| Trennung die einzige Möglichkeit? • Alkohol und Trennung oder nicht? |
|
|
| Autor |
Nachricht |
|
|
Thelma Gast
|
Verfasst am: 24.11.2008, 13:14 Titel: Zwei Schritte vor und einen zurück |
|
|
Hallo an alle,
ich muss mir mal wieder was von der Seele schreiben.
Ein kurzer Abriss meiner Geschichte:
Ich lebe seit 12 Jahren mit einem Alkoholiker zusammen, habe 2 Kinder aus erster Ehe und einen gemeinsamen Sohn. Nachdem wir diesest Jahr beide wohl am Tiefpunkt angelangt waren und er gemerkt hat, dass der Alkohol alles zerstört, hat er im Oktober beschlossen, aufzuhören Alkohol zu trinken. Er beantragte sogleich eine Kur, sie wurde ihm genehmigt, aber in einer Klinik, die nur Doppelzimmer anbietet. Das schließt mein Mann kategorisch aus, aus nachvollziehbarenn Gründen. Also hat er Einspruch erhoben, mit dem hinweis, er mache die Kur nur, wenn er ein Einzelzimmer kriegt.
Da kam bei mir sofort Panik auf, dass Die Rentenversicherungskammer nun sagt: Sie haben hier keine Ansprüche zu stellen, dann machen Sie halt keine Kur. In diesem Fall würde er auch tatsächlich darauf verzichten. Jetzt warte ich wie auf Kohlen sitzend auf diesen Bescheid..
So und bis zur Kur wollte sich mein Mann mit alkoholfreiem bier über die Zeit retten. Bis vor kurzem sahen unsere Wochendenden so aus: Er stand irgendwann mal auf, verkatert, hing alibimäßig im Haus rum, wurde am nachmittag langsam unruhig und ging dann schließlich "spazieren"(Kneipe). Nach ca. 3 Stunden kam er blau wieder, war körperlich zwar anwesend, aber so ab ca. 21 Uhr zog er erneut los. Bis ultimo. Ihr alle wisst, wie es mir ging. ich hatte das Gefühl, ich führe eine Ehe zu dritt: ich, mein Mann und das Bier. Als hätte er eine Geliebte, nur seine Geliebte heißt Augustina, hat die Figur einer Flasche und verströmt den gleichen Geruch wie mein Mann... kleiner Scherz am Rande
Unter der Woche hat er natürlich auch getrunken, nach der Arbeit...
Ich hab ihm gesagt, dass das mit dem alkoholfreien bier Selbstbetrug ist und ich damit nicht klarkomme, denn die Wochendenden liefen nach dem gleichen Schema ab. O.K., hat er eingesehen und am 11.11. (wenn die Narren beginnen zu saufen) hat er auch damit aufgehört. Die letzte Woche stellte sich bei mir so was wie Glücksgefühle ein, ich wurde wieder zuversichtlich, die Herzschmerzen wurden schwächer, ich konnte durch schlafen...
Gestern ging er mal wieder los, auf eine Orangenschorle, aber in seine Kneipe.
Als er zurückkam, hab ich einen Hauch von Bier gerochen. Und da ist es passiert: Ich bin in Tränen ausgebrochen, alles, die Brustschmerzen, das Augenzucken, der ganze emotionale Horror war wieder da.
Er meinte, ich bilde mir was ein, hab schon Wahnvorstellungen, sei hysterisch usw. Er hat kategorisch abgestritten, Bier getrunken zu haben.
Es war ja mit Sicherheit nur alkoholfreies, das glaub ich schon, aber bei mir legte es einen Schalter um, wie eine kondizionierte Ratte, die sich beim Aufleuchten der roten Lampe drei mal im Kreis dreht.
Spinn ich jetzt wirklich, dass ich schon durchdrehe, wenn er ab und zu alk-freies Bier trinkt?
Ich hab ihm jedenfalls heute früh gesagt, dass ich damit keinesfalls leben kann.
Meine Nacht war schlaflos, all Ängste sind wieder da.
Ich will und kann mich nicht trennen, ohne Alkohol ist unsere Beziehung o.k., er will ja aufhören, steht vor seiner Kur(wie ich hoffe)...
Beim leisesten Umfaller meines Mannes falle ich zusammen wie ein Kartenhaus. schön CO und .KO.
Habt ihr einen Tippß
LG Thelma |
|
| Nach oben |
|
| Thelma hat zum Thema: Zwei Schritte vor und einen zurück geschrieben
|
|
 |
Jenny2 Gast
|
Verfasst am: 24.11.2008, 13:33 Titel: Re: Zwei Schritte vor und einen zurück |
|
|
Hi Thelma,
eines verstehe ich nicht, Du schreibst: | Zitat: | | Er beantragte sogleich eine Kur, sie wurde ihm genehmigt, aber in einer Klinik, die nur Doppelzimmer anbietet. Das schließt mein Mann kategorisch aus, aus nachvollziehbaren Gründen. Also hat er Einspruch erhoben, mit dem hinweis, er mache die Kur nur, wenn er ein Einzelzimmer kriegt. |
Was sind denn bitte nachvollziehbare Gruende, fuer mich hoert sich das eher an, als wenn er gar nicht aufhoeren will mit dem Saufen und alkoholfreies Bier, sorry, aber da kann er gleich wieder ganz saufen, ist ja irgendwo immer Alkohol drin und ausserdem regt das das Suchtgedaechtnis an.
