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Ich kann einen Alkoholkranken nicht verstehen

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dagmar007
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Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.05.2008
Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 18.05.2008, 16:43    Titel: Ich kann einen Alkoholkranken nicht verstehen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich selber trinke keinen Alkohol und kann auch nicht verstehen, wie es einen Menschen verändert. Ich habe nur mal gemerkt dass alles lockerer und leichter wird - vielleicht ist der Alk deshalb nichts für mich weil er verändert.

8 Jahre war ich in einer Beziehung mit jemandem, der viel trank.
Seit 2 Jahren wurde es extrem und persönlicher wie auch S** Kontakt wurden von mir nahezu eliminiert. Ich war auch kein guter Partner mehr, zumal ich sagte: im angetrunkenen Zustand müssen wir uns über nichts unterhalten.

Vor 2 Monaten erklärte ich ihm, dass ich nicht mit der Person weiterleben möchte, die er durch Alkohol aus sich gemacht hat. Ich gab ihm ein Foto wo er mal wieder zu Boden gefallen war in seinem Tran, um dann bewußtlos liegen zu bleiben und dort weiter zu schlafen. Geholt hatte er sich den Rausch bei einem Weihnachtsmarkt wo er bereits einige der Besucher unschön angerempelt hatte.

Nun gut, nachdem ich das von Auszug ausgesprochen hatte nahm er sich flugs eine Ersatzbiene, die den Alk besser akzeptiert als ich und machte Schluß. Mir brach es das Herz, ich machte daraus keinen Hehl und er zog in Erwägung einen Fehler gemacht zu haben.
Nach endlosen Gesprächen - Selbsterniedrigungen von mir, die ihm wieder Macht gaben - stellte er fest er wolle die Beziehung fortsetzen, weil er mich wolle.... hahah....

Das war am Freitag, am Samstag wollte er mit dem Seitensprung Schlußmachen, tat es aber nicht weil es der Lady schlecht ging. Welche Rücksichtnahme, die gab es mir gegenüber nicht Winken
Zwischen Sonntag und Freitag gabe es bei uns viele Gespräche, er gab sich Mühen ohne Ende an meinem Auto, im Haushalt (was Jahre zuvor nicht der Fall war) und ich meinte zu fühlen er will wirklich etwas ändern. Große Hoffnung setzte ich auf eine Paartherapie, zu der er laut seiner Aussage bereit gewesen wäre (kaum aber bereit sich selber als Alkoholiker zu titulieren).

Nun, am Samstag - also gestern - kaufte er Material für das Abendessen ein, und wollte noch kurz zum Seitensprung (die er lt. eigener Aussage eine Woche nicht am Telefon gehört hatte, gesehen auch nicht, denn wir waren zusammen) weil er dort noch Werkzeuge liegen hätte.

So.... wo er ist weiß ich nicht, vermutlich noch immer beim Seitensprung.

Entfallen durch Alkohol wirklich alle Hemmungen, ist es tatsächlich nicht möglich einen Entschluss zu fassen und an der Umsetzung zu arbeiten. Diese Feigheit sich Problemen zu stellen hatte er schon immer, immer wenn es kritisch wurde bei uns rannte er davon. Ich denke mal, so hat er auch den Seitensprung als neue Partnerin gewählt bevor ich Schluss mache wie seine anderen Freundinnen zuvor.

Auch denke ich, er spürt sehr gut wo meine Knöpfe sind, über die er wieder meinen Schmerz auslösen kann und er irgendwelche Ziele verfolgen kann. Ist es tatsächlich so, dass der Alkohol definitiv die Birne vernebelt, aber im passenden Zeitrahmen - als Druckmittel - doch so klug eingesetzt werden kann.

Kann man so einfach 8 Jahre wegwerfen um ein Problem wieder im Rennen hinter sich zu lassen? Stirbt wirklich alles an Gefühl und Herz nur weil die nächste Ration nicht erreichbar ist oder beobachtet werden kann.

Ach Leute, wenn mir das jemand erklären könnte, vielleicht käme ich dann mit mir selber weiter. Mir zerreißt es das Herz wenn ich an die Person denke, die ich mal kennen und lieben gelernt habe. von der ich jedoch damals nicht wahr haben wollte, dass der Alkohol eigentlich schon die Stelle von mir (der Freundin) übernommen hatte.

