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Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich   •    ...der Anfang ist gemacht...hoffentlich  
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Jenny2
Gast






BeitragVerfasst am: 28.11.2008, 09:55    Titel: Selbstverantwortung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

nun dachte ich mach ich mal ein Thema auf um fuer mich meine Selbstverantwortung und Konsequenz die ich lebe zu erklaeren.

Mir hat mal ein Therapeut gesagt, dass es ganz wichtig waere zu erkennen, wo ich meine Selbstverantwortung habe und wo ich fuer andere Menschen Selbstverantwortung uebernehme, naemlich auch im Fall von Bitten. Der ganze Alltag von uns Menschen ist davon vollgepflastert, der Chef bittet um Ueberstunden weil eine Deadline geschafft werden muss, wenn die nicht eingehalten wird, er sonst seinen Bonus nicht bekommt oder Aerger erhaelt. Der Kollege der einem bittet einen Teil der Arbeit zu uebernehmen, weil er es nicht schafft, die Familie, die einen um Geld bittet weil es derzeit knapp ist. Alles Bitten und ich als aktiver Co werde wohl wahrscheinlich allen gerne nachgehen wollen. Nun stellt sich aber die Frage, ob vielleicht auch alles selbst geregelt werden koennte von den Personen, die dort um Hilfe gebeten haben, haette der Chef vorher die Arbeit anders organisieren koennen, ohne die Mitarbeiter zu belasten, haette der Kollege seinen Arbeitsplatz anders organisieren koennen und selbst vielleicht Ueberstunden machen koennen oder vielleicht lag es auch am Arbeitsgebiet was er noch nicht beherrschte oder die Familie, die knapp bei Kasse ist, sich aber vielleicht doch Urlaube goennt oder wo vielleicht sogar ein Familienmitglied all das Geld vertrinkt und man mit Hilfe sogar schaden koennte. Alles Beispiele die ich selbst erlebt habe, wo bitten um Hilfe erstmal gut aussah, aber eigentlich auch ein abgeben von Verantwortung war, weil es halt bequemer ist.

Ich fuer mich habe gelernt dort zu hinterfragen, eine vorgetragene Bitte lese und hoere ich mir gerne an, aber ich hab auch fuer mich gelernt, dort zu hinterfragen. Grenzen setze ich dann, wenn es mir persoenlich unter der Guertellinie geht, weder willkuerlich noch aus dem blauen Himmel heraus, sondern weil es fuer mich als Co lebensnotwendig ist. Nun weiss ich , verstehen es einige Co's hier auch nicht, momentan wird mir ehrlichgesagt auch in einigen Threads zuviel drumherumgeredet und manche sind hier nicht mal willens irgendeine Konsequenz walten zu lassen, dass ist auch in Ordnung jeder darf so leben wie er will, doch sind wir nicht auch alle hier um zu lernen, um hinterfragen zu duerfen oder muessen generell Bitten angenommen werden ohne zu hinterfragen, weil es politisch korrekter dann waere? Ich lerne fuer mich hier, nicht um jemanden ein gute Gefuehl zu bescheren oder politisch korrekt aufzutreten. Fuer manche wird es als militant rueberkommen, aber fuer mich als erwachsenens Kind eines Alkoholikers und ehemalige Co in einer Partnerschaft, ist das lebensnotwendig und gerade dieses hinterfragen der Bitten ist fuer mich lebensnotwendig, damit ich nicht in mein Co-Verhalten und in einer aktiven Co-Abhaengigkeit lande. Jemand sprach mal hier von Balance und in der Mitte sein, ich kenne keinen Menschen, der das ist und wenn dann nur fuer einen kurzen Moment. Co sein hab ich auch schonmal gesagt ist in uns Co's auch fuer immer verankert, wir koennen gegensteuern aber heilbar ist dies Erkrankung nicht wirklich fuer mich.

