Hilfe bei Alkohol : Selbsthilfe-Alkoholiker-Forum : Das Alkoholikerforum

muss ich wirklich tolerant sein? - Alkohol: Herzlich Willkommen im Alkoholikerforum.
Du suchst einen Erfahrungsaustausch, der Dir bei Deiner Alkoholabhängigkeit hilft? Das Alkoholiker Forum bietet Dir Hilfe durch die Selbsthilfe in der Alkoholkrankheit, Alkoholismus und Alkoholsucht. Natürlich auch für Angehörige von Alkoholikern.




Alkoholiker

muss ich wirklich tolerant sein?

Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4, 5, 6  Weiter  
   Selbsthilfe-Alkoholiker-Forum Foren-Übersicht -> Alkoholsucht bzw. Alkoholabhängigkeit im Alkoholiker Forum -> Seite 18
rückfallgefährdet   •    Meine Geschichte  
Autor Nachricht
DieDania
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 10.11.2008
Beiträge: 54
Alter: 23
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 23.11.2008, 05:11    Titel: muss ich wirklich tolerant sein? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

puh ich hoffe das thema gab es nicht schon 100 mal, aber ich schaffs jetzt auch nicht, alle beiträge hier zu lesen...
tja wo soll ich anfangen...

edit: sorry für den doch sehr lang geratenen text... wollte mich eigentlich kurz fassen, aber ich musste mir das jetzt von der seele schreiben, da ich niemanden hab mit dem ich über sowas reden kann.


erstmal hallo, für die, die noch nichts von mir gelesen haben, ich bin die Dania, 20 Jahre und jetzt fast 1 jahr trocken und clean. nun ist es ja so, dass die meisten in meinem alter ausser party machen und saufen keinen richtigen lebensinhalt haben, leider.
nach meinem entzug bin ich in der ersten zeit sowieso nicht weggegangen, ich hatte auch einfach keine lust. da waren meine bekannten/freunde auch noch sehr rücksichtsvoll und wenn sie mich treffen wollten, wurde nichts getrunken. ok, alles gut bis dahin.
aber irgendwann bekam ich dann schon wieder lust, ab und zu mal wieder wegzugehen. weil ich gern laute musik und tanzen mag, habe auch kein problem damit, da mein wasser zu trinken und habe spaß. weil ich aber dachte, ich müsste total tolerant sein, hab ich natürlich von niemandem irgendwie verlangt, in meiner gegenwart nicht zu trinken, und so hat sich das dann auch wieder eingebürgert, dass auch bei anderen anlässen, sei es im sommer an der isar, oder beim gemeinsamen essen gehen, etc. wieder getrunken wurde. ich hatte da anfangs eigentlich nicht so ein problem mit, aber es war mir schon etwas unangenehm, einfach ein komisches gefühl.

habe da natürlich nie was gesagt, denn schließlich bin ich die alkoholikerin, nicht die anderen (obwohl, bei manchen.......kann ich natürlich denen nicht sagen..unverständnis, wie ich es aus meiner nassen zeit kenne, möchte ich nicht hervorrufen)

nun stelle ich aber fest, dass es mich zunehmend einfach stört, wenn in meiner gegenwart getrunken wird! beim weggehen irgendwie gar nicht, da ist es mir total egal, ich gehe auch nicht oft weg. aber bei solchen tagen/abenden, die meiner meinung nach eines anlasses, zu trinken, völlig entbehren, habe ich kein verständnis mehr.

meine einstellung hat sich aber auch insofern geändert, dass ich es nicht mehr als normal empfinde, dass überall alkohol getrunken wird. ich meine, ich finde, es sollte eigentlich umgekehrt sein. es sollte NICHT normal sein, zu trinken. auch nicht in maßen (wenn ich in maßen trinke, vergifte ich mich ja auch nur ein bisschen, oder wie?) alkohol ist ein gift, oder irre ich mich? nur weil es legal ist, ist es in ordnung?
ich finde es verdammt traurig, dass man als mensch, der dieses nervengift alkohol NICHT konsumiert, plötzlich zum aussenseiter wird.
haben wir da wirklich einen ganz großen denkfehler in der gesellschaft, oder liegt das mal wieder nur an mir?

