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Für Skybird, als Geschenk

 
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Du
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BeitragVerfasst am: 03.08.2008, 23:16    Titel: Für Skybird, als Geschenk Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Skybird, weiss nicht, wie ich es Dir sonst zukommen lassen soll.
Du

LiYu

LiYu starrte an den Himmel. Heute war ihr aber auch gar nichts rechts. Der perlmuttschimmernde Schuppenschwanz peitschte ärgerlich an den Felsen, auf dem sie sich sonnte.

Wer sie jetzt gesehen hätte, hätte nur eine atemberaubende Schönheit gesehen, nur Strahlen, Schimmern und Licht. Kaum jemand, und gewiss kein Mensch, hätte diesen kleinen dunklen Schatten gesehen, der in all dem Leuchten herum geisterte.
Es war dieser Schatten, der sie so quälte. Wer WAR er?
LiYu gehörte zu den wasserbewohnenden Wesen. Diese wissen, wie alle vom Kleinen Volk, nichts von sich selber. Wo wir Menschen von Gefühlen reden, von Freuden, Sehnsüchten, von „unseren“ oder „meinen“ noch dazu, so reden die zum Kleinen Volk gehörenden von „Wesen“, von „Geschöpfen“.
LiYu hatte eine Traurigkeit in sich entdeckt und fühlte ihr nach. Wer war dies, der sich da meldete und um Hilfe bat? Wer bedrückte sie, wessen Hilferuf nahm sie wahr? Schon den ganzen Tag fühlte sie sich nicht so recht wohl.
Und wie immer, wenn sie nicht weiter wusste, beschloss sie, sich schlafen zu legen, diese Gabe,die so neu für sie war.
Sie liess sich vom Felsen ins Wasser gleiten und schwamm in die Höhle, die darunter lag, geschützt hinter einem funkelnden Wasserfall.

Hier lebte sie seit einiger Zeit, und vollkommen allein. Es ist nicht die Art der Wasserbewohnenden allein zu sein, sie mögen es in der Regel nicht, sie werden leicht krank davon. LiYu allerdings hatte dies freiwillig auf sich genommen um einer Aufgabe willen.

Es lag an der Zeit. Sie fühlte sich nicht mehr so an, wie früher, als LiYu noch klein war. Auch die Alten bestätigten dies. Sie schien „krank“ geworden zu sein, die liebe Zeit. Auch sie war dem Kleinen Volk ein Wesen, ein Geschöpf, etwas, dem man Zuwendung geben konnte, das man liebte dafür, dass man darin wohnen durfte. Sie „glitt“ nicht mehr so selbstverständlich dahin, die Zeit, sie schien ab und zu zu stocken, dann wieder raste sie mit einem ungewohnten Tempo durch die Seelen aller. Wassertemperaturen veränderten sich, der Charakter der schwimmenden Geschwister, der Haie und Wale, wurde unsteter. Die Wale, die Frieden und Ruhe in Person waren, wurden unruhig, verwirrt. Die Haie, die Sensoren aus uralter Zeit, sicherer Schutz für die, denen sie zugetan waren, drehten ab und zu durch, kannten Freund und Feind nicht mehr auseinander. Etwas Verhängnisvolles war geschehen.
Den Wasserbewohnenden ist durchaus bewusst, dass es so etwas wie festes Land gibt und Geschöpfe, die hier leben. Aber es interessiert sie in der Regel nicht. Die Quell-, Bach- und Seenymphen beschäftigt dies schon, sie beobachten von ihrem sicheren Element aus, was an den Ufern sich so tut. Aber die im Meer bleiben davon relativ unberührt.

