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Codierte Veränderungen

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dorothea
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Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 26.08.2006
Beiträge: 7383
Alter: 48
Wohnort: Salzgitter

BeitragVerfasst am: 01.04.2009, 22:19    Titel: Re: Codierte Veränderungen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo karl

kann deine gedanken ganz gut nachvollziehen. mir ist mein bauchgefühl auch sehr wichtig, weil da nicht die brutale logik herrscht, der bauch denkt auf ganz anderer ebene. ich sollte auch mal über meine ernährung nachdenken.

doro
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dorothea hat zum Thema: Re: Codierte Veränderungen geschrieben
kaltblut
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 4687
Alter: 53
Wohnort: beiM

BeitragVerfasst am: 02.04.2009, 10:56    Titel: Re: Codierte Veränderungen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Andi, hallo Doro, hallo Ihr,

das mit dem Verstehen ist ja auch so eine Sache. Ich habe mich ja lebenslang selbst nicht verstanden. Wie auch, wenn die brutale Logik nur 5% oder was mehr oder weniger ausmacht und der ganze Rest versteckt im Unterbewußtsein abläuft. Manchmal traf ich Menschen, die sprachen davon dankbare Alkoholiker zu sein und strahlten auch noch glücklich dabei, da konnte doch was nicht stimmen?

Beim Berufe raten hätte ich noch keine richtige Handbewegung für die vergangenen Erfahrungen, vielleicht eine sich öffnende Hand für los lassen. Ich bin heute ein dankbarer, zufriedener Co-Abhängiger, freue mich darüber all die Erkenntnisse gemacht zu haben, Rotz und Wasser geheult und geschwitzt zu haben, daß ich tat und machte, aufstand und immer wieder auf die Fresse flog, ich bin dabei ganz schön zäh und anders geworden. So ein Tiefpunkt, das dauert halt, es geht immer noch was weiter tiefer. Wie das mit den Süchten halt so ist, es geht immer noch was, bis nichts mehr geht. Das ich dabei feststellen mußte, daß ich Alkoholiker bin, ist doch toll, stellt Euch vor ich hätte weiter jeden Tag mein gepflegtes Weinchen getrunken, vielleicht heute, vielleicht in 10 Jahren, erledigt, wer weiß das. Schaut Euch an was ich gefressen, vernascht und verdacht habe, da wäre ich doch für viele Behandlungen gut gewesen, ein ärztliches Sparschwein zum Gesundverdienen sozusagen. Wer schlachtet schon sein Sparschwein, ich war ein ideales immer fetter werdendes Riesterteil.

Co-Abhängig, zum Arzt gehen und was verschreiben lassen, wenn es doch nichts dagegen gibt. Was soll denn der Arzt machen, Placebo Traubenzucker, vielleicht was Antidepressiva für die Klapse, dann entscheiden daß das nicht mehr ins Budget paßt und Behandlung abbrechen? Daß ist ja der Wahnsinn, eine Krankheit zu haben, die sich durch jedes Mittel nur verschlimmert, die nur durch Veränderung und das eigene Hirn erfolgreich behandelt werden kann.

Für einen Menschen der wie ich damals hier auf den Forenseiten landet und plötzlich feststellt: ups, bei ihr, oh bei mir auch, da stimmt was nicht, mag alles befremdend und erschreckend sein und dann kommt so ein Verrückter und labert was von dankbar ver-rückt sein zu dürfen.

Wenn du ein Leben lang für andere gedacht hast und dann labert dir einer was von an dich denken, nicht im Hirn des anderen rumdenken, dann kann das auch sehr weh tun, denn ich dachte meine Frau vom Zeh bis in die Haarwurzeln sehen, riechen, spüren, schmecken und verstehen zu können, jede Pore, jeden Gedanken. Auch tausendmal einige Stunden verschlungen im Bett zu kuscheln bringen nur paar cm Zugang, aber bis ins Hirn reicht das denn doch nicht.

Ich bin heute dafür dankbar, daß meine Frau Ostern vor 3 Jahren einen Infarkt erlitt, mit dem alles los ging, bei ihr, bei mir erst Monate später, bei ihr dann nochmals Monate später. Wenn sie heute trocken ist, ist das doch klasse, das Tüpfelchen auf dem I, aber das geht mich nichts mehr an.

