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Bin ich Co-Abhängig?

 
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sunnyxx
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.07.2008
Beiträge: 4
Alter: 41
Wohnort: bei Hamburg

BeitragVerfasst am: 06.07.2008, 21:11    Titel: Bin ich Co-Abhängig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo!
Ich suche einen Rat wie ich mich verhalten soll. Ich unterstütze seit ca. 6 Monaten einen guten Freund trocken zu bleiben bzw. zu werden. Er ist bekennender Alkoholiker und hat letztes Jahr eine stationäre Therapie gemacht. Wir hatten über einen sehr langen Zeitraum keinen Kontakt bis er kurz vor Weihnachten anrief und mir von seiner Krankheit und der Therapie erzählt hat, es war ein sehr gutes und offenes Gespräch und ich fand er ist auf einem guten Weg. Der Kontakt blieb aber vorerst sporadisch bis ich eine SMS bekam die sich nach Rückfall anhörte " Hasse mich selbst, bin kurz davor sch** zu bauen..." Ich begann mir sorgen zu machen, hab angerufen, haben stundenlang telefoniert, geredet, geheult, ich wollte ihm einfach helfen, ihn unterstützen. Er hat ja sonst auch keinen, getrennt von Ehefrau und Kindern, so wollte ich ihn bestärken wieder auf den Weg zu kommen. Er bemühte sich auch um eine Entgiftung im KH, hat auch einen Platz bekommen, alles gut denke ich. Weit gefehlt, nach einer Woche ist er wieder raus, keine 4 Wochen später der nächste Rückfall. Der Kontakt wird enger und ich bin der festen Ansicht ich kann ihn retten (was für ein Irrglaube), wieder etwa 4 Wochen dann der nächste Rückfall, wieder endlose Telefonate, ich fahre ihn nachts um 3.00 Uhr ins KH weil er nicht mehr weiter weiß. Die nächste stationäre Entgiftung, wieder nach einer Woche raus. Ich bin so wütend das er immer ankommt wenn's zu spät ist. Ich schrei ihm ins Gesicht er soll um Hilfe rufen wenn der Suchtdruck kommt und nicht wenn er schon "Voll" ist. Dann werden die Abstände kürzer und ich frage mich langsam wo das alles noch hinführen soll. Vor einer Woche waren wir verabredet mit unserer früheren Clique und als ich am Treffpunkt ankomme sitze er Stockbesoffen auf dem Gehweg und pöbelt einen gemeinsamen (seinen besten) Freund an, ich war schockiert und das hat mir richtig Angst gemacht. Am nächsten Tag haben wir dann wieder telefoniert und ich habe ihm gesagt das meine Schlacht geschlagen ist und ich hab den Kampf verloren, das er der einzige ist der ihm noch helfen kann. Ich habe auch die Befürchtung das er mich anlügt damit ich weiter zu ihm halte. Nach dem letzten Telefongespräch habe ich ihm noch mal per SMS Kraft und Durchhaltevermögen gewünscht und dann auf keine seiner SMS mehr reagiert.

Nun nach dieser langen Einleitung auch noch die mir wichtige Frage:

Wie verhalte ich mich denn jetzt, soll ich mich garnicht mehr bei ihm melden, oder nur ohne ihm irgendeine Art von Hilfe zu geben?

Ich habe hier im Forum gelesen der Co- Abhängige ist die Insel auf die sich der Alkoholiker immer wieder rettet. Diese Insel will und kann ich nicht sein, ich habe ja auch noch mein eigenes Leben mit Familie und so.

So, lange Rede und kurzer Sinn, ich freue mich auf eure Reaktionen!

Es grüßt herzlich Sunnyxx
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sunnyxx hat zum Thema: Bin ich Co-Abhängig? geschrieben
lupus54
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 05.07.2008
Beiträge: 28
Alter: 58

BeitragVerfasst am: 06.07.2008, 22:12    Titel: Re: Bin ich Co-Abhängig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Sunnyxx,

ja es ist in der Tat so. Der Co ist die Insel.

Da du jedoch in dieser frühen Phase schon erkannt hats, dass nur er derjenige ist, der sich helfen (lassen) kann, scheint mir die Gefahr in eine Coabhängigkeit zu schlittern eher gering.

