| Schlafgewohnheiten • Wer kennt film zum thema alkoholiker? |
|
|
| Autor |
Nachricht |
|
|
Andi Gast
|
Verfasst am: 24.11.2008, 14:35 Titel: Der Arztbesuch..... |
|
|
Hallo,
ich möchte hier einmal ein Thema eröffnen was mir als sehr wichtig erscheint.
Wir empfehlen ja immer und immer wieder den Arztbesuch wenn sich ein Mensch dafür entscheidet,mit seinem Suchtmittel zu brechen.
Warum ist das so?
Wir sind hier ja nun mal keine Ärzte und können/dürfen,und vor allem wollen hier keine Diagnosen stellen.
Es finden sich immer wieder hier Menschen ein,die einen Arztbesuch kategorisch ablehnen weil Sie der Meinung sind alles"im Griff"zu haben.
Ich könnte hier auch den Link unserer Grundbausteine einbinden oder das dort geschriebene über den Arztbesuch einfach hier hinein kopieren,aber das möchte ich in diesem Falle nicht,weil ich einmal eure Meinungen hierzu auch gerne lesen würde.
Ein Arztbesuch hat meiner Meinung nach nicht nur mit der Überweisung ins Krankenhaus zu tun,sondern bietet ein durchaus höheres Potential an Eigenerfahrung.
Meine Eigenerfahrung hierbei war,das ich aus meinen persönlichen Tiefpunkt heraus keinen anderen Ausweg mehr sah,als wie mich meiner Ärztin anzuvertrauen,das Sie es vorher schon wusste das ich ein Alkoholproblem habe war mir schon bewusst,doch jetzt musste ich mich vollendst in Ihre Hände begeben und Ihre Hilfe annehmen,und vor allem habe ich dieses mal auch dazu gestanden,das ich Alkoholiker bin,und nicht wie bei den zuvor erfolgten Untersuchungen immer nur gesagt habe,ja ja,ich trinke manches mal einen über den Durst.
Dieses alleine war schon ein kleiner Meilenstein für mich auf den langen Weg der da noch folgen mag.
Ich bekam natürlich sofort eine Überweisung zur Entgiftung in ein nahe gelegenes Krankenhaus auf einer reinen Station für Suchtmittelabhängige die für professionelle Entgiftungen spezialisiert ist.
Ich selbst war es,der dort anrief um sich nach einem freien Bett zu erkundigen,es gab"nur"29 Betten!!
Leider waren alle belegtman riet mir doch immer mal wieder anzurufen da ja immer mal wieder ein Patient abspringen könnte,dieses tat ich dann auch,und was soll ich sagen,am zweiten Tag hatte ich ein Bett zur"professionellen Entgiftung"
Der Besuch bei meiner Hausärztin mit dem dort verbundenen Outing hat mich psychisch noch einmal gepuscht obwohl es mir sehr dreckig ging,und ich hatte das Gefühl,so Andi dies ist der Zeitpunkt in dem Du deinen Leben die Wende gibst,und ich habe meinem Leben die Wende gegeben,Ich selbst war es,der sein Leben wieder in die Hand nahm!!
Dieses ist nunmehr fast 4 Jahre her,und ich bereue diesen Schritt nicht,und ich möchte ein jedem dazu ermuntern bei dem der Wille wirklich gegeben ist mit seinem Suchtmittel zu brechen einen Arzt/Ärztin aufzusuchen,für mich war es ein wichtiger Meilensten!!!
Wie habt Ihr dieses empfunden?
Lieben Gruß,Andi |
|
| Nach oben |
|
| Andi hat zum Thema: Der Arztbesuch..... geschrieben
|
|
 |
live2008 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.05.2008 Beiträge: 290
|
Verfasst am: 24.11.2008, 15:21 Titel: Re: Der Arztbesuch..... |
|
|
Hallo zusammen
| Zitat: | Es finden sich immer wieder hier Menschen ein,die einen Arztbesuch kategorisch ablehnen weil Sie der Meinung sind alles"im Griff"zu haben.
|
Und das ist der Punkt.
Ich habe uch immer Arztbesuch abgelehnt, weil ich der Meinung war ich schaffe das alleine.
Stimmt aber nicht. Man schafft das nicht alleine. Man braucht Hilfe.Sonst trinkt man einige Zeit nicht aber Alkohol ist schlauer und holt viele wieder ein.
Und ausserdem ist der Arztbesuch ein Offenbarung vor allem vor sich selbst.
Noch etwas an alle die an kalten Entzug denken
ich glaubte es früher nicht, bis ich es selbst erlebt habe.
Schlimmste bei einem Entzug ist Delirium tremens ist es kann jeden treffen.
Die Sterblichkeit lieg bei 15% es ist ernst und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.