LG Karl
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kaltblut hat zum Thema: Re: Codierte Veränderungen geschrieben
lobanshee
Gast






BeitragVerfasst am: 30.04.2009, 20:18    Titel: Re: Codierte Veränderungen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo kaltblut,

ich habe es Dir schonmal geschrieben, aber ich tue es trotzdem nochmal. Smilie

Was bist Du nur für ein begnadeter Autor! Hut ab!

Für mich eine absolute Bereicherung!

Herzlich

Lobanshee
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lobanshee hat zum Thema: Re: Codierte Veränderungen geschrieben
Rosita
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 27.03.2009
Beiträge: 391

BeitragVerfasst am: 28.05.2009, 18:53    Titel: Re: Codierte Veränderungen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Kaltblut,

ich habe mich mal etwas in deine Geschichte eingelesen.................es ist eine Schatzgrube von Gedanken................

Rosita
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Rosita hat zum Thema: Re: Codierte Veränderungen geschrieben
leben
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.06.2008
Beiträge: 1329
Alter: 50
Wohnort: Rheinland-Pfalz

BeitragVerfasst am: 10.06.2009, 11:03    Titel: Re: Codierte Veränderungen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Kaltblut,

danke dafür.

Habe auch schon festgestellt, dass ich viel intensiver lebe und denke )und dies erst am Anfang) als früher. Bin dankbar dafür, dass ich dies so erleben darf. Könnte es nur nicht so schön und verständlich rüberbringen wie du.

LG
Leben
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leben hat zum Thema: Re: Codierte Veränderungen geschrieben
kaltblut
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 4687
Alter: 53
Wohnort: beiM

BeitragVerfasst am: 10.07.2009, 09:02    Titel: Re: Codierte Veränderungen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Ihr Lieben,

was sonst passiert, heute unspediert:

Ich habe zum dritten Mal seit ich in diesem Forum bin, die Scheidung eingereicht. Da ist nichts bei und es gibt mir auch nichts, keine Trauer, keine Freude, keine Genugtung, keine Freiheit und es macht mich auch nicht gesünder. Letztendlich besiegelt es nur unsere damalige Unfähigkeit keine gesunde Beziehung führen zu können. Unser Eheversprechen in guten wie in schlechten Zeiten waren wir unfähig einzuhalten. Das ist nur eine notwendige Konsequenz nach langer manifestierter Trennung und mehrfach aufkeimenden Gedanken an ein Eventuell und Vielleicht, die regelmäßig im Versuch erstickt wurden.

Die Firma in der ich arbeitete wurde aufgelöst und ich ging in ein freundliches Unterstützungsverhältnis mit Gevatter Staat ein, obwohl ich mehr Arbeit in meinem Kopf habe als je zuvor. Ich lasse mich aber gerne begleiten, bis ich gesichert auf eigenen Beinen stehe, um mich aus dem Auffangapparat zu lösen. Zum Zeitpunkt der Auflösung stand ich einer Firmenneugründung und erneuten Übersiedlung nach Berlin im Wege. Ich habe es mir gründlich überlegt, ob das Rheinland mit der internationalen Mixkultur einer pulsierenden, europäischen Metropole mithalten kann und ob ich mich im alten Glamour, den ich so schätzen lernte und der teilweisen Möchtegernscheinwelt wohl fühlen würde. Meine Musik spielt da, wo ich bin. Andere Konzerte kann ich besuchen, aber ich werde dort nicht dauerhaft meine Zelte aufschlagen und so habe ich die großzügigen Angebote der großen Stadt zunächst abgelehnt.

Ich bin ein freier Vogel und werde sicher nicht mehr zum wild umher hüpfenden Mustang mutieren. Gehüpft habe ich trotzdem, denn meine Restschuldbefreiung aus einem mir seit 7 1/2 Jahren anhängendem Insolvenzverfahren ist mit Brief und Siegel abgeschlossen und die unbezahlbaren Restschulden wurden erlassen. Als es los ging war es eine unvorstellbar lange Zeit, die rückblickend schnell verging. War ich doch gerade mal 43 Jahre und im Saft meiner Blüte, also ein verfaulender Saftsack, der sich überlegte, ob meine Einzelteile besser an einer Wand aufgehoben wären oder wie sie von den Deckenbalken meiner Lagerhallen baumeln würden. Der Insolvenzanwalt der mich verarztete, machte mir klar, dass es nicht darum geht mich platte Flunder nochmals durch den Wolf zu drehen und zu Hackepeterröllchen zu verarbeiten, um als Dauerbelastung für die Gesellschaft zu enden, sondern raus aus dem Desaster zu führen und das hat er. Ich darf jetzt wieder Kreditkarten haben und Fremdgelder aufnehmen, nur- jetzt brauche ich keine mehr.

