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Rosalie30
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 30.03.2008
Beiträge: 7
Alter: 34

BeitragVerfasst am: 15.12.2008, 23:10    Titel: Geduld haben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo alle Zusammen,

Ich habe mich vor etwas längerer Zeit mit meiner Geschichte hier schon einmal vorgestellt. Da war ich ganz akut auf der Suche nach Hilfe. Habe mich dann doch erstmal für die Gesprächstherapie entschieden.

Totale Kurzversion: Mein Vater ist Alkoholiker seit ca. 20 Jahren. Meine Mutter hat 2 Suizidversuche hinter sich. Und ich war mit meiner Schwester lange mittendrin im Geschehen. Habe aus eigener Kraft irgendwann geschafft, mich zu fragen, wo ICH eigentlich bleibe in dieser Familie.
Es ist, wie bei euch allen, so viel passiert was weh tut. Verletzte Gefühle, Hilflosigkeit, Wut, Trauer, ect. Irgendwann musste ich den Schlussstrich ziehen. Da habe ich den Kontakt zu meinem Váter komplett abgebrochen. Meine Mutter sehe ich heute noch und das Verhältnis ist gut.
Guten und sehr engen Kontakt habe ich auch zu meiner Schwester.
Soweit die Situation.

Ich habe gemerkt, das es mir im Grunde sehr gut tut, keinen Kontakt mehr zu meinem Vater zu haben. Dadurch konnte ich endlich mal wieder Luft holen und mich um mein Leben kümmern. Obwohl ich sehr vermisse und ihn trotz allem lieb habe!!! Das macht es ja so schwer.
Mich um mich kümmern, das mache ich sehr intensiv zusammen mit einem Psychologen. Die Gespräche helfen mir sehr weiter und ich kann diese Form der Verarbeitung wirklich weiter empfehelen. ICh habe auch lange gesagt: "Was soll der mir schon helfen...Der kann doch auch nichts ändern." Stimmt. Die Situation an sich kann niemand ändern. Aber da ist einfach jemand, der mir zuhört, dem ich meine Probleme und Ängste immer mitteilen kann und der mir hilfreiche Tips und Methoden an die Hand gibt, mich selber wieder zu mögen. Denn obwohl ich weiß, die Trennung von meinem Vater ist richtig und sehr wichtig für mich, quälen mich oft Schuldgefühle, ihn im Stich gelassen zu haben. Diese Schuldgefühle möchte ich auf jeden Fall loswerden. Und dazu, das habe ich gemerkt, brauche ich Geduld.
Das war bisher mein größtes Problem. Ich war sehr ungeduldig und wollte schnell und unbedingt "gesund" werden, frei von Ängsten und Schuldgefühlen sein. Aber das geht eben nicht schnell. Die Probleme sind ja auch nicht schnell entstanden. Seitdem ich das erkannt habe, geht es mir besser. Und ich kann mich entspannen. Es wird schon. Da bin ich ganz optimistisch. (Zu dieser einstellung bin ich auch nicht schnell gekommen! Auch dazu brauchte ich viel viel Geduld!)

Im Moment geht es mir gut und das wollte ich Euch mitteilen. Als Hoffnungsschimmer für alle, denen es jetzt vielleicht nicht so gut geht. Bei mir gehts auch immer wieder AUF und AB. Aber ich habe eines erkannt: Es lohnt sich nicht, seine eigenen Ideen und Wünsche für jemand anderen aufzugeben. Ein Satz ist mir in den letzten Tagen über den Weg gelaufen, der sich bei mir eingebrannt hat:

„KEIN MENSCH KANN EINEN ANDEREN RETTEN“

Joyce Carol Oates

Schade, aber wahr!!!
Ich lese im Moment auch noch sehr viel über die Krankheit "ALKOHOLISMUS". Das hilft, vergangene Situationen und auch eigene aktuelle Probleme heute besser zu verstehen.
Ich wünsche euch allen ganz viel Energie, diese Sche..... durchzustehen, damit wir am Ende alle wieder unser eigenes Leben leben können. Denn dazu haben wir, verdammt nochmal, wirklich das Recht!!!
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Rosalie30 hat zum Thema: Geduld haben geschrieben
Linde66
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 08.10.2008
Beiträge: 14423
Alter: 46

BeitragVerfasst am: 16.12.2008, 00:21    Titel: Re: Geduld haben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo liebe marci!