Nun war also die Zeit erkrankt. Woran? Was konnte man tun? Wie war ihr, der Zeit, zu helfen?
LiYu war damals zu einer der Ältesten geflossen (das Wort „schwimmen“ ist eines der Menschen. Niemals würde ein Wasserbewohnender es für sich verwenden. Sie nennen, was ihre Bewegung ist, „fliessen“) und gefragt, ob sie, die Junge, etwas tun könne in dieser Sache. Diese Alte hatte schon die Reife erreicht, in der, wie das Kleine Volk es nennt, „die Haare Flügel bekommen“. Damit meinen sie sie Farben der Haare – werden die Wasserbewohnenden alt, richtig alt, dann reden sie nicht mehr mit Worten. Sie reden gar nicht mehr. Sie schauen auch nicht mehr. Tief in sich selber versunken schauen und horchen sie in andere Welten, andere Ebenen, andere Gefilde. Und doch weiss man immer, wie sie sich fühlen, in welchem Zustand sie sich befinden, weil die Farbe der Haare spricht, was im Inneren unsagbar scheint. LiYu hockte vor der Alten und war überwältigt von der Pracht des Farbenspiels, das von den Haaren ausging. Sie fühlte die Farben um ihren Körper wallen wie ein zweites Wasser. Fast nahm es ihr den Atem. Als sie dies dachte, wurden sie Farben zarter, spielten sanfter auf ihrer Haut, schienen um Verzeihung zu bitten für ihr Ungestüm.
Da überliess sich LiYu. Sie schloss die Augen und liess sich in die Farben hinein fliessen, wie sie es sonst nur im Wasser, der Mutter, tat. Sanft spielten die Farben auf ihrer Haut, berührten behutsam die Poren, drangen ein wenig ein, zogen sich wieder zurück – es war wie ein zärtliches Spiel.
Und LiYu „spielte“ mit – ihr Fliessen wurde dringlicher, stürmischer; sie wollte „wissen“. Zu wichtig war, was die Zeit anging, für Vorbehalte. Die Farben griffen ihr ans Herz, drangen ein in sie und sie „sah“:
Dunkle Wolken über der Zeit, sie sah ein Brechen in „alt“ und „neu“ und etwas sehr Unwirklichem zwischen Beidem. Sie sah altes Unglück, das im Nichts verschwand und neues Unglück, das lauernd herankam und seinen Platz einzunehmen bereit war. Sie sah altes Glück, das, seine Strahlen in das Neue werfend, im Nichts versank. Sie hörte Hilferufe von dem, was einmal nicht mehr sein würde, und suchende Fragen von dem, was noch nicht war. Sehnsüchte, bekannte, verabschiedeten sich, unbekannte tanzten heran, lockend, fremd.
Vieles erlebte LiYu, was hier nicht gesagt werden darf und kann, und ihr schauderte. Noch während sie im Erleben versunken und ihrer selbst unbewusst war, verstand sie die Zeit. Sie MUSSTE ja vollkommen durcheinander geraten sein bei all dem! Wie nur konnte sie helfen? Vorsichtig griffen die Farben in ihren Verstand. Wollte sie dies? Wollte sie beitragen, die Zeit zu be-frieden, Ruhe zu bringen in eine Unruhe, deren Ausmass noch nicht abzuschätzen war?
“Ja!“
Spontan und ohne Überlegung rauchte diese Antwort in LiYu auf. Ein Ja war geboren und wollte leben.
Denn auch Worte sind, wie Gedanken oder Absichten, Wesen, die es zu hüten gilt.
Also:“ „Ja.“ -
Die Farben zögerten noch. „Ja? Wirklich? Ein Preis wird bezahlt werden müssen.“ -
„Welcher?“ -
„Das Nicht-Sein“ (die Farben waren nunmehr ein Hauch).........
„????“ -
„Es kann nicht erklärt werden. Du wirst nicht sterben. Du wirst nicht sein. Es ist ein wenig wie Sterben, nur schöner, um ein Vielfaches schöner.“
Und ein Hauch von Glück überkam LiYu, ein tiefes Sehnen.
„Ja!“.

Da, endlich, griffen die Farben. Sie durchzogen Verstand, Adern und Herz, veränderten Nervenstränge, die sanft rosa Färbung des Schwanzes wurde zum innigen Perlmutt. Veränderte Fähigkeiten wurden als Schutz geschaffen Und eine tiefe Liebe tröstete LiYu während all dem.

