| Hab ich sie im Stich gelassen? • Was kann ich machen? |
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dean_84 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.08.2008 Beiträge: 7 Alter: 27
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Verfasst am: 15.08.2008, 16:54 Titel: Es zerfrisst mich... |
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Hallo...
Mein Papa (52Jahre) trinkt schon seit seinem 18 Lebensjahr Alkohol.In seiner Jungend wohl nicht täglich.Bis vor ca 2 Wochen hat er jeden Tag mehrere Flaschen Bier getrunken.An "guten" Tagen waren 8-10 Flaschen kein Problem.Mein Vater selbst hat sich wie viele andere auch, nicht als Alkoholiker gesehen.Er hat nicht morgens schon angefangen zu trinken, sein erstes Bier trank er meistens gegen 15.30 Uhr.Wenn Fußball lief oder Freunde zu Besuch kamen, kam es auch vor, dass er früher anfing.Ausser seinem Bier, hat er nichts anderes an Alkohol getrunken.
Es kam die Zeit, als es ihm zunehmend schlechter ging.Er hat sehr starken Husten bekommen, hat an Gewicht verloren (er war immer sehr schlank) und redete immer öfter vom Tod.Er erzählte mir, das er keine Angst habe die Augen für immer zu schließen eher das Gegenteil wäre der Fall.
Ich wusste nicht genau damit umzugehen.Erst habe ich versucht diese Worte zu verdrängen, doch das war wie ich merkte nicht einfach.Ich habe versucht mir selbst Antworten auf seine Aussagen zu geben, war mir sicher das es durch die erlebten enttäuschungen so sein wird und das bald sicher vorbei gehen würde.Durch einen Bandscheibenvorfall musste er seinen geliebten Job aufgeben und seine 2te Ehe scheiterte auch.Den einzigen Sinn des Lebens den er noch sah waren sein Sohn (9Jahre) und ich.Das waren oft seine Worte...
Ich habe versucht ihm zu Helfen wo ich nur konnte, bin aus der Stadt in der ich aufgewachsen bin gezogen um für ihn da zu sein.Ich war mir sicher das alles zu schaffen.Oft bin ich an die Grenze meiner selbst gestoßen.Ich muss dazu sagen, dass mein Papa ein sehr schwieriger Mensch war.Alles in meinem Leben war nach ihm ausgerichtet.Täglich war ich bei ihm,ging einkaufen,bereitete ihm sein Essen zu, putze seine Wohnung etc. und trotzdem war es ihm noch zu wenig.An Unternehmungen mit Freunden war nicht zu denken.Er ist in ein Loch gefallen und fühlte sich trotz all meiner Bemühungen Einsam und alleine.Stets habe ich mich gefragt was ich falsch mache und ob er vll recht hat..!?!
Geburtstage und Einladungen der Familie besuchte mein Bruder und ich alleine.Mein Papa lehnte alles ab, er würde sich unwohl fühlen mit dem ewigen Husten und keiner Raucht da ausser er.Oft habe ich das Thema im Kreis angesprochen und um Hilfe und Rat gebeten.Leider ohne Erfolg!!!
Nach 1,5 Jahren wollte ich eine kleine Auszeit haben und beschloß meine Mutter für eine Woche zu besuchen.Ich reinigte seine Wohnung legte ihm Sachen für die Woche raus und kochte ihm sein Mittagessen vor (portionsweise eingefroren).Guten Gewissens fuhr ich los...
Kurz nach meiner Ankunft bemerkte ich welch ein Ballast mir da von den Schultern gefallen ist.Mir wurde Bewusst, wie erschöpft ich war.Ich beschloss ein paar Tage dran zu hängen, von dene ich heute nicht weiß ob ich sie bereue oder nicht.
Da mein Papa in der Zeit nicht mit mir sprach, weil er sauer war das ich noch nicht zurück war musste ich es von seiner Ex-Frau erfahren.
Sie rief mich an und teilte mir mit das mein Vater in ein Krankenhaus eingeliefert worden war.Sie sollte mir aber ausrichten, das er mich im Moment noch nicht sehen möchte.Drei Tage später wurde er in eine Klinik für Suchtkranke eingeliefert.Die Ex-Frau richtete mir auch aus, das seine Eltern (ich nenne sie bewusst nicht Oma und Opa) gesagt haben, er dürfe ausser von ihnen im Moment keinen Besuch empfangen.Da mir das nach einiger Überlegung und auch durch den Einfluss anderer Spanisch vorkam, rief ich in der Klinik an um mir dies bestätigen zu lassen.Dem war natürlich nicht so, ich hätte zu jeder Zeit hinfahren DÜRFEN.Natürlich wollte ich wissen, warum seine Eltern dies sagten wenn es nicht stimmte und rief sie an.