Erst mal herzlich willkommen, bzw. wieder willkommen hier im Forum. Sehr glücklich

Zitat:
Es lohnt sich nicht, seine eigenen Ideen und Wünsche für jemand anderen aufzugeben.
Damit hast du völlig recht! Wichtig für uns erwachsene Kinder ist es, den Blick auf uns selber zu lenken. Es kommt uns vielleicht wie Egoismus vor, aber es ist das Einzige, was wir tun können.

Schuldgefühle haben viele EK's. Lange genug wurden sie darauf "programmiert", die Verantwortung für die Eltern zu übernehmen und sich schuldig zu fühlen für Mißstimmungen in der Familie...

Der alkoholkranke Familienangehörige ist für sich selbst verantwortlich. Ob er sich für's Leben oder die Flasche entscheidet ist seine Sache. Wir aber können für uns was tun, für unser Leben.

Wenn du magst, kannst du gerne hier ein wenig mehr über deine aktuelle Situation schreiben. Wie geht es dir jetzt?

Gut finde ich, daß du dich in deiner Therapie so wohl fühlst. Ein Therapeut kann einem durch so eine Zeit begleiten.

Liebe Grüße erst mal,

Linde
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Linde66 hat zum Thema: Re: Geduld haben geschrieben
Rosalie30
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 30.03.2008
Beiträge: 7
Alter: 34

BeitragVerfasst am: 16.12.2008, 12:14    Titel: Re: Geduld haben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Linde,
Danke für deine NAchricht.

"Schuldgefühle haben viele EK's. Lange genug wurden sie darauf "programmiert", die Verantwortung für die Eltern zu übernehmen und sich schuldig zu fühlen für Mißstimmungen in der Familie... "

Oh ja, das kenne ich allzu gut. Erstmal die Lage checken, wie die Laune ist und dann das "Spaßprogramm" durchhalten. Die Stimmung bei Laune halten, damit es vermeintlich erträglicher wird. Oh man, wenn ich daran denke, weiß ich heute wie anstrengend das war.
Ich ertappe mich tatsächlich auch heute noch in anderen Situationen (ohne Eltern) als "Spaßmacher" gegen meinen Willen. Aber daran arbeite ich gerade. Ich will ja Spaßmacher bleiben. Aber eben nur, wenn ich das wirklich will. Ich wundere mich immer wieder, wie schwierig manche Dinge zu ändern sind, obwohl ich Sie für mich erkannt habe. Aber da bin ich wieder beim Thema Geduld.

Es geht mir im Moment gut, weil ich mir die Zeit nehme, die ich brauche. Das war und ist ja gar nicht so leicht, wenn man gewöhnt ist, sich um das Wohl eines anderen zu kümmern und zu sorgen. Als ich beschlossen habe, die Beziehung zu meinem VAter abzubrechen, war für mich auch erstmal ein Riesenloch. Nicht nur emotional. Mir stellte sich tatsächlich die Frage: Und jetzt? Was mache ich denn jetzt mit meiner Zeit? Das musste ich erst wieder lernen. Gelingt mir bis heute recht gut. Wobei ich immer noch sagen muss, das ich häufig lustlos und antriebslos bin.
Am Anfang habe ich sehr sehr viel gearbeitet um mich abzulenken. Heute bin ich selbständig und teile mir meine Zeit selber ein. Das klappt ganz gut, obwohl ich manchmal ein schlechtes Gewissen bekomme. Komisch daran ist, das ich gar nicht genau weiß, wem gegenüber eigentlich.
Jetzt müsste ich z.B. eigentlich eher im Büro sitzen und arbeiten. Dieser Kontakt hier im Forum ist mir aber gerade wichtig und deshalb schreibe ich. Zumindest nehme ich mir dann heute wirklich die Zeit. Das schlechte Gewissen aber bleibt immer ein bißchen wach. Das möchte ich gerne noch verstehen und lösen.