Die Frage ist, wie lange Du das alles noch mitmachen moechtest und wann Du fuer Dich Grenzen ziehst, damit es Dir wieder gutgeht.
Alles Liebe,
Jenny |
|
| Nach oben |
|
| Jenny2 hat zum Thema: Re: Zwei Schritte vor und einen zurück geschrieben
|
|
 |
Thelma Gast
|
Verfasst am: 24.11.2008, 14:14 Titel: Re: Zwei Schritte vor und einen zurück |
|
|
Hi Jenny,
ich weiß, es hört sich blöd an, dass ich ihn verstehe.
seine Gründe:
-Er braucht nach einem bewegenden Therapietag seine Rückzugsmölichkeit(er ist ausgeprägter Einzelgänger)
-er schnarcht der andere evtl auch
-er will sich nicht abendes noch mit einer weiteren fertigen Story auseinandersetzen, ihm reicht seine
- er will nicht 8-16 Wochen mit einem fremden in einem Zimmer sein
-er hat es beruflich und im täglichen Pendelverkehr im Zug mit hunderten Menschen, Gräuschen, etc zu tun. Er braucht diese Rückzugsmöglichkeit
er will allein schlafen, tut er hier ja auch seit Jahren, weil ich darauf bestanden habe.
Zum Thema alkoholfreies Bier stimme ich dir völlig zu und habe es ihm auch unmissverständlich gesagt.
Er lässt sich dieses Hintertürchen offen, sonst würde er bei dem Gedanken, nie mehr den Geschmack des gerade in Bayern so geliebten Bieres Panik bekommen. Also will er sich "ab und zu" mit der "Alternative" trösten. Ich weiß, sag jetzt nichts...
Oder sag doch was!
Ich will hier irgendwie mit ihm durchgehen, merke aber, dass ich keinerlei Toleranz mehr habe und bei mir bei dem Gedanken an Bier schon alle Sicherungen durchbrennen.
In den letzten 10 Tagen ist so ein angenehmes, zartes Pflänzchen gewachsen, ein Hauch Normalität ist eingekehrt, er hat gestern mit uns gefrühstückt, das erste Mal seit Jahren...
Er wird wieder aktiver, nimmt wieder am "normalen" Leben teil, es sind Kleinigkeiten, aber diese sind so schön nach Jahren Horror.
Ich will einfach nicht aufgeben, zumal ich es finanziell nicht schaffen würde, mein Ex ist für die nächsten 6 Jahre insolvent, zahlt also nicht mal den Mindestunterhalt, ich hab ein abgebrochenes Studium, und nur Klein-Jobs am Laufen.
Ich weiß, wer will, findet Wege, wer nicht will findet Gründe(Gruß an Spedi). Stimmt .
aber ich will nicht aufgeben und hier Wege finden, doch ich weiß auch, dass ich total vom Zustand meines Mannes abhängig bin und das macht mich verrückt. |
|
| Nach oben |
|
| Thelma hat zum Thema: Re: Zwei Schritte vor und einen zurück geschrieben
|
|
 |
Spedi Gast
|
Verfasst am: 24.11.2008, 14:15 Titel: Re: Zwei Schritte vor und einen zurück |
|
|
Servus Thelma,
er will saufen und er wird saufen. Sonst gar nix.
Willst Du so weiterleben?
Nur darum geht es hier, um Dich...
LG
Spedi |
|
| Nach oben |
|
| Spedi hat zum Thema: Re: Zwei Schritte vor und einen zurück geschrieben
|
|
 |
dagmar007 sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.05.2008 Beiträge: 2896
|
Verfasst am: 24.11.2008, 14:28 Titel: Re: Zwei Schritte vor und einen zurück |
|
|
Liebe Thelma,
die Argumente, die Du benennst, die mögen gelten bei einem netten Urlaub, denn da ist das Wohlfühlgefühl wichtig.
Wenn Dein Partner aber wirklich von sich aus aufhören will, Leidensdruck verspürt, der ihm zeigt was aus seinem Leben geworden ist, dann wird ihn fremdes Schnarchen ebenso wenig stören wie anderes. Dann nämlich würde er um sein Überleben - und dadurch die Trockenheit - kämpfen wollen!
Er will nicht mit einem Fremden im Zimmer sein, er will keine fremden Stories hören. Zum ersten weiss er noch gar nicht ob der andere zu ihm überhaupt das Vertrauen hat seine Stories zu erzählen und zum Zweiten ist vielleicht auch die Therapie da um soziales Leben zu lernen? Vielleicht um sich abzugrenzen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und nüchtern ein soziales Gefüge zu entwickeln?
Nun ehrlich gesagt, ich spüre nichts mutmachendes, so wie ich es oft im Alkoholikerbereich lesen kann.... Sorry, nun gut, ich bin nicht allwissend.