Ich weiß, daß ich gehen muß - ich weiß, daß ich den Menschen, den ich mal liebte verloren habe weil es ihn nicht mehr gibt .... aber ich weiß nicht, wie so etwas mental bei einem Alkoholiker vor sich geht....

Es wäre schön, wenn Ihr - die Ihr vielleicht mehr wisst als ich - mir da einfach beim verstehen helfen könnten, denn vielleicht schaffe ich so den Trennenungsschmerz besser, der im Moment einfach überdimensional ist.

Lieben Gruß von Dagmar
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dagmar007 hat zum Thema: Ich kann einen Alkoholkranken nicht verstehen geschrieben
Erdling
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 25.03.2008
Beiträge: 392
Alter: 32
Wohnort: Ruhrgebiet

BeitragVerfasst am: 18.05.2008, 17:26    Titel: Re: Ich kann einen Alkoholkranken nicht verstehen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo dagmar007,
ich bin 28, seit gut 7 Jahren Alkoholiker und fast 4 Monaten bin ich nun trocken Winken Der Alkohol hat mein komplettes Denken kontolliert und auch verändert.
Mein Leben drehte sich eigentlich nur um den Konsum von Alkohol, ich habe alles danach ausgerichtet. Teilweise waren mir andere Menschen auch egal geworden, weil sich alles nur ums trinken drehte.
Wenn ich morgens wach geworden bin, wusste ich oft nicht mehr was am abend zuvor alles passiert ist aber ich wusste ganz genau wieviel Bier noch im Kühlschrank ist.
Ich musste ja auch trinken, um keine Entzugserscheinungen zu bekommen.
Alkohol verändert Menschen, ich bin ein fast 2 Meter großer Kerl und wiege knapp 100kg aber ich hatte zu meiner nassen Zeit Angst vor dem ontakt mit anderen Menschen. I
ch habe das Haus nicht verlassen und Nachts konnte ich nicht schlafen, weil ich Panik hatte. Dann muste ich wieder was trinken damit die Entzugserscheinungen (Panik/Unruhe) aufhörten.
Da merkt man schon wie der Alkohol einen verändert.
Diese Wesenveränderungen werden sicher auch individuell sein.
Naja aber du hast das einzig richtige getan und hast dein Leben geschützt. Vielleicht muss dein Ex erst noch tiefer sinken, bis er einsieht das er süchtig ist und hilfe braucht. Aber das muss er selber einsehen, da sind deine Möglichkeiten einzuwirken beschränkt. Du hast jetzt das letzte Mittel gewählt und dich getrennt. Hoffentlich merkt dein Ex das er auf einem übeln Weg ist aber eine Garantie gibt es dafür nicht.
Aber du kannst sicher sein, das er dich weiter mit runtergezogen hätte, wenn du bei ihm geblieben wärst.
Durch Alkohol entfallen viele Hemmungen und man kann auch bis zu einem gewissen Grad Probleme und z.B. Schuldgefühle ausblenden.
Ich habe auch Sachen im Suff gemacht die ich sonst nie, niemals nie getan hätte.
Es ist zwar alles immer Gut gegangen, also es ist niemand zu schaden gekommen. Aber wenn ich heute daran denke, was ich alles getan habe, wird mir schlecht.
Meine Freundin musste auch Pyschoterror aushalten, ich habe da auch mit alles fießen Tricks gearbeitet, um Ihr Schuldgefühle einzureden. Oder Vorwürfe zu machen und mich als armer Opfer hinzustellen. Das war dan wieder der perfekte Grund die nächste Flasche aufzumachen, weil die Welt ja so böse ist.
Ich wünsche dir alles Gute und hoffe ich konnte dir ein paar deiner Fragen beantworten.
Viele Grüße
Erdling
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Erdling hat zum Thema: Re: Ich kann einen Alkoholkranken nicht verstehen geschrieben
dagmar007
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.05.2008
Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 18.05.2008, 17:42    Titel: Danke Erdling, Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

ja, ich glaube Du konnstest mir ein bischen etwas erklären. Vor allen Dingen habe ich begriffen, dass ich zwar einen liebenswerten Menschen zum Partner gewählt hatte, er das aber nun nicht mehr ist. Ich habe auch wirklich an meiner Auswahl gezweifelt und mich gefragt ob ich mir von Anfang an etwas eingebildet hatte.

