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Mit mir selbst zufrieden leben

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Mein Ex lässt mich einfach nicht in Ruhe   •    HILFE - Trotz Trennung kann ich Co-Verhalten nicht ablegen!  
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Ette
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Anmeldungsdatum: 25.01.2007
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BeitragVerfasst am: 21.09.2008, 06:38    Titel: Mit mir selbst zufrieden leben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Heute Morgen hatte ich eine Empfindung, die mir zeigte, dass ich mich ziemlich verändert habe seit der Zeit als ich mit „meinem Alki“ zusammenlebte. Ich habe mich beim Aufwachen einfach nur wohl gefühlt, weil ein freier Tag vor mir liegt. Weil ich gut geschlafen hatte und mich ausgeruht fühle. Weil ich heute der einzige Mensch bin, auf den ich Rücksicht nehmen muss.

Das war, weiß Gott, nicht immer so. Es hat eine ganze Zeit gedauert, bis ich mich an das Leben mit mir gewöhnt habe und es nun auch genießen kann. Sicherlich gibt es Momente, wo ich gerne mit jemanden leben würde. Manchmal fehlt mir ein Ankuscheln vor dem Einschlafen oder beim Aufwachen das halbschläfrige in den Arm nehmen, das mir früher den Start in den Tag nicht so abrupt erscheinen ließ. Und manchmal fände ich es auch deutlich einfacher, nicht für den ganzen Haushaltssch....... alleine verantwortlich zu sein.

Ich werde einfach mal versuchen, meinen Weg bis hierher aufzuschreiben. Vielleicht kann er eine Hilfe sein, Hoffnung machen, dass mit der Trennung von einem trinkenden Partner nicht alles vorbei ist. Ich dachte immer, ich bin nicht in der Lage, alleine zu leben und habe die Menschen, die dies tun, verständnislos und mit einer Art Mitleid betrachtet. Ich konnte es mir nicht vorstellen, dass jemand gerne alleine lebt. Ich konnte es mir nicht vorstellen, weil es für mich selbst unvorstellbar war.

LG
Ette
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Ette hat zum Thema: Mit mir selbst zufrieden leben geschrieben
fertig_mit_kind
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 09.08.2008
Beiträge: 125

BeitragVerfasst am: 21.09.2008, 12:13    Titel: Re: Mit mir selbst zufrieden leben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Ette,
hört sich gut an, da will ich auch hin. Irgendwie stelle ich es mir angenehm vor, in Ruhe aufzuwachen, so ganz ohne Magenschmerzen. Und wenn etwas Zeit vergangen ist, wer weiss, was noch folgt ? Ich selbst habe in den vergangenen Wochen gemerkt, wie unterschiedlich ich auf andere Menschen zugehe und wirke, wenn ich dem "Schatten" kranke Partnerschaft mal für einen kurzen Moment habe ablegen können. Das macht mir schon irgendwie Mut, zum allein sein und im Umgang mit meiner Umwelt. Ich kann auf einmal wieder einfach so lachen, mit jemand Fremden, offen und herzhaft wie seit Jahren nicht mehr. Ich hoffe Deine "Freiheit" wird auch mal die meine sein. fmk
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fertig_mit_kind hat zum Thema: Re: Mit mir selbst zufrieden leben geschrieben
Ette
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 25.01.2007
Beiträge: 1660
Alter: 55

BeitragVerfasst am: 21.09.2008, 12:34    Titel: Re: Mit mir selbst zufrieden leben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ja, es hört sich nicht nur gut, es fühlt sich auch gut an, wenn es auch nicht jeden Tag gleich gut ist. Werkzeuge waren für mich wichtig. Zwei davon sind diese beiden Threads:
http://www.forum-alkoholiker.de/ftopic10562-0.html
http://www.forum-alkoholiker.de/ftopic9541-0.html

Ein tägliches sich bewusst Machen, dass nicht alles davon abhängt, ob meine Partner trinkt oder nicht. Ob ein Mensch für mich da ist oder nicht. Vom Kopf her war dieses Bewusstsein deutlich früher da als ich es vom Empfinden her wahrnehmen konnte.

Erst irgendwann im letzten Jahr hatte ich so eine Art Schlüsselerlebnis. Plötzlich konnte ich es fühlen, was ich die ganze Zeit mir immer wieder vorgesagt hatte.