Nun frag ich wo seid ihr in eurer Co-Geschichte konsequent, wo habt ihr derzeit zu leiden, weil ihr nicht konsequent seid, faellt es euch schwer konsequent zu sein? Selbstverantwortung bedeutet fuer mich auch zu erkennen, wo eine Bitte sinnvoll ist und wo ich selbst etwas tun kann und die Moeglichkeit meines Selbsttuns ausgeschoepft habe, bevor ich bitte. Aber jeder ist halt anders.

Alles Liebe,

Jenny
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Jenny2 hat zum Thema: Selbstverantwortung geschrieben
Susanne
Gast






BeitragVerfasst am: 28.11.2008, 10:31    Titel: Re: Selbstverantwortung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Jenny,

da hast Du ein interessantes Thema angepackt Winken

Für mich gilt dabei ganz klar, wenn ich als Co mein ganzes Leben immer wieder reflektieren muß, weil meine Co-Abhängigkeit nicht *geheilt* wird, mich immer wieder zu hinterfragen, warum ich auf dieses oder jenes reagiere.

Wie es schon in den Bausteinen steht, setzt ein Co immer den Fokus auf *ANDERE*, also, hinterfragt ein Co meist zuerst die Beweggründe des Anderen, des Alkoholikers oder oder oder..Aber da muß für mich schon die Selbstverantwortung anfangen, nämlich mich in den Fokus zu stellen. Warum reagiere ich auf eine Bitte mit Unverständnis, warum bringt mich die und die Situation so aus dem Gleichgewicht...?
Natürlich ist es ein leichtes, dann mit dem Finger auf den Anderen zu zeigen, seine Aussage hat bei mir dies oder jenes bewirkt. Halt Stopp!

Dort an dieser Stelle muß für mich als Co der Prozess einsetzen, bei mir zu schaun, warum mich dies jetzt so anspricht! Ich kann mein Gegenüber, die Welt nicht ändern. Ich kann nicht erwarten, daß jeder auf dem gleichen Stand ist wie ich. Ich kann nicht davor weglaufen, daß mich immer mal wieder Menschen in Situationen bringen, die mir nicht gut tun oder mich an meine Co, an mein Suchtgedächtnis, bringen. Nein, ich kann mich nur immer wieder überprüfen, warum ich jetzt so handle. Dies ist Selbstverantwortung! Und das ein Leben lang.

Das fällt mir spontan zur Selbstverantwortung ein.

Lieben Gruß und einen schönen Austausch

S.Käferchen
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Susanne hat zum Thema: Re: Selbstverantwortung geschrieben
Jenny2
Gast






BeitragVerfasst am: 28.11.2008, 10:40    Titel: Re: Selbstverantwortung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hi Kaeferchen,

das mag sein und das ist auch okay so. Ich weiss auch, dass ich keinen aendern kann, ich weiss nur das ich hinterfragen darf. Menschen entscheiden selbst, aber wichtig ist es trotzdem zu schreiben, sie auszutauschen und nachzudenken. Wir Co's beschraenken uns gerne und lassen uns auch beschraenken, aber wenn eine Einschraenkung erfolgt, dann muss man auch fragen duerfen.

Hier ging es auch nicht um aendern wollen, sondern um anmerken, nichts weiter. Das mich nicht jeder versteht ist in Ordnung, aber letzendlich Unterstellungen zu auessern, dass ich Alkoholiker als schlechten Menschen sehe, ist nicht okay, dabei bleibe ich und da setze ich auch Grenzen.

Generell bin ich aber froh, dass Thema angestossen zu haben, denn es drueckt wohl nicht nur bei mir der Schuh, sondern bei einigen anderen auch.

Ich sehe eine Einschraenkung fuer mich dort in der Bitte, andere sehen eine Bitte, die sie befolgen wuerden...das ist auch okay, jeder hat halt einen anderen Weg und mehr oder minder laengere oder andere Erfahrungen mit seiner Suchterkrankung gemacht.