Ich sehe mittlerweile auch wieder die schönen Dinge in meinem Leben, und nicht NUR den Verlust meines Vaters. Ich habe einen ganz tollen Freund, liebe Freunde und eine tolle Schwester, eine süsse Nichte usw. Das tut so gut.
Nichts desto trotz, überfällt mich doch hin und wieder eine so tiefe Traurigkeit über den Verlust von meinem VAter. Ich denke an ihn, was er wohl gerade macht. Natürlich male ich mir dann nur die schlimmsten Dinge aus. Frage mich, warum er nicht den Kontakt zu mir sucht. Obwohl ich da nur rein emotional drüber nachdenke. (Ich muss ihm doch auch fehlen) Ich will ja gar keinen Kontakt. Zumindest, solange er sein Leben so weiterlebt wie seit 20 Jahren. Mit Alkohol und Lügen. Er tut mir manchmal so leid, weil ich weiß, er wollte immer ein ganz toller Papa sein. Sich damit abzufinden, das er krank ist, fällt mir schwer und ist manchmal sogar unbegreiflich.

Ich hatte lange das Gefühl ich stumpfe total ab. Mit welcher "Selbstverständlichkeit" ich damals die Suizidversuche meiner Mutter erlebt habe. Wahnsinn. Ich habe mich dann selber darauf getrimmt, stark sein zu müssen und bloß nicht selber einzuknicken. ICh musste ja für beide Eltern da sein. Da gab es keinen Platz für eigene Probleme.
Diese Dinge und noch viel mehr lerne ich mit Hilfe von meinem Therapeuten zu verstehen. Ich merke, es geht jetzt endlich um mich! Denn ich habe Probleme, die ich alleine nicht in den Griff bekomme. Noch nicht. Aber der Anfang ist gemacht und darüber bin ich sehr sehr froh und glücklich.

Danke fürs Zuhören.

Marci
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Rosalie30 hat zum Thema: Re: Geduld haben geschrieben
marinajako
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 18.06.2008
Beiträge: 1404
Alter: 37
Wohnort: daheim

BeitragVerfasst am: 16.12.2008, 14:43    Titel: Re: Geduld haben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Marci,

erstmal auch von mir herzlich Wilkommen hier im Forum Lachen

in dem was Du schreibst erkenne ich mich ziemlich wieder mir selber fällt es sehr schwer an mich zu denken und nicht auf die ganze Welt Rücksicht zu nehmen.

Ich finde es super das du eine Therapie machst .... und das du einen guten Draht zu deinem Therapeuten hast. Lachen

Ich finde allgemein hörst Du dich sehr gut an. Lachen

Lieben Gruß
Marina Lachen
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marinajako hat zum Thema: Re: Geduld haben geschrieben
Rosalie30
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 30.03.2008
Beiträge: 7
Alter: 34

BeitragVerfasst am: 16.12.2008, 23:08    Titel: Re: Geduld haben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Marina,

Oh man, ich lese mich hier gerade ein bißchen durch. Viele Geschichten ähneln sich und sind echt auch heftig. Da kann ich jetzt froh sein, das ich schon den Weg bis hier hinter mich gebracht habe und endlich Land sehe.
Ich finde es so beruhigend zu erkennen, wie es ist, sich nicht mehr im Kreis zu drehen. Die SELBSTHILFE hat endlich Aussicht auf Erfolg. Das ist ja in dem Kreislauf der Co-Abhängigkeit total anders. Ich weiß noch, wie viele Gespräche mit meiner Mutter über meinen Vater mit dem Satz endeten: "Ich weiß auch nicht. Müssen wir abwarten und sehen, was passiert." Das ist so unglaublich frustrierend. Vor allem, weil man selber das Gefühl hat, man gibt schon alles und sein letztes Hemd noch dazu. Und trotzdem nützt es NICHTS! Im Gegenteil. Der Alkoholiker dankt es einem mit Beleidigungen und Vorwürfen. Und die Mutter kann selber nicht mehr und versucht sich das Leben zu nehmen.
Und die Kinderseele soll davon unberührt bleiben? Wie konnte ich das nur so lange denken? Kann es heute selber nicht fassen.
Wie geht es denn Dir?

Lieben Gruß Marci
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Rosalie30 hat zum Thema: Re: Geduld haben geschrieben

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