Als sie wieder erwachte, lag sie ein wenig entfernt von der Alten in einer grossen alten Muschel, deren Inneres ebenso schimmerte, wie ihr Schwanz es jetzt tat. Sie fühlte sich seltsam....eine neue Kräftigkeit war in sie eingezogen, etwas Unbeugsames, Unbiegsames. Noch wusste sie es nicht, aber „Fliessen“ war ihr nicht mehr gegeben. Sie würde von nun an Schwimmen. Dafür hatte sie eine Kraft gewonnen, wie sie das Kleine Volk nur selten hat. Und die sie haben, müssen allein sein.

Da schwamm LiYu fort, fand einen Wasserfall, der in der Sonne glitzerte wie die Muschel, die sie einst geborgen hatte, dahinter einen Felsen, der eine Höhle barg. In die zog sich LiYu zurück. Und immer, wenn sie nun Fragen hatte, geschah etwas für sie wundersam Erstaunliches: Sie schlief ein. Und im Schlaf wanderte sie durch fremde Welten, redete mit ihr fremden Wesen in deren Sprache. Und so erfuhr sie vieles. Was ein Geschöpf ihr erzählte, konnte zum Rat werden für ein anderes. Was eines wusste, gelernt, erfahren hatte, konnte zur Hilfe werden, zur Rettung für ein anderes.
So griff sie ein in die Zeit, beruhigte, schützte im Innern der Zeit. So half sie.
Wurde LiYu wach, wusste sie, in der Regel, von all dem nichts mehr. Nur manchmal blieb ein Gefühl zurück in ihr, ein Raunen, eine leise Seligkeit, eine fremde Frage, die ihr verriet, das etwas Wesentliches sich ereignet hatte, von dem sie nichts mehr wusste, in dem sie aber eine Rolle gespielt hatte. Manchmal dachte sie, ihr Schlaf würde häufiger. Manchmal glaubte sie, im Spiegel der Wasser ein neues Irisieren der Haare wahrzunehmen. Sie liess es sein, wie es wollte.

Das alles geschah vor langer Zeit, da waren meine Urgrossmütter noch lange nicht geboren.
Es gibt aber in den Bergen, hinter einem Wasserfall, einen Felsen, den nennen die Menschen, die dort leben: die schlafende Nixe.
Es geht die Sage um, dass, wer in Not ist, und es wagt, eine Nacht auf diesem Fels zu verbringen, Hilfe bekommt im Schlaf.

Aber mir wurde keine Antwort gegeben, auf meine Frage, warum der Fels den Namen „Die schlafende Nixe“ trägt.
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Du hat zum Thema: Für Skybird, als Geschenk geschrieben
skybird
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
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BeitragVerfasst am: 04.08.2008, 08:55    Titel: Re: Für Skybird, als Geschenk Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Dein Geschenk, liebe Du, ist angekommen, wurde ausgedruckt und bereichert mein Leben. Noch steht die Trauer im Vordergrund, dass Du uns "verlassen" hast. Eines Tages wird sie von der Freude eingeholt werden, dass wir überhaupt in Kontakt waren (sind) und immer sein werden, egal wo wir uns befinden!

Ich danke Dir.

Skybird "...die Kraft der eigenen Schwingen entdeckt..." Weinen Smilie
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skybird hat zum Thema: Re: Für Skybird, als Geschenk geschrieben
Du
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Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
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BeitragVerfasst am: 04.08.2008, 12:48    Titel: Re: Für Skybird, als Geschenk Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Jetzt gehe ich........
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Du hat zum Thema: Re: Für Skybird, als Geschenk geschrieben
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Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
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BeitragVerfasst am: 04.08.2008, 12:48    Titel: Re: Für Skybird, als Geschenk Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Jetzt gehe ich........
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Du hat zum Thema: Re: Für Skybird, als Geschenk geschrieben

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