um zum eigentlichen thema zurückzukommen, in letzter zeit merke ich, wie ich mich immer mehr distanziere. gestern beispielsweise, wurde ich gefragt, ob ich nicht lust hätte auf einen gemütlichen abend bei einem freund, mit noch ein paar anderen leuten. ich wusste, dass sie dort trinken würden, und hatte daher keine lust. ich habe offen gesagt, dass ich mich nicht mehr dem konsum aussetzen möchte, wenn es sich vermeiden lässt.
antwort war nur "schade" ....
ist es nicht viel mehr schade für die, die einen gemütlichen abend nicht ohne alkohol verbringen können? ich jedenfalls empfand so, und fand es nicht schade für mich.

zweites beispiel, ich besuche jede woche einen "Frauen-stammtisch".
wir sind eine gruppe junger frauen, die sich über eine internetcommunity gefunden hat und in kontakt bleibt, und ein paar von uns treffen sich jede woche. meistens wird dort nichts getrunken, wir gehen ganz normal essen in einem restaurant. manchmal sind jedoch welche dabei, die dann halt ihr bier trinken. sie sagen zwar zu mir, wie toll sie es finden, dass ich es geschafft hab und wie sehr sie das respektieren, zischen dann aber doch ihr bier, vor meinen augen. ich verlange zwar von niemandem irgendwas, aber ich merke, dass mir das einfach nicht gut tut, wenn in meiner gegenwart getrunken wird. es ist mir einfach unangenehm geworden, vor allem von solchen leuten... um dem problem aus dem weg zu gehen, schlug ich kurzerhand vor, den stammtisch mal in ein alkoholfreies restaurant zu verlegen, ich hoffe, dass wir dort öfters hingehen werden, denn mich ganz isolieren will ich auch nicht...
demnächst will eine aus dieser gruppe einen schokobrunnen-abend bei sich veranstalten, mit "schokofrüchten und pros....." .....

ich schrieb dazu nur, dass ich den zwangsläufigen zusammenhang zwischen schokofrüchten und prosecco nicht nachvollziehen kann und daher nicht kommen werde.
worauf ich von einer die antwort bekam, dass sie an dem abend auch nichts trinken kann
sowas regt mich auf. als ob mich irgendwelche personen oder umstände davon abhalten würden, alkohol zu trinken!
nein, ich mache das für mich, und nur für mich ganz allein und freiwillig!
dass leute einen immer bemitleiden, weil man ja nie wieder trinken kann als trockener alkoholiker. als ob es was schlimmes wäre!!??!!
ich sagte nur, dass ich mich dem konsum nicht bei jeder gelegenheit aussetzen will.
antwort war, dass sie sich ja nicht treffen, um sich zu besaufen, sondern dass dort halt prosecco wäre, für diejenigen, die was trinken wollen.

ich schrieb, es tut mir nicht gut, mich mit trinkenden leuten zu umgeben, vor allem bei anlässen, die meiner ansicht nach ohne alk auskommen würden, und ich distanziere mich mehr und mehr davon, auch wenn ich am ende alleine dastehe, denn mein leben ist mir zu wichtig, als dass ich da weiterhin kompromisse eingehen wollte.
es wird zwar am ende kaum jemand übrig bleiben, da ich derzeit (noch??) niemanden kenne, der nicht trinkt oder irgendwas konsumiert, aber ich kann die einstellung, sich nur ein bisschen zu vergiften, wäre ok, nicht mehr teilen und ziehe mich daher vermehrt zurück. für mich weil es mir so besser geht.

daraufhin muss ich mir vorwürfe anhören, wie, ich würde übertreiben und solle die anderen nicht als trinker hinstellen, sie würde meine reaktion ja verstehen, wenn sie mich zu etwas nötigen würden, was ich nicht will, und findet das alles ziemlich "traurig"

ich kann dazu nur sagen, dass ich es für mich nicht traurig finde, eher für die, die jeden anlass mit alkohol verbinden müssen...
ich weiß, dass sie mich nicht verstehen können, aber dennoch möchte ich mir nicht solche unterstellungen anhören müssen, ich würde alle als trinker hinstellen. das wort trinker habe ich niemals benutzt.

