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endlich ankommen ???

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gatita
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BeitragVerfasst am: 13.10.2008, 13:56    Titel: endlich ankommen ??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen, ich wurde kürzlich freigeschalten und habe meinen Beitrag aus dem Vorstellungsbereich hierher mitgenommen, da ist er:

Meine Geschichte, von hinten aufgerollt: dass es sowas gibt wie Erwachsene Kinder erfuhr ich durch einen zufälligen Griff in das Gebrauchtbücherregal eines Literaturcafes: Familiensucht Alkohol. Zuvor hatte ich einen tabletten- und alkoholsüchtigen Freund bei mir aufgenommen, der Hilfe suchte, um von seiner Abhängigkeit loszukommen. Den habe ich bis zur Selbstaufgabe betreut und es war für mich augenöffnend, da mein Vater Alkoholiker ist und es für mich neu war, dass jemand aus seiner Sucht herauswill. Durch ihn lernte ich auch, wie wichtig Selbsthilfegruppen in diesem Fall sind. Dass ich selbst ein Fall für eine Selbsthilfegruppe bin, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Das Buch hat mir in dieser Hinsicht auf die Sprünge geholfen. Und ich musste feststellen, dass so viele meiner Muster nicht einfach nur meine eigene Verkorkstheit sind, sondern einem ganz bestimmten Regelbuch folgen - dem eines erwachsenen Kindes eines Alkoholikers. Langsam aber sicher konnte ich mich plötzlich an Dinge erinnern, die ich jahrelang verdrängt hatte, Dinge, die ich mühsam in den Untiefen meiner Seele versteckt hatte, wie mein Vater die Flaschen.
Mein Vater ist abhängig seit ich denken kann. Als ich noch klein war, besuchten wir, mein Vater und ich, oft meine Großmutter. Die gab uns dann immer zwei Flaschen mit durchsichtiger Flüssigkeit mit, in Zeitungspapier eingewickelt. Schnaps. Als ich dann den Zusammenhang zwischen diesen Flaschen und den Veränderungen an meinem Vater herstellte, begann ich deren Inhalt heimlich ins Klo zu kippen. Je älter ich wurde, desto heftiger reagierte ich auf seine Trinkphasen. Nicht offensichtlich, sondern mit Rückzug. Meine Mutter suchte oft das Weite, wenn mein Vater betrunken war. Da er in keinster Weise agressiv wird, wenn er betrunken ist, eher autoagressiv, war es körperlich sicher, mich mit ihm allein zu lassen. Aber es richtete großen seelischen Schaden an und ich flüchtete mich immer ins Zimmer, weil ich seinen Anblick nicht ertragen konnte. Dort baute ich mir meine eigene Welt auf, das war mein Fluchtpunkt, meine Realität. Ich liebte das Alleinsein und ich tue es noch immer. So bald ich konnte, ging ich weg von daheim. Meine Mutter zeigt die für eine Coabhängige typischen Symptome. Bloß alles vertuschen nach außen hin, es gibt kein Problem, es wird darüber nicht gesprochen. Sie selbst hat kein Leben, keine Inhalte, kaum etwas, was sie für sich selber tut. Sie interessiert sich nur für die Probleme anderer und ist ständig damit beschäftigt, Seelentrösterin für die ganze Welt zu sein, nur ihr eigenes Problem nimmt sie nicht in Angriff. Niemand traut sich, mit meinem Vater über seine Sucht zu sprechen, das Schweigen ist Programm. Ich habe mit meiner Schwester, die acht Jahre älter ist und nicht - wie sie selbst sagt - so betroffen ist, wie ich, über unser Familienproblem einen guten Austausch. Wir reden miteinander. Mit unserem Vater sprechen wir nicht darüber, auch wenn ich es noch so gerne wollte, ich kann nicht. Der Hals ist zugeschnürt, auf der Brust lastet ein Gewicht, so schwer wie meine seit langem verstorbene Großmutter, und ich bin wie paralysiert. Das zieht sich durch. Ich konnte noch nie gut über meine Probleme reden oder in einer Beziehung Probleme ansprechen, das kostet mich eine extreme Überwindung. Meine letzte fünfjährige Beziehung habe ich vor kurzem brieflich beendet, weil ich nicht die Kraft hatte, sie auf der Gesprächsebene zu beenden. Es waren fünf mehr schlecht als rechte Jahre, aus denen ich viel früher ausbrechen hätte sollen. Ich konnte nicht. Ich hielt das Leiden aufrecht, ich krepierte emotional, aber ich konnte es nicht beenden. Ich möchte aus diesem Teufelskreis heraus. Ich möchte endlich ein normales Leben führen, ich möchte mich nicht mehr mit Problemmännern umgeben müssen, um mich lebendig und gebraucht zu fühlen. Acht Jahre war ich mit einem Alkoholiker verheiratet, die Liebe meines Lebens. Ich möchte nicht mehr flüchten vor dem Glück, damit es mir schlecht geht, nur weil ich es gewöhnt bin. Ich will endlich ankommen, nicht dauern flüchten, umziehen müssen (ich habe in 15 Jahren ebenso oft meine Wohnung beziehungsweise den Kontinent gewechselt). Ich will da raus. Gerade sitze ich auf einem anderen Kontinent und da es hier schwierig ist, zu einer Selbsthilfegruppe zu gehen (auch sprachlich), bin ich sehr froh, dieses Forum gefunden zu haben. So. Das bin ich. Gibts auch NomadInnen unter euch?
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gatita hat zum Thema: endlich ankommen ??? geschrieben
Weitsicht
Gast






