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20 Jahre Alkohol-Meine Mutter

 
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Schattenbiest
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Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.07.2008
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 19.07.2008, 11:39    Titel: 20 Jahre Alkohol-Meine Mutter Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo.
Ich werde mich und das Problem meiner Mutter jetzt mal hier vorstellen.
Ich weiß zwar nicht, wo ich anfangen soll, aber ich schreibe einfach mal drauf los . Winken

Also, wie schon in der Überschrift beschrieben, geht es um meine Mutter, sie trinkt seit ca. 20 Jahren. Ich bin jetzt 24 Jahre alt und weiß schon lange davon.
Es ist so, dass kein Alkohol im Haus vor ihr sicher ist. Sobald mein Vater am Abend nicht da ist (Tischtennis, Schützenverein, auf der Jagd) fängt sie an zu trinken. (meist Wein, aber auch was sonst noch da ist)
Es ist auch schon so, dass sie zittrige Hände hat, wenn sie nicht trinkt. Da meine Eltern einen Hofladen haben, hält sie sich am Tag damit zurück, damit die Kundschaft nichts merkt.
Einen genauen Grund, warum die das Trinken bekann kann ich erahnen. Und zwar war es so, dass sie damals, wo sie 19 war auf den Hof meiner großeltern kam und meinen Vater heiraten musste, weil sie schwanger war. (Mit meiner großen Schwester, 40 Jahre alt).
Und meine oma (Ihre Schwiegermutter) hat ihr das Leben nicht leicht gemacht, sie hat meine Mutter immer bevormundet und kontrolliert. Und somit hatte meine Mutter kein einfaches Leben auf dem Hof. Dazu kam dann noch, dass ihre Eltern relativ früh und unerwartet gestorben sind.
Also kurz gesagt, sie hatte kein leichtes Leben.
Meine zweite Schwester kam dann 5 Jahre nach der Ältesten zur Welt und erst 11 Jahre später kam ich und alle hatten die Hoffnung, dass ich der langersehnte "Stammhalter" für den Hof bin, aber es wurde wieder eine Tochter.
In meiner Jugend hatte ich viele Auseinandersetzungen mit meiner Mutter, ich habe nie ein Blatt vor den Mund genommen und sie immer wieder mit dem Alkohol konfrontiert (alle Flaschen auf den Tisch gestellt, Flaschen gegen die Wand geworfen, Ihr Briefe geschrieben, in denen Stand, dass ich angst um sie habe...)
Es war nämlich immer ein groooßes Tabuthema, jeder weiß es, keiner sagt was...
Natürlich hat nichts etwas gebracht!
So, vor kurzem saß ich bei meinen Eltern mit am Mittagstisch, da kam meine Schwester (die Älteste) rein und sagte: "So Mama, ich kan das jetzt nicht mehr ertragen, ich halte das mit deiner Alkoholsucht nicht mehr aus!!"
(Ich muss dazu sagen, dass meine Schwester mit ihren beiden Töchtern genau nebenan auf dem hof wohnen)
Die zu erwartene Reaktion war, dass sie rausrannt, mein Vater fing an, meine Schwester fürchterlich an zu schreien! Und mir liefen nur wortlos die Tränen das Gesicht runter!
Ich bin dann meiner Mutter nachgegangen und habe ihr gesagt, dass das, was meine Schwester gesagt hat nicht böse gemeint war, wir wollen ihr lediglich die Hand reichen und unsere Hilfe anbieten! Ich habe gesagt, dass keiner böse auf sie ist, sondern, dass wir alle wissen, dass sie eine Krankheit hat und dem hilflos ausgeliefert ist.
Sie hat sich dann erstmal beruhigt und ich habe später nochmal mit ihr gesprochen. Sie hat verstanden und auch gesagt, dass sie ein Problem mit dem Alk hat und war einverstanden, dass wir alle mal schauen, was man für sie tun kann, bzw., was sie tun kann um den Teufelskreis zu durchbrechen!
Ich werde jetzt mal ein paar Kliniken anrufen, um mir Infoblätter zuschicken zu lassen.
Wenn sie bereit ist, dann gehe ich auch mit ihr zum Hausarzt!

Soviel zu meiner Mutter.
Nun kommen wir zu mir: Lachen
Klar wäre es am einfachsten mich von ihr zu lösen, aber ich habe Agoraphobie und bin ziemlich auf ihre Hilfe angewiesen. (Einkaufen, Arztbsuche, Ämter)
Und das macht die Situation nicht leichter!