Alles Liebe,

Jenny
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Jenny2 hat zum Thema: Re: Selbstverantwortung geschrieben
summerdream
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.02.2007
Beiträge: 6712

BeitragVerfasst am: 28.11.2008, 11:04    Titel: Re: Selbstverantwortung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hi jenny

Zitat:
Selbstverantwortung bedeutet fuer mich auch zu erkennen, wo eine Bitte sinnvoll ist und wo ich selbst etwas tun kann und die Moeglichkeit meines Selbsttuns ausgeschoepft habe, bevor ich bitte

seh ich etz ehrlich gesagt nicht unbedingt so Geschockt

ich frag inzwischen ganz gerne (oft klappt es inzwischen auch Lachen ) und zwar bevor ich meine resourcen aufgebraucht habe. ich hab lang genug alles mögliche probiert allein zu machen, irgendwie schon hinzukriegen - meistens klappts ja dann auch irgendwie Verlegen
aber gings mir gut dabei???
eher nein, ich dachte damals aber gar net viel dabei, könnt ich ja sonst eine ablehnende antwort bekommen oder noch schlimmer, ich könnt jemanden zur last fallen Geschockt Verlegen

es is meine entscheidung wen und wann ich um hilfe frage und die entscheidung meines gegenübers ob er zu- oder absagt. zwei dinge die zusammengehören aber eigentlich doch zwei verschiedene paar stiefel san.
ich kann zwei leute das gleiche fragen und erhalte unterschiedliche antworten, is ja auch absolut ok - solang sich jeder mit seiner antwort gut fühlt.
und in erster linie muss ich mich wohl mit fühlen, liegt ja in meiner hand - gott sei dank! Sehr glücklich

liebe grüße -Dani-
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summerdream hat zum Thema: Re: Selbstverantwortung geschrieben
Jenny2
Gast






BeitragVerfasst am: 28.11.2008, 11:11    Titel: Re: Selbstverantwortung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hi summerdream,

das war bei mir anders. Mich haben immer die Leute um Hilfe gebeten und ich als Co hab darauf reagiert, also hab ich meine eigenen Kraefte fuer andere aufgebraucht um deren Bitten nachzugehen, obwohl doch dort zum Teil das von den Menschen selbst geloest werden konnte bzw. musste.

Alles Liebe,

Jenny
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Jenny2 hat zum Thema: Re: Selbstverantwortung geschrieben
graffiti
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 12.08.2007
Beiträge: 772
Alter: 48

BeitragVerfasst am: 28.11.2008, 11:35    Titel: Re: Selbstverantwortung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo jenny,

ich hab mich aus der diskussion ausgeklinkt & nur noch mitgelesen, wei ich nichts neues dazu zu sagen hatte, aber ich habe weiter drüber nachgedacht.
gestern hatte ich auch noch ein erlebnis dazu, das mich in meinen gedankengängen bestätigt hat.
hab vorhin in meinem tagebuch geschrieben:

Zitat:
ich weiß schon, warum mich dieser thread so beschäftigt hat - weil es mir auch immer wieder passiert, daß ich mich überzogen quer stellen möchte.
bei mir ist es der leiseste hauch Smilie von: andere-ändern-ihre-pläne-ohne-mich-zu-fragen-und-ich-muß-dann-meine-pläne-ändern.

das ist mir wahrscheinlich einfach zu oft passiert.


gestern war es so, ich habe bewußt meine pläne fremden plänen angepaßt, weil ich die beweggründe der anderen wichtiger fand als meine (& zwar aus der situation raus, nicht aus prinzip)

bin als dreingabe noch drauf gekommen, daß meine wünsche viel mehr geachtet werden als früher - das war mir noch gar nicht so bewußt.

