| Rückfall gehört zu uns - ist das nicht ein Alibi? • Alkoholismus am Arbeitsplatz |
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Iv395 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.08.2006 Beiträge: 37 Wohnort: Halle
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Verfasst am: 09.07.2008, 11:54 Titel: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf |
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Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf
Ich habe gestern 1 1/2 Stunde geschrieben und als ich den ganzen Text losschicken wollte, kam die Nachricht ich wäre nicht berechtig und solle mich einloggen. Hab ich zwar nicht verstanden, da ich schon eingeloggt hatte, doch ich bin der Anweisung gefolgt. Mit dem Ergebnis, mein ganzer Text war weg. Also auf ein Neues.
Ich möchte von meiner ersten Woche zu Haus nach der Langzeittherapie berichten.
Die letzten 3 Monate lebte ich unter einer „Käseglocke“. Behütet von den Therapeuten und es war immer jemand zum Reden da. Ich habe in dieser Zeit angefangen zu schreiben. Ca. täglich 2 bis 3 Stunden. War nicht geplant, ist einfach so passiert. Das Wunderbare daran, ich konnte, das durch den Alkohol und meine Depressionen verursachte Chaos in meinem Kopf aufräumen. Hat zwar auch fast 3 Monate gedauert. Denn zu meiner Entgiftung war ich vor Ort auch schon 5 Wochen in einer psychiatrischen Klinik. Ich hatte solche Angst, dass es ohne mich auf Arbeit nichts mehr weitergeht . Meine Schuldgefühle erdrückten mich fast. Ich hatte mich bereits aufgegeben. Ich sah aus meinen vielen Problemen zur damaligen Zeitpunkt keine Auswege mehr.
Durch das Schreiben konnte ich Gegenwart und Vergangenes für mich aufarbeiten. Ich konnte nun mit klarem Kopf und ungetrübten Augen, wie auf mich selbst sehen. Die Erkenntnisse waren furchtbar. Doch das, was ich aus der Langzeittherapie für mich mitnehmen konnte und was ich über mich selbst wieder herausgefunden habe und unbeschreiblich.
Der Weg war nicht einfach. Eine Achterbahn der Gefühle und ich habe viele Tränen vergossen. Doch das war es wert. Auch wenn ich das am Anfang noch nicht sehen konnte.
Durch Stressbewältigung am Arbeitsplatz, Selbstsicherheitstraining, 4 Gruppentherapien und ein wöchentliches Einzelgespräch bin ich behutsam an alles herangeführt worden. Ich war selbst erstaunt, was noch alles möglich ist.
Ich habe jetzt noch Urlaub und nutze die Tage. Gehe viel raus und habe gestern meinen Fitnesskurs begonnen mit Nutzung der Schwimmhalle. Da habe ich gestern 5 Stunden zugebracht. Durch die Wassergymnastik in der Klinik habe ich schon eine gute Kondition aufgebaut. War selbst erstaunt. Kein Muskelkater heute.
Doch das Alleinsein wieder zu Haus ist nicht so einfach. Mein Sohn lebt zwar noch bei mir, doch durch seine Schichten sehen wir uns sehr selten. In den letzten Jahren habe ich mich von allem sehr zurückgezogen. Auch von meiner Familie. Ich wollte keinen mit meinen Problemen belasten und hab mich immer tiefer in den Sumpf reingezogen.
Ich habe zwei Leben gelebt. Das eine auf Arbeit . Immer freundlich, immer mit einer Maske auf dem Gesicht. Überstunden bis zum Umfallen. Hat ja keiner zu Hause gewartet. Meine Arbeit war mein einziger Lebensinhalt. Wenn ich zu Hause war und die Wohnungstür hinter mir zu machte, war ich ausgepowert. Wollte nur noch alles vergessen und wenigstens mal 2 Stunden schlafen (hatte 10 Jahre Schlafstörungen). Um abschalten zu können, half mir damals nur eins. Mein „Freund, der Alkohol“.
Auch jetzt denke ich noch immer an ihn. Aber seit dem 6.3.2008 bin ich trocken und habe bisher allen Versuchungen wiederstanden.
Das es ohne mich auf Arbeit nicht geht, den Zahn musste ich mir ziehen lassen. Aber meine Kollegen haben bemerkt, dass mein Arbeitsgebiet für einen allein nicht zu schaffen ist.
