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cassandra711
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 08.07.2008
Beiträge: 10

BeitragVerfasst am: 08.07.2008, 20:03    Titel: Neu hier und ratlos Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,
seit dem Wochenende kann ich einfach fast keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich habe hin und her überlegt, mit wem ich denn reden könnte. Warum habe ich nicht gleich an das nächstliegende, ein Forum wie dieses, gedacht? Ich weiß es nicht. Doch ich weiß, daß es hier Leute gibt, die die gleichen oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wie ich und die mir vielleicht einen Rat geben können, was ich tun soll.
Zu meiner Geschichte:
Ich bin eine betroffene Tochter. Das Thema Alkohol verfolgt mich seit ca. 30 Jahren (genau kann ich es nicht sagen, habe wohl einige Ereignisse irgendwie ausgeblendet). Ein Bild werde ich nie loswerden und zwar das, als mein Vater meine Mutter, weil sie besoffen war, an ihren Händen aus dem Wohnzimmer in`s Schlafzimmer gezogen hat. Ich weiß nicht genau, wie alt ich damals gewesen bin, vielleicht 10 oder so, evtl. auch etwas jünger. Über das Thema wurde jedoch nie gesprochen, auch mit der anderen Familie nicht, so unter dem Motto, was hier vorgeht, geht keinen Außenstehenden was an. Das war für mich als Kind schon sehr belastend und die ganzen Ereignisse in meiner Kindheit haben mein Leben geprägt. Ich kann nicht sagen, daß meine Mutter immer getrunken hat, es gab auch Zeiten (auch mehrere Jahre), da war alles in Ordnung. Durch die Erlebnisse in meiner Kindheit hat auch das Verhältnis zu meiner Mutter sehr gelitten und auch meine Gefühle für sie. Wie gesagt, ging es auch einige Jahre gut. Als dann mein Vater vor 18 Jahren gestorben ist, war dann wieder eine sehr schlimme Phase. Zu diesem Zeitpunkt wohnte ich nicht zuhause, sondern ca. 70 km entfernt, bekam also alles nicht hautnah mit. Ich war dann auch mal zuhause, wurde mit all dem alleine nicht fertig und habe mich dann auch meinen Großeltern und meiner Tante anvertraut. Eine richtige Hilfe hatte ich in ihnen auch nicht. Und irgendwann ging die Phase vorbei. Irgendwann zog ich dann aus beruflichen Gründen wieder nach Hause (jedoch in eine eigene Wohnung), wo ich immer noch wohne, was sich jetzt auch als Problem darstellt. Es gab immer wieder solche Saufphasen, die ich irgendwie durchgestanden haben, alleine.
Oft hatte ich den Eindruck, daß sie wieder getrunken hatte, doch ich wollte sie nicht unberechtigt verdächtigen, dachte, ich bilde mir das alles nur ein, sehe Gespenster. Doch leider hat mich mein Gefühl nie getrogen.
Was ich eben hinsichtlich der Gefühle für meine Mutter angesprochen habe, will ich jetzt noch ein bißchen deutlicher sagen. Ich weiß, daß mich hier in diesem Forum niemand deswegen verurteilen wird. Wir haben uns eigentlich in den letzten Jahren gut verstanden, kamen gut miteinander aus, das Zusammenleben funktionierte. Aber, ich kann für meine Mutter einfach keine Liebe empfinden, sie ist mir irgendwie gleichgültig. Und wenn ich, wie man das manchmal tut, so "Träumereien" von der Zukunft spinnt, so kommt sie darin nicht vor.

Ich war auch in diesem Jahr schon in einer Psychotherapie, in der natürlich auch dieses Thema, was wohl einen Großteil meiner Probleme ausmachte, sehr ausführlich besprochen wurde. Doch man kann nur lernen, mit der Vergangenheit zu leben und sie nicht unbedingt das Heute und die Zukunft bestimmen zu lassen. Die Therapie hat mir echt gut getan und mir ging es auch eigentlich ganz gut.

