seerosal neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 07.11.2005 Beiträge: 23 Wohnort: schweiz
|
Verfasst am: 09.11.2005, 02:06 Titel: Warum bin ich alkoholikerin? |
|
|
Warum konnte ich mich ohne alkohol nicht *frei* geben? Ich hatte meinen ersten Vollrausch mit 13. Ich war mit meiner freundin und ihrem freund boot fahren auf der alten donau. Am heimweg kamen wir an einer baustelle vorbei. Die arbeiter riefen uns zu sich und blödelten mit uns. Wow. Mich beachtet mal jemand. Die arbeiter boten uns flaschenbier an zu trinken. Es schmeckte zwar urgrauslich, aber ich trank tapfer mit. Und dann bemerkte ich, dass auf einmal alles viel schöner war. Wir hatten *urspass* und kuderten und lachten. Dann kam die 2. und 3. flasche. ich *vergass* auf die Uhr zu sehen und draussen wurde es schon dunkel. Meine freundin sagte dann irgendwann, dass wir jetzt gehen müssen. Pffffffffffffffffffffffff - ich konnte nicht mehr gehen. Ich torkelte, fiel hin und die anderen amüsierten sich über mich. Ich lachte mit und fands noch lustig. Hey was für ein spass. (Ich schäme mich noch heute dafür). Dann an der frischen Luft, gabs mir die berühmte *ohrfeige* Meine freundin und ihr freund mussten mich quasi heimtragen. Sie stellten mich vor unsrer wohnungstür ab, klingelten und gingen. Meine mutter bekam einen tobsuchtsanfall und schickte mich ins bett. Was ich auch gern machte. In der früh wachte ich auf, mein bett war nassgepieselt und ich fühlte mich gar nicht gut. Aber der grundstein zum Alkoholiker war gelegt. Weil ich *vergass* ganz schnell die unannehmlichkeiten, die ich im rausch hatte. Und eigentlich - wars ja ganz lustig. Mann o mann.
Übrigens is es das erste mal, dass ich so offen über das reden kann. Ihr alle hier gebt mir den mut dazu. Ich lese viele eurer beiträge und ich merke, dass es mir immer mehr bedürfnis wird, über diese schlimmen 30 jahre zu reden.
Und ich bin sicher, dass ich es schaffe, bis zu meinem lebensende nüchtern zu bleiben.
Liebe Grüazlis von seerosal |
|
Cool neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 01.11.2005 Beiträge: 25 Wohnort: Allgäu
|
Verfasst am: 09.11.2005, 06:16 Titel: Re: Warum bin ich alkoholikerin? |
|
|
Hallo Seerosal.
Nun ich denke, Du hast gerade einen sehr guten und wichtigen Schritt gemacht, dass Du angefangen hast, Dir etwas von der Seele zu schreiben.
Das wird Dir sicherlich sehr gut tun und jeder hier im Forum hat irgendwann einmal einen falschen Schritt gemacht.
Irgendwie kann ich über die Bauarbeiter nur den Kopf schütteln, weil wenn ich so etwas sehen würde, ich sehr böse, ernst reagieren und dieses auch zur Anzeige bringen würde.
Ich verstehe, dass bei Dir ein Gefühl „Ich schäme mich“ übrig geblieben ist.
Aber schiebe das Gefühl doch einfach einmal für einen Moment weg und frage Dich doch einmal wie einfach ein Kind von 13 Jahren zu manipulieren ist, oder probiere doch mal aus.
Ich meine nicht mit Alkohol, aber alleine die Frage, willst Du dir mal 2 oder 3 € verdienen und holst mir vom Becker 10 Brötchen und schon rennt jedes Kind von 13 Jahren los.
Das ist unterste Schublade, was die Bauarbeiter da mit dir gemacht haben !
Vielleicht war die Reaktion deiner Mutter nicht gerade die beste und dieses Schuldgefühl wäre heute nicht mehr da, wenn sich Ihre Besorgnisse nicht in einem Tobsuchtanfall geäußert hatte, sondern über den gemachten Fehler wofür Du nichts kannst, über Verständnis und Aufklärung geäußert hätte.
Aber Deine Mutter ist auch nur ein Mensch und Sie meinte es gut mit Dir und jeder Mensch reagiert anders auf eine Hilflosigkeit, den man als Elternteil gegenübersteht, obwohl man die eigenen Kinder genau davor bewahren möchte.
Du warst so mutig, dass Du deine Schuldgefühle hier zum ersten mal aufgeschrieben hast. Vielleicht wird sich der eine oder andere meinen Worten anschließen, weil ich bis jetzt immer noch in keinster Weise ein Verständnis für das Verhalten der Bauarbeiter aufbringen kann, da Sie mit Dir etwas gemacht hatten, was Du eigentlich nicht wolltest und man das auch als Perversität beschreibt.
Aber wichtig ist für Dich, dass es erst einmal raus ist und Du solltest die Gefühle, dass Du dich schämst, versuchen abzubauen.
Denn es gibt keinen Grund für Dich, sich dafür schämen zu müssen !
Liebe Grüße Tommy. |
|