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Neues Leben = Beziehungsende?

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Nachwuchsoptimist
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 12.04.2008
Beiträge: 119
Alter: 33

BeitragVerfasst am: 05.09.2008, 13:11    Titel: Neues Leben = Beziehungsende? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo, ich bin seit fünf Monaten sauber. Davor habe ich mehrmals im Monat auf Rausch getrunken und dazu ab und zu noch Drogen genommen.

Jetzt ist es so, dass ich eigentlich einen ganz vernünftigen Alltag für mich etabliert habe, aber mir geht es dabei nicht besonders gut. Alles was ich mache, auch die sinnvollen Freizeitaktivitäten wie lesen, schwimmen oder mopedfahren, kommen mir wie ein (selbst-)aufgezwungenes Korsett vor. Dabei sind es Sachen, die ich immer gerne gemacht habe.

Ich habe in den vergangenen Monaten darauf geachtet, dass ich meine neugewonnen Zeit vernünftig nutze. Und irgendwie ist dadurch alles total verkopft geworden. Ich geh mir selber auf den Keks, weil ich nie wirklich bei mir bin, egal was ich mache. Das ist für mich ziemlich frustrierend.

Jetzt habe ich seit längerem mal wieder hier rumgestöbert, und wenn ich meine Erfahrungen mit denen von anderen hier vergleiche, fällt mir auf, dass ich mein Umfeld doch recht wenig verändert habe. Meine Freunde sind immernoch dieselben, auch wenn ich nicht mehr mit ihnen trinke, mein Job ist immernoch derselbe, auch wenn ich dort längst für Klarheit georgt habe, und vor allem bin ich immernoch mit meiner Freundin zusammen.

Meine Freundin nimmt das Thema leider nicht so richtig ernst, und darüber wollte ich mal hier schreiben. Für sie ist Alkohol kein Problem, sie trinkt manchmal was, aber kennt ihre Grenzen. Das ist für mich eigentlich auch in Ordnung.
Allerdings haben sich meine Bedürfnisse im trockenen Zustand doch erheblich verändert: Ich brauche sehr viel mehr Zeit für mich, auch ohne sie. Und ihre direkte, laute Art (das hat nichts mit Alkohol zu tun, sie ist einfach so), die ich eigentlich immer sehr bewundert habe, geht mir im Moment sehr auf die Nerven. Es ist auch so, dass sie gerade ziemlich viel um die Ohren hat, macht gerade Diplom und gleichzeitig wurde ihr Vater lebensbedrohlich krank, was sie sehr mitgenommen hat. Insofern hat sie von mir eigentlich Rückendeckung erwartet, die ich ihr im Moment nicht bieten kann. Sie ist enttäuscht und verletzt, sieht aber ein, dass ich im Moment mit mir selber beschäftigt bin.

Die Beziehung ist daher in den letzten Monaten ziemlich anstrengend für mich geworden, und manchmal betrachte ich sie schon fast als "Job". Sie kostet mich im Moment mehr Kraft, als ich aus ihr ziehe. Ich spreche natürlich mit meiner Freundin darüber, und wir haben uns darauf verständigt, uns in Geduld zu üben, und erstmal weniger Zeit zusammen zu verbringen. Aber es schwebt schon auch der Gedanke im Raum, uns zu trennen. Denn so wie es im Augenblick läuft, bringt uns das beiden herzlich wenig. Noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass ich irgendwann wieder zu MIR finden kann, und dann auch wieder zu unserer Beziehung. Aber ich bekomme langsam die Sorge, dass ich um erfolgreich trocken zu bleiben, einen viel radikaleren Egotrip durchziehen muss, als ich es bisher getan habe. Und dass ich viel mehr Zeit brauchen werde, um mit mir ins Reine zu kommen. Ich glaube nicht, dass meiner Freundin klar ist, was ich gerade erlebe, und ich weiß nicht ob ich es ihr vermitteln kann. Leider fürchte ich gerade, dass meine Freundin unter Umständen nicht bereit ist auf unbestimmte Zeit abzuwarten, bis ich wieder für sie da sein kann.

Natürlich kommen mir auch Zweifel, ob es das alles wirklich wert ist. Zumal es mir im Moment nicht wirklich gut geht. Noch ist der Wille da, und auch der Optimismus. Aber igendwie habe ich das Gefühl, dass ich einen Fehler mache, egal wofür ich mich entscheide.

Hat jemand Erfahrungen mit Beziehungsmanagement dieser Art, oder ähnliches erlebt?