Gestern hatte ich eine Situation, da wurde ich doch wankelmütig. Ich hatte mich schon gewundert, dass sich meine Tochter über Tage nicht gemeldet hat. Sie lebt seit 4 Jahren in USA. Als ich eine Mail an sie absandte, worin ich schon besorgt nachfragte, melde sie sie sich. Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht. Sie lag im Krankenhaus. Blut im Bauchraum. Sie hat tierische Schmerzen gehabt. Hat mit Absicht alles von mir ferngehalten. Es geht ihr immer noch nicht so besonders und ich kann ihr nicht helfen. Das wäre für mich früher eine typische Situation gewesen, um zu trinken. „Dann wäre alles nicht so schlimm gewesen.“ Den Selbstbetrug habe ich nun endlich erkannt. Hinterher war alles noch viel schlimmer.
Ich möchte einfach klar sein, wenn ich mit ihr rede und auch am nächsten Tag noch alles wissen, was sie mir erzählt hat.
Ich weiß auch nicht, wenn ich erst mal anfange zu schreiben, kann ich immer nicht damit aufhören. Doch für den Anfang will ich es erst mal belassen.
Ich freue mich über Eure Meinungen und Anmerkungen.
Einen schönen Tag wünscht Euch Iv |
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| Iv395 hat zum Thema: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf geschrieben
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kommal sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 24.06.2007 Beiträge: 6388 Alter: 53 Wohnort: Niederrhein
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Verfasst am: 09.07.2008, 12:44 Titel: Re: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf |
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Hallo Iv,
| Zitat: | | Ich habe zwei Leben gelebt. Das eine auf Arbeit . Immer freundlich, immer mit einer Maske auf dem Gesicht. Überstunden bis zum Umfallen. Hat ja keiner zu Hause gewartet. Meine Arbeit war mein einziger Lebensinhalt. Wenn ich zu Hause war und die Wohnungstür hinter mir zu machte, war ich ausgepowert. Wollte nur noch alles vergessen |
Eine treffliche Beschreibung MEINER Situation vor mehr als zwei Jahren. Einiges habe ich seitdem ändern können.
Wie sieht´s bei Dir aus?
LG kommal |
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| kommal hat zum Thema: Re: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf geschrieben
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Iv395 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.08.2006 Beiträge: 37 Wohnort: Halle
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Verfasst am: 09.07.2008, 12:57 Titel: Re: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf |
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Hallo kommal,
im Moment habe ich noch Urlaub. Wollte zwar gleich wieder voll einsteigen, doch durch Mitpatienten, mit denen ich noch in Kontakt stehe, haben mir aus eigener Erfahrung abgeraten. Sie haben schon nach wenigen Tagen schlapp gemacht und mussten zu Haus bleiben.
Ich versuche erstmal für mich einen Tagesrhythmus zu finden. Ich hatte ja keinen mehr. Die Wochenenden früher, fanden berauscht auf meinem Sofa statt. Ich ging nicht mehr aus dem Haus. Sollte mich ja keiner so sehen.
Heute gehe ich das erste mal zur ambulanten Nachsorge in eine SHG. In der Langzeittherapie war ich in einer sehr guten Gruppe. Die vielen Gespräche haben mir dort viel gebracht.
Ich taste mich langsam wieder ins normale Leben. Ich bin da eher zurückhaltend, denn allzugroße Euphorien können auch gefährlich sein. Ich geh´s langsam an. Und ich glaub, dass es so funktionieren kann. Ich will mich nicht gleich wieder überfordern. Ich weiss jetzt, was auch dann passieren kann.
Ich schau mal, was ich alles so über Dich finde, damit ich auch etwas über Dich erfahre.
Also bis bald
Iv |
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| Iv395 hat zum Thema: Re: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf geschrieben
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andreas57 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.03.2008 Beiträge: 203 Alter: 55 Wohnort: niederösterreich
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Verfasst am: 09.07.2008, 14:23 Titel: Re: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf |
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Servus Iv395 !
Willkommen hier im Forum!
Du schreibst:
| Zitat: | | Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf |
Was war dein 1. Anlauf und was ist dabei passiert?
Vielleicht magst du darüber schreiben?
Deinen 2. Anlauf hast du ja schon professionell mit einer LZT begonnen und viele Erkenntnisse gewonnen. Du bist auf dem richtigen Weg gehe ihn unbeirrt weiter! Hier im Forum kannst du viele Wege in eine zufriedene Nüchternheit verfolgen und das für dich passende annehmen und umsetzen.
