein eigenes nachzudenken.
Das macht mir etwas Sorgen: einerseits weiß ich, dass dieses Mitgefühl (Mit-Leid) meine Nüchternheit gefährden kann, andererseits kann ich dies nicht gewaltsam abstellen, dann wäre ich nicht mehr ich selbst.
Wie komme ich zum "gesunden Egoismus", ohne mich zu verbiegen oder wie ein kaltherziges Monster zu fühlen? Wo sind meine persönlichen Grenzen, wie erkenne ich sie und wie schaffe ich es sie zu ziehen?

Liebe Grüße
Antonia
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Fünf-vor-Zwölf hat zum Thema: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben
Spanijoggel
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 13.02.2008
Beiträge: 8589
Alter: 70
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 09.01.2009, 14:19    Titel: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Antonia!

Die Rückfälligen,die Du erwähnst zeigen uns,wie fest wir an uns arbeiten müssen um zu bestehen. Deshalb ist es auch ein Wachsam-Sein im ganzen restlichen Leben!

Auf Deine Fragen fällt mir spontan ein: Zuallererst gilt es,Dich selber zu akzeptieren wie Du bist,Dich zu mögen,Dich zu lieben.
Also damit hatte ich schon eine ganze Weile zu tun,und arbeite immer noch dran.
Es gilt auch Grenzen zu setzen.Wenn Du merkst,dass Dir etwas nicht gut tut,lass es! Und das ganz bewusst.Es ist zuallererst wichtig,dass es DIR gut geht.Alles andere gefährdet Deine Trockenheit!

Darum ist es auch wichtig,dass Du schreibst.Manchmal entdecke ich solche Stolpersteine erst nach dem ich sie aufgeschrieben habe.

Ich wünsche Dir einen ganz guten Nachmittag!

Liebe Grüsse
Yvonne
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Spanijoggel hat zum Thema: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben
chaosimleben
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 24.10.2007
Beiträge: 223
Alter: 50

BeitragVerfasst am: 09.01.2009, 15:26    Titel: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Antonia,
auch von mir ein herzliches Willkommen.

Du schreibst das dich die vielen Menschen in der Entgiftung sehr berühren.
Das ist schön das du dich um andere sorgst. Aber das ist völlig fehl am Platz. Jeder hat die Möglichkeit sein Leben zu ändern.
Bleib bei dir. Du bist jetzt wichtig. Was andere mit ihrem Leben tun darf dich nicht berühren. Du möchtest keine weitere Entgiftung mehr machen. Die anderen hatten das wohl weniger im Kopf. Arbeite an dir und für dich. Zu viel Sorge um andere, ganz besonders wenn es Alkis sind, tut dir nicht gut. Soll keine Maßregelung sein. Nur ein Tipp damit du die Kraft die du jetzt benötigst ausschließlich für dich verwendest.
Ich drück dir ganz fest die Daumen.
Ganz liebe Grüße
Cora
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chaosimleben hat zum Thema: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben
Fünf-vor-Zwölf
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 22.12.2008
Beiträge: 38
Alter: 43

BeitragVerfasst am: 10.01.2009, 01:50    Titel: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Yvonne und Cora,
ich danke für die aufmunternden Worte.

Habe heute mal gründlich über mein Verhalten nachgedacht, bin zwar noch zu keinem Schluss gekommen, doch ist mir glasklar geworden, dass ein recht schwieriges Problem vor mir liegt bzw. ich stecke schon lange drin (und ich Dussel hab`s kaum bemerkt)...Vielleicht hat jemand von euch einen Rat hierzu? Ich schildere es mal kurz:

Mein seit ca. 15 Jahren bester Freund hat sehr viele Probleme im Leben, er hatte eine widerliche Kindheit, ist mit Ängsten, Schüchternheit, Menschenscheu, Pessimismus und Depressionen behaftet. Ich bin seine engste Vertraute und so ziemlich das Gegenteil von ihm. Ich habe ihm schon oft mit Worten und Taten geholfen, oder ihm den nötigen A****tritt verpasst, damit er selbst eines seiner Probleme bewältigt.
Nun ist er -als hätte er nicht genug Probleme- in den letzten Jahren alkoholkrank geworden, was alles noch verschlimmert. Er weiß es, er würde auch gerne etwas tun, doch fürchtet er sich vor dem riesigen "Müllberg", den es wegzuschaffen gilt, wenn er wirklich ein glücklicheres Leben führen möchte. Was ich schon irgendwie verstehen kann. Immerhin ist ihm klar geworden, dass er sein Alkoholproblem zuerst lösen muss und der Wille dazu ist offenbar nun endlich sehr stark am Reifen. Sein Leidensdruck ist immens!

Da ich ihn sehr mag, es mich aber andererseits auch Kraft kostet, ihm beizustehen/Mut zu machen, bin ich im Konflikt:

--Wenn ich weiterhin für ihn da bin, vergebe ich einen Teil der Energie, die ich z.Z. wohl eher für mich bräuchte.

-Wenn ich ihm aber nicht helfe in dem Wissen, dass meine Unterstützung gerade jetzt an diesem seinem Wendepunkt sehr fruchtbar sein kann, fühle ich mich überhaupt nicht gut dabei, und auch das kostet sicher Unmengen Kraft...

Versteht ihr in etwa, was ich meine? Ach, ich weiß nicht, was ich machen soll, wie es richtig und wie es falsch ist.
Über meinen Schatten springen kann ich ja auch nicht.

Liebe Grüße
Antonia (die machmal vielleicht zu viel grübelt...)
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Fünf-vor-Zwölf hat zum Thema: Re: Die ersten Tage, Wochen, Monate geschrieben

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