BeitragVerfasst am: 13.10.2008, 14:34    Titel: Re: endlich ankommen ??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Gatita,

herzlich willkommen hier bei uns Kindern.

Du weisst ja einiges, da Du das Buch "Familiensucht
Alkohol gelesen hast.

Eine Nomadin bin ich nicht., weiss aber von meinem Therapeuten, dass selbst wenn trinkende Elternteile schon tot sind, oder wenn ich nach Amerika auswandern würde, dieses nicht ausreichen würde, um diese verinnerlichen Gefühle aus meiner Kindheit verstehenzu können, sie weiter wirken,bis ich sie verarbeitet habe.

Ist scheinbar ein lebenslanger Prozess, zu erkennen was die Sucht in der Familie an Spuren, bei Kindern hinterlässt.

Schreibe und lese hier weiter, es wird Dir Hilfe und Klarheit für Dein Leben geben können.

Alles Liebe Weitsicht
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Weitsicht hat zum Thema: Re: endlich ankommen ??? geschrieben
gatita
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 08.10.2008
Beiträge: 51
Alter: 40

BeitragVerfasst am: 14.10.2008, 04:13    Titel: Re: endlich ankommen ??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Weitsicht,

habe mich ein bisschen durch deinen thread gelesen - und bin schon auf etliche gemeinsame Verhaltensmuster gestoßen. Ich hatte etliche Beziehungen mit erwachsenen Kindern und meine besten Freunde sind auch welche, es ist erschütternd, wieviele Biographien davon betroffen sind. Ich war acht Jahre verheiratet mit einem EK, der auch auf der Alkoholikerseite steht, und mir erging es ähnlich. Auch er glaubte immer, schonungslos ehrlich sein zu müssen und war dabei so hart und verletzend, dass er damit - wenn er so drauf war - jede Partystimmung versaut hat. Ich war immer voll beschäftigt, die Stimmung zu retten, was zum Teil so anstrengend war, dass ich keinen Spaß mehr dabei hatte, Leute einzuladen. Viele meiner Freunde sagten mir später, sie hätten oft Angst vor ihm gehabt und kein gutes Gefühl, wenn sie mich besuchten. Aber sie sind wegen mir gekommen, nicht wegen uns, das habe ich auch erst später erfahren. Er war einfach so stark und überzeugt von sich und seiner Meinung, ich konnte mich oft nur schwer dagegen stellen, auch ist er rhetorisch so gut drauf, daß es Knochenarbeit ist, gegenzuargumentieren. Wir haben nie gestritten. Ich bin Streit immer aus dem Weg gegangen, aus Angst, den Streit und IHN zu verlieren. Dabei hab ich ihn genau deshalb verloren, weil ich ihm alles durchgehen ließ und für alles Verständnis hatte 8auch für seine Liebschaften - nicht alle - aber einige gingen bei uns ein und aus und ich war im vollen Bewußtsein, in welcher Beziehung diese Frauen zu meinem Mann standen. Ich hätte mich auflehnen sollen, aber ich war ohnmächtig vor Angst. Als ich dann begann, mich zu entwickeln und nicht mehr einverstanden zu sein mit all den Verletzungen, da ging unsere Beziehung in die Brüche, weil er damals die Veränderung meines Selbstbewußtseins nicht akzeptieren wollte, ich wäre nicht mehr die Frau, die er liebte. Nur weil ich meine Aufmerksamkeit von ihm einmal auf mich gerichtet habe. Mittlerweile hat er kapiert, was für ein Strohkopf er damals war. Das hilft zumindest ein wenig.

Ich habe mit Blut und Tränen gelernt, meine Bedürfnisse zu artikulieren. Aber heute bin ich davon überzeugt, wie wichtig es ist, zu sich zu stehen und das eigene zu verteidigen. Auch wenn es für unsereine so schwer ist und so viel Kraft kostet - weil es gibt ja keine Probleme, darauf sind wir ja konditioniert - es rentiert sich. Klingt jetzt so gescheit, in Wahrheit bin ich in der Praxis noch immer derartig unsicher. Aber es gelingt mir immer öfter und ich bin jedesmal stolz drauf.