Lieben Gruß und eine schöne Mittagspause!
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Nachwuchsoptimist hat zum Thema: Neues Leben = Beziehungsende? geschrieben
carnel
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 02.10.2006
Beiträge: 986
Wohnort: Baden-Württemberg

BeitragVerfasst am: 05.09.2008, 13:25    Titel: Re: Neues Leben = Beziehungsende? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo nachwuchsoptimist,

was du da schreibst kenne ich aus eigener erfahrung. habe ich ja jahre lang unter dem einfluss von alk gelebt. mal mit mehr, mal mit weniger im blut aber dennoch das mäntelchen angehabt. also wen wundert es wenn man "ohne" plötzlich mit diesen unangenehmen gefülen konfrontiert wird. wechsaufen ist eben nimmer. plötzlich muss ich mich aushalten wie ich bin. also gehört das wohl auch zu mir. ich habe gelernt das es nicht einfach ist mit sich zufrieden zu sein. arbeit, arbeit arbeit...

was deine beziehung angeht kann ich nur sagen, dass es wohl wichtig ist genau hinzuschauen. ich brauche auch viel mehr zeit für mich seit ich trocken bin. meine freundin kennt mich zwar nass nicht aber ich bin eben für mich anders geworden. sage ich ja auch nicht mehr zu allem ja und amen. sondern nehme mir zeit wenn ich sie brauche, meitens zumindest.

was den radikalten egotrip angeht kann ich nur sagen: ich habe von allen "saufbegleitern" keinen einzigen mehr in meinem umfeld. KEINEN!

gruß
carnel
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carnel hat zum Thema: Re: Neues Leben = Beziehungsende? geschrieben
patience
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 24.08.2008
Beiträge: 2214
Alter: 45

BeitragVerfasst am: 05.09.2008, 15:15    Titel: Re: Neues Leben = Beziehungsende? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Nachwuchsoptimist

Dieser Beitrag und vor allem auch dein Thread im Vorstellungsbereich haben mich ziemlich aufgewühlt.

Ich konnte viele Parallelen zu mir erkennen. Arbeite in der Werbung, langer Auslandaufenthalt (auch Studium im Ausland), grosse Leistungsbereitschaft, nicht regelmässiges Trinken, dafür Rauschtrinken begleitet von provokantem Enfant terrible-Benehmen, gefolgt von Scham und Trinkpausen. Wiederkehrende Depressionen, Leere und innere Verwahrlosung rundeten mein Dasein ab. Mit dreissig fing ich eine Therapie an - acht Jahre, einmal wöchentlich, drei verschiedene Therapeuten (nacheinander), Einzel- und Gruppentherapie. Die Depressionen bekam ich in den Griff, das prekäre Trinkmuster blieb.

Aber es geht hier nicht um mich. Und meines Erachtens bist du mir auch einen grossen Schritt voraus. Du gehst deine Therapie (bist du noch in Therapie?) nüchtern an. Dann dauert sie wahrscheinlich keine acht Jahre! Mit dem Alk erreicht man die vergrabenen Gefühle und Verletzungen kaum, die Leere wird immer wieder zugeschüttet, Intensität und vermeintliche Emotionen werden durch (Rausch-)Trinken geschaffen. Und vielleicht sind die wiederkehrenden Gefühle von Scham und Versagen ja immer noch besser als gar nichts fühlen...Bleib dran, es braucht wirklich Geduld, aber die Sinn- und Hoffnungslosigkeit lösen sich auf.

Stelle dich, deine psychische und körperliche Gesundheit, deine Nüchternheit ins Zentrum. Sonst kommst du nicht vom Fleck, drehst dich im besten Falle mit viel Energie im Kreis. Im schlimmsten Fall wird der Kreis zur Abwärtsspirale. Du brauchst im Moment viel Zeit für dich. Entweder hält das die Beziehung aus oder nicht. Die Prioritäten musst du selber setzen.

Einen lieben Gruss
patience
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patience hat zum Thema: Re: Neues Leben = Beziehungsende? geschrieben
Spanijoggel
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 13.02.2008
Beiträge: 8589
Alter: 70
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 05.09.2008, 17:27    Titel: Re: Neues Leben = Beziehungsende? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo nachwuchsoptimist!

Punkto Beziehungen habe ich in diesem Forum schon viel erlebt und gesehen..
Es kann überlebenswichtig sein(für Deine Trockenheit wie auch für Dein Glück,)eine Beziehung zu opfern.

Es kann aber auch sein,dass die Partner wieder zusammen finden und den Weg gemeinsam weiter gehen können.
Es lohnt sich,ganz genau hinzusehen,denn es geht ja um zwei Leben.

Eine Frage habe ich an Dich:könntest Du Deine Freundin dazu bringen,dass Ihr eine Alkohol-freie Wohnung habt?
Das ist sehr wichtig für Dich.

Herzliche Grüsse
Spanijoggel
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Spanijoggel hat zum Thema: Re: Neues Leben = Beziehungsende? geschrieben
domme
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 03.09.2008
Beiträge: 30
Alter: 34

BeitragVerfasst am: 05.09.2008, 18:39    Titel: Re: Neues Leben = Beziehungsende? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Optimist.

