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Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit

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Mein Freund wurde soeben wieder ins Krankenhaus verlegt!   •    Alle drei Tage betrunken, was ist das?  
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lichtwind
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Anmeldungsdatum: 20.06.2008
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BeitragVerfasst am: 23.06.2008, 22:45    Titel: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo!

Dies ist mein erster Beitrag hier.
Ich hoffe sehr, dass wir uns gegenseitig unterstützen können, bei diesen gewagten und meist schmerzhaften Schritten aus der Beziehungsabhängigkeit.

Dies ist erst mal ein langer Text, aber ich möchte, dass ihr mich und meine Geschichte ein wenig kennenlernt Winken

Ich kann auf eine lange "Karriere" als Beziehungsabhängige zurückblicken....
Vor vielen Jahren trennte ich mich von meinem alkoholabhängigem Mann (mit 3kleinen Kindern). Damals nahm ich an, dass ich nun auch nicht mehr die Al-anon Gruppe bräuchte - in die ich 2 Jahre vor der Trennung regelmäßig ging.

Doch als ich dann vor 15 Jahren meinen jetzigen Freund kennenlernte, mußte ich erkennen, dass mit mir etwas nicht stimmt, denn welche vernünftige Frau würde sich nochmals auf einen Alkoholabhängigen einlassen...

Eine entscheidende Wende trat vor 3 Jahren ein, als mein alkoholabhängiger Freund unbedingt heiraten wollte und mir immer wieder mit Trennung drohte, wenn ich ihn nicht heiraten würde. Als der Druck immer größer wurde und meine Verlassensängste mich in die Knie zwangen, entschloss ich mich mit letzter Kraft dazu, in einer stationären 9wöchigen Psychotherapie meinen Verlassensängsten auf den Grund zu gehen. Seither hat sich vieles in meinem Leben verändert, doch immer noch stehe ich in großer Gefahr, in alte Verhaltensweisen zurückzufallen.

Nach dem Klinikaufenthalt sagte ich meinem Freund, dass ich mich nicht mehr erpressen lasse und auf keinen Fall mehr so weitermachen würde, wie vorher. Zu meiner großen Überraschung war er innerhalb weniger Tage in einer Privatklinik - allerdings zur Behandlung eines "burnouts". Nach 3Wochen flüchtete er dort regelrecht, weil man ihn beim heimlichen Trinken in seinem Zimmer erwischte...Seither ging es stetig bergab mit ihm. Mir half es, dass ich vor 2 Jahren in einen anderen Ort zog - wir haben nicht zusammen gewohnt. Mitte vergangenen Jahres brach ich den Kontakt völlig ab, weil ich ihn einfach nicht mehr ertragen konnte und wollte. Ich nahm wirklich an, dass ich es überstanden hätte, fühlte mich frei und unbeschwert, doch dann - lag es an der Weihnachtszeit? - ging ich auf seinen Anruf ein - und nun fühle ich mich wie ein Alkoholiker, der das erste Glas nicht stehen lassen wollte, weil er dachte, alles unter Kontrolle zu haben...
Er hatte sich scheinbar geändert, denn zum ersten Mal war er bereit, seine Sucht offen einzugestehen und wir gingen sogar gemeinsam zum Blauen Kreuz. Er sagte dort, er wolle mich auf keinen Fall verlieren und sprach von Entziehungskur.
Er will das aber nur machen, wenn er zu uns (meine Jüngste wohnt noch bei mir) ziehen könnte, denn sonst würde er das nicht durchstehen. Darin bestärkte ihn die Leiterin der Gruppe! Nun macht er mich dafür verantwortlich, weil ich ja nicht zu ihm stehen würde. Und trinkt weiter....
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lichtwind hat zum Thema: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit geschrieben
dagmar007
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.05.2008
Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 24.06.2008, 10:38    Titel: Re: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Lichtwind,
ich gehe selber gerade eine Trennung durch und muss Dir eines sagen: das wichtigst ist genau die räumliche Trennung - zumindest für mich. Wohin ziehe ich mich den zurück wenn eine Beziehung krankt, doch in mein Heim, welches ich mir glücklich selber gestalte.