Der Anlaß, warum ich jetzt diesen Weg suche, könnt Ihr Euch sicher denken. Am letzten Donnerstag kam ich von der Arbeit nach Hause, meine Mutter fühlte sich nicht wohl, was ja auch mal vorkommen kann. Hier habe ich mir noch nichts gedacht und auch keinen Verdacht geschöpft, auch nicht am Freitag, als es ihr immer noch nicht besser ging. Doch man kann ja auch mal eine Magen-Darm-Sache haben, oder? Da sie eigentlich nur im Bett gelegen hat, habe ich auch keine Ausfallerscheinungen bemerkt und ich war auch nicht so nahe, daß ich etwas gerochen hätte. Irgendwie hört sich das gerade nach einem Rechtfertigungsversuch an, oder? Am Samstag ging es ihr immer noch nicht besser, so daß ich sogar noch den Arzt gerufen habe, der ihr eine Spritze gemacht hat. Vielleicht wollte ich diesen Gedanken nicht haben, doch in meinem Kopf war - wie schon öfters - so ein kleines Gespenst, was mir "zuflüsterte", da stimmt irgendwas nicht. Doch ich wollte das nicht sehen, es war schon so viele Jahre gut gegangen und es gab doch keinen Anlaß. Später an dem besagten Samstag hat sie mich dann nochmal gebeten, zu ihr zu kommen. Als ich kam, sagte sie, sie würde sterben, worauf ich erst mal echt sprachlos war. Dann sagte sie mir, daß sie getrunken habe, sie wüßte nicht warum, es täte ihr leid. Ich war echt wie vor den Kopf geschlagen und hab einfach nur gedacht, soll sie doch ihren Rausch ausschlafen und bin in meine Wohnung. Ich habe es dann noch einige male poltern gehört, bin aber nicht runter. So gegen 0.00 Uhr fing sie dann an, immer wieder meinen Namen zu rufen (unsere Schlafzimmer sind übereinander). Als sie keine Ruhe gab, bin ich runter. Sie sagte, wie würde keine Luft bekommen (hatte aber genug, um immer nach mir zu rufen) und ich solle den Notarzt rufen. Doch hierfür sah ich keine Veranlassung, bin zwar kein Arzt, doch soviel denke ich, konnte ich beurteilen. Nach einer halben Stunde war ich vom erneuten Immer-Wieder-Rufen so genervt, daß ich noch einmal runter bin und sie zusammengeschissen habe. Sie meinte, wenn ich keinen Arzt rufen würde, wäre sie am nächsten Morgen tot. Und ich sagte, dann bist du eben tot. Ich weiß, das klingt schrecklich, kalt und überhaupt. Doch es kam einfach alles wieder hoch. Doch das schlimmste ist, ich hab es nicht nur gesagt, ich hab es mir auch irgendwie gewünscht.
Am Sonntag war sie dann wieder einigermaßen nüchtern, hat sich bei mir entschuldigt und mich angebettelt, nicht auszuziehen (was ich als Drohung im Raum stehengelassen habe). Ein Auszug ist bei mir auch eine finanzielle Frage, da meine Einkünfte nicht gerade hoch sind und ich es mir wirklich überlegen müßte, ob ich mir eine Wohnung leisten kann. Sie hat durch ihre Aktion einfach wieder alles kaputtgemacht, das gute (wenn auch nicht herzliche) Verhältnis zerstört. Ich habe ihr das auch gesagt. Weiß gar nicht, ob ich das vorher schon einmal in so einer Deutlichkeit gesagt habe. Aber, danach ging es mir besser. Gestern habe ich nur kurz ein paar Dinge zu ihr gebracht und bin gegangen, was sie wohl nicht verstehen konnte (ist doch alles wieder gut, oder?). Heute hat sie mich beim Nachhausekommen abgepaßt und mich gefragt, ob ich mal nach ihrem Fernseher gucken könne, der ginge nicht. Einen Moment habe ich echt gezögert, doch dann gesagt, sie müsse dann halt einen Fachmann rufen.
Ich weiß nicht, in welchem Zustand sie ist, ob sie sich was zu trinken besorgt hat. Irgendwie will ich es auch gar nicht wissen.
Doch die ganze Situation belastet mich sehr, auch auf der Arbeit kann ich mich nicht richtig konzentrieren, ich schlafen besch.... Und ich habe echt keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Ich kann nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen, doch was soll ich tun, wie soll ich mich verhalten? Ich bin ratlos. Was würdet Ihr mir raten?
Oh man, eigentlich wollte ich gar nicht soviel schreiben, es ist einfach irgendwie "rausgeflossen", sorry. Verlegen Danke für`s "Zuhören". Sehr glücklich
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cassandra711 hat zum Thema: Neu hier und ratlos geschrieben
Lume
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 18.06.2008
Beiträge: 61
Alter: 25