Das aber, was Du schilderst, scheint mir genau in die Richtung zu gehen was bei uns gerade passiert.

Ich kann ihm nicht helfen - weder jetzt noch später - denn er hat keinerlei Einsicht und wird sich immer daran orientieren, wo oder wie er den meisten Stoff herkriegt und das ohne Probleme. Mein Ex-Partner kann nicht kommunizieren und gleich gar nicht über seine Gefühle, somit kann er auch nichts verarbeiten oder im Gespräch mit anderen realisieren.

Somit rennt auch er vor Problemen davon: vor mir weil ich den Alkohol unterbinden will. Vor seiner neuen Freundin wohl weil diese auch sehr viele Probleme habe (ich habe ihn jedoch in der Schilderung unterbrochen weil mich das weder etwas angeht noch interessiert). Durch seine vorhandenen Ängste und dem Zusammenspiel mit dem Alkohol ist ein Mensch entstanden, der nichts mehr zu tun hat mit demjenigen den ich leider noch oft sehe. Es sind die Erinnerungen an einen ganz anderen Menschen - Betonung auf Mensch: denn ich bitte um Entschuldigung. Aber trotz aller vermeintlicher Liebesbekundungen wirkte mein Expartner in den letzten Tagen als gefühllos. Eher einstudiert, im Sinne von "ich spiele Dein Spiel mit" Warum ich noch immer leide obwohl ich weiß wie er mit mir umgeht frage ich mich selber .... und bei jeder der Fragen tut es wieder weh.

Super, dass Du es geschafft hast und keinen Menschen so verletzt wie er mich!!!! Es wäre toll, wenn Du dabei bleiben kannst!!!! Toi toi toi!!!

Lieben Gruß von Dagmar
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dagmar007 hat zum Thema: Danke Erdling, geschrieben
Saila
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 09.05.2008
Beiträge: 148

BeitragVerfasst am: 18.05.2008, 19:15    Titel: Re: Ich kann einen Alkoholkranken nicht verstehen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Dagmar,

ich habe Deinen Text sehr aufmerksam gelesen. Zunächst muss ich Erdling hier für seine Antwort danken, denn die sagt sehr viel über unsere Krankheit aus.

Ich selber bin seit 13 Jahren verheiratet und habe 2 Jungs. Als ich meine Frau kennen gelernt habe, waren wir oft auf Partys am WE und haben gemeinsam getrunken (nicht gesoffen, aber es war schon sehr viel). Dann war unser großer unterwegs und meine Frau hat ganz aufgehört. Ich habe mir Abends meine 1-2 Feierabendbier erlaubt und es war noch alles im Lot.

Ein paar Jahre später kam der Kleine und bei mir haben berufliche Probs angefangen. Nicht wegen dem Alk. Das war der Anfang vom Ende! Aber ich wollte das nicht sehen. Ich habe Abends immer mehr Bier getrunken und habe mich nur noch daheim eingeigelt. Meine Frau ist oft mit den Jungs alleine raus und ich habe gesoffen. Dann wurde auch unsere Beziehung immer schwieriger. Sie hat mir immer bestätigt das ich ein guter Vater sei - aber auf Beziehungsebene war eigentlich alles kaputt. Sie hat dann angefangen Gruppen (SHG) wie AL-Anon bzw. später dann auch EL-Anon zu besuchen. Ab dem Moment hat sie mir nicht mehr versucht zu helfen. Sie hat mich einfach links liegen lassen und wir haben für die Kinder einige Jahre nebeneinander hergelebt. Dann kam eine Phase in der sie mir immer wieder gedroht hat mich zu verlassen. Das war schlimm für mich und ich habe Trinkpausen eingelegt. Toll, jeder Rückfall hat dazu geführt das es nur schlimmer wurde. Teilweise bin ich auch egoistisch und agressiv (aber nicht Gewaltsam) geworden. Kurz um, vor 1,5 Jahren ist sie ausgezogen. Wir verstehen uns sehr gut wenns um die Kinder geht oder wir uns oberflächlich helfen müssen. Aber mehr auch nicht mehr. Ich bin dann in eine kleinere Wohnung, wo die Jungs alle 2 Wochen bei mir sein können. Aber ich habe weiter getrunken, fast wie aus Fleiß.