LG,
Schattenbiest
Cool
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Schattenbiest hat zum Thema: 20 Jahre Alkohol-Meine Mutter geschrieben
summerdream
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.02.2007
Beiträge: 6712

BeitragVerfasst am: 23.07.2008, 09:44    Titel: Re: 20 Jahre Alkohol-Meine Mutter Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo schattenbiest

erstmal ein herzliches willkommen hier im "kinderbereich" Lachen

soooo viel haste von dir selbst gar nicht geschrieben Traurig musste ehrlich gesagt erstmal bei wiki nachlesen, was agoraphobie is Verlegen bist du eigentlich deswegen in therapie? oder hast du nur deine mutter wo dir hilft?

ich hab den eindruck du findest für deine mutter viele entschuldigungen, also für ihr trinken - ganz so als wäre sie dem allen hilflos ausgesetzt. dem ist aber in meinen augen nicht so, hilfsangebote für sie liegen regelrecht auf der straße, sie muss sie nur in anspruch nehmen! und das es diese gibt, das weiß sie bestimmt. der erste weg wäre in meinen augen zum hausarzt, wenn sie möchte das du mitgehst kannst du das, aber nur wenn ihr das beide so wollt!

meine mutter war vor zwei jahren auf langzeittherapie fort. sie wurde damals von ihrer hausärztin ins kh zur entgiftung überwiesen, ein zuständiger vom blauen kreuz kam einige male, hat den antrag ausgefüllt und was man alles so braucht, bei der krankenkasse, klinik hab ich mehrmals angerufen. es hat sich also jeder um sie gekümmert, nur sie nicht. klar könnt ich etz auch sagen, vielleicht wäre es genauso gelaufen wenn sie sich selber darum hätte bemühen müssen auf therapie zu kommen - nur bezweifle ich das sie überhaupt gegangen wär, wenn wir sie nicht gedrängt und alles für sie übernommen hätten.
was ich sagen will, ich bin der meinung die "hauptarbeit" um etwas gegen die krankheit zu tun, sollte vom alkoholiker ausgehn, nicht von uns angehörigen, schon dreimal nicht von uns kindern. wenn sie was gegen ihre sucht unternehmen wollen, dann können sie das - da bin ich mir ganz sicher!

wie geht es dir denn mit dem ganzen??? is doch bestimmt nicht einfach für dich, dir werden doch schätz ich mal einige gefühle durch den kopf gehn, wohl eher nicht so schöne Traurig irgendwie hab ich beim lesen den eindruck das du dich verantwortlich fühlst für deine mutter oder täusch ich mich da?

liebe grüße -Dani-
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summerdream hat zum Thema: Re: 20 Jahre Alkohol-Meine Mutter geschrieben
Schattenbiest
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.07.2008
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 01.08.2008, 15:11    Titel: Re: 20 Jahre Alkohol-Meine Mutter Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Dani!
Erstmal vielen Dank für Deine Antwort!
Wegen meiner Angststörung war ich bereit 2x Stationär in Behandlung und werde dieses Jahr wieder für 6 Wochen zur Kur fahren. Mit dem Thema bin ich schon ziemlich weit und guter Hoffnung, dass ich es diesmal sehr gut in den Griff bekomme!
Das mit den Gründen, warum meine mutter trinkt sehe ich ähnlich. Sie sucht nur immer diese Ausreden, um zu rechtfertigen warum sie trinkt!
Ich werde meinem Vater nahelegen einmal zu seinem Hausarzt zu gehen und sich beraten zu lassen, was er als Ehepartner für seine Frau tun kann. Er sagte vor kurzem zu mir dass wir 3 Kinder doch etwas für sie tun sollen, ihr helfen sollen. Aber da ist mir bewusst geworden, dass das gar nicht unsere Aufgabe ist. ER hat sie geheiratet, ER ist mit ihr seit 40 Jahren zusammen, ER lebt mit ihr unter einem Dach, es ist SEIN Geld welches sie versäuft!

Wie geht es Deiner Mutter denn jetzt?
Und weißt du, ob es in etwa eine Durchschnittszeit der Entgiftung gibt?
Gibt es Kliniken in denen Entgiftet und Therapiert wird?

Wie es mir mit dieser Situation geht ist schwer zu sagen.
Es ist recht wechselhaft. Mal denke/behaupte/fühle ich, dass ich da drüber stehe und es mir nichts ausmacht. Aber meistens bin ich einfach nur genervt davon!
Mich nervt es so, dass sie ihr Leben so wegwirft und demnach auch das Leben ihrer 5 Enkel verpasst und wie ich festgestellt habe auch immer mehr geistig abbaut! Sie wird immer, wie soll ich sagen...Blöder!
Und mir stellen sich die Nackenhaare auf, wenn ich dieses ganze Selbstmitleid von ihr erlebe.
Und wie sehr sie meinen Vater fertig macht!
In erster Linie würde ich meine Gefühle als Ärger, Wut, Enttäuschung bezeichnen.
Die Enttäuschung kommt daher dass ich als Kind auf viele Emotionale Sachen verzichten musste, Liebe, Mitgefühl, Verständnis, Fürsorge.
Und nun hat sie einen Hund, welcher all diese Dinge im Übermaß erhält! Mag sich seltsam anhören, aber es tut sehr weh das zu sehen!