BeitragVerfasst am: 08.07.2008, 21:04    Titel: Re: Neu hier und ratlos Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo cassandra,
erstmal herzlich willkommen hier im forum!
meine situation war zwar etwas anders, und ich fühle mich auch nicht in der lage, dir einen rat zu geben (du wirst hier sicher einige leute finden, die mehr erfahrung haben und dich besser beraten können). ich möchte dir aber dennoch antworten, da ich das gefühl der gleichgültigkeit oder sogar der grausamkeit gegenüber deiner mutter kenne. meine mutter ist zwar nicht der trinkende elternteil, sondern "nur" der co-abhängige, aber sie ist chronisch krank (rheuma). ich hatte mal eine ganz ähnliche situation, wie die, die du beschreibst: sie hatte einen anfall von schmerzen (oder so etwas) und rief nach mir, ich solle ihr unverzüglich helfen. ihre schmerzen wären soooo groß und sie leide höllisch usw, ich solle ihr medikamente bringen. die konnte ich aber nicht sofort finden, unser medikamentenschrank ist so gut gefüllt wie unordentlich, woraufhin sie dazu überging, mich übelst zu beschimpfen. ähnlich wie du, konnte ich (und kann bis heute) nicht das geringste bisschen mitleid für sie aufbringen, ich hasste sie regelrecht. das hat mich natürlich gleichzeitig auch schockiert. eigentlich erschreckt es mich immernoch ein bisschen, aber ich sage mir dann: ich bin ihr kind, ich habe ihr niemals hass entgegengebracht, bis sie mich verletzt hat, bis sie mich sogar gehasst hat. ich bin kein schlechter mensch, es sind natürliche reaktionen!
du schreibst, du warst in einer psychotherapie, bist du das noch? wenn es dir gut getan hat, denke ich, solltest du das in jedem fall weiterführen.
liebe grüße
lume
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Lume hat zum Thema: Re: Neu hier und ratlos geschrieben
cassandra711
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 08.07.2008
Beiträge: 10

BeitragVerfasst am: 08.07.2008, 21:28    Titel: Re: Neu hier und ratlos Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Lume,
danke für Deine Antwort.
In der Psychotherapie bin ich seit März nicht mehr. Irgendwie wußte ich nicht mehr, was ich meiner Psychotherapeutin erzählen sollte. Es war eigentlich alles gesagt und immer wieder die gleichen Themen wollte ich auch nicht durchkauen. In der Psychotherapie habe ich gelernt, die Dingen auch mit anderen Augen zu sehen. Und ich mußte erkennen, daß Probleme, die ich hatte bzw. habe, wo ich nicht wußte, warum ich sie habe, quasi die Folge meiner bisherigen Erfahrungen, insbesondere auch in meiner Kindheit, sind. Wie sagt man so schön, das Leben hat mich geprägt.
Wie schon gesagt, die Therapie hat mir gut getan, doch dann war der Punkt erreicht, wo es für mich nur noch eine Qual war und ich nur noch aus Pflichtgefühl hingegangen bin.
Zwar habe ich gerade nach den jetzigen Ereignissen daran gedacht, nochmal hinzugehen, doch irgendwie möchte ich auch selbst einen Weg finden. Ach, ich weiß auch nicht, bin irgendwie etwas zerrissen.