Seine Mutter meldete sich mit dem Nachnamen und ich sagte "Hallo, hier ist Nadine" Ihre Worte: Du Miststück traust dich hier anzurufen?Du bist doch keine Tochter lässt deinen Vater im Stich und treibst in dort hin.Das ist alles deine Schuld, ich möchte niewieder mit dir reden!!!
Wie ein Schlag ins Gesicht trafen mich ihre Worte...
Einen Tag später fuhr ich ihn mit meiner Mutter und meinem Onkel besuchen.Durch die starken Medikamente war er sehr verwirrt und konnte sich auch an nichts was an den Tagen zuvor passiert ist erinnern.
Zur Zeit macht er in dieser Klinik eine Entgiftung und ist logisch nicht mehr der, der er einmal war.Er redet wirres Zeug, vergisst von jetzt auf gleich Dinge und hat eine beruhigende und angenehme Art.Wir telefonieren täglich miteinander.Ich freue mich auch über jedes Telefonat aber es tut auch zu gleichen teilen einfach nur weh.
Ich weiß nicht wie es weiter geht...
Habe ich wirklich mit oder Hauptschuld, so wie sie es sagt...???
Werden seine Erinnerungen auch in der Zukunft lückenhaft sein oder bleiben...???
Wie verhalte ich mich ihm gegenüber richtig...???
Zuviele Fragen von denen mir gerade nur ein Bruchteil einfällt.
Viele Kleinigkeiten habe ich ausgelassen, einfach weil ich sonst besser hätte ein Buch schreiben können.
In einem langen Gespräch das ich mir seinem Artz geführt habe hat er mir gesagt das ich mir vor Augen halten muss das Eltern für ihre Kinder verantwortlich sind und nichts andersrum und das mich keine Schuld trifft, da er die Flasche gehoben hat und nicht ich.
Kann man das mit einem Satz wirklich so abschreiben!?!?!
Mir haben diese Aussagen jedenfalls nicht wirklich geholfen.Ich GLAUBE zu wissen das mich keine Schuld trifft aber wann werd ich es auch wirklich wissen?!?! |
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| dean_84 hat zum Thema: Es zerfrisst mich... geschrieben
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simmie sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.09.2007 Beiträge: 1869
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Verfasst am: 15.08.2008, 17:37 Titel: Re: Es zerfrisst mich... |
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hallo dean_84,
es ist tatsächlich so, wie der Arzt es dir sagte, dich trifft überhaupt keine schuld. alkoholiker sind für ihre trinkerei selbst verantwortlich. es gehört aber zur krankheit dazu, dass angehörige sich für den trinkenden verantwortlich fühlen. dies nur in aller kürze.
du hast dinge für deinen vater getan, die du eigentlich nicht tun musst. in der regel hält das eher die sucht aufrecht. du kannst deinem vater nicht helfen.
viele grüße simmie |
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| simmie hat zum Thema: Re: Es zerfrisst mich... geschrieben
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dean_84 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.08.2008 Beiträge: 7 Alter: 27
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Verfasst am: 15.08.2008, 17:48 Titel: Re: Es zerfrisst mich... |
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hallo simmie,
ich danke dir für deinen beitrag...
kurz und hart, aber wohl wahr! |
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| dean_84 hat zum Thema: Re: Es zerfrisst mich... geschrieben
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speedy53 Gast
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Verfasst am: 15.08.2008, 18:04 Titel: Re: Es zerfrisst mich... |
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Hallo dean_84,
da bist Du ja!
Ich freue mich, dass Du hier bist!
Hier bist Du gut aufgehoben, denn die "Kinder" hier unterstützen sich gegenseitig ganz toll!
Lieben Gruß an Dich
Speedy |
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| speedy53 hat zum Thema: Re: Es zerfrisst mich... geschrieben
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Tanja83 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.08.2008 Beiträge: 296 Alter: 29 Wohnort: Franken
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Verfasst am: 15.08.2008, 18:54 Titel: Re: Es zerfrisst mich... |
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Hallo Dean_84,
du wirst recht schnell merken das du hier richtig bist. Ich bin im Grunde auch noch ganz frisch hier, merke aber wie mir das "von der Seele schreiben" und der Austausch mit anderen total gut tut!