Mein letzter Partner sagte auf meine schriftliche Absage - Mut kann man sich nicht kaufen. Aber für mich war es schon sehr mutig, denn ich habe in diesem Brief nichts ausgelassen.

Also, Grenzen aufzeigen und kratzen und beißen, wenn die Grenzen überschritten werden. Schmollen verstehen Männer nicht. Dann sagen sie nur - jetzt spinnt sie wieder.

Alles Liebe
gatita
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gatita hat zum Thema: Re: endlich ankommen ??? geschrieben
Weitsicht
Gast






BeitragVerfasst am: 14.10.2008, 10:56    Titel: Re: endlich ankommen ??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Gatita

Ich arbeite gerade das Buch "Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit" durch.

Hier geht es um Paarbeziehungen und wie EKA, verzerrt ihre Partnerschaft erleben, da sie viel Verinnerlichtes von den Eltern,(Vorbild von Eltern, wie gingen sie als Paar miteinander um) mit in ihre jeweiligen Beziehungen nehmen.

Für mich sehr aufschlussreich, um mir eigene Defizite ansehen zu können. Ich kann nur mich verändern, mal sehen was dann geschieht.

Alles Liebe Weitsicht
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Weitsicht hat zum Thema: Re: endlich ankommen ??? geschrieben
Linde66
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 08.10.2008
Beiträge: 14422
Alter: 46

BeitragVerfasst am: 14.10.2008, 18:43    Titel: Re: endlich ankommen ??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Gatita,

Zitat:
Ich möchte nicht mehr flüchten vor dem Glück, damit es mir schlecht geht, nur weil ich es gewöhnt bin.
Bingo! Und diesen Satz kann man auf ALLES anwenden! Diesen Satz hab ich soeben auf meiner Festplatte gespeichert... Danke dir.

kleines P.S.: der liebe Gott hat die Absätze erfunden, könntest du bitte ab und zu einen machen, bitte? Mir verschwimmen die Text-Zeilen vor der Nase... Winken

Liebe Grüße von Linde
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Linde66 hat zum Thema: Re: endlich ankommen ??? geschrieben
gatita
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 08.10.2008
Beiträge: 51
Alter: 40

BeitragVerfasst am: 15.10.2008, 01:58    Titel: Re: endlich ankommen ??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Sorry,

es quillt ja so heraus, was man jahrelang versteckt, unbeachtet, verdrängt, vergessen und runtergeschluckt hat. ich werde mich bemühen, Absätze zu machen. Hast recht, sind eine gute Erfindung.

Als ich in der Pubertät war, ging es mir ganz arg. Ich war süchtig nach der Depression. Ich sagte mir, wenn ich Schmerz empfinde (psychischen), dann fühle ich mich richtig am Leben. Am schlimmsten empfand ich es, gar nichts zu fühlen. Und Glück erschien mir oberflächlich und unproduktiv.

Wenn es mir schlecht ging, quoll die Kreativität aus mir heraus, ich habe in der Zeit (zwischen 14 und 16) ein Buch geschrieben. Es gab für mich nichts schöneres, als heimzukommen, in diese von mir erfundene Welt zu flüchten. Ich trank Unmengen an Schwarztee und blieb meist auf bis drei, vier Uhr in der Früh, weil das war die Zeit, die mir niemand vermiesen konnte, wo ich allein und zufrieden war.

Draußen saß der Schrecken, ein alkoholsüchtiger Vater, der mich in seinem Rausch regelrecht suchte, um mich zu bewegen mit ihm zu sprechen. Eine Mutter, die für mich keinerlei Verständnis zeigte und mich mit dem Vater oft alleine ließ. Im meinen Zimmer fühlte ich mich sicher, draußen verlor ich leicht den Boden unter den Füßen, spürte eine Ohnmacht, sah keinen Ausweg.

Das ist mir bis heute geblieben. Nicht in meinem Beruf, im Umgang mit Freunden aber mit Partnern und vor allem, wenn ich meine Eltern sehe. Dann überkommt mich die Ohnmacht, dann fühle ich mich wie gelähmt, gefangen, erdrückt. Oft reicht es, wenn ich mit meiner Mutter telefoniere, dass ich einen Stein auf der Brust spüre und da hilft kein Atlantik dazwischen, da ist alles plötzlich so unmittelbar.

Meine Problematik kenne ich erst seit drei, vier Monaten. Jetzt, wo ich es weiß und mich ein wenig mehr auskenne, sind die Gefühle noch schlimmer. Ich weiß nicht, vielleicht ist es euch auch so ergangen, aber ich ertrage gewisse Dinge viel schwerer. Möglicherweise ein Anfang und ein Zeichen, dass es höchste Zeit ist, was zu verändern.