Zitat:
es ist nicht einfach, den weg zu finden von auf biegen & brechen anders machen als früher nach manches auch einfach mal so machen wie früher, aber aus anderen gründen, in einer anderen haltung.
bewußt & freiwillig.

wenn ich die wahl habe, mich weiterhin anderen als fußabstreifer anzubieten & 24/7 in kampfbereitschaft zu sein, wähle ich den kampf.
ständiger kampf strengt mich aber an & nimmt mir auch lebensqualität.
ich für mich werde versuchen, diese flüchtige mitte zu finden.
kann sein, daß das auf kosten meiner aufmerksamkeit geht (ich habe es nicht vor, aber kann ich ja vorher nicht sagen), kann sein, daß ich damit auf die nase falle.
dann werd ich es schon merken.
den versuch ist es mir (also mir persönlich) wert.

mit gruß,
graffiti
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graffiti hat zum Thema: Re: Selbstverantwortung geschrieben
Jenny2
Gast






BeitragVerfasst am: 28.11.2008, 11:40    Titel: Re: Selbstverantwortung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hi Graffiti,

sorry aber ich versteh leider nicht, was Du mit Deinem Beitrag sagen moechtest.

Alles Liebe,

Jenny
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Jenny2 hat zum Thema: Re: Selbstverantwortung geschrieben
Laurina5
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 08.06.2005
Beiträge: 303
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 28.11.2008, 11:51    Titel: Re: Selbstverantwortung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Jenny,

meine Konsequenz ist immer verwebt mit meinem momentanen Empfinden. Geht es um eine verantwortungsvolle Bitte, eine fordernde, vorwurfsvolle, erpressende oder verletztende Bitte, werde ich diese reflektieren und aus meinem Bauch heraus entscheiden. Manchmal erfülle ich sie auch schnell, weil es weniger Aufwand erfordert als der Widerstand. Es soll sich für mich gut anfühlen. Dann gibt es diese Bitten, wenn mir jemand sagt -in dieser Sache habe ich ganz speziell an dich gedacht, du bist dafür prädestiniert, die Sache ist dir wie auf den Leib geschneidet- da wirds schon schwieriger, wer sagt da schon gerne nein??

Dieser Begriff Co. hört sich für mich so nach Kollegin an, aber nicht nach einer eigenständigen Suchterkrankung.
Von mir kann ich berichten, dass ich früher stolz darauf war, mich als besonders sensitiv und empathisch einschätzte, um die Wünsche Anderer schon im Voraus zu fühlen und anschließend zu erfüllen. Kam mir damit vor, wie eine gute Fee, bis ich mit der Nase darauf gestoßen wurde, dass mein Verhalten krank und co.-abhängig ist.

Heute meine ich, es gilt eine gesunde Balance zu finden, so sein zu dürfen, wie es gerade gut tut. Auch wenn ich aus Bequemlichkeit mal nicht konsequent bin mit dem Wissen, dass ich es zur gegegeben Zeit sein kann. Mag mir auch nicht ständig vorhalten, wie krank ich bin, sondern mich lieber auf meine gesunden Anteile konzentrieren.
Und wenn ich mal einen Ausrutscher in die Co.-Abhängigkeit habe, ihn mir zu gönnen und milde belächeln können. Habe mal gelesen, alles was man weg haben will bleibt, alles was man annehmen kann, kann sich anschließend wieder ausschleichen. Vielleicht sollten wir auch ein wenig Milde uns selbst gegenüber zulassen und nicht so hart richten. Alles Verbotene hat einen enormen Reiz.

Ich schreibe u.a. in einem anderen Forum, wo Beiträge nicht kommentiert werden, nur auf ausschließlichem Wunsch nach Feedback. Das hat Vor- und Nachteile, wie alles zwei Seiten hat, es macht Einige mutig sich zu öffnen, weil sie keine Kritik zu befürchten haben. Positiv empfinde ich dabei, es gilt immer nur für einen Tag - nur für heute - und wenn es heute noch nicht geklappt, morgen ist ein neuer Tag, an dem alles wieder möglich ist. Durch zwangloses Üben ist man womöglich irgendwann in der vollen Selbstverantwortung drin, ohne dass es bewusst wurde. Lachen


Lieben Gruß Laurina Winken
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Laurina5 hat zum Thema: Re: Selbstverantwortung geschrieben

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