Deine Lage ist im Moment sehr schwer.Ich möchte auch nur auf deine Beziehung eingehen.Ich war derselbe wie du.Ist mittlerweile fast 10 Jahre her.Ich hatte damals auch aufgehört,war auch ein "gelegentlicher" Rauschtrinker.Auch ich veränderte mich in der Trockenzeit zu genau dem,was du schreibst.Da meine damalige Ex das aber auch nicht verstand,fing ich halt wieder an zu trinken,dachte,dann wirds wieder.War auch am Anfang so,aber mit der Zeit trank ich immer mehr und mehr und war zu gar nichts mehr zu gebrauchen.So war ich dann irgentwann Spiegelalki,und DAMIT wollte sie dann nichts mehr zu tun haben,und wir haben uns in erbittertem Streit getrennt.Auch heute habe ich keinen Kontakt mehr.
Was ich dir damit sagen will,wenn du ihr was bedeutest und umgekehrt,müsst ihr durch diese Zeit jetzt durch.Wenn du ihrzuliebe in dein altes Muster fällst,wird es irgentwann ganz böse enden.Sag ihr das,und wenn sie es nicht versteht oder verstehen will,ist es besser,sich jetzt im halbwegs guten mal zu trennen bevor es zur Kathastrophe kommt.Du brauchst deine Zeit,und trocken zu bleiben ist Lebenswichtig.Du bist glaub ich so alt wie ich,also kann ich deine Lage sehr gut nachvollziehen.Nur wenn du weitertrinkst,hatt sie in spätestens 10,15 Jahren ein Wrack vor sich,und das wollt ihr doch beide nicht wirklich,oder?
Die Entscheidung liegt bei dir,ich kann dir nur aus eigener Erfahrung sagen,wie so was enden kann.Nicht muss,aber kann.

Also Kopf hoch und überdenk dir deine Entscheidung sehr genau.

LG domme
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domme hat zum Thema: Re: Neues Leben = Beziehungsende? geschrieben
Nachwuchsoptimist
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 12.04.2008
Beiträge: 119
Alter: 33

BeitragVerfasst am: 07.09.2008, 13:04    Titel: Re: Neues Leben = Beziehungsende? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Vielen Dank schonmal für das Feedback. Eigentlich hab ihr alle bestätigt, was ich eigentlich auch schon gedacht habe. Es ist eben nicht der einfache Weg, und da gehören Zweifel wohl dazu. Umso ernster nehme ich Euren Rat.

patience hat Folgendes geschrieben:

(...) Intensität und vermeintliche Emotionen werden durch (Rausch-)Trinken geschaffen.

Ja, genau. Und das fehlt mir. Mein Psychodoc hat es mal als meine "Gefühlssause" bezeichnet, die ich als Katalysator brauche, weil ich mir im Alltag zuwenig Emotionen zugestehe.

Geduld, Geduld. Jedenfalls bin ich gerade wieder gan guter Dinge, dass ich doch irgendwie weiterkomme. Ob nun mit Freundin oder ohne, die Richtung stimmt, da bin ich sicher.
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Nachwuchsoptimist hat zum Thema: Re: Neues Leben = Beziehungsende? geschrieben
Karotte
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 18.12.2007
Beiträge: 2830
Alter: 36

BeitragVerfasst am: 07.09.2008, 13:37    Titel: Re: Neues Leben = Beziehungsende? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Nachwuchsoptimist (schöner Nick), ich denke in solchen Situation, is bei mir als Co übrigens genauso, braucht man seine Hauptkraft und seine Hauptzeit für sich...ich habe immer Problme mir die auch wirklich zuzugestehen...aber wenn es klappt ist es immer wunderbar. Was die Beziehungen angeht, lieber seltner Zusammensein, aber dann eine gute Zeit miteinander gestalten, als was unternehmen oder so. So das die Zeit intensiv ist...dann kann man denk ich auch die Pausen besser aushalten und stärk aber die Beziehung auch durch gemeinsame Erlebnisse....

Ganz liebe Grüße
und alles Gute für Dich
Zieh das Durch...Du klingst stark, Du schaffst das!
Karotte
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Karotte hat zum Thema: Re: Neues Leben = Beziehungsende? geschrieben
patience
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 24.08.2008
Beiträge: 2214
Alter: 45

BeitragVerfasst am: 07.09.2008, 13:38    Titel: Re: Neues Leben = Beziehungsende? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Bei mir half die Psycho-Therapie. Da konnte ich weinen, heulen, schluchzen - manchmal konnte ich kaum mehr atmen. Aber heute fühl ich wieder was, auch Gutes. Bin zwar immer noch etwas verkopft, aber wenn ich Atemübungen mache, habe ich nicht mehr gleich das Gefühl, dass ich ersticke. Atemübungen sollen bei Kopfmenschen mit Emotionsstaus Wunder wirken. Frag mal deinen Psychodoc.

Liebe Grüsse
patience
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patience hat zum Thema: Re: Neues Leben = Beziehungsende? geschrieben

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