Danke an alle hier im Forum, danke, dass es euch gibt, ich schaue so oft in den Spiegel, wenn ich euch lese und mir fallen 100.000 Sachen ein. Bin total froh, euch gefunden zu haben.

Alles Liebe,
gatita
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gatita hat zum Thema: Re: endlich ankommen ??? geschrieben
gatita
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 08.10.2008
Beiträge: 51
Alter: 40

BeitragVerfasst am: 15.10.2008, 02:09    Titel: Re: endlich ankommen ??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ach ja - liebe Weitsicht (ich finde eure Namen total klasse),

danke für den Buchtipp! Ich werds bestellen und mitbringen lassen. Leider bin ich darauf angewiesen, dass Leute hin- und herfliegen, aber Ende November kommt wieder Besuch aus der Alten Welt.

Und du hast ja sooo recht: "Ich kann nur mich verändern"

So ein simpler Satz und doch braucht man JAHRE um das zu kapieren!!!!!! Na gut, ich zumindest. Aber besser jetzt als nie.

Es fühlt sich schon verdammt gut an, zu realisieren, was man alles darf, ohne dass einem was Schlimmes passiert. Im Gegenteil - es wird nur besser.

Ich hab immer Leute, die sich abgrenzen konnten, als extrem egoistisch gesehen. Da umzudenken fällt noch schwer, aber ich verstehe sie immer besser.

Nochmal alles Liebe (aus ganzem Herzen),
gatita
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gatita hat zum Thema: Re: endlich ankommen ??? geschrieben
Linde66
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 08.10.2008
Beiträge: 14422
Alter: 46

BeitragVerfasst am: 15.10.2008, 21:31    Titel: Re: endlich ankommen ??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo liebe Gatita!

Wie geht's dir? Jedesmal wenn ich sehe, daß du nachts um 2, 3, 4 Uhr geschrieben hast, kriege ich 'nen Schreck und denke: oh weh, sie kann nicht einschlafen. Aber dann fällt mir ein, daß es wohl die Zeitverschiebung ist.

Seit du hier bist, lese ich bei dir mit. Was du über deine Kindheit schreibst, hört sich sehr beklemmend an. Eine Mutter, die ihr Kind wissentlich bei dem betrunkenen Vater läßt... Sie hat es sich damit ziemlich einfach gemacht. Sie ist gegangen und hat dadurch nicht Stellung beziehen müssen.

Du hast geschrieben, ich hab was anderes gemacht. Beide haben wir in unserem Kinderzimmer eine ureigene Welt entstehen lassen. Das war eine Überlebensstrategie, dank derer wir uns unseren Kern bewahren konnten und ein Stück weit wachsen konnten. Auch in solch einem destruktiven Umfeld. Kinder sind wunderbare Überlebenskünster!

Ich habe geschauspielert - so will ich es mal nennen. Ich bin in Rollen geschlüpft, habe ganze Geschichten erfunden und lebendig werden lassen. Die Heizung im Kinderzimmer war bis zum Anschlag aufgedreht, damit ich bis mitten in der Nacht nur mit dem dünnen Schlafanzug an, meine Geschichten spielen konnte. Fortsetzungsgeschichten, wochenlang... Wurde ich mal ertappt, weil ich zu laut geredet habe, dann kassierte ich einen Anschiß, aber kaum war die Tür wieder zu wisperte ich weiter meine Geschichten. So hab ich überlebt. So habe ich mir eine lebenswerte Welt erschaffen, in die ich jede Nacht eintauchen konnte.

NOMADIN, das Wort geht mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf! In meinem Thread glaube ich war es, da habe ich über meine innere Unruhe geschrieben. Und daß ich jetzt so langsam in mir selber drin ankomme. 42 Jahre habe ich dafür gebraucht. Nomadin - das hat tief in mir drin was angesprochen. Ich danke dir für das Antippen dieses Dominosteinchens. Mal sehen, was da in mir drin weitergeschieht. Auf dem Jakobsweg war ich 2003. Das war das Beste, was ich je in meinem Leben gemacht habe. In mir drin gärt aber was anderes, nur mal so als Idee: vielleicht diese Unverbundenheit, dieses sich nicht festlegen, dieses immer wieder neu an einem Ort ankommen, sich dort 'sattessen' und dann weiterziehen... Immer genau im JETZT sein...

Wenn man das für sich innendrin schafft, dann ist das doch was Gutes oder? Dann braucht man eigentlich außen gar nicht mehr so einen Aktionismus zu leben...

SEHR nachdenkliche Grüße über den Ozean,

Linde
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Linde66 hat zum Thema: Re: endlich ankommen ??? geschrieben

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