Auch wenn Deine Situation nicht identisch ist, so ist sie doch in gewisser Weise vergleichbar. Und ich bin froh, daß es wirklich auch anderen Menschen so geht, daß sie die gleichen Gefühle habe, wie ich. Gefühle, bei denen man sich ein bißchen schuldig fühlt. Seine Mutter soll man doch lieben. Nach der Therapie sind meine Schuldgefühle schon weniger geworden, aber ganz weg sind sie nicht. Doch es ist etwas anderes, ob einem seine Mutter gleichgültig ist oder ob man wünschte, sie wäre tot.
Ja, Du hast schon recht. Ich hasse sie erst bzw. habe diese Gefühle für sie, seit sie mich verletzt hat, durch ihr Handeln und auch mit Worten. Ich denke nicht, daß mich meine Mutter hasst. Doch Liebe kann ich das auch nicht nennen. Wenn sie mich wirklich lieben würde, wie sie behauptet, würde sie mir so etwas nicht antun.
Ich weiß auf jeden Fall, daß zuviel kaputt ist und ich habe das Gefühl, ich müßte einen ganz klaren Schlußstrich ziehen. Ich will mir auf jeden Fall nicht noch einmal mein Leben von ihr kaputtmachen lassen.
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cassandra711 hat zum Thema: Re: Neu hier und ratlos geschrieben
simmie
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.09.2007
Beiträge: 1869

BeitragVerfasst am: 08.07.2008, 22:17    Titel: Re: Neu hier und ratlos Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo cassandra,

als ich noch zuhause gewohnt habe, hatte ich auch nicht die allerbesten gefühle gegenüber meiner mutter. ich glaube, das ist normal, weil einem auch viel zugemutet wird, vom anblick her und zusätzlich noch die verbalen auseinandersetzungen.
seitdem ich von zuhause ausgezogen war, habe ich nie wieder in der nähe meiner mutter gewohnt. ich war wenn, dann immer nur zu besuch. durch die distanz habe ich mein eigenes leben führen können, obwohl ich trotzdem nie die reißleine gekappt habe. was ich damit sagen will, ist, wenn man nicht in irgendeiner form für sich distanz schafft zum alkoholabhängigen elternteil, wird man sehr schnell in sehr ambivalente gefühlslagen verstrickt, und das macht es nicht einfacher sich zu lösen.
wie du schreibst, machst du schritte in die richtung, dich zu distanzieren. du hast keine kraft und energie dich weiterhin so stark auf deine mutter zu konzentrieren. das ist verständlich. warum wurde die therapie für dich zur qual? eigentlich würde die doch eher unterstützend wirken? schuldgefühle können immer wieder auftreten, diese aber auch immer wieder thematisiert werden.
grüße simmie
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simmie hat zum Thema: Re: Neu hier und ratlos geschrieben
cassandra711
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 08.07.2008
Beiträge: 10

BeitragVerfasst am: 09.07.2008, 13:51    Titel: Re: Neu hier und ratlos Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo simmie,
auch Dir danke für Deine Worte.
Warum die Therapie zur Qual wurde? Nun ja, wie schon gesagt, es war über alles gesprochen, nicht nur einmal, sondern mehrfach. Und das alles immer wieder aufzuwärmen, obwohl es mich nicht weitergebracht hat, das war echt nichts für mich. Meine Therapeutin konnte mir zwar neue Sichtweisen und Ratschläge geben, doch letztendlich mußte und muß ich selbst damit fertigwerden. Am Ende war es so, daß wenn ich einen Termin hatte, ich mir den ganzen Tag über schon Gedanken gemacht habe, über was ich mit ihr reden soll. Ich hatte auch das Gefühl, es bringt mich nicht weiter.