Der Gesetzgeber hat bestimmte Zeiten festgesetzt, unabhängig von der Schadenhöhe die entstanden ist, um sich zu bewähren. Das was ich an Werten und Verbindlichkeiten aufgebaut hatte, stand nicht mehr in einem guten Verhältnis und ich hätte den aufgeblasenen Ballon nie ausgleichen können. Im Vergleich zu meinem früheren Handeln hat sich in mir viel verändert. Als selbst bestimmender frei entscheidender Mensch lag es in meiner Hand etwas zu tun, das was ich emotional in mir verbaut hatte konnte ich nicht sehen. Das war schon ein Anzeichen der Coabhängigkeit, des Saufens, der Krankheiten an sich und ein eingegriffenes Festlegen von Genesungszeiten wäre vielleicht nicht übel. Auch wenn es in meiner Hand lag, hatte ich meine Hände nicht im Griff und es bedurfte vieler zerplatzter Ballons.

Ich habe heute das Vergnügen mit weniger besser auszukommen, mit weniger mehr zu haben, denn es fällt so viel fort was mir nur aus falsch verstandenen Gefühlen etwas bedeutet hat. Die üppigen Gelage mit Geschäftspartnern, die Reisen, die Übernachtungen, die Geschenke, der Größenwahn, die Fresserei und das Gesöffs. Ich habe jeden Monat viel ausgegeben, weniger für mich und wenig für die Familie, dass ging alles in die Firma, in die Suchtbefriedigung und das dazugehörende Umfeld. Gut, letztendlich haben die Nachfolgefirma und ich 7 Jahre seit meinem kapitalen Absturz weiter gut von der Vorarbeit gelebt. Meine Firma wurde dann meine Frau, das Loch des Unbefriedigten zwar gestopft, aber am falschen Ende. Eine Bank sagte einmal: eine unabdingbare Pleite aufzuhalten sei wie gutes Geld in Schlechtes zu verwandeln. Als ich meine Frau kennen lernte, da war ich frei und auf einem guten Weg, aber dass ich emotional ein kaputtes Sparschwein war, davon hatte ich keinen Schimmer.

Früher habe ich ununterbrochen Projekte angeschoben, war ein Motor, ein Selbstdreher bis zum Löcherstopfer mit Rissen in den Solarzellen und selbst durch meine Pleite haben die meisten Betroffenen noch profitiert. An dem Tag, wo ich die Löffel abgebe, macht meine Bank noch ein dickes Geschäft, denn die damaligen, zur Sicherheit abgetretenen Lebensversicherungen liegen ja immer noch da, sind ja schon lange denen. Ich habe zwar nichts mehr davon, aber die Vorstellung an den Prachtbauten beteiligt zu sein ist nicht übel. Heute überlege ich mir nicht nur genau was ich tue, wie ich es tue und mit wem ich es mache, ich achte dabei genau auf mich, kann mich problemlos ein Stündchen in die Sonne legen, um doppelt aufgetankt das Hirn anzuschmeißen oder gelassen auszuschalten. Es war mir früher nicht möglich, denn ich war getrieben von meinem inneren Unfrieden.

Als rastlos getriebener Mensch bestanden meine Erholungsphasen aus Erschöpfungszuständen in jeder Lage und Situation, aber ausruhen und erholen war dabei selten möglich. Ein Kaltblut halt, auf meinem Rücken konnten sich Eisenstangen verbiegen.