Das Belohnungs- und Befreiungstrinken um abschalten oder Probleme vergessen zu können habe auch ich praktiziert, doch am Ende meiner nassen Zeit hat das nicht mehr funktioniert. Der gewünschte Zustand der Leichtigkeit hat sich nicht mehr eingestellt ich wurde gleich betrunken. Das ging so weiter bis zu meinem persönlichen Tiefpunkt an dem ich endlich kapitulieren durfte und mir die Machtlosigkeit dem Alkohol gegenüber eingestehen konnte. Seit diesem Zeitpunkt geht es bergauf und ich bin dankbar für alle Hinweise und Ratschläge die ich hier und in meiner realen SHG bekommen habe.
Eine persönliche Situation die mich nach 1 1/2jähriger Trockenheit doch wieder ganz schön aus dem Gleichgewicht gebracht hat hatte ich auch(kannst du in meinem Thread: Eine Bewährungsprobe - nachlesen).
Wie war das erste Mal in der SHG?
Würde mich freuen bald von dir etwas zu hören!
LG
Andreas |
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| andreas57 hat zum Thema: Re: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf geschrieben
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Sabine M aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 13.02.2008 Beiträge: 543 Alter: 49 Wohnort: Mainz
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Verfasst am: 09.07.2008, 18:53 Titel: Re: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf |
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Hallo Iv.
Auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.
Würde mich auch interessieren, wie Dein 1. Versuch war.
Hast Du schon eine reale SHG in Deiner Gegend?
LG Sabine |
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| Sabine M hat zum Thema: Re: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf geschrieben
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kommal sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 24.06.2007 Beiträge: 6388 Alter: 53 Wohnort: Niederrhein
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Verfasst am: 09.07.2008, 21:27 Titel: Re: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf |
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Hallo Iv,
| Zitat: | | Heute gehe ich das erste mal zur ambulanten Nachsorge |
Das war eine ganz wichtige Gruppe für mich. Dort habe ich wichtige Impulse bekommen: Die "Vorgruppe" für kommaline und mich.
| Zitat: | | Ich taste mich langsam wieder ins normale Leben. |
Ich hatte noch zwei Wochen Urlaub nach der LZT. Das war gut so. Alltag schnuppern. Die wichtigsten Entscheidungen bzgl. Arbeit waren da schon in der "Mache".
Auch bei der Rückkehr ist erst mal "ankommen" angesagt.
Da wünsche ich Dir eine sanfte Landung.
LG kommal |
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| kommal hat zum Thema: Re: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf geschrieben
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Iv395 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.08.2006 Beiträge: 37 Wohnort: Halle
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Verfasst am: 09.07.2008, 22:20 Titel: Re: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf |
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Hallo Sabine, Andreas und kommal,
danke für Euer Interesse und guten Hinweise.
Ja das erste Mal, dass ich mich hier im Forum meldete ist fast 2 Jahre her. Fadenscheinig, aus meiner Sicht heute, habe ich um Hilfe gebeten. Aber nichts Richtiges unternommen. Ich hab mich noch 2 Jahre selbst betrogen. Wie sehr, hab ich aber erst in der Klinik bemerkt. Psychisch und physisch war ich Anfang März dieses Jahres ein Wrack. Ich sah dann audch so aus. Ich konnte mich selbst nicht mehr leiden. Der Akkohol hat in den letzten beiden Jahren ganze Arbeit geleistet und ich hab mir dabei zugesehen. Meine Familie hat mich aufgefangen, sonst könnte ich heute nicht mehr über mich berichten. Ich bin froh, wieder ins reale Leben zurückgekommen zu sein. Meine Probleme sind immer da. Doch aus meiner heutigen Sicht, sieht es nicht mehr so schlimm, wie vor Monaten aus. Es wird alles langsam gehen. Egal. Irgendwie krieg ich das schon hin. Ich hoffe, mein Optimismus bleibt.
Liebe Grüße
Iv |
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| Iv395 hat zum Thema: Re: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf geschrieben
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Katharine Gast
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Verfasst am: 09.07.2008, 22:35 Titel: Re: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf |
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hallo iv,
schön, dass du die LZT durchgezogen hast. aber mach jetzt nicht den gleichen fehler wie ich letztes jahr, in einer scheinbaren stabilität alles schleifen zu lassen. jetzt gehts erst richtig los. gut, dass du gleich den weg hierher gefunden hast.
ich wünsche dir erstmal viel kraft, nicht nur die hoffnung auf bleibenden optimismus.
lg. kat |
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| Katharine hat zum Thema: Re: Mein 2. aber diesmal ehrlicher Anlauf geschrieben
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