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Konfrontationstherapie?

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lumho
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 27.12.2007
Beiträge: 190
Alter: 60
Wohnort: Langenfeld (Rheinland)

BeitragVerfasst am: 07.07.2008, 10:30    Titel: Re: Konfrontationstherapie? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Oliver,

es ist offensichtlich schwierig, hier in wenigen Zeilen die Information zu vermitteln, die in einer Therapie - und erst recht im realen Leben - über lange Zeit gewonnen werden muss.

Meine Gedanken zum Thema hat Blizzard zu 100% richtig wiedergegeben.

Wenn es Dir gelingt, dem Alkohol einfach immer aus dem Weg zu gehen, bist Du echt ein Glückskind, und brauchst Dir über das Thema Suchtdruck keine Gedanken zu machen.
Dann musst Du Dir ja auch z.B. über Alkoholwerbung, Verkaufsregale im Tankstellen-Shop, und die Anordnung der Angebote im Getränkemarkt usw. keine Sorgen machen.
Wie Du aber hier im Forum an einigen Stellen nachlesen kannst, gelingt es nicht jedem zu jeder Zeit, mit diesen Versuchungen fertig zu werden oder ihnen gar auszuweichen; insbesondere dann, wenn noch bestimmte negative Gefühlslagen (psychischer Druck, Traurigkeit, Ärger, Einsamkeit) dazu kommen. Und für solche Menschen und Situationen (da zähle ich mich durchaus dazu!) ist es eine große Hilfe, entsprechende Maßnahmen rechtzeitig kennen zu lernen - und auch zumindest theoretisch zu üben.

Wenn ich weiß, welche Gefahr oder Bedrohung auf mich zukommen kann, und entsprechende Werkzeuge/Gegenmaßnahmen kenne oder gar beherrsche, kann ich im Fall des Falles souverän reagieren - und einfach weggehen.
Aber dies ist nur meine persönliche Erfahrung und Art, mit meinem Leben zurecht zu kommen.

Lg Michael
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lumho hat zum Thema: Re: Konfrontationstherapie? geschrieben
Gänger
Gast






BeitragVerfasst am: 07.07.2008, 11:15    Titel: Re: Konfrontationstherapie? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hi Michael,

Ich gehe einfach mal davon aus (möglich das ich falsch liege), dass in den meisten Fällen die Intensität der Anregung des Suchtgedächtnisses, beim Gang durch den Supermarkt eine andere ist, als beim schnüffeln an Alkohol, oder sogar beim ablecken des in Wodka getränkten Fingers.

Ich meine ja nur: Niemand wird diesen Patienten je dazu zwingen, sich wieder diesem, seinem geliebten Geräusch, der sich öffnenden Wodkaflasche auszusetzen. Warum also soll er sich darauf vorbereiten? Ich fände es sinnvoller, die ganze Kraft der Therapie auf das gar nicht zustande kommen solcher Situationen zu legen, denn ich bin mir sicher, dass es möglich ist.

Meiner Meinung nach fördern solche Übungen die Leichtsinnigkeit im Umgang mit Alkohol.
Nach der Therapie könnte der Patient denke:" Jetzt habe ich in der Klinik dem Vodka widerstanden, obwohl ich sogar ein Glas davon in der Hand hatte, nun kann ich auch mit den Kumpels in die Kneipe gehen, ich bin ja stark genug."

Gruß
Oliver
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Gänger hat zum Thema: Re: Konfrontationstherapie? geschrieben
Blizzard
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 649
Alter: 32
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 07.07.2008, 12:13    Titel: Re: Konfrontationstherapie? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Oliver,

der Patient soll durch diese Übung nicht darauf "vorbereitet" werden, dass er sich wieder Vodkaflaschen oder ähnlichen aussetzen muss - sondern es soll ihm zu Bewusstsein gebracht werden, wie sein eigenes Suchtgedächtnis arbeitet - das es funktioniert und im Nu Suchtdruck auslösen kann. Das ist der Zweck der Übung - und der wird meines Erachtens in dem gezeigten Beispiel sehr gut transportiert. Es geht doch nicht darum, abstinente Alkoholiker "abzuhärten", sondern es geht vielmehr darum, sie zu sensibilisieren. Sensibilisierung durch Selbsterfahrung!