Während meiner Suchthöhepunkte, schaffte ich es für meine 1. Frau und die Kinder gut zu sorgen, meinen Job in der neuen Firma auszufüllen, später für meine 2. Frau da zu sein, ihr eine Existenz aufzubauen, keine rechtlichen Verfehlungen aufzuweisen, bis zu 80 Kippen zu qualmen, meine Abhängigkeiten und Überbelastungen auszubauen und die mir bis dahin unbekannten Mängel von außen zu sättigen. Meine Frau war der Inbegriff meiner Suchtbefriedigung.

Verfehlungen, Mängel, hatte ich ja keine, ich war perfekt. Mängel waren schlecht. Selbstbefriedigung Verfehlungen. Das aus einem Kindheitsmangel Mängel wachsen, deren Unerfülltheit bis in den Tod führen können, vor sich hin modernde Suizidgedanken mit sich bringen, war mir weder annehmbar, noch verständlich und überhaupt: ich hatte eine schöne Kindheit, dachte ich. Ich habe aufgehört zu denken. Ich bin hier zur Selbstbefriedigung.

Das ich nicht mehr trinke und nicht mehr rauche, verschaffte mir neue gedankliche und finanzielle Freiräume. Als ich mich von meiner Frau und den Verpflichtungen lösen konnte, lösten sich auch die verquerten, tief versteckten Gedanken auf. Die Süchte, die sich auftaten und die dahinter versteckten Mängel erschrecken mich noch heute, kam ich doch in das Forum, weil ich meiner Frau nach ihrem Infarkt helfen musste, denn sie soff sich scheinbar zu Tode und ich war ohne sie nicht lebensfähig.

Mein Leben ist nicht mehr Krankheiten und deren Beseitigung gewidmet, sondern der Pflege meiner Gesundheit und die schließt heute vieles aus. Ich genieße in der realen Welt die gewaltige Energie Langzeittrockener und Suchtmittel frei lebender Menschen in den Selbsthilfegruppen, wo viele Ü30 Jahre geänderte Lebensführung aufweisen, in denen ich ein junger Hüpfer bin, obwohl ich für manche schon ein alter Sack bin und ich freue mich darauf alt zu werden.

Der BMI als ein Maßstab für meine Gesundheit, das rechnerische Alter und die theoretische Lebenserwartung haben sich von der Abschusskandidatur zur durchwachsenden Lebensausweitung gewandelt. Gesundheitlich sind meine Werte viel zu gut, das wird einmal teuer für die Rentenkasse und kostet mich schon jetzt alle 3 Monate ein Paar Laufschuhe, nur, was ich hier gewonnen habe ist unbezahlbar.

Die geänderte Lebensführung, Mut zur Veränderung waren ein Schlüssel. Die beinhalten eine schonungslose innere und äußere Inventur. Innen gibt es viele Angst einflößende Rückstände, die ich nicht ausbrennen oder abschneiden kann, aber annehmen und anlächeln, bis sie nicht mehr wehtun und sich auflösen. Außen gibt es Umstände, die mich zu Konfrontationen mit mir, mit anderen und zu Rechfertigungen und Gründe suchen verleiteten. Da gab es nur ein schonungsloses Kappen der Leitungen, damit ich nichts an die Kappe bekomme.

Mein Umfeld hat sich geändert. Es ist weder Platz für das alte Überfliegerdasein, noch für Menschen die mir nicht gut tun. Ich kann mir aussuchen, mit wem ich meine Freizeit verbringe und da brauche ich keine Menschen, die sich hinter ihrem Spiegel verstecken. Nach einer Ernährungsumstellung, ergab es sich von selbst, dass sich alles änderte. Ich komme mit einem Bruchteil von dem aus, was mir zur Verfügung steht und ich lebe bewusster und gesünder als je zuvor. Dazu bedarf es weder Überfluss, noch Schlaraffenland oder Konsum. Wenn Körper und Geist gesunden, heilt die Seele zusammen und dann passt es.

Klar kommt da der Gedanke, der hat es ja und steckt nicht in meiner Situation. Stimmt, ich habe mir Freiräume geschaffen, denn meine Süchte werden damit nicht mehr bedient und vieles das ich früher erst teuer kaufte und dann für nichts in die Tonne klopfte wird heute genussvoll durch die Natur ersetzt. Die Natur zeigt mir immer wieder, dass ich nicht mittellos bin.