Manchmal fühle ich mich schon ein stück mitverantwortlich für ihre Situation, aber ich weiß dass es nicht nötig ist. Ich habe mein Laster mit der Angst zu tragen, was ein Überbleibsel aus meiner unerfüllten Kindheit ist und da wäre es ziemlich unsinnig mir auch noch ihren "Hinkelstein" auf den Rücken zu schnallen!
Aber dennoch steht man als Angehöriger meist ziemlich hilflos da.
Ich mag es zum Beispiel überhaupt nicht, wenn sie mich betrunken anruft, ich erkenne das natürlich sofort an ihrer Stimmlage. Sie ruft mich dann an, um mir etwas nettes mitzuteilen:"Schau mal auf RTL, da läuft gerade ein bericht, der dich interessieren könnte" Oder sie fragt, wie es mir geht. Wenn sie nüchtern ist tut sie sowas nicht, warscheinlich, weil sie das nur kann, wenn sie was getrunken hat.
Und da bin ich im Zwiespalt. Einerseits möchte ich, dass sich meine Mutter für mich interessiert, andererseits möchte ich nicht, dass sie mich anruft, wenn sie etwas getrunken hat!

Liebe Grüße,
Wiebke
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Schattenbiest hat zum Thema: Re: 20 Jahre Alkohol-Meine Mutter geschrieben
summerdream
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.02.2007
Beiträge: 6712

BeitragVerfasst am: 10.08.2008, 12:49    Titel: Re: 20 Jahre Alkohol-Meine Mutter Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hi wiebke

Zitat:
Er sagte vor kurzem zu mir dass wir 3 Kinder doch etwas für sie tun sollen, ihr helfen sollen.

Geschockt Geschockt Geschockt
ähm... ja - das hört sich schön nach verantwortung abwälzen an, is ja so auch viel angenehmer für ihn Sehr böse aber weder du noch er tragt verantwortung für deine mutter, ihr könnt ihr nicht helfen - dafür isse ganz allein zuständig.
wenn dein vater sich aber hilfe suchen möchte is natürlich gut, vielleicht könntet ihr das auch zusammen angehn. suchtberatung, reale angehörigen-shg, möglichkeiten gibt es. weiß jetzt aber auch nicht wie gut du mit deinem vater auskommst.

deine gefühle sind vollkommen normal, wer wünscht sich keine mutter, die für einen da ist? ich kann deine eifersucht auf den hund verstehen (zumindest würd ichs mal so nennen), bei mir wars kein tier sondern eher der unterschiedliche umgang meiner mutter uns kindern gegenüber. meine schwester war schatzi, mausi und weiß der geier alles - mich hat meine mutter noch nie so genannt Traurig wenn ich dann mal zu meiner family bin und meine mutter mit meiner schwester telefonierte, das hat mir oft ganz schön nen stich versetzt.

Zitat:
Wie geht es Deiner Mutter denn jetzt?

schlecht würde ich mal sagen, aber das ist ihre entscheidung.

Zitat:
Und weißt du, ob es in etwa eine Durchschnittszeit der Entgiftung gibt?

in der regel 7-14 tage, liegt auch mit an der krankenkasse, is bei vielen unterschiedlich.

Zitat:
Gibt es Kliniken in denen Entgiftet und Therapiert wird?

keine ahnung, ich weiß nur das es therapiekliniken gibt wo mit entgiftungsstationen zusammenarbeiten. aber beides gleichzeitig? is aber in meinen augen das geringste problem.

Zitat:
Mit dem Thema bin ich schon ziemlich weit und guter Hoffnung, dass ich es diesmal sehr gut in den Griff bekomme!

wow, das hört sich klasse an! ich wünsch dir das sich deine hoffnung erfüllt!

laß doch mal wieder von dir hören, gibts was neues bei dir?

liebe grüße -Dani-
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summerdream hat zum Thema: Re: 20 Jahre Alkohol-Meine Mutter geschrieben
Feelein
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 12.08.2008
Beiträge: 77

BeitragVerfasst am: 13.08.2008, 12:22    Titel: Re: 20 Jahre Alkohol-Meine Mutter Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Schattenbiest,

Deine Geschichte ist meiner ganz ähnlich, auch ich höre von meiner Mutter - wenn sie getrunken hat - immer, "verflucht sei der Tag, an dem du geboren wurdest", "hätte ich dich doch bloß nie bekommen", usw..

Raten kann ich Dir leider auch nicht wirklich was, aber mach Dir bewusst, dass Du nicht Schuld daran bist, dass Deine Mutter Dich und Deine Schwestern geboren hat.
Man gibt sich gerne selbst die schuld - das kenne ich so jedenfalls von mir und ich vermute, dass Du auch schon solche Momente hattest. Weil man einfach eine Erklärung möchte, auch wenn es nichts hilft, denkt man doch, dass es leichter ist, wenn man einen Grund weiß.

Liebe Grüße
Feelein
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Feelein hat zum Thema: Re: 20 Jahre Alkohol-Meine Mutter geschrieben

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