| Wie und was können Co´s und Alkoholiker voneinander lernen? • Selbstverantwortung |
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dagmar007 sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.05.2008 Beiträge: 2896
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Verfasst am: 25.11.2008, 09:56 Titel: Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich |
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Obiges lese ich immer wieder in Beiträgen. "Aber ich liebe ihn doch so".
Ich möchte nun anfangen aufzufriemeln was Liebe ist oder was nur Co-Abhängigkeit, denn ich gehe davon aus, eine Zuneigung/Verliebtheit war da und irgendwann wurde es eine kranke Beziehung.
Aus meiner Sicht kann ich sagen:
Wenn ich von mir behaupte den Partner zu lieben, dann muss ich als Grundvoraussetzung in der Lage sein mich selbst wertzuschätzen.
Wenn ich mich schätze, dann muss ich mir vor Kummer und Problemen schützen. Somit eventuell auch vor einem suchtkranken Partner.
Meine Verantwortung für mich liegt zweifelsohne darin mich vor Schaden zu schützen.
Nun aber die Gegenfrage:
Liegt die Verantwortung/Liebe gegenüber dem Partner von der so oft und häufig gesprochen wird, nicht gerade darin für ihn/sie keine Verantwortung mehr zu tragen? Nur so besteht die kleine Chance dass der Süchtige begreift wo im Leben er keinesfalls mehr die Kontrolle hat.
Wenn von Liebe gesprochen wird, dann müsste auch dem süchtigen Partner erlaubt werden seiner Sucht nachzugehen. Denn wenn ich "liebe" will ich, dass es dem anderen gut geht. Wenn der andere nun meint seine Liebe im Suchtmittel zu finden, so ist das sein Recht und wenn ich liebe gestatte ich ihm das oder?
Ich lese immer wieder - und hatte sie selber - die Angst den anderen zu "verlieren". Ich kann keinen Menschen verlieren, weil dieser niemals mein Besitztum war! Ich kann den Kontakt verlieren und die gegenseitige Unterstützung.
Aber liegt nicht gerade darin, dass die gegenseitigen Hilfsmassnahmen gelöst werden die Chance für beide Partner die eigenen Vorlieben/Nachteile zu entdecken? Für sich selber - ohne dem anderen - frei von Manipulation für jede Seite???
Ich selber habe lange genug gebraucht meinen Abstand zu bekommen und kämpfe immer noch ... nur kämpfe ich nun für mein Leben und zwar bewußt....
Lieben Gruß von Dagmar |
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| dagmar007 hat zum Thema: Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich geschrieben
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Wolke7 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 07.04.2007 Beiträge: 52
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Verfasst am: 25.11.2008, 10:27 Titel: Re: Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich |
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Hallöle,
muss auch mal wieder was dazu beitragen,
lese und lese wochen und monate hier...
was mich hier etwas verwirrt ist der Satz" angst vor dem allein sein" und deshalb trennt man sich vom Partner nicht....
dieser Satz trifft aber in keinster Weise zu...(bei mir zumindest),
im Gegenteil...ich geniesse es, alleine zu sein, die Ruhe, der Frieden, alleine mit sich zu sein ....
aber trotzdem, geht es mir wie cervette...das ich ihn soooo vermisse...und ihn am liebsten zurück haben würde......
liebe dagmar kannst du mir da eine antwort darauf geben??
lg.