Ich durfte auch schon Menschen erleben, die sich abwendeten, die mir von unausstehlichem Perfektionismus, von Arroganz, Egoismus bis Narzissmus allerlei andichteten. Ich weiß genau was ich will und setze meine Bedürfnisse unabhängig vor die der anderen. Ja, die Probleme sind da, wenn andere in sich sehen müssen, sich verweigern und lieber einen alt gewohnten Weg in Auseinandersetzungen, Kämpfe und Krankheiten gehen. Das sind nicht mehr meine Schmerzen. Das waren Cyberschmerzen. Wenn hier jemand anderer Meinung ist als ich, dann ist das sein gutes Recht, vielleicht hat er eine andere Entwicklung mitgemacht und ist schon viel weiter als ich oder von Hause aus ganz anders ausgestattet. In den vergangenen 3 Jahren durfte ich viele neue Menschen kennen lernen und ich bin dankbar für jede gemachte Erfahrung. Mitgefühl, mitfühlen, da simmer dabei, aber es sind nicht meine Gefühle, es sind Cybergefühle die in mir nicht mehr aufgehen.

Ich habe meinen Code geknackt und es fällt mir immer leichter mich zu erkennen. Den großen Knaller habe ich nicht gefunden, wohl aber die Einsicht, dass ich jetzt endlich anfangen kann ohne Schall und Rauch zu leben und das ist ein anhaltender stiller Überschallknall.

Ich zog einige Zeit enorme Kräfte durch neue Verbindungen. Lesen war so etwas, verstehen was andere meinten, was hier im Forum stand, in Büchern, mich verstehen, das ging bis an den Rand der Sucht, eine lähmende Verstandessucht. Sogar bildende Bücher können krank machende Süchte verursachen, wenn sie uns als Alibi für unsere Realitäts- und Schamflucht dienen. Ich wurde zum Häschen Gruber, das ist der Hase der in Grube sitzt, den blauen Himmel über sich sieht und denkt nur mit kräftigem Hüpfen schaffe ich das schon da raus, bis er tot zusammenbricht. Es ist viel einfacher die kostbaren Bücher als Stufen zu benutzen und einfach aus dem Loch hinauszuspazieren, statt auf die Schlachtung zu warten. Heute muss ich darauf aufpassen, dass mich mein Wissensdurst nicht in eine Grube steckt.

In meiner Bude habe ich festgestellt, dass es dort nicht viel anders ist als in meinem Leben. Wenn ich paar Tage verreist war, begrüßen mich die Staubmäuse und ich habe keine Ahnung wo die Dinger immer her kommen, die sind einfach und dann muss ich erstmal mit dem Feger durch die Bude und klar Schiff machen.

Und was ich fegen kann. Lähmende Verlustängste, zugelassene Nähe, mein Helferleindasein, fehlende Eigenliebe, mein mich Abgeben, ungefestigtes Selbstbewusstsein und mein lapidares Oberflächenkratzen verstärkten falsch angenommene Ideale. Karl Du glorifizierst Deine Frau, wurde hier einmal gesagt. Das durch und mit ihr erfahrene hatte einen enormen bewusstseinserweiternden Einfluss auf mich. Sie konnte da nichts für. Das war meine Verblendung auf dem Weg ins Licht. Da gibt es doch diesen Spruch mit dem ersten Stein werfen. Vielleicht hätte ich nur schneller sein müssen als der fliegende Stein oder ihn mir gleich an die eigene Platte klatschen sollen, aber dazu war ich nicht fähig, obwohl ich das im Stehen gekonnt hätte. Wer aufmerksam liest, findet in meinen Posts eine Anhäufung von Kraftausdrücken und Aussagen, die nichts anderes als meine Beschränktheit das Geschehene zu begreifen ausdrückten. Worte wie irre, bekloppt, verrückt, doof, dumm deuten auf mein Unverständnis, meine fehlende Lebensreife, mein falsch geleitetes Verständnis für ein gesundes Mittelmaß, mein klammern an Unverstand. Das Tolle ist doch, ich brauche gar nichts zu verstehen, denn meine Gene sind so angeordnet, dass alles schon längst in mir ist, ich muss nur das wieder los bekommen, was sich an den falschen Stellen wie Muscheln am Schiffsrumpf festgesaugt hat oder halt die Staubmäuse auf meinem Parkett.