Was meine Mutter anbelangt, so habe ich - trotz daß ich zuhause wohne - immer Distanz gewahrt. Wir haben uns eigentlich am Tag höchstens mal 1/2, oder mal 1 Stunde gesehen. War nicht so, daß wir zusammengegluckt haben. Sicher war es nicht so distanziert, wie wenn man nicht zuhause wohnt, und manchmal fühlte ich mich doch etwas eingeengt, doch eigentlich war es ganz in Ordnung, zumal auch in den letzten Jahren eigentlich Ruhe mit der Trinkerei war.
Doch die jetzige Situation macht mich echt etwas fertig. Ich weiß nicht, wie ich wieder zu einen normalen Umfang mit meiner Mutter finden soll. Daß die Gefühle nicht da sind, damit kann ich ja (inzwischen) leben. Doch es ist so, daß ich sie im Moment überhaupt nicht sehen, sprechen oder hören will. Ich frage mich, ob ich überhaupt wieder in der Lage sein werde, mit ihr "normal" umzugehen. Wie soll das gehen? Was soll ich machen?
Wie gesagt, am liebsten würde ich einen Schlußstrich ziehen, denn ich will das nicht weiter mitmachen und immer Angst haben müssen, daß so etwas wieder passiert. Doch das ist alles nicht so einfach.
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cassandra711 hat zum Thema: Re: Neu hier und ratlos geschrieben
Lume
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 18.06.2008
Beiträge: 61
Alter: 25

BeitragVerfasst am: 09.07.2008, 15:00    Titel: Re: Neu hier und ratlos Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo cassandra,
vielleicht hilft es dir weiter, wenn du dir eine neue therapeutin suchst? ich habe meine auch umzugsbedingt gewechselt, und die erfahrung gemacht, dass dadurch ganz neue themen und herausforderungen auf mich zukamen, die mich vielleicht gerade dadurch, dass sie neuartig waren, ein ganzes stück weiter gebracht haben. du kannst aber auch gerade die situation der qual mal bei deiner therapeutin thematisieren, vielleicht hilft dir das ja weiter, und sei es nur als überbrückungsmaßnahme.
es ist bestimmt ein unterschied, ob man seiner mutter gleichgültigkeit entgegen bringt oder ihren tod wünscht. aber ich denke, für ein kind ist beides gleich erschreckend, wenn es gelernt hat, dass man mama liebhaben muss. ich habe mir oft geradezu zwanghaft vorgestellt, meine mutter zu töten, und es hat mich zwar erschreckt, mir aber auch geholfen, meine aggressionen ein stück weit loszuwerden. gleichgültigkeit kann man, glaube ich, nicht so leicht wieder loswerden.
meine mutter sagt auch immer, sie liebe mich so, und ich glaube das auch. aber es kommt auch nicht wirklich auf der gefühlsebene an. dort sehe ich nur immer diesen hasserfüllten gesichtsausdruck, wenn sie mein lieblingsspielzeug kaputtmacht oder den selbstmitleidigen, gereizten ausdruck, wenn ich ihre krankheit nicht genügend würdige. ich denke dann auch, ich sollte unsere beziehung drangeben, und vielleicht wäre das auch konsequent und richtig gewesen. aber ich will es auch nicht: ich will ja eine mutter haben. aber vielleicht ist das eine illusion, und ich habe nie eine mutter in dem sinne gehabt.
tut mir leid, dass ich jetzt mehr nur von mir geredet habe, aber das musste mal raus...
alles gute,
lume
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Lume hat zum Thema: Re: Neu hier und ratlos geschrieben
simmie
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.09.2007
Beiträge: 1869

