| Sonne hinter den Wolken • Auzug? |
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Lütte neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 05.10.2008 Beiträge: 4
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Verfasst am: 11.10.2008, 17:06 Titel: immer helfen wollen |
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Hallo,
mein Vater trinkt seit ich klein bin. Ich habe das lange Jahre nicht mitbekommen - in der Öffentlichkeit tut er so, als hätte er was gegen Alkohol, und auch zu Hause trinkt er nur, wenn er alleine ist, d.h. in seinem Arbeitszimmer. Wenn ich mal was gemerkt habe, dann höchstens, weil er danach roch, aber dann dachte ich, er trinkt eben nur ab und zu mal was, und wo ist das Problem mit einem Feierabendbierchen?...
Im Nachhinein habe ich dann natürlich gemerkt, dass es nicht bei einem Feierabendbierchen bleibt. Aber mit allen Konsequenzen habe ich es erst begriffen, als er in den Entzug ging. 2 Wochen war er in einer Klinik. Dann kam er wieder, und ca. eine Woche später fand ich schon wieder den Alkohol. Er hörte wieder auf, und wieder fing er an.
Ich komme damit nicht klar. Ich verstehe, dass es sehr, sehr schwierig ist, aufzuhören. Aber gleichzeitig fühle ich mich, als hätte ich versagt. Ich versuche immer wieder, ihn davon abzuhalten, in sein Zimmer zu gehen, aber er verschwindet trotzdem. Manchmal habe ich auch das Gefühl, er will gar nicht anders. Er will sich gar keine Ablenkung suchen, er hat gar keine Hobbies, keine Freude an nichts. Hinzu kommt auch noch eine riesige materielle Angst - wenn er seinen Job verliert, ist alles weg. Ich bin finanziell abhängig von ihm, studiere noch in einer anderen Stadt. Wir müssten das Haus verkaufen. Er setzt alles aufs Spiel. Auf der einen Seite sage ich mir immer wieder, dass er nicht anders kann, dass der Alkohol eben so stark ist, aber dann denke ich wieder - wenn er wirklich wollen würde, dann könnte er doch aufhören?? Es gibt doch einige, die von einem Tag auf den anderen keinen Tropfen mehr anrühren??
Dann fühle ich mich wieder so ungerecht, weil ich ihn so verurteile... Aber ich will auch nicht, dass er sich so kaputt macht...er weiß doch was Alkohol anrichtet, war schon ein paar Mal im Krankenhaus...
Wie schafft man es, aus diesem Denken herauszukommen? Wie schafft man es aufzuhören, sich immer wieder Vorwürfe zu machen, weil man einfach nichts erreicht? Und hinzu kommt, dass ich solche Angst vor den Folgen des Alkoholmissbrauchs habe... |
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| Lütte hat zum Thema: immer helfen wollen geschrieben
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caro1969 sehr aktiver Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 01.09.2007 Beiträge: 5934
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Verfasst am: 11.10.2008, 18:16 Titel: Re: immer helfen wollen |
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hallo lütte!
schön das du dich hier mit uns anderen kindern austauschen möchtest...sei herzlich willkommen hier!
wie schafft man es?
meine antwort darauf wäre...indem du dich vertraut machst mit der familienkrankheit alkoholismus.
umso mehr du dich damit beschäftigst,dich austauscht und es nicht mehr wie ein geheimes geheimnis(lächel)behandelst...
wirst du antworten auf deine dringenden fragen bekommen.jede antwort kann dir ein stück helfen um "besser"zu verstehen..
nimm dir zeit...
wir begleiten dich sehr gern,denn wir wissen was du durch machst...
liebe grüsse caro |
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| caro1969 hat zum Thema: Re: immer helfen wollen geschrieben
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Lütte neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 05.10.2008 Beiträge: 4
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Verfasst am: 12.10.2008, 11:43 Titel: Re: immer helfen wollen |
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Hallo,
erst mal danke für die Antwort. Ich bin auch hier, um mich mit anderen austauschen zu können, denen es genauso geht. Einige meiner Freunde wissen zwar von der Abhängigkeit meines Vaters, aber sie wissen auch nicht was sie dazu sagen sollen (meistens kommt dann ein stereotypisches "oh das ist schlimm - Themawechsel") Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Alkoholiker von der Gesellschaft oft regelrecht verachtet und abgestempelt werden, und deshalb soll von meiner Familie aus auch nichts richtig an die Öffentlichkeit kommen. Ganz besonders mein Vater will es nicht.
Was sollte ich jetzt also tun? Den Kontakt abbrechen? Ich glaube, das kann ich nicht. Ich bin finanziell abhängig von meiner Familie und werde es auch noch lange bleiben. Das Wegziehen ging, aber wenn ich dann mit meiner Mutter telefoniere, kriege ich auch wieder mit, dass er "nicht zu sprechen", d.h. trinken, ist. Und dann fangen die Selbstvorwürfe wieder an.