In diesem Zusammenhang ist auch das Statement des jungen Mannes zu sehen ("Ich stehe jetzt wieder da, wo ich am Anfang der Therapie stand"). Es wurde ihm also deutlich vor Augen geführt, dass es vom Alkoholismus keine Heilung geben kann. Das auch am Ende der stationären Therapie eben keine "Heilung" steht. Das er ein Leben lang auf sich acht geben muss.

Der Patient wird ja nicht dazu angeleitet, sich zu Hause regelmäßig eine Vodkaflasche zur Hand zu nehmen um zu checken, was das Suchtgedächtnis so macht.... Mit den Augen rollen

Viele Grüße,

Blizzard
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Blizzard hat zum Thema: Re: Konfrontationstherapie? geschrieben
Gänger
Gast






BeitragVerfasst am: 07.07.2008, 13:25    Titel: Re: Konfrontationstherapie? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Blizzard,

hm....."Sensibilisierung durch Selbsterfahrung". Klingt für mich ein bisschen wie das Beispiel von dem Kind, dem die Finger auf die heiße Herdplatte gelegt werden.

Ich weiß ja auch nicht, ist ja möglich das du recht hast, aber ich hab einfach ein schlechtes Gefühl dabei.

Ich kann ja nur für mich sprechen, aber wenn ich mir vorstelle, dass ich zum Supermarkt fahre, mir eine Flasche Schnaps kaufe, die Flasche öffne und in ein Glas gieße (denn nur dann käme ich ja in gezeigte Situation), dann trinke ich ihn auch. Egal wie oft mir vorher gezeigt wurde, wie sensibel das Suchtgedächtnis reagiert.

Das kaufen und das eigentliche trinken, liegt für mich damit auf fast der selben Wellenlänge.

Gruß
Oliver
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Gänger hat zum Thema: Re: Konfrontationstherapie? geschrieben
clare
Gast






BeitragVerfasst am: 07.07.2008, 17:24    Titel: Re: Konfrontationstherapie? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

genau den selben Gedanken wie Blizzard hatte ich auch. Nicht zuletzt, weil ich mich ganz gut daran erinnern kann, wie mich der heftige Saufdruck das erste Mal erwischte.

@Oliver: Es geht ja nicht darum, dass du dir die Flasche holst, wenn du in der freien Wildbahn bist. Der entscheidende Unterschied hier war doch der, dass der junge Mann sich in geschütztem Raum befand. Und in dieser geschützten Situation erleben konnte, wie heftig der Saufdruck sein kann.
So wird er nicht erst "draußen" davon überrascht.
Also ich finde das gut. Denn ich denke, wenn ich diese Erfahrung gemacht habe, dann weiß ich, dass ich den Alk lieber aus meinem Blickfeld verschwinden lasse.

Liebe Grüße
Clare
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clare hat zum Thema: Re: Konfrontationstherapie? geschrieben
Gänger
Gast






BeitragVerfasst am: 07.07.2008, 19:29    Titel: Re: Konfrontationstherapie? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo clare,

wer hätte den Mann daran hindern sollen das Glas zu leeren? Die Therapeutin? Die Vorstellung an einen Kampf um die Wodkaflasche kommt mir ein wenig merkwürdig vor.

Mir fehlt die eigene Erfahrung vom Suchtdruck überrascht zu werden, vielleicht bin ich tatsächlich, wie Lumho sagt, ein Glückskind.'Smilie

Viele Grüße
Oliver
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Gänger hat zum Thema: Re: Konfrontationstherapie? geschrieben
clare
Gast






BeitragVerfasst am: 07.07.2008, 22:47    Titel: Re: Konfrontationstherapie? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Oliver,

darum geht es ja nicht. Wenn ich trinken will, dann kann mich niemand davon abhalten, ich denke, das ist jedem von uns klar.

Ich denke nur, dass die Hemmschwelle dann wesentlich höher ist - in der Therapie, vor der Therapeutin. Also ich hätte es da nicht getrunken, so viel Aufschub hätte ich leisten können, auch wenn ich hätte trinken wollen.
Ich bin ja während meiner Trinkzeit auch nicht jedem in den Nacken gesprungen, der mir eine Flasche vor die Nase gehalten hat. Und ich habe bisher auch von keinem anderen Alki gehört, dass er das gemacht hat.