Genau ausdrücken kann ich es immer noch nicht, aber ich hab es in eine kleine Geschichte gepackt:
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Ette hat zum Thema: Re: Mit mir selbst zufrieden leben geschrieben
Ette
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 25.01.2007
Beiträge: 1660
Alter: 55

BeitragVerfasst am: 21.09.2008, 12:38    Titel: Re: Mit mir selbst zufrieden leben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Die Meerfrau

Versonnen saß die Frau auf einem dieser grauen Steine am Strand, die gerundet ob ihrer Wanderung durch die Ozeane, irgendwann von der Macht der Wogen und des Windes an Land gespült worden waren. Sie ließ ihren Blick über das Wasser schweifen bis zum Horizont, der Linie, an der das Graublau des Wassers in das lichtere Blau des Himmels überging. Das luftige Azur spiegelte sich in diesem Wasser, das ruhig auf und ab wogte im endlosen Kommen und Gehen. Gleichmäßig rauschend schoben sich die Wellen mit ihrem schneeig schäumenden Saum über den Sand, um sich umgehend wieder zurückzuziehen. In neuem Anlauf, wie mit feuchten streichelnden Fingern nach dem Sand greifend, kühlten sie ihn und ließen ihn duften nach Muscheln und Tang.

In den Haaren der Frau spielte der Wind, der stetig über das Wasser wehte und am Himmel zarte Wolkengespinste dahinreisen ließ. Sie konnte ihn salzig auf ihren Lippen schmecken. In ihren Ohren gellten die Schreie der Möwen, die wie tollende Kinder durch die Luft flogen in der Hoffnung, irgendwo einen Schnabel voll Futter zu erhaschen.

Die Frau hielt ein Kind auf dem Schoß. Geborgen in ihren Armen, wiegte sie es im Rhythmus der Wellen. Ihr ganzer Körper ein Auf und Ab wie ein Teil des Meeres. Als sie ein leises Wimmern vernahm, senkte sie ihren Blick auf das Kind, das sie mit Augen ansah, in denen alle Weisheit der Welt schimmerte. Augen, die alles zu wissen schienen, was es für ein Leben in dieser Welt zu wissen galt. Sie versenkte ihren Blick in den Augen des Kindes, dieses Kindes, das sie vor vielen Jahren einmal selber gewesen war. Sanft legte sie eine Hand unter den Kopf des kleinen Wesen und barg das Köpfchen an der Stelle, an der ihr Hals in weichem Bogen in die Schulter überging. Schmiegte ihre Wange an das zarte, lockige Kinderhaar und summte beruhigend mit weich geschlossenen Lippen eine kleine Melodie. Das Kind beruhigte sich und schloss verstrauensvoll die Augen. Und das Auf und Ab der Wellen, das Summen und Wiegen ihres Körpers ließen die Frau sich eins fühlen mit allem um sich herum und mit dem Kind. Sie spürte einen großen Frieden in sich aufsteigen, der sie mit Zuversicht und Sicherheit erfüllte.

Ein tiefer Atemzug entrang sich ihrer Brust, jedoch war es keiner von diesen sorgenbeladenen Seufzern. Eher ein Aufatmen der Erleichterung, wenn etwas Großes, Schwieriges zu einem guten Ende gebracht ist. Sie sah um sich, als ob sie eben aus einem wunderschönen Traum erwacht wäre und fühlte sich doch ganz im Hier und Jetzt. Bemerkte, dass der Bus an der Endstation angelangt war, an der sie aussteigen musste. Als die Tür sich mit einem hydraulisch fauchenden Zischen öffnete, trat sie auf die Straße und ging mit erhobenem Kopf und geraden Schulter, sicher und geschmeidig wie eine Massaifrau unter der Sonne Afrikas, mit schwingenden Hüften durch den Regen, der den Asphalt auf den Straßen der Stadt wie Onyx schimmern ließ. Sie war auf ihrem Weg.


LG
Ette
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Ette hat zum Thema: Re: Mit mir selbst zufrieden leben geschrieben
Nicole
Gast






BeitragVerfasst am: 21.09.2008, 12:53    Titel: Re: Mit mir selbst zufrieden leben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Ette,

Danke das ich tief eintauchen durfte.

Liebe Grüsse
Elocin
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Nicole hat zum Thema: Re: Mit mir selbst zufrieden leben geschrieben
Ette
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
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BeitragVerfasst am: 22.09.2008, 06:01    Titel: Re: Mit mir selbst zufrieden leben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen,

pünktlich zum Herbstanfang ist also heute bei uns das Schietwetter angekommen, das sich gestern schon phasenweise angekündigt hatte. Dies ist nicht wirklich ein Genuss. Es heißt aber auch, Zeit für Tee und heißen Kakao, die sich genüsslich in kleinen Schlucken schlürfen lassen. Wenn ich beide Hände um den Becher mit dem heißen Getränk lege und mir die Hände daran wärme, fällt mir immer meine Oma ein, weil sie auch so ihren Tee trank - mit beiden Händen um den Becher. Ich erinnere mich gern an sie.

