| Die Wenn's und Aber's in der Co-Abhaengigkeit • Einsamkeit, Geselligkeit - Jubel oder Trubel? |
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SilviaZ neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 13.03.2008 Beiträge: 28
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Verfasst am: 18.11.2008, 16:41 Titel: Vertrauen |
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Hallo Spedi,
| Spedi hat Folgendes geschrieben: | Servus SilviaZ,
sorry wenn ich Deine "heile Welt" erst mal zerstöre, aber da war bei uns 0,0 Vertrauen übrig beim Thema Saufen.
Woher denn auch?
Meine Frau hat in Einzelfällen noch nach gut zwei Jahren "geschnuppert", wenn ihr eine Situation "unterkam", der sie nicht traute.
Mal ganz ehrlich: der Alkoholiker, der seine Umwelt im Punkt "Alkoholkonsum" nicht belügt, ist mir noch nicht untergekommen. Von daher empfinde ich das Misstrauen der Angehörigen durchaus gerechtfertigt, woher sollte denn nun plötzlich das Vertrauen wieder kommen? Viele von uns Alkoholikern haben doch auch so manche Trinkpause hinter sich, mit der sie Angehörige und sich selbst etwas vorgelogen haben.
Wer mir erzählen will, dass er trotz jahrelanger Saufeskapaden des Partners noch "Vertrauen" in diesem Punkt hat, den frage ich ganz bewusst provokativ, ob er "Vertrauen" nicht vielleicht mit "Gleichgültigkeit" verwechselt oder aber gar nicht sehen will, was da wirklich bei ihm unter "Vertrauen" läuft?
Aber willst Du nicht einen eigenen Thread für dieses Thema aufmachen?
LG
Spedi |
Also plötzlich kommt das Vertrauen sicher nicht wieder.
Es gibt da für mich deutliche Unterschiede zwischen dem was ein Betroffener sagt wenn er nur eine Trinkpause macht oder gemacht hat und dem was er sagt wenn er in einer Therapie war.
Da kann man raus hören ob er verstanden hat oder nicht.
| Zitat: | | Wer mir erzählen will, dass er trotz jahrelanger Saufeskapaden des Partners noch "Vertrauen" in diesem Punkt hat, den frage ich ganz bewusst provokativ, ob er "Vertrauen" nicht vielleicht mit "Gleichgültigkeit" verwechselt oder aber gar nicht sehen will, was da wirklich bei ihm unter "Vertrauen" läuft? |
Ich gehe von folgendem aus: Der Betroffene hat eine Therapie gemacht und arbeitet an seiner Trockenheit. Die Angehörige hat sich mit sich selbst beschäftigt und erkannt das sie Co- Abhängig ist und arbeitet auch daran ihr Verhalten dauerhaft zu ändern und geht daher regelmäßig zum Therapeuten der sich mit Sucht auskennt.
Gruß von Silvi |
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| SilviaZ hat zum Thema: Vertrauen geschrieben
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32801 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 18.11.2008, 16:50 Titel: Re: Vertrauen |
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Hallo Silvi,
Vertrauen gibt es in meiner Familie wieder und das auch in beide Richtungen, aber das aus Sicht meiner Angehörigen 100%ig ist, kann ich nicht wissen.
Auch was mein Vertrauen in Fragen der alkoholhaltigen Lebensmittel, daher stammen jan die Zitae von Spedi, angeht, habe ich zwar Vertrauen, aber dennoch kontrolliere ich diese Lebensmittel immer noch mal selbt, wenn ich sie nicht kenne.
Übrigends hat dieses Verhalten nichts mit Therapie oder anderen schulmedizinischen Institutionen zu tun, die ich nie besucht habe, sondern mit der eigenen Einstellung.
Ich lese aus Deinem Beitrag leider heraus, dass Du der Therapie einen in meinen Augen zu hohen Stellenwert einräumst.
Ich selbst würde nie einem Therapeuten vertrauen, weil er die Sucht einfach nicht erlebt hat und deshalb auch nie 100%ig so denken kann, wie ein Süchtiger denken muß, wenn der oder die Süchtige dauerhaft trocken bleiben will.
Es kommt einzig und allein auf den Betroffenen selbst an und alle anderen Hilfen können unterstützend wirken.
Gruß
Karsten |
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| Karsten hat zum Thema: Re: Vertrauen geschrieben
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dagmar007 sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.05.2008 Beiträge: 2896
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Verfasst am: 18.11.2008, 16:53 Titel: Re: Vertrauen |
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Klingt alles toll Silvi,
aber sollte es tatsächlich Menschen geben, die einfach vergessen können, was unerwartetes passiert ist? Sollte es tatsächlich Menschen geben, die plötzlich - nach Entgiftung und Therapie - wieder voll des Vertrauens sind?