Ich musste erst in ein richtiges Loch fallen bevor ich verstand, das sie mich sicherlich noch mag bzw. vielleicht auch liebt. Aber eben so wie Du es auch schreibst: den Mensch den sie ohne Alk mal kennen gelernt hat. Heute fange ich an für mich ein trockenes Leben aufzubauen. Und ich bin inzwischen soweit, das ich auch sagen kann: ich bin ein Alkoholiker!

Ich lese sehr oft hier im Co-Bereich, da ich nicht nur mich verstehen lernen möchte, sonder auch was in den ganzen Jahren in meiner Frau vorgegangen sein muss. Es ist eine Art Therapie für mich.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft auf Deinem Weg und vor allem das Du immer an Dich denkst. Es geht um Dein Leben!!! (Das musste ich auch erst lernen)

LG
Saila
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Saila hat zum Thema: Re: Ich kann einen Alkoholkranken nicht verstehen geschrieben
dagmar007
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.05.2008
Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 18.05.2008, 19:44    Titel: Danke, lieber Saila Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

für die offenen Worte. Es schmerzt schon sehr, wenn man/frau sich gefühlmässig abgeschossen oder einfach nur benutzt vorkommt - quasi als Mittel zum Zweck bzw. in meinem Fall "nur" als Mietanteilzahler, da ich eine Kälte spüre, die für mich "eiskalt ist" trotzt gegenteiliger Worte. Ich denke auch, er ist in einem Zustand, in dem er Liebe nicht mehr empfinden kann - einfach weil der Wunsch nach dem Stoff so stark da ist. Er bemüht sich über Tage "sauber" zu bleiben, der erste ersehnte Schluck an einem fremden Ort sorgt dann vermutlich für ein haltloses Nachschütten.

Er wird vermutlich nicht zu der Erkenntnis kommen dass er anders mit seinem Leben umgeht als die Menschen um ihn herum. Auch er wird aggressiv, klar, er hat in seinem Leben nie gelernt Probleme zu bewältigen. Hat sie immer verschleift und im Notfall hat ihn Papi - der seit vier Wochen nicht mehr lebt - rausgehauen.

Ich denke oder kann von mir sagen, ich habe ihm nicht geholfen weil mir einfach klar war, das Entschuldigungen für den Arbeitgeber ebenso wenig meine Aufgabe sind wie die Tatsache, ihn vor dem Gerichtsvollzieher oder dem Verlust der Arbeit durch Unpünktlichkeit zu bewahren. Dennoch habe ich die Co-Abhängigkeit in mir - und er ist das Suchtmittel -

Ich habe vorhin mein Bettzeug ins Gästezimmer geschleift nebst dem wichtigen Wecker und ihm auf Mailbox gesprochen dass ich seine Entscheidung akzeptiere und ihn einfach bitte keine Diskussionen und Gespräche mit mir über die Beziehung zu führen. Ich lasse ihn in Liebe frei und wünsche ihm alles gute für seine Freiheit, aber auch er möge mich in Ruhe lassen, damit ich meinen Frieden bekomme.

Ich gehe mal davon aus, das er das tun wird. Denn so hat er ja die gewünschte Freiheit zu konsumieen was er will und ich vielleicht die Chance mich selber zu finden, wieder zu finden besser gesagt.

Danke für Deinen Wunsch nach Kraft, die ich brauche über alle Maße. Es geht mir beschi***n, aber ich weiß daß ich es mir und auch meiner Familie schuldig bin nicht so aufzugeben. Nicht einfach - auch wenn ich es gerne täte - im Boden versinken kann um den Schmerz nicht mehr zu erleben.

Natürlich hat "er" es leichter, er kann seinen Schmerz wegpumpen, ich kann das nicht. Aber helfen kann ich ihm auch nicht, denn ich denke mal, mengenmässig ist er schon in der Rubrik dass körperliche Schäden anstehen. 25 Jahre Alkoholmissbrauch dürften zu Buche schlagen, denn die Vernachlässigung des Äusseren ist nicht zu übernehmen. Wobei letzte Woche nahm er sich zusammen, aber wie lange er das für sich halten kann weiß der Geier.