Ich kann mich in den jungen Mann gut hineinversetzen. Wenn ich mir vorstelle, er möchte ehrlich nicht mehr trinken, und geht dann nach dieser Therapie raus, ohne während dieser ganzen Zeit eine Flasche gesehen zu haben - und dann sieht er eine (und da kommt wohl kaum einer drum rum - sei es nur im Laden) und dann kommt die Gier...
Also ich finde es gut, wenn man darauf auch vorbereitet sein kann.
Vor allem die Erfahrung, dass man trotz des ehrlichen Wunsches nicht mehr zu trinken, Saufdruck bekommen kann.
Das will mir bis heute nicht in den Kopp!

Da fällt mir ein, dazu wollte ich noch in meinem TB etwas loswerden.

Liebe Grüße
Clare
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clare hat zum Thema: Re: Konfrontationstherapie? geschrieben
lumho
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 27.12.2007
Beiträge: 190
Alter: 60
Wohnort: Langenfeld (Rheinland)

BeitragVerfasst am: 07.07.2008, 23:32    Titel: Re: Konfrontationstherapie? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Abend, Oliver

Ich mach noch einen Versuch, da ich ja erkenne, dass Du den Kern dieser Konfrontationsübung noch nicht siehst, es mir aber auf der anderen Seite für das Verständnis unserer Krankheit sehr wichtig erscheint, auch diesen, Dir noch unbekannten Aspekt zu kennen:

Die Veränderungen, die der Alkohol in unserem Hirn verändert hat, veranlassen uns mitunter zu Reaktionen, Empfindungen, Handlungen, die nicht unserem Willen unterliegen, sondern vom Unterbewusstsein gesteuert werden. (Das ist ja unter anderem ein Wesensmerkmal der Abhängigkeit oder Sucht, wie es früher hieß)
Da passieren Dinge in uns - lange, bevor der Verstand überhaupt eingeschaltet werden kann.
Du kannst Dir das ähnlich vorstellen wie:
- Dir läuft das Wasser im Mund zusammen, wenn Du den Duft von Gegrilltem in der Nase hast, obwohl Du gar keinen Hunger hast und auch gar nichts essen willst, oder
- Deine S** Fantasie wird angeregt, wenn Du eine hübsche Frau im S** Outfit siehst, obwohl Du Dich gerade bei Deiner Partnerin sehr wohl fühlst, oder
- Dein Magen verkrampft sich, wenn Du nur etwas von Schwefelwasserstoff hörst, weil Du gleich den Geruch von faulen Eiern in der Nase spürst

Bei solchen "Reflexen" hast Du mit Hirn und Verstand keine Abwehrchance, weil das Unterbewusstsein viel schneller reagiert. So etwas gibt es auch im Zusammenhang mit Ängsten und Psychosen.

Du wirst trotzdem nicht über die hübsche Frau herfallen, oder Dich auf den Grill stürzen, weil Du gelernt hast, dass diese "Anfälle" passieren - aber auch wieder vergehen, ohne Schaden anzurichten.

Und genau so ist es mit dem Alkohol und dem möglicherweise auftretenden Saufdruck. Beim Einen wird der Reflex durch Bierreklame in Verbindung mit Jugend, Erfolg und Lebensqualität hervorgerufen, beim Anderen durch den Geruch aus einer offenen Kneipentür.
Und auch hier habe ich lernen müssen, dass dieser Druck ohne mein Zutun aufkommen kann - aber auch wieder vergeht, wenn ich ihn aushalte oder mich ablenke, oder, oder...

Es geht also hier um ein anderes Phänomen, als Du es in Deinen Überlegungen zum Video im Kopf hast.

Ich würde mich freuen, wenn ich damit den Sinn der Konfrontation etwas näher gebracht hätte: Nicht Abhärtung ist der Punkt (das wäre wirklich total dumm), sondern Erkennen, das alle guten Vorsätze und ehrlicher Wille nicht ausreichen, die Reaktionen des Unterbewusstseins zu verhindern. Der Patient muss immer auf der Hut sein!

Damit solls aber wirklich gut sein
Danke für Deine Geduld

Liebe Grüße
Michael
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lumho hat zum Thema: Re: Konfrontationstherapie? geschrieben

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