Ich denke, schon bei neuen Freundschaften muss man/frau sich Vertrauen erst erarbeiten. Und dann soll es tatsächlich möglich sein, nach einer Therapie (im geschützten Umfeld) einen Vertrauensvorschuss für das Leben nach der Therapie mit auf den Weg zu geben?
Die harte Arbeit beginnt ja nach der Therapie, jenseits des Schutzes der Gruppe und Institution. Sag mal ganz erhlich, ist das nicht blauäugig? Schon alleine unter dem Hintergrund, dass ein Alkoholiker wieder rückfällig werden könnte, da es ja eine lebenslange Krankheit ist.
Ist das nicht Aufgabe des Selbstschutzes "komplettes Vertrauen" und somit auch ein "sich ausliefern" dem anderen zu übergeben? Ist es nicht vielleicht sogar schädlich vollstes (blindes) Vertrauen abzugeben? Wäre es nicht vielleicht besser für denjenigen, der Therapie und Entzug überstanden hat mit genau den Dingen konfrontiert zu werden, die das Vertrauen erschüttert haben, damit zwei klare Menschen über klare Themen reden können?
Für mich klingt "Vertrauen" ein bischen wie "jetzt bin ich nicht mehr für mich verantwortlich, muss nicht mehr prüfen, er ist ja therapiert und hat entzogen."
Ich bewundere Menschen, die vollstes Vertrauen wieder an den Anfang einer Beziehung stellen können. Ich könnte es nicht und wollte es auch nicht, weil mir mein Selbstschutz dazu zu wichtig ist.
Lieben Gruß von Dagmar
Co |
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| dagmar007 hat zum Thema: Re: Vertrauen geschrieben
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SilviaZ neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 13.03.2008 Beiträge: 28
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Verfasst am: 18.11.2008, 17:30 Titel: Re: Vertrauen |
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Hallo Karsten,
Du siehst es aus der Sicht des trockenen Alkoholikers.
Co- Abhängigkeit ist normal für mich, ich kenne mein Leben nicht anders. Mein Vater war Alkoholiker. Für mich ist Co- Abhängigkeit sich selbst zu zerstören und zwar solange bis absolut nichts mehr geht.
Es gibt Gruppen für Angehörige wo ich mich auch austauschen kann, also auch direkt von Mitbetroffenen lernen kann. Aber da dort nur die wenigsten mit ihrem inzwischen trockenen Partner, noch zusammen sind, hilft mir das nicht weiter. Auch mein trockener Partner hilft mir da nicht weiter, da er mit sich selbst genug zu tun hat.
Ohne Hilfe geht es aber nicht, weil ich ja gar nicht weiß wie ich mich eigentlich verhalten sollte, ich kenne ja gar kein "normales" Verhalten.
Also sollte ich mich dahin begeben wo jemand ist, der normales Verhalten kennt, der einen versteht warum man sich gar nicht anders verhalten konnte, aber es nun lernen will, um es nie wieder zuzulassen in einer krankmachenden Beziehung zu bleiben.
Auch die Mitbetroffenen macht es auf Dauer krank bei dem Betroffenem zu bleiben, ich bin dadurch ernsthaft krank geworden, weil ich nicht auf mich geachtet habe was aber auch bisher völlig normal war für mich.
Gruß von Silvi |
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| SilviaZ hat zum Thema: Re: Vertrauen geschrieben
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SilviaZ neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 13.03.2008 Beiträge: 28
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Verfasst am: 18.11.2008, 17:43 Titel: Re: Vertrauen |
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Hallo Dagmar,
| Zitat: | | Für mich klingt "Vertrauen" ein bischen wie "jetzt bin ich nicht mehr für mich verantwortlich, muss nicht mehr prüfen, er ist ja therapiert und hat entzogen." |
Es liegt alleine bei meinem Partner was er tut oder lässt, ob er trocken bleibt oder wieder anfängt zu trinken. Ich habe darauf keinerlei Einfluss.
Ich habe für mich selbst zu sorgen, dafür zu Sorgen das es mir gut geht. Das ich endgültig damit aufhören kann mich weiter selbst zu zerstören.
Gruß von Silvi |
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| SilviaZ hat zum Thema: Re: Vertrauen geschrieben
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dagmar007 sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.05.2008 Beiträge: 2896
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Verfasst am: 18.11.2008, 17:50 Titel: Re: Vertrauen |
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Guter Ansatz, liebe Silvi,
und vor allen Dingen gut, dass Du den Auslöser kennst. Ich denke, das kann ein "in sich gehen" vereinfachen.