BeitragVerfasst am: 09.07.2008, 19:59    Titel: Re: Neu hier und ratlos Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo cassandra,

was meinst du eigentlich mit, in den letzten jahren war ruhe mit der trinkerei? hat deine mutter nicht getrunken oder nur weniger oder so, dass es dir nicht so aufgefallen ist und jetzt überschreitet es ein bestimmtes maß?
ruhe mit der trinkerei heißt vielleicht, dass du dich mit deiner mutter arrangiert hast, irgendwie, und gehofft hast, es bleibt alles in einem bestimmten rahmen, mit dem man leben kann. das ist meiner meinung nach eine schöne selbsttäuschung, bei der man selbst auf der strecke bleibt und sich nicht wirklich unabhängig vom pegelstand des anderen macht. was hindert dich daran, deine mutter nicht zu sehen und nicht zu hören, wenn du es nicht willst und nicht kannst?

grüße simmie
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simmie hat zum Thema: Re: Neu hier und ratlos geschrieben
cassandra711
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 08.07.2008
Beiträge: 10

BeitragVerfasst am: 09.07.2008, 20:25    Titel: Re: Neu hier und ratlos Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo simmie,
wie ich schon in meinem Eingangsbeitrag geschrieben haben, ist es bei meiner Mutter so, daß sie nicht regelmäßig trinkt. Ich weiß jetzt nicht, ob sie daher in dem Sinne Alkoholikerin ist oder nicht. Eigentlich ist für mich ein Alkoholiker jemand, der regelmäßig, quartalsweise oder wie auch immer trinkt. Bei meiner Mutter ist das nicht so. Sie hat vielmehr solche Phasen und dazwischen können Monate oder auch echt Jahre liegen. Und das ist keine Selbsttäuschung oder so. Glaub mir, das kann ich schon einschätzen und ich hab auch keinen Grund, hier was zu beschönigen. Es ist aber eine Tatsache und ich weiß auch nicht, warum das so ist. Sie kann auch während dieser, ich sag jetzt mal "trockenen Zeit" durchaus auf einer Geburtstagsfeier ein Bier oder auch Schnaps trinken, ohne daß sie gleich wieder abstürzt. Von daher paßt sie wohl nicht so ganz in das Bild eines Alkoholikers, doch ich weiß nicht, wie ich es sonst nennen soll.
Und ich glaube, das ist ja mit das schlimmste an dem Ganzen. Daß es aus heiterem Himmel kommt und mich dann echt mit voller Wucht trifft und aus der Bahn wirft.
Bis zu dem letzten Ereignis hatten wir eigentlich ein gutes Verhältnis, okay, nicht auf Gefühlsebene, das hab ich schon geschrieben, aber wir konnten wie zwei erwachsene Menschen normal miteinander umgehen. Und das weiß ich jetzt nicht, ob ich das jetzt noch hinbekomme. Dazu ist jetzt zuviel kaputt gegangen.
Was hindert mich daran, sie nicht zu sehen oder zu hören, wenn ich nicht will? Tja, ist alles leichter, wenn man nicht im selben Haus wohnt, doch das tun wir nun mal. Und ich kann ja nicht immer aufpassen, wenn ich meine Wohnung verlasse, daß sie nicht gerade irgendwo in der Nähe ist. Ich denke, das ist auf Dauer auch nichts.
Aber vielleicht bin ich es auch, die sich da selbst im Weg steht. Vielleicht bin ich noch nicht egoistisch genug in dieser Beziehung. Ich denke, ich sollte daran denken, was ich will und was nicht (das hat mir meine Therapeutin schon gesagt) und das tun, was ich will und nicht immer nur an andere (hier: meine Mutter) denken und auch kein schlechtes Gewissen haben. Oder wie siehst Du das?
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cassandra711 hat zum Thema: Re: Neu hier und ratlos geschrieben

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