ich hoffe nur, für meine ganze generation, dass mit dem alter die weisheit kommt, und ich weiß, dass ich irgendwann auch leute finden werde, die nicht konsumieren... ich suche, aber es ist sowas von schwer mit 20 jahren...!! aber trotzdem bin ich total zufrieden mit meinem leben, mit mir selbst!!
ich bin oft allein, aber fühle mich nicht einsam, denn ich habe jetzt mich selbst.

jedenfalls wüsste ich gern, wie andere zu der thematik stehen?
schonmal vor dem selben problem gestanden?
liegt der fehler bei mir, bin ich intolerant, zu radikal in meinem denken?

wer es bis hierhin geschafft hat, danke fürs lesen....

viele grüße,
Dania
Nach oben
DieDania hat zum Thema: muss ich wirklich tolerant sein? geschrieben
klarerkopf
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 31.12.2007
Beiträge: 122
Alter: 47
Wohnort: Österreich

BeitragVerfasst am: 23.11.2008, 08:29    Titel: Re: muss ich wirklich tolerant sein? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

guten morgen, diedania

zu deiner Frage - muss ich wirklich tolerant sein - gibt es nur eine Antwort, nämlich NEIN.
Es ist vorweg schon sehr "stark" von dir, deine Meinung beizubehalten in Anbetracht solcher Einladungen. Aber du hast dich sicherlich schon durch dieses Forum gelesen und hier wird oft angesprochen, dass man sich als angehend abstinent lebender Mensch seinen Freundeskreis neu strukturieren sollte.
Und ich meine dazu, man tut gut daran. Du bist ja nun schon 1 Jahr "trocken" - Gratulation - , aber wie du siehst, stellst du Sachen wie Schokobrunnen - Pros... Parties und wie diese Treffen verbunden mit Alk-konsum auch immer heissen mögen, in Frage.
Der für dich absolut richtige Weg ist, solchen Events zu meiden.

Dazu gibt es noch zu sagen:

Jedem von uns Ex-trinkern geht es so, fühl dich nicht allein, auch wenn es mit jüngeren Jahren vielleicht, wie du meinst, noch etwas schwerer ist.

Mein Weg (bin jetzt über 3 Jahre trocken, 44 Jahre alt) war der, dass ich mich einfach bewusst nicht mehr mit Menschen, die Alk konsumieren, umgeben habe, deren Konsum aber auch nicht verurteilte, es ist jeder für sein Leben selbst verantwortlich. Ich habe meinen Weg gewählt, und den werde ich beibehalten.

Der Lohn dafür ist ein Leben mit klaren Gedanken, ein Erwachen am Morgen ohne Kopfweh, usw., die Liste liese sich seitenweise fortsetzen.
Und ich muss dir sagen, ich bin mit dieser Situation absolut glücklich und zufrieden.

Denn ich bin mir sicher, dass du auch Freunde finden wirst, die keinen Alkohol brauchen, um ihren Alltag zu bewältigen, und du wirst sehen, es sind dann vielleicht auch nur soviele Freunde, die du mit einer Hand abzählen kannst, aber die Qualität der Freundschaft ist eine weitaus höhere.

Meine Empfehlung oder genauer gesagt, so hab ich´s gemacht in den ersten 2,5 Jahren:

- Besuch einer realen Selbsthilfegruppe, die dir zusagt - du glaubst vielleicht, da sind nur ältere Leute, Irrtum! - dort kannst du dich innerlich zusätzlich festigen und findest Gleichgesinnte

- Weihnachtsfeiern, Familienfeiern, Geburtstagsfeiern verlasse ich dann, wenn es MIR danach ist, das heisst, wenn das Essen vorüber ist, ich dann vielleicht noch einen Kaffee getrunken habe und merke, aha, jetzt beginnen langsam Szenarien wie "Verdauungsschnapserln, etc.".