Lieben Dank für Deine Erklärungen, die mir etwas helfen mich nicht als schlechter zu sehen als ich war. Denn vielleicht haben die "Du böse Frau bringst mich dazu zu trinken, aggressiv zu sein ect." Worte doch nachgewirkt.

Lieben Gruß von Dagmar

und Dir ganz viel Glück auf Deinem weiteren Weg, wo auch immer er Dich hinführen soll!
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dagmar007 hat zum Thema: Danke, lieber Saila geschrieben
Saila
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 09.05.2008
Beiträge: 148

BeitragVerfasst am: 18.05.2008, 20:19    Titel: Re: Ich kann einen Alkoholkranken nicht verstehen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Dagmar,

dieser Satz von Erdling war für mich total treffend:

Erdling hat Folgendes geschrieben:
Mein Leben drehte sich eigentlich nur um den Konsum von Alkohol, ich habe alles danach ausgerichtet. Teilweise waren mir andere Menschen auch egal geworden, weil sich alles nur ums trinken drehte.


Das einzige was mir in den letzten Jahren der Beziehung neben dem Alk noch wichtig war, waren meine beiden Jungs (mit denen ich auch sehr viel gemacht habe) und meine Arbeit. Aber Abends, wenn MEINE Zeit anfing gabs nur noch das Bier.

Ich habe meine Frau auch immer als: "Du willst alles von mir und gibst mir aber nichts!" gesehen. Jetzt, wo die Situation neu ist und ich auch endlich nüchtern drüber nachdenken kann, fällt mir erstmal auf, was aus mir - einem eigentlich sehr Harmonie liebenden Menschen - der Alk gemacht hat.

Ich konnte mir nur selber helfen, indem ich erkannt habe das ICH mein Problem bin! Erst mit dieser Einsicht habe ich jetzt auch den Elan und den Mut den Weg in eine trockene Zukunft zu gehen. Meine Frau hat mir hier eigentlich nur mit ihrem Auszug geholfen - macht mich immer noch sehr traurig - ist aber die reine Wahrheit, auch wenn sie für mich heute immer noch schrecklich ist. Aber ich bin jetzt soweit, das ist nicht mehr böse bin, sonder eigentlich bereits nach wenigen Wochen in meinem neuen Leben eine Art Dankbarkeit empfinde.

Wichtig ist nur, egal ob Alkoholiker oder auch Co, wir müssen lernen bei uns zu bleiben und nur für uns in die Zukunft zu schauen.

Im Co-Bereich hat Dir jemand geschrieben, so nach dem Motto: Lieber jetzt einmal richtig down aber dann Dein Leben nur noch vorwärts führen. Das fand ich eine sehr schöne Aussage!

Ich wünsche Dir, das Du Deinen Weg findest! Er wird Kraft kosten, aber am Ende wird sich dieser kleine Anstieg für Dein Leben sicherlich gelohnt haben.

LG
Saila
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Saila hat zum Thema: Re: Ich kann einen Alkoholkranken nicht verstehen geschrieben
dagmar007
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.05.2008
Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 18.05.2008, 20:36    Titel: Kraft versuche ich wieder aufzubauen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

ich hoffe für mich selber einfach dass er mir aus dem Weg geht und das auf Mailbox gesprochene akzeptiert. Denn wenn wir uns weitergehende Erklärungen und Diskussionen ersparen nötigen wir uns beide nicht uns immer und immer wieder selbiges zu versprechen, was wir als Paar nicht halten können.

Ich hoffe einfach ihm durch die Aussage, ihn in "Liebe" freizulassen und seine Freiheiten zurückzugeben ihm das zu ermöglichen, was er als einziges will: in Ruhe trinken.

Wo geht mich nichts mehr an, ob beim Seitensprung oder im heimischen Keller interessiert mich nicht - hat mich nicht zu interessieren. Wichtig ist einfach (und da hoffe ich, dass er mir keinen Strich durch die Rechnung macht) das keine Themen über uns als Paar im Raum stehen.