Arztbesuch, stationäre Entgiftung sind die ersten, wichtigsten Schritte, die man treffen sollte wenn man ohne Alkohol leben möchte. |
|
| Nach oben |
|
| live2008 hat zum Thema: Re: Der Arztbesuch..... geschrieben
|
|
 |
kawi sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 29.06.2008 Beiträge: 3041 Alter: 41 Wohnort: Berlin
|
Verfasst am: 24.11.2008, 15:30 Titel: Re: Der Arztbesuch..... |
|
|
Hallo,
den Arztbesuche empfand/ empfinde ich als sehr wichtig.
Hier habe ich mich das erste Mal geöffnet und auch Informationen bekommen, wo ich mich hinwenden konnte, sobald der Entzug erledigt war.
Ich weiss nicht ob ich ohne den Arztbesuch heute noch leben würde.
kawi |
|
| Nach oben |
|
| kawi hat zum Thema: Re: Der Arztbesuch..... geschrieben
|
|
 |
dagmar007 sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.05.2008 Beiträge: 2896
|
Verfasst am: 24.11.2008, 16:24 Titel: Re: Der Arztbesuch..... |
|
|
Als Co ist es ja ähnliche wenn man sich wie ich auf die Suche nach einem Therapeuten begibt.
Ich denke, ein ganz wichtiger Punkt - ob Alkoholiker oder Co - ist der Umgang mit dem Thema nach außen. Den Arzt oder Therapeuten ansprechen, das Tabu-Thema auf den Tisch zu bringen und das Geheimnis zu lüften.
Ob Co oder Süchtiger: der Körper dürfte schon gelitten haben (bei mir in jedem Fall) somit waren Hausarzt und Therapeuting gemeinsam eine gute Basis mich wieder auf gesunde Beine zu stellen.
Lieben Gruß von Dagmar |
|
| Nach oben |
|
| dagmar007 hat zum Thema: Re: Der Arztbesuch..... geschrieben
|
|
 |
Nachwuchsoptimist neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 12.04.2008 Beiträge: 119 Alter: 33
|
Verfasst am: 24.11.2008, 17:03 Titel: Re: Der Arztbesuch..... |
|
|
Für mich war der Arztbesuch in erster Linie ein Eingeständnis. Ich glaube von selber hätte ich diesen Weg nicht eingeschlagen, weil ich keinen körperlichen Entzug zu befürchten hatte. Es war trotzdem wichtig, weil ich über die Suchtpraxis, an die ich mich gewendet hatte, direkt an einen Psychotherapeuten geraten bin, der mich in den letzten Monaten auf meinem Weg sehr erfolgreich begleitet hat.
In einer Welt, die im Glauben an objektive Medizin und Krankheit lebt, ist der Arztbesuch schon allein aus subjektiven Akzeptanzgründen notwendiges Ritual. Die klinische Beichte kann daher als manifestierende Performance und als Initialisierung der therapeutischen Erlösung erlebt werden. Sie markiert den Nullpunkt in einer angsterfüllten Bewegung, die in die Fremde zu führen scheint. Das Arztgespräch bietet insofern Orientierung und bringt als strukturierendes Ereignis Sicherheit und Zuversicht hervor.
Und natürlich ist die Beratung bei der Wahl unterschiedlicher Therapieformen sehr hilfreich. Oft geht es schließlich auch um Zeit, von der man mit pragmatischen Handlungsanweisungen viel sparen kann.
Ein Arztbesuch schadet jedenfalls nicht, mir fällt kein Grund dagegen ein. Ich spreche eigentlich wirklich gerne mit Ärzten, fällt mir gerade auf. Auch die Ärzte in meinem Freundekreis schätze ich sehr. Viele von ihnen sind sehr kluge und vielseitige Menschen. In einem einem Arztgespräch lässt sich immer etwas lernen. |
|
| Nach oben |
|
 |
Roa aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 30.09.2008 Beiträge: 614
|
Verfasst am: 24.11.2008, 19:34 Titel: Re: Der Arztbesuch..... |
|
|
| Nachwuchsoptimist hat Folgendes geschrieben: | | Ich spreche eigentlich wirklich gerne mit Ärzten, fällt mir gerade auf. Auch die Ärzte in meinem Freundekreis schätze ich sehr. Viele von ihnen sind sehr kluge und vielseitige Menschen. In einem einem Arztgespräch lässt sich immer etwas lernen. |
(Irgendwie ironisch du hast zwar Recht, meine Eltern sind auch sehr klug und wunderbar im theoretischen Verständnis. Hat meine Mutter aber nicht vor der Alkoholabhängigkeit und meinen Vater nicht vor einer Art Co-abhängigkeit bewahrt.)
Aber darum gehts mir eigentlich grad gar nicht. Als meine Mutter mal für, ich glaube, etwa 3 Monate in eine Klinik zur Therapie gegangen ist. Hat mein Vater mir erklärt sie würde dafür nüchtern bzw. entgiftet sein müssen.