- Aus meiner Sicht sehr zu empfehlen sind Fortbildungskurse oder Wochenenden, hab vor kurzem einen besucht zum Thema "Yoga", mit dem ich mich schon längere Zeit beschäftige, hier findest du immer wieder Menschen, denen nichts an Süchten liegt, wer weiss, vielleicht kannst du damit deinen Freundeskreis erweitern?

Finde deinen Weg und bleib weiterhin konsequent und du wirst sehen, das Leben gewinnt zunehmend an Qualität, ich kann auch nach 3 Jahren Abstinenz noch sagen, ich hab noch nicht ausgelernt, und geniese jeden Tag, den ich ohne den Genuss eines Mittels oder Stoffes glücklichsein darf.

Und so wird es auch bleiben, davon gehe ich aus.

Bleib auf deinem Weg.


lg

klarerkopf
Nach oben
klarerkopf hat zum Thema: Re: muss ich wirklich tolerant sein? geschrieben
Lilly12
Gast






BeitragVerfasst am: 23.11.2008, 09:46    Titel: Re: muss ich wirklich tolerant sein? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Dania

Ich kann alle Deine Gedankengänge gut verstehen, ich war allerdings 20 Jahre älter, als ich trocken werden konnte. Und ich war nie eine Partynudel oder ging gern in Discos, das machte mir einiges sicher leichter.
Und Nein, natürlich bist Du nicht intolerant oder zu radikal.
Du bist trockene Alkie und hast bestimmte Dinge zu beachten, willst Du nicht rückfällig werden und das müssen andere tolerieren.

Ich war die ersten Jahre allein trocken, ohne Gruppe, was keine gute Idee war, nicht zum weiterempfehlen. Aber alles, was Du beschreibst, empfand ich trotzdem so.
Auch ich dachte mir erst, ich bin ja die Kranke, was können die anderen dafür ? Warum sollten sie nicht weiterhin Alk trinken, auch wenn ich dabei bin ? Ich spürte aber ebenso wie Du, das ich das innerlich nicht möchte, das sie es tun. Also bat ich meine Freunde darum, es nicht mehr zu tun, diejenigen, die das BEI MIR TOLERIERTEN, konnten auch weiterhin zu meinen Freunden gehören, die es nicht konnten, konnten leider keine mehr sein.
Zum Glück brauchte ich nur wenige auszusortieren. Ich muß nicht tolerieren, das sie in meiner Gegenwart ein Nervengift zu sich nehmen, wodurch sich bei mir evtl. Saufdruck aufbaut, weil es alte Erinnerungen wachruft und ich rückfällig werde. Es geht hier nämlich um MEIN LEBEN ! Ich habe eine Krankheit, die ungestoppt tödlich verläuft, is nu mal so ! Und darauf bitte ich Rücksicht zu nehmen.
Ich biete auch nicht einem Diabetiker Essen an, was er nicht darf oder esse das vor ihm und biete auch keinem Eiweiß-Allergiker nen Eiweiß-Shake an.

Ich verstehe aber auch, das Du gerne ausgehst, liebe Dania, Du bist jung, gehörst unter Leute, so wie wir alle gesellige Lebewesen sind. Da hilft nur eins: Baue Dir einen neuen Bekanntenkreis auf, in dem niemand Alkohol trinkt, zumindest in Deiner Gegenwart nicht.
Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan. Klarerkopf hat Dir ja schon einiges genannt. Suche mal nach Möglichkeiten, die es für Dich gäbe.

Der Tipp mit der realen SHG is nicht schlecht, erstens sind da wirklich nicht nur ältere Menschen, in meiner sind auch 2 in Deinem Alter. In meiner ist es außerdem so, das es Familienfreizeiten gibt, wo dann auch die Kids dran teilnehmen, da dürften einige in Deinem Alter sein, die auch keinen Alk trinken. Also wenn es bei Dir was ähnliches gibt, dann könntest Du über solche Familienfreizeiten die Kids der älteren Gruppenmitglieder kennenlernen, is jetzt nur mal sone Idee von mir, die mir spontan einfiel.
Ansonsten könntest Du auch über ne Anzeige in der Zeitung versuchen, Leute für die Freizeit zu finden, die keinen Alk konsumieren, vielleicht gibt’s auch im net dazu Möglichkeiten ?