Rate ihm dringend zu einem Aufenthalt in einer Suchtklinik und hoffe, dass er deinen Rat befolgt.

LG
Lupus
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lupus54 hat zum Thema: Re: Bin ich Co-Abhängig? geschrieben
Minibine
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 02.07.2008
Beiträge: 59
Wohnort: Dorsten

BeitragVerfasst am: 06.07.2008, 22:28    Titel: Re: Bin ich Co-Abhängig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Sunny,

lass Dich da bloss nicht weiter mir reinziehen. Traurig, klar, wenn er sonst keinen hat, aber steckt man da einmal richtig mit drin, wird es immer schwieriger, da rauszukommen. Ich weiss genau, wovon ich rede, habe mich relativ schnell von meinem Exmann getrennt, habe aber den Kontakt zu ihm aufrecht erhalten, weil ich glaubte, ich kann ihm helfen. Jetzt hänge ich voll mit drin, bin definitiv co-abhängig und versuche irgendwie, da rauszukommen. Aber immer wieder kommt der Gedanke, wenn ich ihm nicht helfe, wer dann? Hat ja niemanden.

Ich weiss natürlich, dass er sich selbst helfen muss, so wie wir Co-abhängigen uns ebenfalls selbst helfen müssen, aber die Versuchung ist immer wieder groß. Und die Alkis versuchen auch immer wieder (vielleicht zu allgemein, korriegiere: mein alki versucht auch immer wieder) mich in die Verantwortung zu nehmen, er sagt immer:"Du sollst mir nicht helfen, aber könntest Du dieses eine Mal noch... Danach werde ich nie wieder trinken!" Ja klar, bis zum nächsten Rückfall.

Kratz die Kurve, solange es noch geht. Mir hat ein Therapeut mal geraten, wenn der Alkoholiker Dich anruft, sag ihm, er soll Dich aus der Entgiftung anrufen, dann können wir reden. Vielleicht geht ja der Weg beim nächsten Mal, wenn es Dir schwer fällt, gleich nein zu sagen!

Wünsche Dir alles Gute!

Liebe Grüße

Minibine
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Minibine hat zum Thema: Re: Bin ich Co-Abhängig? geschrieben
dagmar007
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.05.2008
Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 07.07.2008, 11:15    Titel: Re: Bin ich Co-Abhängig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ups, das finde ich klasse : "Ruf mich aus der Entgiftung an".

Komisch nicht, dass immer wieder versucht wird - zumeist mit selbigen Worten - etwas zu erreichen. Ich bekam immer zu hören "Könntest Du mir einen Gefallen tun". Da war dann immer klar, es ist etwas, das ich nicht will, er ahnt dass ich es nicht tätige und dennoch wurde er nicht klüger Winken Ich kenne Dein Gefühl gut, liebe Sunny, aber warum quälen wir uns stundenlang mit Telefonaten? Warum machen wir uns Sorgen um Menschen, die sich keine Gedanken um sich selber machen? Warum sorgen wir uns nicht um uns?
Nein im Gegenteil, die Sorgen um andere machen uns schwach und verhindern oftmals dass wir unseren Alltag bewältigen? Wir lassen uns also vom selbstverschuldeten Problem von anderen in die Tiefe reißen....

Ansonsten hält sich mein Ex da zurück, es passiert selten dass er etwas will.

Welche Hilfe könnten wir den einem Süchtigen geben? Mal ehrlich, wir können nur so dumm sein und ihm seine Verantwortung für den Alltag entreißen. Helfen tun wir ihm damit aber nicht! Wir entmündigen ihn - selbst dann, wenn er es so wünscht.

Liebe Sunny, ich denke, wir können als Helfer nur vorleben wie wir für uns ein gesundes Leben leben und uns unmanipuliert auf unseren Weg begeben. Ich selber werde nie begreifen, warum alkoholkranke sich entgegen aller Logik verhalten. Aber es ist so, weil sie einfach fremdgesteuert sind. Wenn aber alles Verhalten entgegen der Logik - zumindest in meinem Fall - steht, so kann ich auch nicht über die Logik helfen.