Lies dich hier ein und du wirst schon nach wenigen Beiträgen merken, das dir die meisten die gleiche Antwort geben, wie der Arzt deines Vaters.
DU bist nicht Schuld!!!, oder hast du ihm die Flaschen gekauft und geöffnet?, wohl eher nicht
Nutz die Zeit in der dein Vater in der Klinik ist, kümmer dich um dich und sortiere dein Leben. Nimm dir die Aussage von der Mutter deines Vaters nicht ernst, ich glaube Eltern in diesem Alter wollen noch weniger Sehen wo das Problem ist und die Schuld anderen abwälzen...
Bei meinen Großeltern war es ähnlich, aber jetzt merken auch sie langsam das es jedesmal einen neuen Grund gibt und das nur meine Mutter allein etwas dagegen unternehmen kann.
Würd mich freuen mehr über den Klinikaufenthalt von deinem Vater zu erfahren, bei uns geht das ganze im September los und ich seh dem ganzen mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber. Einerseits freue ich mich das nun endlich was passiert, aber dann hab ich auch Angst davor...., inwieweit wird dort die Familie mit einbezogen?
Ich drück dir ganz fest die Daumen, das es aufwärts geht... |
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| Tanja83 hat zum Thema: Re: Es zerfrisst mich... geschrieben
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dean_84 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.08.2008 Beiträge: 7 Alter: 27
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Verfasst am: 18.08.2008, 13:38 Titel: Re: Es zerfrisst mich... |
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Hallo Tanja83,
vielen Dank für dein geschriebenes...
Leider kann ich im Moment nichts über den Klinikaufenthalt berichten, da die Tage dort immer gleich ablaufen. (bzw rellativ gleich)
Meinem Papa scheint es doch recht gut zu gehen...Was ihn wohl sehr schmerzt, sind seine Füße, wegen dem Wasser.Heute am Tele hat er sogar kleine Späße gemacht.Morgen werd ich ihn wieder besuchen fahren.
Wenn man ihn so reden hört, möchte man garnicht meinen das sich was verändert hat.Bewusst wird mir das leider immer dann wenn ich höre was er alles wieder vergessen hat, oder wenn er viele Dinge einfach durcheinander schmeißt...
Hoffe das sich das wieder legt...
Lieben Gruß Nadine |
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| dean_84 hat zum Thema: Re: Es zerfrisst mich... geschrieben
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Tanja83 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.08.2008 Beiträge: 296 Alter: 29 Wohnort: Franken
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Verfasst am: 18.08.2008, 18:08 Titel: Re: Es zerfrisst mich... |
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Hallo Nadine,
dann hoff ich das der Besuch morgen nicht zu Nervenaufreibend für dich wird , ist bestimmt ein komisches Gefühl?!
Wie gehts dir sonst?
Gruß Tanja |
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| Tanja83 hat zum Thema: Re: Es zerfrisst mich... geschrieben
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Cari21 neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 13.06.2008 Beiträge: 98
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Verfasst am: 18.08.2008, 19:06 Titel: Re: Es zerfrisst mich... |
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Hallo Dean_84
Solche Symptome kenne ich von meinem Vater auch. Er lag im Februar im Delyrium und da ging es ihm auch ein paar Tage so. Mich hat das auch sehr erschreckt; aber bei meinem Vater hat sich das dann wieder gelegt.
Ich denke auch, dass du dir deshalb keine Vorwürfe machen brauchst; auch wenn wir Kinder das ja "gerne" mal tun . Spass beiseite - dein Vater muss auf sich schauen, wie du auf dich; sonst kommt keiner von euch weiter. Das ist ja nicht gleichzusetzen mit im Stich lassen. Aber deinem Vater ist ja eh nicht geholfen, wenn es dir auch noch schlecht geht, weil du nicht auf dich schaust. Davon mal abgehsehen, kannst du ihm eh nicht helfen; das ist ja manchmal das schwer zu ertragenden: Diese Hilflosigkeit. Das braucht Zeit, dies zu akzeptieren. Ich denke es war gut, dass du dir ein paar Tage für dich genommen hast; vielleicht hat das deinem Vater ja sogar einen "Denkanstoss" gegeben...
Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute
Cari |
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| Cari21 hat zum Thema: Re: Es zerfrisst mich... geschrieben
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