Vielleicht fällt anderen auch noch Gutes ein ?
Eins ist aber klar, liebe Dania, es kann echt nicht sein, das wir zu Außenseitern werden und einsam wegen unserer Krankheit, dagegen sollten wir echt ankämpfen. Und auch wagen, neue Wege zu gehen.
Und es ist wirklich traurig, das hier zu allem möglichen Alkohol konsumiert werden „muß“, ich findes das ein sehr trauriges Gesellschaftsbild überhaupt. Aber das werden wir nicht komplett ändern können, nur für uns im kleinen Kreis, es wäre ein Kampf gegen Windmühlen, denn die Alk-Industrie ist zu mächtig.

Du könntest auch bei Dir mal ne alkfreie Party machen, ich hab schon mehrere solcher gemacht, war immer total lustig und die Leute, die mich gern haben, kamen auch alle. Es war vorher bekannt, wer nicht kommen wollte blieb halt weg und gut is. Wir hatten jedenfalls jedes Mal Spaß ohne Ende Lachen und alle freuten sich darüber, mit dem eigenen PKW wieder nach Hause fahren zu können und einen schönen Nachmittag bzw. Abend gehabt zu haben, denn meine Geburtstagsfeiern begannen nachmittags, auch da gibt’s keinen Alk.

Liebe Dania, ansonsten finde ich Deine Einstellung ganz toll Sehr glücklich und ganz große Bewunderung meinerseits, das Du so früh von der Droge abspringen konntest, ALLE ACHTUNG !! Ich brauchte leider 20 Jahre länger, Du hast Dir viel Leid damit erspart, sei mal bitte ganz stolz auf Dich !

Viele liebe Grüße
Lilly
Nach oben
Lilly12 hat zum Thema: Re: muss ich wirklich tolerant sein? geschrieben
Jürgen
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 11.02.2007
Beiträge: 8075
Alter: 48
Wohnort: Hessen

BeitragVerfasst am: 23.11.2008, 11:34    Titel: Re: muss ich wirklich tolerant sein? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Daniela,
ein herzliches Willkommen hier, ich hab auch so noch 20 Jahre weitersaufen müssen, bis ich zu deiner Erkenntnis kam. Die ist gut, und es geht für uns nur ohne.
Du bist an einem Punkt den kenn ich auch von mir, nachdem ich 1 jahr alles gemieden habe, was ich so mit Alk. in Verbindung gebracht habe. Ein neues Umfeld ist in deiner Situation jetzt das beste was dir passieren kann,und an dem du arbeiten solltest.
Was natürlich ist, das wenn du dich mit den menschen umgibst wie du es jetzt machst, sind die Chancen schlecht neue Menschen kennezulernen.
Das braucht Zeit, und ene Öffnung für neues bringt dich da weiter, für dich, deine Trockenheit und deine Entwicklung.Du bist fast 1 Jahr trocken, das ist schon gut, freut mich für dich, aber das Umfeld ist immens wichtig, so unser alle Erfahrung hier.
Es geht, man schätzt so 8-10 % der Bevölkerung leben abstinent, da gibts verschoiedene Zahlen.
Was ich damit sagen will, es gibt sehr wohl Menschen, wie du und ich die keinen Alk. trinken oder Drogen nehmen. Wenn du sie suchst findest du sie auch, oder sie kommen automatisch auf dich zu. Du veränderst dich ja, das merkt man ja an deinen Gedankengängen.
Und was du deutlich spürst, und dann hör auf deinen Bauch, du fühlst dich nicht wohl in solcher Gesellschaft. Dann laß die weg, oder bleib fern, und nutz die Zeit für andere Dinge die es dir ermöglichen, neue Menschen die auf deienr Wellenlänge sind kennenzulernen.
Hier bist du ja schon angekommen, unter Gleichgesinnten, das ist doch schon was für den Anfang.
LG
Jürgen
Nach oben
Jürgen hat zum Thema: Re: muss ich wirklich tolerant sein? geschrieben
dagmar007
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.05.2008
Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 23.11.2008, 11:50    Titel: Re: muss ich wirklich tolerant sein? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Dania,
da möchte ich mich doch tatsächlich als Co, frecherweise, auch in Dein Thema einbringen.