Vermutlich hat Dir Deine Frau das Leben und den Job gerettet, wer weiß, vielleicht findet Ihr beide wieder zueinander da DU zu DIR gefunden hast. Ich denke, dass ist der Dreh- und Angelpunkt in vielen Dingen oder Verhaltensweisen. Ich habe meinen noch nicht gefunden, weil mein Leben quasi in Scherben liegt - dennoch auch eine Chance alles neu aufzubauen. Noch weiß ich nicht genau wie ich diesen Berg wegschaffen soll, aber ich habe in meinem Leben schon so viel schaffen und ertragen müssen, dass ich es hier auch mit kleinen Schritten hoffentlich schaffe.

In jedem Fall tut mir der Austausch gut. Allein und verlassen fühle ich mich ja, aber weil es anderen ähnlich geht hat man nicht mehr ganz so das Gefühl soooo alleine zu sein. Vor allen Dingen zu sehen, dass es co wie auch Alkoholiker schaffen sich selber zu befreien zeigt mir, dass wohl auch ich es schaffen kann.... so hoffe ich .... wie gesagt, derzeit weiß ich noch nicht so ganz wie, denke aber die ersten Schritte von mir (Bettzeug weg, Nachricht auf Mailbox) sind für mich persönlich schon viel. In der Vergangenheit habe ich Vorwürfe auf die Mailbox gesprochen oder bei seiner Ankunft Terror gemacht. Das entfällt nun zwangsläufig, da ja ich die Aussage getroffen habe "ich akzeptiere Deine Entscheidung und entlasse Dich von meiner Seite in die gewünschte Freiheit - was alle Sektoren seines Lebens betrifft".

Lieben Gruß von Dagmar
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dagmar007 hat zum Thema: Kraft versuche ich wieder aufzubauen geschrieben
Saila
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 09.05.2008
Beiträge: 148

BeitragVerfasst am: 18.05.2008, 22:03    Titel: Re: Kraft versuche ich wieder aufzubauen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Dagmar,

mir geht die Verzweiflung die Du heute hier schriebst sehr nah. Ich erkenne sehr viel von mir und meiner Frau wieder. Aber zu diesen Zeilen möchte ich noch was schreiben:

dagmar007 hat Folgendes geschrieben:
Vermutlich hat Dir Deine Frau das Leben und den Job gerettet, wer weiß, vielleicht findet Ihr beide wieder zueinander da DU zu DIR gefunden hast. Ich denke, dass ist der Dreh- und Angelpunkt in vielen Dingen oder Verhaltensweisen. Ich habe meinen noch nicht gefunden, weil mein Leben quasi in Scherben liegt - dennoch auch eine Chance alles neu aufzubauen.


Das meine Frau mir mein Leben gerettet hat steht ausser Frage! Der jetzige Job (seit 4 Jahren) war nicht gefährdet in der Zeit.

Aber wichtig ist nur, das meine Frau ihren Weg als CO geht und ich jetzt endlich meinen als Alkoholiker! Es steht auch nicht im Raum ob wir wieder zusammen finden! WICHTIG ist nur das wir, jeder für sich sein Leben findet und geht! Wir brauchen nicht drüber zu reden ob wir je wieder eine Chance haben. ICH habe meine Krankheit erkannt und arbeite auf den STOPP hin. Meine Frau arbeitet für sich auf ein neues Leben hin.

Aber auch bis hier hin war es ein schwerer Weg. Wir mussten immer wieder Kontakt haben - wegen den Kindern - aber auch hier war ich teils eine Pflaume! Meine Frau hat letztendlich auch vor einem Trümmerhaufen gestanden, aber sie hat durch die vielen SHGs die sie besucht hat den Weg gefunden. Heute ist ein normaler Umgang alltäglich und wir reden über alles ausser Beziehung. Wir feiern Weihnachten, Gebs. etc. zusammen und ja, wir gestalten diese auch gemeinsam. Aber auch nur, weil ich einsichtig war zu sagen: ICH bin Alkoholiker!

Am Freitag sagte einer in meiner SHG: Wenn ich mich in den Arm nehme und mich spüre, dann bekomme ich die Kraft die ich bis nächste Woche brauche.

Ich habe mir diesen Satz mitgenommen und der steht an meinem Spiegel, so dass ich morgens dran denke.

LG
Saila
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Saila hat zum Thema: Re: Kraft versuche ich wieder aufzubauen geschrieben

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