Hilfe zur Selbsthilfe - wie Minibine so schön schreibt, wenn einer aus der Entgiftung anruft kann man / frau ja überlegen ob Hilfe zur Selbsthilfe möglich ist Smilie
Geniale Idee!!!
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dagmar007 hat zum Thema: Re: Bin ich Co-Abhängig? geschrieben
sunnyxx
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.07.2008
Beiträge: 4
Alter: 41
Wohnort: bei Hamburg

BeitragVerfasst am: 07.07.2008, 17:57    Titel: Re: Bin ich Co-Abhängig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo an alle!
Ich bin so froh aus meiner Sackgasse raus zu kommen, danke Minibine für den genialen Tipp ihm zu sagen er soll sich erst wieder aus der Entgiftung melden, so wird mein Weg aussehen!

Es ist ja auch nicht so das er gar keinen mehr hat, das dachte ich bislang nur. Durch ein offenes Gespräch mit unserer früheren Clique, nach der Eskalation am Sonntag vor einer Woche, habe ich erfahren das auch sein bester Freund und dessen Frau ihm immer wieder Hilfe angeboten haben. Davor hat sich mein Alki aber verschlossen. Für ihn sind es immer die Anderen die schuld an seiner Situation sind, alle sind gegen ihn, der Freund der sich zu selten meldet, die Ehefrau die nur noch sein Geld will, die Mutter die mit ihm streitet etc. Er findet immer einen Auslöser der ihn quasi zum trinken zwingt.

Lange Zeit war ich klar auf seiner Seite, hab gedacht seine Frau muß ihn doch unterstützen, warum meldet sich sein bester Freund so selten?
Ich kannte ja auch nur seine Sicht der Dinge, aber langsam wird mir erst klar was da alles hinter steckt, was seine Frau schon alles mit ihm durch hat. Die geht mit ihm unter obwohl er schon seit ca. 21/2 Jahren eine eigene Wohnung hat. Leider habe ich keinen guten Kontakt zu ihr, denn ich hab erkannt das sie viel mehr Hilfe braucht als er. Über einen gemeinsamen Freund hab ich ihr aber dieses Forum empfohlen. Vielleicht nimmt sie den "kleinen Finger" an.

Vielen lieben Dank nochmal an alle!

Ich wünsche uns allen die Kraft die wir brauchen um dieses Tal zu durchwandern.

LG Sunnyxx
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sunnyxx hat zum Thema: Re: Bin ich Co-Abhängig? geschrieben
dagmar007
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.05.2008
Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 07.07.2008, 18:48    Titel: Re: Bin ich Co-Abhängig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Tja, liebe Sunny,
es ist, meiner Meinung nach, sehr sehr schwer zu begreifen wo die Fänge des Alkohols losgehen, wo die Psyche instabil ist und wo es dann beginnt zur Krankheit zu werden. Der blöde Alk ist gesellschaftsfähig und so schlittert manche einer rein, von dem wir das nie denken würden. Durch die "Schande" redet niemand davon und das Loch wird tiefer.

Ich denke, wenn man emotionslos - also nicht als Partner - helfen kann, so dürfte man das in einer guten Position tun, halt einfach zwischendurch mal rückbesinnen ob evtl. doch das Helferlein aus Dir durchbricht.

Selbst Methadonärzte haben ja regelmässig Supervisor-Treffen um eben solchen Dingen wie dem eigenen Helfersyndrom entgegen zu sehen.

Es scheint leider so zu sein, dass die Verteidigungsmechanismen von Suchtkranken es ihnen einfach vorschreiben anderen die Schuld zu geben. Ich vermute mal, dass es ein Selbstschutz ist, den sie vielleicht sogar selber glauben. Und lange, lange bemerkt das Umfeld - oder auch der Partner nicht was Sache ist. Eine schleichende Sucht, die alle belastet.

Hilfe zur Selbsthilfe ist immer gut, als neutrale Person kannst Du schnell checken ob es ihm ernst ist oder nicht. Viel Glück und halte uns auf dem laufenden.

Lieben Gruß von Dagmar
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dagmar007 hat zum Thema: Re: Bin ich Co-Abhängig? geschrieben

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