Denn das was Du schreibst, kenne ich ebenso. Ich mag keinen Alkohol und konsumiere ihn auch nicht. In jungen Jahren war es ganz, ganz übel, weil ich quasi irgendwie der Spielverderber war, der immer mit klarem Kopf alles in Erinnerung hatte was lief.

Irgendwann einmal wollte ich das Gelalle und sinnlose Beinanderstitzen und aufblasen nicht mehr mit machen. Ich zog mich zurück und fühlte mich keinesfalls dabei unglücklich. Es dauerte lange bis ich klar definieren konnte was ich will und was nicht und was mir gut tut und was nicht. Auch heute muss ich noch daran arbeiten diese Grenzen zu setzen, weil ich mich leicht überreden lasse jemanden als Besuch zu empfangen, obwohl ich lieber alleine wäre.

Und wisst Ihr was?

Ich als Co finde es genaus MISTIG wie Ihr, dass überall der blöde Alk dazu gehören soll, muss oder kann! Unabhängig dessen, dass es sich keiner von uns antun muss, so ist doch genau durch solche gesellschaftliche Anlässe und manch eine Gruppendynamik manch eine-/r zum Trinker geworden ohne es zu wollen.

Nur, liebe Leute, ich kann die Welt nicht verändern! Es gibt Menschen, die mich nehmen wie ich bin - immer nüchtern - und andere die damit Probleme haben. Da muss ich mich natürlich fragen, ob diejenigen, die Probleme haben Angst haben dass ich mich besser an deren Verhalten erinnern könnte als sie selber .....

Mir als Co, fällt es dementsprechend ebenso schwer wie einem trockenen Alkoholiker sich in einem Umfeld zu befinden, in welchem man/frau sich wohlfühlt.

Ich muss also ebenso wie Ihr Einschränkungen in Kauf nehmen. Allerdings ist es bei mir in allen den Jahren so gewesen, dass ich auf freundschaftlicher Ebene auch nur zu Leuten hingezogen war, die keinen Alkoholkonsum haben.

Dafür habe ich natürlich in der Partnerschaft jemanden gesucht, der dann mein Prokopf-Durchschnitts-Volumen wieder richtet Traurig

Lieben Gruß von Dagmar
Nach oben
dagmar007 hat zum Thema: Re: muss ich wirklich tolerant sein? geschrieben
Nachwuchsoptimist
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 12.04.2008
Beiträge: 119
Alter: 33

BeitragVerfasst am: 23.11.2008, 12:40    Titel: Re: muss ich wirklich tolerant sein? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hi Dania, schön dass Du schreibst!

Ich habe selber die letzten 12 Jahre in Clubs verbracht, und kann absolut verstehen, was Du meinst. Es ist schon heftig, wenn man auch einmal mitbekommt, was am Wochenende um einen herum so abläuft. Seit ich vor etwas über einem halben Jahr auf die nüchterne Seite gewechselt habe, gehe ich zwar auch noch ab und zu auf eine Party, aber dann sehr gezielt zu den Künstlern, die mir wirklich was bedeuten. Ich denke dieses Aussieben ist ganz natürlich.
DieDania hat Folgendes geschrieben:
nun ist es ja so, dass die meisten in meinem alter ausser party machen und saufen keinen richtigen lebensinhalt haben, leider.