Meine berufliche Ausrichtung steht noch nicht so genau fest, es wird etwas Schaffendes sein. Die Leute von denen ich bisher lebte sind auch die, deren Geschäftsphilosophie nicht mehr in mein Leben passt und die Neuausrichtung lässt mir da wenig Spielraum. Faule Kompromisse führen zum Suchen, unbefriedigtes Suchen zu einem Mangel und Mängel in die Sucht. Das ist wie etwas nicht saufen oder sich etwas vom Partner trennen oder wie komm lass uns S** haben aber fass mich nicht an, da arbeite ich noch dran, denn auch wenn ich mich nur bücken und aufheben muss, kommt der Tag an dem ich es im Kreuz bekomme.

Es fällt mir derzeit leicht die Vollwerternährung umzusetzen oder Marmelade zu kochen. Dabei fange ich oft neu an, so wurden 14 Gläser Sauerkirsch-Rosen-Mispelmarmelade entsorgt, weil der AgaAgaanteil das Ganze zu steif machte. Weglassen, es muss stimmen. Himmliche Festmahle wie sie meine Frau täglich zauberte und in die Tonne klopfte gibt es bei mir nicht mehr, aber meine großen Jungs freuen sich immer wenn es darum geht sich ungewöhnlich, aber vollwertig den Wams voll zu schlagen. Erst vor kurzem habe ich eine ungewöhnliche Neigung zu Nahaufnahmen von Speisen entdeckt, sich alles genau anzusehen, was unter meiner Nase in meinen Körper wandert und da gibt es herrliche Gestaltungsmöglichkeiten. Mein Körper sagt mir was mir gut tut, was mich satt macht, was er braucht, den habe ich jetzt lange auf seinen Ursprung trainiert und jetzt arbeiten wir Hand in Hand.

Es ist gelegentlich noch abschreckend , wie kranke Menschen die volle Breitseite geistiger Umnachtung, der Coabhängigheit, der Suchtmittelabhängigkeit abschießen, sich zwischen Selbstmitleid, würdeloser Erniedrigung, vergnomter Maßlosigkeit und absturzgeweihter Hocharroganz hin- und her flitschen. Ich war nicht anders und was mit mir passiert ist färbt ab, so wie es von den Menschen in meinem Umfeld abfärbt überträgt es sich auch auf meine Kinder und das ist eine wunderbare Bereicherung.

Mir kam einmal der Gedanke, dass ich nur noch mit einer erfahrenen trockenen Alkoholikerin, einer geheilten Angehörigen oder zumindest einer Krankheit erfahrenen, suchfreien Frau eine Partnerschaft eingehen könnte. Meine Kinder brachten mir einen Schlüssel, denn was für sie normal ist, musste ich neu lernen. Das war immer da, nur verschwunden, ich habe es nicht mehr gesehen. Gesundheit schließt Krankheit aus. Manchmal scheint es mir, dass das Verlernen gesund zu leben ein Stück meiner Entwicklung zur Einheit mit der Natürlichkeit ist. Heute fühle ich mich gelegentlich wie ein Vampirjäger unter Vampiren. Die ich erreiche verlieren ihre Zähne und die mich erreichen haben keine, gut, meine wackeln auch.


Ach ja, wie es meiner Frau geht? Ich weiß es nicht, sie dürfte jetzt über 2 Jahre trocken sein und hat hoffentlich die Chance gesehen, die in der Neuausrichtung ihrer Lebenshaltung liegt. Ihre Krankheiten sind ihre und das bleiben sie auch und vielleicht hat sie gelernt, das eine vom anderen zu unterscheiden. Sie war und ist ein lebens- und liebenswerter Mensch und was da alles zwischen uns passiert ist, Schnee von gestern, heute unbedeutend, sie nimmt an meinem Leben nicht mehr teil. Sie hat mir viel gegeben, mich geprägt und in eine neue Lebensrichtung bewegt. Dafür bin ich ihr dankbar.