Viel anders als Dir geht/ging es mir ja auch nicht. Nur mit dem Unterschied, Ihr seid als Paar noch zusammen und Dein Partner hatte wohl die Krankheitseinsicht und hat Konsequenzen gezogen.
Mein Expartner empfindet sich nicht als alkoholkrank.
Ich vermute, es beginnt im Kampf gegen die co-Abhängigkeit damit zu lernen welche Grundbedürftnisse wir selber haben. Vielleicht gar nicht so einfach, weil wir ja immer nach anderen gesehen haben. Somit müssen wir nun selber versuchen uns zu erspüren und uns unsere Wünsche selber erfüllen.
In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Kraft
lieben Gruß von Dagmar |
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| dagmar007 hat zum Thema: Re: Vertrauen geschrieben
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SilviaZ neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 13.03.2008 Beiträge: 28
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Verfasst am: 18.11.2008, 18:13 Titel: Re: Vertrauen |
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Hallo Dagmar,
mir ist es nicht mehr möglich mich selbst zu ignorieren. Ich hatte in der Vergangenheit immer alles schön beiseite geschoben. Aber was anderes war mir auch nicht möglich, dadurch das mein Partner getrunken hat. Da war für mich keine Zeit mal auf mich zu schauen.
Dann war die Therapie meines Partners vorbei und er kam trocken und sehr zum positiven verändert, nachhause. Nicht viel später kamen bei mir Erinnerungen aus meiner Kindheit hoch. Ab da suchte ich mir Hilfe beim Therapeuten, denn das ist für mich alleine zu viel.
@Karsten:
Wenn man Dir bereits als Kind schon Alkohol gegeben hätte, dann würdest Du auch kein Leben ohne Alkohol kennen. Als Kind kann man das nicht beeinflussen da ist man noch hilflos und auf andere angewiesen. Ich hatte keine Wahl, sondern bin in die Co- Abhängigkeit rein gewachsen. Und ich war schon Co- Abhängig als ich mit meinem Partner zusammen kam.
Gruß von Silvi |
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| SilviaZ hat zum Thema: Re: Vertrauen geschrieben
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Ette sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 25.01.2007 Beiträge: 1660 Alter: 55
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Verfasst am: 19.11.2008, 08:39 Titel: Re: Vertrauen |
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Vertrauen – damit ist das so eine Sache. Selbst jetzt, da mein Ex-Freund mehr als 3 Jahre trocken ist, passiert es mir, dass ich beim Begrüßen in seinen Atem schnuppere, ganz unbewusst, quasi wie ein Reflex. Und das, obwohl ich während mehrer Jahre, in denen er immer wieder trank, nie etwas gerochen habe. Ich habe seine betrunkenen Zeiten immer nur an seinem Verhalten bemerkt. Spiegeltrinker sind nun einmal nicht so auffällig in ihrem Verhalten und mit dem richtigen Stoff, dem richtigen „Zubrot“ (Heringssalat), hält sich der Geruch in kaum wahrnehmbaren Grenzen.
Immer wieder muss ich mich mit dem Kopf gegen mein Gefühl des Misstrauens abgrenzen. Es ist nicht mein Ding, ob er trinkt oder nicht. Und trotzdem, wie gesagt, kommen die erlebten Täuschungen durch die Hintertür wieder ans Licht, indem sich ein Misstrauensgefühl in den Vordergrund spielt. Aus den Gesprächen in meiner realen Gruppe weiß ich jedoch, dass dies nichts Außergewöhnliches ist. Ich betrachte dieses Gefühl dann mit einer Mischung aus Erstaunen, Toleranz, Interesse und auch Belustigung. Es ist erstaunlich, wie lange das Empfinden sich erinnert, wo der Kopf schon lange zu akzeptieren scheint.
@ Dagmar: Vertrauen hat auch nichts mit einer Abgabe der Verantwortung zu tun. Ich trage für mich die Verantwortung, OHNE dass ich prüfe, ob er getrunken hat oder nicht. Denn egal, ob ich prüfe oder nicht, er trinkt, wenn er es will und da kann ich prüfen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Meine Verantwortung für mich heißt, dass ich mich von seinem Trinken nicht mehr beeinflussen lasse und mir keine Gedanken darüber mache, ob ich mit meinem Verhalten sein eventuelles Trinken auslöse.
Vertrauen lässt sich auch nicht diskutieren. Jeder Mensch verarbeitet Erlebtes anders. Und jedes Paar muss mit der nass erlebten Zeit anders umgehen. Ich denke, es ist hilfreich, darüber zu reden. Nur dann kann gegenseitig verstanden werden, wo der Andere im Vertrauenswachstumsprozess jeweils steht.
LG
Ette |
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| Ette hat zum Thema: Re: Vertrauen geschrieben
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