Soll da wirklich ein "er" bei Dir leben, von dem du nicht weißt wie er sich entwickelt? Du hast ja selber Bedenken dass Du vielleicht mit ihm nicht so glücklich bist, bzw. Weihnachten Dich eingelullt hat.

So, er will eine Entziehungskur! Klasse - aber was hat die damit zu tun dass er zu Dir zieht? Wenn er entziehen will, dann dürfte wichtig sein wo er DAS tut und wie es ihm DORT geht und nicht die Forderung zukünftig bei Dir leben zu können.

Liegt ihm was an der Beziehung? Wenn ja, dann fordert er ein Zusammenleben nicht ein sondern freut sich über jeden gemeinsamen Moment - auch ohne Zusammenleben. Dann wird er kämpfen gegen seine Krankheit und für Eure Beziehung. Wenn es ihm aber zu unbequem ist sich auf den Weg zu Euch zu machen, dann wollte er ein warmes geschütztes Nest.

Dafür solltest Du Dein Nest vielleicht nicht unbedingt aufgeben, oder?

Lieben Gruß von Dagmar
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dagmar007 hat zum Thema: Re: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit geschrieben
Jenny2
Gast






BeitragVerfasst am: 24.06.2008, 12:08    Titel: Re: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Lichtwind,

erstmal herzlich Willkommen.

Du wirst wahrscheinlich schon wissen, dass ein nasser Alkoholiker, der keine Krankheitseinsicht hat, generell immer wieder einen Grund fuers Trinken finden will. Mich ueberrascht es sehr das diese Leiterin der Gruppe ihn bestaerkt bei Dir einzuziehen, bevor er eigentlich etwas tut Geschockt

Wichtig ist fuer Dich, dass Du Dich abgrenzt und klar Deine Grenzen verteidigst. Wie Du siehst, ist das manchmal schwer. Ich generell koennte mit keinem Alkoholiker mehr zusammenleben, denn ich wuerde nur skeptisch sein und ich bin auch der Meinung, dass ich dann meine Co-Abhaengigkeit nicht mehr im Griff haben wuerde. Daher solltest Du Dir wirklich auch mal ueberlegen, ob Du nicht der Beziehung ein Ende setzen solltest und ganz die Finger von Suchtabhaengigen lassen solltest.

Alles Liebe,

Jenny
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Jenny2 hat zum Thema: Re: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit geschrieben
lichtwind
neuer Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 20.06.2008
Beiträge: 60
Alter: 55

BeitragVerfasst am: 24.06.2008, 13:58    Titel: Re: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Jenny2 hat Folgendes geschrieben:
Liebe Lichtwind,

erstmal herzlich Willkommen.

Du wirst wahrscheinlich schon wissen, dass ein nasser Alkoholiker, der keine Krankheitseinsicht hat, generell immer wieder einen Grund fuers Trinken finden will. Mich ueberrascht es sehr das diese Leiterin der Gruppe ihn bestaerkt bei Dir einzuziehen, bevor er eigentlich etwas tut Geschockt

Wichtig ist fuer Dich, dass Du Dich abgrenzt und klar Deine Grenzen verteidigst. Wie Du siehst, ist das manchmal schwer. Ich generell koennte mit keinem Alkoholiker mehr zusammenleben, denn ich wuerde nur skeptisch sein und ich bin auch der Meinung, dass ich dann meine Co-Abhaengigkeit nicht mehr im Griff haben wuerde. Daher solltest Du Dir wirklich auch mal ueberlegen, ob Du nicht der Beziehung ein Ende setzen solltest und ganz die Finger von Suchtabhaengigen lassen solltest.

Alles Liebe,

Jenny
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lichtwind hat zum Thema: Re: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit geschrieben
lichtwind
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 20.06.2008
Beiträge: 60
Alter: 55