Ich habe sie auch hassen gelernt, hat sie mir doch als sie schon ein Jahr trocken war das genommen, was mir das Wertvollste und Teuerste war: die scheinbare Befriedigung meines Suchens nach Mängelerfüllung aus Kindertagen, tief in mir drin, dafür erhielt ich grenzenlose Verlustängste. Mein allergrößter Verlust war das Gefühl des Loslassen, einer Illusion, der Geborgenheit, der gefundenen großen Liebe, des paradiesischen Gegenstückes. Auch stieg der Hass, als böse Dinge vorfielen, um sich ihren verdübelten Krankenzustand weiter zu erhalten. Das war alles nicht erforderlich, aber es hat so sein sollen, hat es mich doch letztendlich weiter auf den richtigen Weg in die Unabhängigkeit und Verbundenheit zu mir selbst gebracht, weit hinter die Grenzen des Schmerzes und der Ängste, zurück in mich.

Heute kann ich erfüllt und depressionsfrei an die Zukunft denken, auch an meine wunderbare Exfrau, wurde sie doch für mich eine realisierte Vorübung für Wunder.

Hier durfte ich an mir arbeiten, schriftlich, lesbar. Manchmal wurden bewusst versteckte Aussagen nicht erkannt, dafür fielen später andere der Rechtschreibnorm durch geistig abweichende Formen zum Opfer. Solange Gedankennormen über die Natürlichkeit gesetzt werden, ist die Zeit noch nicht reif. Ich habe alle Zeit die ich habe und hier lernte ich Buchstaben zu Wörtern, Wörter zu Sätzen, Zeilen zu Seiten zusammenzusetzen, da macht es mir nichts aus, noch zu warten bis aus Seiten Bücher werden.

Lange ging ich einen Weg der aus Einzelteilen bestand, so wie die Krankheit meiner Frau, von der ich immer weiter auf Neues stieß, eine wertvolle Bereicherung wurde. Aus dem Einzelnen auf das Ganze zu schließen birgt immer die Gefahr, am Gipfel der Erkenntnis vorbei in die Leere zu stürzen oder sich den Hosenlatz an einem Antennestab zu verbeulen, wenn´s vom Dach geht, mit der umarmten Liebe. Deshalb versuche ich jetzt einen ganzheitlichen Weg zu gehen. Da schwebe ich gelassen über dem Berg und darf mir das Gesamte betrachten, aus ihm das einzeln herausholen was glänz und das putzen was stumpf ist. Das ermöglicht eine gezielte Arbeitsweise.

Beinahe hätte ich angefangen für hohe Ansprüche zu leben, gesteuert von einzelnen Teilchen, nur nicht durch mich. Das Ganze lässt sich nicht steuern, das ist mein Sein, da bin ich ein begriffenes Teilchen vom Ganzen, den Rest richtet die Natur.


Zurzeit bin ich neuen Körperreaktionen auf der Spur, denn es ist höchst interessant was da so alles passiert. Nur von Gemüse und Obst kann ich nicht leben, es muss da schon Eiweiß zugeführt werden, nicht mehr in tierischer Form, ich schätze es mehr pflanzlich, ohne geht es nicht. Sowohl das eine wie das andere verändern mein Verhalten. Ich habe mich gefragt, was durch den Verzehr von Sauerteigbrot angeregt wird und was es bei mir hinterlässt und natürlich warum, da bin ich noch dran, muss ich erstmal diese chemischen Formeln verstehen, bin ja kein Chemiker, wobei Verbindungen meine Chemie ganz schön beeinflussen können.

Es ist ein Unterschied, ob ich mich und meine Welt als Ganzes betrachte, mich rund und prall mit Leben gefüllt annehme oder als Stück vom Ganzen sehe, als endlos suchendes Teil eines nimmer fertig werdenden Puzzles. Da wären wir wieder bei den Mängeln, so als Ganzes betrachtet, Mängel von außen, Mängel innen, für den Bauch und für den Geist, ich möchte keine Seele sein, um da endlos mit dem Flickzeugs hin- und herzuflitzen. Das wird ein Zungenbrecher: die hin- und herflitzende Seele flickt mich. Jetzt dreimal ganz schnell, so entstehen Missverständnisse und da bin ich eigentlich wieder da, wo ich vor 2 oder 3 Jahren in mein Profil schrieb: ich flicke mich.

Nach 3 Jahren darf ich endlich mein Studium beenden, mit der Aufarbeitung beginnen und Leben. Wie schon geschrieben, Gesundheit schließt Krankheit aus.