Und ich kann mich ja auch nicht über sein Verhalten beklagen. Selbst wenn er betrunken ist, wird er nicht ausfallend, benimmt sich ganz normal. Es ist ihm nur anzusehen. Und was mich eigentlich so belastet sind die Sorgen.
Selbst wenn man den Kontakt abbricht, hören doch die Sorgen nicht auf? Wie geht ihr damit um? |
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| Lütte hat zum Thema: Re: immer helfen wollen geschrieben
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Weitsicht Gast
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Verfasst am: 12.10.2008, 12:08 Titel: Re: immer helfen wollen |
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Hallo Lütte,
auch von mir ein Herzliches Willkommen,
mir war es wichtig meine eigenen Gefühle verstehen zu können. Schuld- und Schamgefühle sind bei uns EKA`s gut vorhanden.
Hast Du schon Bücher darüber gelesen, was Suchtfamilien, bei Kindern auslösen können?
"Um die Kindheit betrogen" oder "Familienkrankheit Alkoholismus" haben mir weitergeholfen, um meine Verhaltensmuster verstehen zu können. Ich habe auch einen guten Therapeuten gefunden, mit dem ich mir meine Kindheit ansehen konnte.
Schreibe und lese hier weiter, auch das hilft, um gesunde Verhaltensweisen ausüben zu können. Wir haben zuviele ungesunde Verhaltensweisen unserer Eltern verinnerlicht, und nur wir selbst, können sie verändern.
Alles Liebe Weitsicht |
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| Weitsicht hat zum Thema: Re: immer helfen wollen geschrieben
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Lütte neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 05.10.2008 Beiträge: 4
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Verfasst am: 21.10.2008, 14:50 Titel: Re: immer helfen wollen |
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Hallo,
nach längerer Zeit schreibe ich jetzt mal wieder. Ich hatte in den letzten Tagen immer viel zu tun, und konnte mich so weitestgehend ablenken. Aber trotzdem mache ich mir immer wieder Gedanken um meinen Vater. Wenn ich mit ihm telefoniere, merke ich schon, dass er wieder getrunken hat. Mich beschäftigt es weiterhin, dass jemand der so intelligent ist, sich so kaputtsaufen kann. Wie er das an der Arbeit durchsteht, ist mir schleierhaft.
Ich habe noch keine Bücher dazu gelesen, nur Fachzeitschriften zur Krankheit, aber nichts zur Psychologie dahinter. Ich fühle mich auch nicht wirklich um die Kindheit betrogen - den größten Teil wusste ich nicht mal, dass er trinkt, bzw. ist es mir einfach nicht aufgefallen. Nur fühle ich mich jetzt betrogen von ihm, dass er nicht aufhört, dass er es nicht einmal will, nicht einmal seiner Familie zuliebe, dass er sich lieber abschottet und auf "ganz geheimnisvolle" Touren geht, und denkt, es fällt keinem auf wenn er dann mit ner Riesentüte nach Hause kommt, wenn mal wieder viel zu viel Benzin fehlt für die Strecke die er (ohne Alkohol einzukaufen) fahren würde, oder wenn plötzlich Geld verschwindet. Das macht mich so wütend, diese eingebildete Schlauheit, und selbst wenn ich es ihm auf den Kopf zusage, dass er weitertrinkt und dass er lügt, glaubt er immer noch, er könnte alle anderen täuschen.
Auch wenn ihr mir hier vielleicht nicht direkt weiterhelfen könnt, tut es doch gut, wenigstens mal diese Wut loszuwerden, denn bei ihm kommt sie ja nicht an. |
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| Lütte hat zum Thema: Re: immer helfen wollen geschrieben
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caro1969 sehr aktiver Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 01.09.2007 Beiträge: 5934
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Verfasst am: 21.10.2008, 16:54 Titel: Re: immer helfen wollen |
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hallo lütte!
schön das du dich mal wieder meldest!auch wenn der grund weniger schön ist,lächel...
alkoholismus ist nicht nachvolziehbar,da kannst du noch soviel grübeln..
er macht auch KEINE unterschiede zwischen intelligenz oder sonstigen "schichten"
er hat denjeniegen mit haut und haaren im BESITZ..
ich find es gut das du dir deine vorhandene wut mal von der seele schreibst!
hast du schonmal überlegt viel mehr für DICH zu tun(damit es dir in zukunft auch MIT DER ALKOHOLSUCHT deines vaters besser gehen kann)?
du solltest raus ins leben gehen,dich mit freunden treffen,spass haben...anstatt die zeit zu investieren um deinem vater zu kontollieren...
gib acht auf DICH...dies ist dein einziges leben
liebe grüsse caro |
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| caro1969 hat zum Thema: Re: immer helfen wollen geschrieben
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