Dazu kann ich nur sagen: Das ändert sich bei manchen auch bis 30 nicht. Und bei manchen auch nicht bis 90.
Oder, mal anders betrachtet: Das was ich für inhaltlich wertvoll halte unterscheidetich gravierend von dem Leben, das viele meiner Bekannten leben. Es ist eine persönliche Präferenz, nicht mehr und nicht weniger. Insofern braucht man auch gegenseitig kein Mitleid haben. (Interessanterweise scheinen sowohl cleane Abhängige manchmal die druffen Abhängigen zu bemitleiden, als auch andersherum die rauschigen Partypeoples die cleanen Abhängigen. Ist mir mal so aufgefallen.)

Allgemein scheinst Du aber schon ganz gut Dein Ding durchzuziehen. Echt beachtlich! Ich glaube in jedem Alter sieht sich der angehende Trockene verschiedenen Herasuforderungen gegenüber. Mit 20 sind die sozialen Strukturen noch sehr durchlässig, man selber und auch die Gleichaltrigen sind noch viel flexibler, was es auch leichter macht das Umfeld neu aufzubauen. Andererseits, und das ist was Du offenbar gerade erlebst, verhalten sich viele in Deine Alter noch sehr verantwortungsscheu, nehmen vieles nicht besonders ernst. Man ist jung, das Leben ist endlos. Die wenigsten haben Erfahrungen mit wirklich lebensbedrohlichen Krankheiten oder kennen sich mit Sucht aus, und ich würde es zum Teil darauf zurückführen, dass es manchen schwer fällt sich vorzustellen, was Dich bewegt, wenn Du Dich distanziert. Es ist einfach kein Konsens, gehört nicht zum Allgemeinverständlichen.

Für Dich bedeutet es, dass Du in vielen Situationen mit Deiner Perspektive scheinbar allein stehst. Das kann frustrierend sein, und vor allem einsam. Aber mit der Zeit wirst Du Leute kennenlernen, die aus den unterschiedlichsten Gründen drogenfrei leben. Das braucht etwas Geduld. Aber das gute ist, dass diese Leute in der Regel sehr interessante und Menschen sind, die genau wie Du ihren eigenen Weg gehen, und ihre eigene Perspektive entwickelt haben. Ich sehe darin eine große Chance. Denn was der breite Mob denkt, weiß ich schon.


Ein schönes Wochenende!
Nach oben
Nachwuchsoptimist hat zum Thema: Re: muss ich wirklich tolerant sein? geschrieben
DieDania
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 10.11.2008
Beiträge: 54
Alter: 23
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 23.11.2008, 15:20    Titel: Re: muss ich wirklich tolerant sein? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

vielen dank für eure antworten, es tut gut zu wissen, dass ich mit meinem denken nicht völlig allein dastehe....
zu den SHG, damit bin ich auch trocken & clean geworden und habe schon die erfahrung gemacht, dort vermehrt ältere menschen anzutreffen.
ich habe aber schon 2 tipps bekommen wo ich hingehen könnte, wo es nicht so sein soll, das werde ich demnächst auch auf jeden fall tun!!
solche anzeigen habe ich schon etliche in verschiedenen foren gestartet, zwar schon leute auch meines alters gefunden, die drogenfrei bzw. straight edge leben, was mir auch hoffnung gibt, aber leider nicht in meiner nähe.
komischerweise findet man die vermehrt in norddeutschland...?
vielleicht hat das was mit dem zusammenhang zwischen bayern und bier zu tun... Böse