Was jetzt noch kommt ist unwichtig, wann ich geschieden werde, mit wem ich irgendwann meine Flussgeschwindigkeit teste, welche emotionalen Rückfälle mich begleiten, ob ich überhaupt jemals beziehungsfähig werde, wie ich mich auslebe oder was sonst so in meinem Lebenscontainer andere befriedigen könnte. Ich habe meinen Code dechiffriert, andere können das vielleicht viel schneller. Ich bin auch nicht suchtfrei, die einmal angelegten Muster sind ja da, aber ich habe einen guten Mikrofaserbesen. Durch die damalige Insolvenz, durch den Verlust meiner Frau und meiner Süchte habe ich nicht wirklich etwas verloren, sondern den Jackpott geknackt und es klingelt immer weiter. Ja, da bekommt doch ein gefüllter Klingelbeutel eine ganz neue Bedeutung.

Das hier ist eine Selbsthilfegruppe, sich selbst helfen wollen in der Gruppe oder wie mein Coach immer sagte: du schaffst es nur alleine, aber alleine schaffst du es nicht. Danke.

Lieben Gruß und gute 24h Kaltblut

Der Rest steht im Butterweichen und Steinharten, da habe ich Steine weich gekloppt und Butter hart geschlagen, für die Harten gestreichelt. Ich bin hier nicht alleine. Viel mehr steht bei den anderen. Ich bin hier nicht alleine, alle die hier schreiben hinterlassen ein Stück ihres Lebens, jeden Tag neu, unbezahlbar, kostbar erfahren, einige zahlten mit Lebensstücken. Wenn sein Leben etwas wert ist, der wird in auch einige Taler für den geschlossene Bereich finden.
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kaltblut hat zum Thema: Re: Codierte Veränderungen geschrieben
Thelma
Gast






BeitragVerfasst am: 10.07.2009, 11:15    Titel: Re: Codierte Veränderungen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Puh, geschafft (Schweiß von der Stirn abwisch)

wenn ich Dich lese, lieber Kaltblut, geht es mir immer wie bei John Irving:

Die eine Gehirnhälfte kippt spätestens nach dem dritten Absatz in ihre Einzelzellen zerlegt qualmend zur Seite und denkt: Wo ist die nächste Bildzeitung????, während die andere lächzend auf den Bildschirm (respektive das Buch) stiert und auf die nächsten Sätze gespannt ist.

Ich spiele ja auch gern mit Wörtern, aber bei Dir fühle ich mich wie ein ABC-Schütze in einer Literaturvorlesung an der Uni. Geschockt

So viel in einen Satz gepackt, wo andere drei Seiten benötigen, das Ganze noch um sich, in sich und um den ganzen Absatz herum verdreht, pppppffffff.

Aber ich stellte beim heutigen Lesen fest, dass ich schon viel schneller vorankomme als noch vor einem halben Jahr. Hab ja nun doch schon einiges gelesen von Dir, da gewöhnt man sich an einen Schreibstil.
So, wie bei Irving, obwohl der mich nach wie vor manchmal zur Verzweiflung bringt mit seinen Sätzen.

So, genug bewundert.

Ups, hätte ich auch was zum Inhalt schreiben sollen?
Ich denke nein, dem ist schließlich nichts mehr hinzuzufügen.

Danke für Deine neuesten Einblicke,

Thelma Smilie
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Thelma hat zum Thema: Re: Codierte Veränderungen geschrieben
Backmaus
Gast






BeitragVerfasst am: 10.07.2009, 14:13    Titel: Re: Codierte Veränderungen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Halo Kaltblut

Danke für Deinen Threadbeitrag!
und danke,dass Du uns an Deinem Leben teilhaben lässt auf Deine unnachahmliche Art zu schreiben.
Ich liebe es bei Dir zu lesen!

Die Sache mit der Marmeladenherstellung ist ein echtes Highlight an diesem grauen Tag...habe mich "schlapp gelacht!Smilie
...und übrigens einen guten Start ins neue Leben(finanziell gesehen)....

"Trockenheitstechnisch" gesehen sowieso.

Liebe Grüsse von
Backmaus
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Backmaus hat zum Thema: Re: Codierte Veränderungen geschrieben

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