BeitragVerfasst am: 24.06.2008, 14:25    Titel: Re: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Dagmar, liebe Jenny!
Ich habe mich sehr über eure Nachricht gefreut, denn ich las auch schon viele eurer Beiträge, bevor ich mich hier anmeldete.
Ja, Dagmar, das mit dem warmen, geschützten Nest trifft es wohl am ehesten und wäre er wirklich trocken, könnte ich es mir mit ihm auch gut vorstellen. doch das war ja in den vergangenen 15 Jahren immer nur kurzzeitig über Wochen der Fall...
Gerade rief er mich an, dass er einen Termin in einer Klinik für nächste Woche ausgemacht habe und im Verlauf des Gesprächs kam dann wieder, dass er es, wenn er alleine wohnt, nicht schaffen könne...er will es ambulant machen.
Ja Jenny, mich hat es auch geschockt, dass diese Leiterin diese Aussage gemacht hat. Meine Grenzen bröckeln unmerklich und wenn ich es dann erschreckt merke, bau ich sie nicht konsequent genug wieder auf. Der Beziehung ein Ende setzen - nach dieser halbjährigen Trennung möchte ich es noch mal wagen, denn etwas hat sich geändert, seit sein älterer Bruder, mit dem er von Jugend an gemeinsam trank, seit 1J ahr nach einer Langzeit-Therapie trocken ist. Mein Freund hat eine enge Bindung an seinen Bruder und hat ihn voriges Jahr selber in die Klinik gefahren und sich um ihn gekümmert.
Der Bruder widerum unterstützt mich jetzt darin, meinem Freund Grenzen zu setzen.
Dagmar, ich empfinde meine Wohnung auch als mein "castle" hier soll es auch keine Alkoholszenen mehr geben.
lieber Gruß
lichtwind
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lichtwind hat zum Thema: Re: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit geschrieben
lichtwind
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 20.06.2008
Beiträge: 60
Alter: 55

BeitragVerfasst am: 15.07.2008, 10:53    Titel: Re: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo, da bin ich noch mal – inzwischen ist mein Freund seit gestern nach 1 Woche Aufenthalt aus der Klinik zurück (Entzug). Die Entwöhnungstherapie sollte eigentlich direkt im Anschluss daran stationär erfolgen, doch er wollte es lieber ambulant machen. Gestern rief er dann an, dass er schon alles geregelt habe (Krankenkasse, Termin bei SKM usw.) und im Nebensatz „ich hab auch eben nur 3 Bier getrunken“, in der Klinik habe man ihm gesagt „nach Jellinek wäre er zu früh gekommen…“ und in seinem Fall „wäre es noch möglich kontrolliert zu trinken“ – ich glaube ihm kein Wort. Er ist dann noch abends mit mir zum ersten Mal in die AA Gruppe gegangen, ich in Al-Anon (im gleichen Gebäude), doch tat er wieder alles überheblich ab.
Ich bin sauer, enttäuscht und ratlos. wie seht ihr das?
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lichtwind hat zum Thema: Re: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit geschrieben
skybird
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 07.01.2008
Beiträge: 4106

BeitragVerfasst am: 15.07.2008, 11:08    Titel: Re: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Zitat:
ich glaube ihm kein Wort
..würde ich auch nicht, lichtwind, ein willkommen auch von mir.

Entzug und dann drei Flaschen Bier?????? Geschockt Wozu dann entziehen?
Und "kontrolliert trinken" Geschockt - da lies Dich mal bei den Leuten hier durch, die die Erfahrung haben - den Alkoholiker/Innen, die trocken sind oder waren...die können Dir das viel besser sagen als ich...

Zitat:
Ich bin sauer, enttäuscht und ratlos.


Verstehe ich gut, wäre ich auch. Stell Dir mal vor, Deine Freundin würde Dir so ne Geschichte erzählen. Was würdest Du ihr sagen?

LG Skybird
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skybird hat zum Thema: Re: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit geschrieben
lichtwind
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 20.06.2008
Beiträge: 60
Alter: 55

BeitragVerfasst am: 15.07.2008, 13:07    Titel: Re: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo skybird,

ich würde meiner Freundin sagen, dass sie sich von ihm verhalten sollte, sofern ihr dies irgendwie möglich ist. Ja, und sie solle daran denken, dass es ihr in der Zeit ohne ihn so viel besser ging...
Komisch, dass ich mit mir selber viel härter umgehe und seine Bedürfnisse wichtiger nehme als meine...sein Realitätsverlust scheint ansteckend zu sein, denn sonst würde ich doch seine Vorwürfe in meine Richtung nicht so ernst nehmen... bin so richtig durcheinander und niedergedrückt...
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lichtwind hat zum Thema: Re: Schmerzhafte Schritte aus der Co-Abhängigkeit geschrieben

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