Dass es gefährlich ist das zu Hause zu machen, habe ich damals noch nicht verstanden. Und erst nach vielem Lesen hier bringe ich das wirklich in Zusammenhang mit einem kalten Entzug. Jetzt macht es auch Sinn, dass wir die Schule schwänzen sollten, bzw. mein Vater nicht zur Abreit ging, damit jemand bei ihr ist. Trotzdem irgendwie verantwortungslos, aber so ist er leider als Arzt meint er für sowas wäre ein Arztbesuch nicht nötig, da er ja selbst genug Ahnung hat.
Was ich mich Frage meine Mutter hat zwischendurch auch immer mal nicht nasse phasen. Bis zu zwei Monaten, im Prinzip geht sie dann doch jedesmal durch dieselbe Entgiftung. Dann allerdings auch noch ohne das sie überhaupt jemand beobachte.
Ich würd jetzt fragen, ob mir jemand Delirium tremens näher erleutern kann. Aber ich such erstmal, ob ich hier im Forum die richtige Info-Seite dazu finde. Ansonsten gibts ja immer noch das www .
Irgendwie erscheint mein Beitrag jetzt irgendwie inhaltlich unbedeutend.
Worauf ich hinaus wollte. Als meine Mutter damals den kalten Entzug machte, da haben wir sie im Grunde überredet in eine Klinik zu gehen. Nach einer ganz schlimmer Phase habe ich ihr nach studenlangem ringen das versprechen ihrer kinder zu liebe abgerungen. Im nachhinein nicht überraschend, dass sie nach einigen Monaten wieder rückfällig wurde. Ich schätze mal, abgesehen von der Gefahr die ein kalter Entzug birgt, haben wir ihr damit auch die Kontrolle entzogen. Statt sie selbst ihr Leben in die Hände von Ärzten geben zu lassen, haben wir, oder vielleicht eher unser Vater, ich und meine Schwester waren noch viel zu jung zu dem Zeitpunkt, es in unsre hand genommen.
Ich kann nicht sagen, ob es anders gelaufen wäre auf anderem wege, aber grundsätzlich wäre es mit Sicherheit besser gewesen. |
|
| Nach oben |
|
| Roa hat zum Thema: Re: Der Arztbesuch..... geschrieben
|
|
 |
Nachwuchsoptimist neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 12.04.2008 Beiträge: 119 Alter: 33
|
Verfasst am: 24.11.2008, 21:06 Titel: Re: Der Arztbesuch..... |
|
|
Hi Roa et al.,
die Frage, die Du Dir stellst habe ich mir auch mal zwischendurch gestellt: Wie ist es, wenn jemand "nur" alle zwei Woche säuft? Oder der notorische Quartalssäufer? Im Prinzip ist müsste doch dann auf jedes Besäufnis ein Entzug folgen, oder?
Ich habe schon selbst gemerkt, dass ich mir einen regelrechten Trinkrhythmus angewöhnt hatte. Allerdings hatte das mehr den Charakter eines Jetlags, also dass man in bestimmten Abständen und in bestimmten Situationen auf einmal an Konsum denkt. Allerdings habe ich das eher als mentale Herausforderung erlebt, nicht als körperliche. Vermutlich ist der Übergang da fließend, immerhin sind Synapsen ja gleichzeitig Zellmassen und Bewusstseinsproduzent.
Weiß darüber jemand etwas mehr?
| Roa hat Folgendes geschrieben: | (Irgendwie ironisch du hast zwar Recht, meine Eltern sind auch sehr klug und wunderbar im theoretischen Verständnis. Hat meine Mutter aber nicht vor der Alkoholabhängigkeit und meinen Vater nicht vor einer Art Co-abhängigkeit bewahrt.) |
Ansonsten hast Du natürlich völlig recht, dass ein theoretischer, rationaler Zugang keinerlei Schutz vor Abhängigkeit ist. So war es aber auch nicht gemeint, überhaupt nicht ironisch. Ich hoffe das war nicht zu missverständlich. |
|
| Nach oben |
|
 |
Roa aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 30.09.2008 Beiträge: 614
|
Verfasst am: 24.11.2008, 22:17 Titel: Re: Der Arztbesuch..... |
|
|
Hallo Nachwuchsoptimist,
keinesfalls ich hab das schon richtig verstanden.
Und ich versteh das auch vollkommen, in einer Arztfamilie aufgewachsen habe ich eigentlich großes Vertrauen in Ärzte. Wenn ich krank war, hatte ich immer absolut das Gefühl in den Händen meines Vaters - als Arzt - sicher zu sein. Während es meinen Eltern nie gelang mir das Gefühl anderweitig zu geben.
Das ironische ist einfach, dass auch rationales Denken nicht bewahrt. Und auch das beängstigende.
Aber jetzt leit ich hier wirklich vom Thema ab, tut mir leid  |
|
| Nach oben |
|
| Roa hat zum Thema: Re: Der Arztbesuch..... geschrieben
|
|
 |