nun ist es ja so, dass ich mein umfeld schon extrem verändert habe.
vor einem jahr noch wohnte ich in einem uralten, baufälligen haus, aus finanziellen gründen, zusammen mit 3 männlichen studenten mitte 20... war natürlich nicht das optimale umfeld dann als ich vom entzug kam. ich kümmerte mich schon von der klinik aus umgehend um ein cleanes betreutes wohnen, was ich auch relativ schnell genehmigt bekam.. nun wohne ich aber in einer kleinen 1-zimmer-wohnung (zu dem vorschlag mit der party, leider nicht umsetzbar Traurig ) und habe noch 1 mal die woche gespräche mit meinem betreuer.. dort gibt es auch noch junge, cleane leute, wo ich auch eine freundschaft schließen konnte, bei den meisten anderen habe ich leider das gefühl, dass sie eigentlich lieber noch konsumieren würden... bzw. den konsum vermissen...
ich besuche jetzt auch sowas wie eine kunst-schule für junge leute mit kreativen fähigkeiten und meist sozialen problemen, dort arbeiten auch sozialpädagogen, alle wissen von meiner sucht und wegen mir wird auch nicht mehr mit wein gekocht etc. (schlimm genug, dass das vorher manchmal dort gemacht wurde)
dort habe ich auch eine, hoffe ich, freundschaft geschlossen, sie trinkt aber auch ab und zu. jedenfalls noch nie in meiner gegenwart.
aber oft komme ich da morgens rein und höre schon leute über ihre letzten exzesse lustig plaudern und das erlebe ich wirklich mindestens einmal am tag, so schlimm ist das!
ich habe auch sehr ausgesiebt und etliche bekanntschaften sind in die brüche gegangen. bei manchen aber war ich auch verwundert, dass sie auch ohne alk noch was mit mir unternehmen wollten.
wie gesagt, am anfang waren da alle sehr rücksichtsvoll, das wurde dann in letzter zeit einfach schleifen gelassen, ich habe ja auch nie was gesagt.

in dieser frauengruppe fühle ich mich eigentlich schon sehr wohl, das sind auch keine trinker in dem sinne... es wird dort ja auch meist auf dem stammtisch nichts getrunken und jetzt kennt jeder meinen standpunkt, ich denke mal, dass sie schon mehr rücksicht nehmen werden.

jedenfalls hat mich das thema gestern so beschäftigt, dass ich wieder einen dieser tollen träume hatte, ich würde genau an meinem 1. trockenheits geburtstag rückfällig werden. viele von euch kennen das ja bestimmt. solche träume machen mich sowas von fertig, weil sie immer so verdammt real sind, dass ich selbst wenn ich aufwache in den ersten minuten noch denke, es wäre wirklich passiert... ich muss immernoch wenn ich dran denke wieder weinen, ich kann mir nichts schlimmeres vorstellen, als rückfällig zu werden.. Weinen ich hoffe das bessert sich heute noch, ich trink jetzt erstmal nen tee...
Nach oben
DieDania hat zum Thema: Re: muss ich wirklich tolerant sein? geschrieben
DieDania
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 10.11.2008
Beiträge: 54
Alter: 23
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 23.11.2008, 15:25    Titel: Re: muss ich wirklich tolerant sein? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

übrigens finde ich es sehr schön, dass es so viele menschen gibt, die sich die mühe machen, diesen langen text von einer wildfremden durchzulesen und zu beantworten, da muss ich gleich wieder weinen weil ich so gerührt bin Smilie
Nach oben
DieDania hat zum Thema: Re: muss ich wirklich tolerant sein? geschrieben

   Selbsthilfe-Alkoholiker-Forum Foren-Übersicht -> Alkoholsucht bzw. Alkoholabhängigkeit im Alkoholiker Forum Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4, 5, 6  Weiter
Seite 1 von 6


Ähnliche Beiträge
Thema Forum
Keine neuen Beiträge Ich muss mich zwingen Gedichte und Sinnliches
Keine neuen Beiträge wenn man sich entscheiden muss Sonstiges zu Alkoholsucht und Selbsthilfe im Alkoholiker Forum
Keine neuen Beiträge Angst vorm stark sein Co-Abhängige und Angehörige von Alkoholikern
Keine neuen Beiträge Huhu, nun DARF ich auch hier sein... Alkoholsucht bzw. Alkoholabhängigkeit im Alkoholiker Forum

Informative Bücher für Alkoholiker und Angehörige bei amazon.de:
.
Frei von Angst
Frei von Angst
Angst, Panik und Phobien
Angst, Panik und Phobien
Alkoholabhängigkeit
Alkoholabhängigkeit
Für Angehörige
Für Angehörige
Meine gefähr. Liebe
Meine gefähr. Liebe


Werben im Alkoholikerforum - Spenden





Impressum : Sitemap
1 2 3 4 5 6 7 8 9 Weihnachtsgeschenke

Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB.de