Manchmal, wenn ich den Spiegel sehe, merke ich, dass ich ihr immer ähnlicher werde. Überhaupt seitdem ich mir die Haare nicht mehr färbe und nun nach und nach immer mehr „silbermetallic“ mein Haar durchzieht. Sie hat ihr Leben ganz alleine auf die Reihe bekommen, drei Kinder erzogen, ein Haus gebaut und das alles ohne Mann, da dieser im Krieg gefallen war. Sie war eine starke Frau, ohne despotisch zu sein. Die Erinnerung an sie versöhnt mich mit manchem, was in meiner Kindheit nicht so gut gelaufen ist. Vielleicht sollte ich einfach öfter an sie denken.

LG
Ette
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Ette hat zum Thema: Re: Mit mir selbst zufrieden leben geschrieben
Ette
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 25.01.2007
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BeitragVerfasst am: 22.09.2008, 06:03    Titel: Re: Mit mir selbst zufrieden leben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo elle und smilla,

ich seh euch gerade online und wink mal heftig in euere Richtung. Ich hoffe, es geht euch gut.

LG
Ette
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Ette hat zum Thema: Re: Mit mir selbst zufrieden leben geschrieben
Ette
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 25.01.2007
Beiträge: 1660
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BeitragVerfasst am: 24.09.2008, 05:15    Titel: Re: Mit mir selbst zufrieden leben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ein Leben ohne Aufregung fand ich immer langweilig. Es musste etwas passieren und zwar ständig, ansonsten fühlte ich mich alt und ungesehen. Tanzen gehen, herumflirten, ausprobieren, ob Männer auf mich reagieren. Mein Exmann, eher ruhig und häuslich, zog zwar mit, hat aber von sich aus nie die Initiative für irgendwelche Unternehmungen ergriffen. Weder wenn es darum ging, einen Urlaubsort auszusuchen, noch sich mit Bekannten zu verabreden. Er hat mir aber im Haushalt geholfen, wenn ich ihm sagte, was zu tun sei. Ein braver Junge eben. Irgendwann trennte ich mich von ihm, weil ich dachte, das kann doch nicht alles gewesen sein. Endlich richtig leben wollte ich, wobei ich mir nicht wirklich klar war, was ich als richtig leben empfinden sollte.

Nächte durchtanzen, mir den ein oder ONS auftun und, wie bequem, von zu hause am PC aus meine Fühler in die weite, weite Welt ausstrecken. Dort ist es schließlich recht leicht, sich jemanden zu angeln. Einsame Herzen, Existenzen, die im realen Leben nicht unbedingt Glück beim anderen Geschlecht haben, eine Gesellschaft von Suchenden, die da Nacht für Nacht durchs www schwirrt und ich mitten drin. Ich empfand mich als fortschrittlich und aufgeschlossen und es blieb nicht aus, dass ich mich mit dem ein oder anderen traf. In der Realität wurden mir die Cyber-Prinzen recht schnell zum Frosch, aber wahrscheinlich erging es ihnen mit mir nicht anders. Bis, ja bis ich IHN dann das erste Mal traf.

Ich kannte seine Geschichte, er hatte sie mir in nächtelangen Telefonaten erzählt und schließlich absolvierte er gerade eine LZT. Und das einzige, was mir bei seiner Krankheit einfiel, dass es dann eben keinen Alkohol mehr geben könne. Blauäugig ging ich davon aus, dass dies die einzige Einschränkung in unserem Leben sein würde. Ich glaubte die Geschichten von der Ungerechtigkeit, von der Ignoranz und von den Schuldzuweisungen seiner Ehefrau, die ihn als krönenden Abschluss auch noch aus dem Haus geschmissen hatte und, natürlich, die Kinder gegen ihn aufhetzte. Danach war er in Therapie gegangen. Voller Mitleid und Verständnis war ich für ihn und vor allem war ich mir sicher, dass ich ihn viel mehr lieben würde, als dies seine Noch tat. Und natürlich viel besser verstand. Seine Sensibilität, seine Intelligenz und seine Redegewandtheit, die seine Noch gar nicht richtig zu würdigen wusste. Mit meiner Liebe würde er BESTIMMT nicht mehr trinken. Wir beide würden der Welt und der Sucht die Stirn bieten. Seelenverwandt wie wir waren, würden wir bestimmt glücklich und gesund bis ans Ende unserer Tage miteinander leben. So träumte ich.... und fand alles wahnsinnig aufregend.

LG
Ette
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Ette hat zum Thema: Re: Mit mir selbst zufrieden leben geschrieben

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