wolke7 |
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Jenny2 Gast
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Verfasst am: 25.11.2008, 10:40 Titel: Re: Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich |
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Hi Dagmar,
eine Partnerschaft besteht nicht nur aus Liebe, sondern auch aus gegenseitigem Respekt und Ehrlichkeit. In einer von Sucht gepraegten Beziehung ist es aber schwer Respekt und Ehrlichkeit aufrechtzuerhalten, da die Sucht das meines Erachtens zerstoert. Wichtig finde ich immer zu betonen, dass natuerlich der Partner Verantwortung fuer sich selbst und seine Entscheidungen fuer seinen Lebenstil traegt. Wenn ein nasser Alkoholiker also lieber weitertrinken mag, dann muss ich das akzeptieren und mir ueberlegen ob ich in einer Beziehung so leben kann und lieber den Menschen dann loslasse. Wir Co's versuchen viel mit Liebe zu begruenden, man moechte, dass es dem suchtkranken Partner besser geht und versucht alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit der Partner erkennt, dass er suechtig ist und es ihm besser gehen wuerde ohne diese Sucht. Aber die Erkenntnis kann der Partner ja nur erlangen, wenn er das auch versteht und merkt, dass die Sucht seinen Alltag bestimmt und das ist haeufig nicht der Fall, da der Partner automatisch und unwissentlich dazu beitraegt, der Haushalt ist gefuehrt und die Wohnung ordentlich, Essen steht auf dem Tisch, eventuell wird der Partner noch auf der Arbeit oder bei Freunden entschuldigt, wenn er mal wieder verkatert im Bett liegt etc. Wir muessen uns manchmal eingestehen, dass wir nicht ueber unsere Partnerschaft die Kontrolle haben, das ist ganz egal ob der Mensch alkoholkrank ist oder nicht. Liebe erkennt fuer mich auch an, dass man die Selbstverantwortung fuer jeden Menschen akzeptieren kann und das man auch wenn man nicht mit dem Lebensstil des Partners einverstanden es, akzeptiert, dass er so leben will. Liebe kontrolliert nicht, sondern laesst sein und vorallem versucht einen Menschen nicht so zu formen, dass er fuer mich passt.
Alles Liebe,
Jenny |
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| Jenny2 hat zum Thema: Re: Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich geschrieben
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dagmar007 sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.05.2008 Beiträge: 2896
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Verfasst am: 25.11.2008, 10:43 Titel: Re: Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich |
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Oh je, liebe Wolke
Wenn ich die Antworten hätte, so ginge es mir leichter.
Auch ich habe keine Angst vor Einsamkeit, im Gegenteil: derzeit muss ich abwimmeln und überdeutlich werden, da ich endlich wieder mit mir alleine sein möchte und etwas Zeit für mich haben.
Diese Sehnsucht, liebe Wolke erklärte mir meine Psychotherapeutin so: Es gab gute Zeiten, es gab schlechte Zeiten - es waren Zeiten der Zweisamkeit. Nach einer Trennung ist man "alleine". Da Zweisamkeit schöner sei als Einsamkeit denkt man an die schönen Dinge und möchte wohl dadurch den Partner zurück (Letzteres ist meine Definition).
Mit der Einsamkeit ist nicht das gemeint, denke ich, was uns gut tut, sondern es ist die Schulter des Partners oder einfach das gemeinsame, soziale Essen ect.
Schau Wolke, ich denke die Hoffnung nach langjährigen Beziehungen, dass alle Alpträume sich zum Happyend entwickeln werden bei vielen von uns da sein, da möchte ich nicht einmal mich ausschließen. Das vermissen ist auch gut nachvollziehbar denke ich. Ich denke aber auch, dass ich persönlich noch nicht in der Lage bin alles objektiv zu sehen. Ich bin bei mir persönlich sicher, dass ich noch nicht emotionsfrei in der Lage bin alles zu sumieren um dann zu sagen:
das ist das Resultat der Partnerschaft.
Weißt Du Wolke: Kinder, die misshandelt wurden schreien nach den misshandelnden Elternteilen wenn sie im Heim sind und in Sicherheit. Für diese Kinder war die Misshandlung Aufmerksamkeit. Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob es bei mir ähnlich ist.
Ich selber bin noch nicht gesund genug alles realistisch zu betrachten.
Da ich selber ein solches Kind erlebt habe, welches schwerst misshandelt wurde und nach eben diesem grausamen Vater schrie ist das für mich so ein "Vorsicht"-Effekt. Dieses Kind konnte nicht laufen weil es eingesperrt war, wurde mit dem Bügeleisen verbrüht ect. an die Heizung gekettet und und und aber es schrie nach dem Peiniger, es liebte den Peiniger und hatte Sehnsucht diesen zu sehen. Auch wenn jeder dieser Besuche mit Knochenbrüchen endet ...
Sind wir vielleicht ein bischen so wie dieser Junge verletzt worden und würden gerne vom Peiniger unsere Wunden heilen lassen? Das wäre zuviel verlangt: die Wunden müssen wir selber heilen und unser Peiniger evtl. die Wunden, die ihm angetan wurden....
Lieben Gruß von Dagmar |
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| dagmar007 hat zum Thema: Re: Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich geschrieben
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dagmar007 sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.05.2008 Beiträge: 2896
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Verfasst am: 25.11.2008, 10:49 Titel: Re: Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich |
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Ja Jenny,
...Partnerschaft besteht nicht nur aus Liebe, sondern auch aus gegenseitigem Respekt und Ehrlichkeit. In einer von Sucht gepraegten Beziehung ist es aber schwer Respekt und Ehrlichkeit aufrechtzuerhalten, da die Sucht das meines Erachtens zerstoert ....