Du willst nicht aufgeben? DICH sollst DU auch nicht aufgeben aber die Hoffnung an anderen Menschen etwas ändern zu können, oder ist Dir das schon jemals gelungen? So richtig dauerhaft?
Du hast Angst, schreibst Du, weil Du es finanziell nicht schaffen würdest. So, nun kommen wir endlich dem Kern und Dir näher.
Auch ich dachte es, musste es schaffen weil es um mein Leben ging, und es ging und ich bekomme weniger im Monat als den Sozialsatz.....
Wenn DU wieder zu DIR finden willst, dann kannst Du bestimmt hier den einen oder anderen Weg nachlesen, der Deinem ähnlich ist. Wenn Du Hilfe für das Zusammensein mit ihm bekommen möchtest (wie es auch damals mein persönlicher Wunsch gewesen wäre) wirst Du leider - sorry - vergeblich hoffen.
Du hast keine Toleranz mehr? Verstehe ich nur zu gut! Das zeigt aber, dass nun kein Dämpfer (nämlich Deine Toleranz mehr da ist) und es ein böses Ende nehmen könnte wenn DU nicht reagierst.
Viel Kraft wünscht Dir Dagmar |
|
| Nach oben |
|
| dagmar007 hat zum Thema: Re: Zwei Schritte vor und einen zurück geschrieben
|
|
 |
Jenny2 Gast
|
Verfasst am: 24.11.2008, 14:32 Titel: Re: Zwei Schritte vor und einen zurück |
|
|
Liebe Thelma,
bei einem nassen Alkoholiker kann man nicht auf die Worte hoeren, die aus dem Mund dieses nassen Alkoholiker kommen, sondern man sollte die Taten die erfolgen sehen. Ein nasser Alkoholiker, der tatsaechlich seinen Tiefpunkt erreicht hat, tut etwas aktiv und findet keine Gruende warum eine Kur bzw. Therapie nicht angetreten wird. Da sollte es ihm wirklich piepegal sein ob Doppel-, Dreifach- oder Einzelzimmer. Alkoholismus kann toetlich enden, wenn er nicht gestoppt wird und Dein Mann scheinbar will ja nicht, sonst wuerde er Wege finden, damit er aufhoert zu saufen und nicht Gruende finden um weiterzusaufen. Ich weiss, es ist schwer sowas zu akzeptieren, aber die angeblich kleinen Schritte vorwaerts bei Deinem Mann sind keine Schritte vorwaerts fuer mich, es ist nur ein Hinauszoegern des Handelns.
Die wichtigste Frage ist aber, was tust Du jetzt fuer Dich?
Alles Liebe,
Jenny |
|
| Nach oben |
|
| Jenny2 hat zum Thema: Re: Zwei Schritte vor und einen zurück geschrieben
|
|
 |
Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32801 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
|
Verfasst am: 24.11.2008, 14:44 Titel: Re: Zwei Schritte vor und einen zurück |
|
|
Hallo Thelma,
mal davon abgesehen, dass es hier unwichtig ist, was er will, denn Du hast Dich hier registriert und nicht er, möchte ich mal sagen, dass solch eine Anspruchshaltung an eine helfende Institution wohl nicht wirklich von Einsicht zur Notwendigkeit zur Hilfe spricht.
Ich war mal sechs Wochen in einen Zwölfbettzimmer und glücklich, weil ich diese sechs Wochen nicht trinken brauchte, auch wenn ich dort Schlafstörungen hatte.
Nur kompromisslose Bereitschaft, die Hilfe anzunehmen, die einem fremde Menschen geben, weil man selbst nicht weiß, wie man nüchtern trocken bleiben oder erstmal werden kann, kann zu einer dauerhaften Nüchternheit führen. Das ist meine Meinung.
Wer glaubt, sich die Hilfe noch aussuchen oder Bedingungen stellen zu können, wie ihm jemand anderes helfen darf, hat wohl noch nichts begriffen. Es wird ja immer nach Toleranz gerufen, aber wie weit fragt die Krankheit nach einer solchen Toleranz?
Gruß
Karsten |
|
| Nach oben |
|
| Karsten hat zum Thema: Re: Zwei Schritte vor und einen zurück geschrieben
|
|
 |
kaltblut sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.06.2006 Beiträge: 4741 Alter: 53 Wohnort: beiM
|
Verfasst am: 24.11.2008, 15:23 Titel: Re: Zwei Schritte vor und einen zurück |
|
|
Hi Thelma,
schön Dich zu lesen. Was ich am Besten konnte war in den Gedanken des anderen und für den anderen zu denken, irgendwie konnte ich auch ganz gut für sie mitleiden. Als ich damit aufhörte wurde es interessant, aber das Aufhören dauerte noch lange.
Vielleicht schaffst Du es ja schneller oder mal eine Woche nur an und für Dich zu denken und schreibst was da mit Dir passierte.
LG Kaltblut |
|
| Nach oben |
|
| kaltblut hat zum Thema: Re: Zwei Schritte vor und einen zurück geschrieben
|
|
 |