Ich denke das genau ist ein Punkt, den ich anfänglich ausgeblendet habe. Nicht verstehen konnte weil ich immer von mir selber ausgegangen war "was du nicht willst, was man Dir tut, das füg auch keinem anderen zu".
Ich bin kein Lügner, könnte mir meine eigenen Lügen noch nicht mal merken und bin naiverweise davon ausgegangen, der von mir "geliebte Partner" denkt ebenso. Wie ich drauf kam? Keine Ahnung ob er das mal in Worte packte oder ich es interpretierte?
Soll auch keine Rolle mehr spielen, denn die Säulen für eine gute Partnerschaft sind bei uns nicht tragfähig gewesen.
In den anderen Punkten scheinst Du es ebenso zu sehen wie ich - oder ich wie Du
Lieben Gruß von Dagmar |
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| dagmar007 hat zum Thema: Re: Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich geschrieben
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Wolke7 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 07.04.2007 Beiträge: 52
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Verfasst am: 25.11.2008, 10:53 Titel: Re: Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich |
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liebe dagmar
das hast du mir jetzt super schön erklärt!
So hab ich das gar nicht gesehn...
Ich lese und verfolge alle deine Beiträge und du erklärst und erzählst sehr gut...
ich lese jede freie Minute hier schon lange .... und wenn ich euch alle nicht hätte, wäre ich noch nicht so weit wie ich doch schon gekommen bin..
aber es ist soooo schwer! Und manche hier schreiben mir aus der Seele, da erspare ich mir das schreiben... und brauche nur hier lesen und lesen und lesen....
und es tut so gut! Euch hier alle zu haben...sonst packt man das nicht alleine... das wollte ich nur mal hier gesagt haben
lg
wolke7  |
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| Wolke7 hat zum Thema: Re: Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich geschrieben
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Laurina5 neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 08.06.2005 Beiträge: 303 Wohnort: Hamburg
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Verfasst am: 25.11.2008, 11:09 Titel: Re: Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich |
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Hallo Dagmar,
Liebe bedeutet keine Verantwortung mehr zu übernehmen und loslassen, mit Unterstützung wird die Krankheit verlängert. Darauf zu hoffen, dass der Abhängige durch Verlassen einsichtig wird, kann auch ein langer Prozess werden, es gibt nämlich in seinem Umfeld genügend andere Co.-Abhängige.
Der Süchtige wird nicht um Erlaubnis fragen, wenn wir es verbieten wollten, machen wir uns Aufregung und Stress. Folglich auch wieder trinken lassen und loslassen. Liebe bedeutet auch, dass der Partner das Recht auf seine Erfahrungen und Veranwortung hat.
Einen Alkoholiker verlieren - ist er jemals ganz da gewesen? Da stelle ich mir die Frage, was habe ich an ihm gehabt, was reichte mir?
Ich denke es ist wichtiger, sich auf die eigenen Chancen zu konzentrieren.
Angst vor dem Alleinsein habe ich nicht, im Gegenteil wenn er hier war nahm er volltrunken zuviel Raum ein.
Während des Alleinseins gibt es natürlich Einsamkeit und schwache Momente, wir neigen auch dazu, die negativen Situationen zu verdrängen und uns an die wenigen positiven zu erinnern.
In solchen Situationen hilft mir gut mein inneres WARNSYSTEM, das mir sofort aufzeigt, warum es besser ist, wenn er fern bleibt.
LG Laurina  |
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| Laurina5 hat zum Thema: Re: Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich geschrieben
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Laurina5 neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 08.06.2005 Beiträge: 303 Wohnort: Hamburg
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Verfasst am: 25.11.2008, 11:24 Titel: Re: Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich |
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Mein Therapeut hat es mir so erklärt:
In einer gleichberechtigten Beziehung sitzt man gemeinsam am Tisch. Wir haben nicht mit am Tisch gesessen, sondern waren froh über die paar Brosamen, die man uns zuwarf, um diese haben wir auch noch gekämpft. Als abhängige Co. Partnerin ziehe ich das bekannte Unglück dem unbekannten Glück vor.
LG Laurina  |
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| Laurina5 hat zum Thema: Re: Liebe, Verantwortung oder wer lässt wen im Stich geschrieben
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