| ich und viele fragen • seit 9 Monaten trocken, aber noch Co-?! |
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 31609 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 09.05.2008, 10:19 Titel: soziale Phobie |
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Hallo,
ich möchte mal eine Diskussion anregen, die sich auf die soziale Phobie ausrichtet.
Viele von uns haben sicherlich auch Ängste, sich in reale Selbsthilfegruppen zu begeben und dort vor fremden Menschen zu reden.
Dies ist ja hier in unserer Onlineselbsthilfegruppe anders und es kann auch ein hilfreicher Erfahrungsaustausch stattfinden, ohne das ein zu enger Kontakt zu anderen Menschen stattfindet.
Gruß
Karsten |
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| Karsten hat zum Thema: soziale Phobie geschrieben
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Plejaden sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.08.2007 Beiträge: 1174 Alter: 33
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Verfasst am: 10.05.2008, 08:03 Titel: Re: soziale Phobie |
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Hallo zusammen,
im Folgenden möchte ich mal meine mehrjährigen Erfahrungen mit Sozialphobie niederschreiben, besonders im Fokus des Alkohols. Wenn's gestattet ist .
Alkohol ist für viele Sozialphobiker das scheinbar ideale Mittel zur Eigentherapie - leicht zu bekommen, dämpft die Ängste, enthemmt. Kurzum: Beseitigt alle negativen Aspekte der Phobie.
Das besonders destruktive an diesem Missbraucht ist, dass er von anfang an höchst zielgerichtet betrieben wird, was imho die Suchtwirkung des Alkohols noch um ein Vielfaches verstärkt. Ich möchte mich da als Beispiel anführen, ich vertrage eigentlich überhaupt keinen Alkohol und wurde sehr schnell betrunken, aber weil ich Alkohol immer im höchstem Maße zielgerichtet getrunken habe, wurde ich selbst von diesen "geringen" Mengen abhängig (heute halte ich 5 Flaschen an zwei Abenden in der Woche keineswegs mehr für gering).
Ein weiteres Problem ist, dass Sozialphobiker gerade aufgrund des Wesens ihrer Angsterkrankung Probleme haben, die üblichen Hilfsangebote wahrzunehmen. Für einen Therapeuten müssten sie zum Arzt gehen und sich outen (hochgradig angstbesetzt) und nach einem geeigneten Therapeuten suchen (hochgradig angstbesetzt). Häufig nehmen Sozialphobiker den erstbesten Therapeuten, egal ob er passt oder nicht und "sitzen das aus" bis zum Ende der Therapie.
Alkohol bietet dagegen die Möglichkeit, seine Ängste für eine gewisse Zeit heimlich und völlig unkompliziert loszuwerden. In den meisten Communities zur Sozialen Phobie wird Alkohol auch als völlig legitimes Mittel angesehen, um seine Ängste dauerhaft "in den Griff zu kriegen". Aufklärung ist da völlig sinnlos, weil man gegen ein vielstimmiges Heer anschreit, wie ich feststellen musste.
Ich möchte alle ermutigen, die an solchen Ängsten leiden, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und zu versuchen sie zu überwinden - auch und gerade mit professioneller Anleitung. Denn auch bei Sozialphobie kann man herumeiern. Jeder hat noch viele Jahre voller Lebensqualität vor sich, die nicht von der Angst diktiert sind.
Ich habe es fast geschafft.
LG
Plejaden |
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| Plejaden hat zum Thema: Re: soziale Phobie geschrieben
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Plejaden sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.08.2007 Beiträge: 1174 Alter: 33
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Verfasst am: 10.05.2008, 08:10 Titel: Re: soziale Phobie |
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Ich möchte vielleicht noch anmerken, dass ich mir innerhalb einer solchen Community inzwischen einen kleinen Kreis von anderen Sozialphobikern gesucht habe, die ebenfalls abhängig gewesen sind und nun ihren Weg trocken gehen. Wir versuchen unsere Ängste nachhaltig zu lösen und zu überwinden, um diesen Potentiellen Grund der Suchtmittel-Einnahme zu beseitigen.
Kleine Anmerkung: Obwohl sie dieses Forum nicht kenne, leben sie ebenfalls nach den Grundbausteinen. |
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| Plejaden hat zum Thema: Re: soziale Phobie geschrieben
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Bömby neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 08.05.2008 Beiträge: 12
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Verfasst am: 11.05.2008, 19:14 Titel: Re: soziale Phobie |
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Ich habe zwar keine Sozialphobie, aber hatte mehr als 20 Jahre eine massive Schlangenphobie. Diese war so stark ausgeprägt das ich wenn im Fernseher nur eine Schlange ansatzweise zu sehen war ich schreiend auf die Couch gesprungen bin und dort geblieben bin bis einer den Fernseher ausgeschaltet hatte. Eines Tages telefonierte ich mit einem Kinderpsychologen wegen einem Kind aus unserer Einrichtung. Zum Ende fragte ich Ihn nach einem guten Kollegen wegen meiner Phobie.
Er meinte er könne mir vielleicht jetzt schnell am Telefon helfen er wolle es mal probieren. Er stellte einige Fragen bei was ich diese Phobie entwickelt hätte, wie sich meine Reaktionen verändert haben und ob ich noch wisse wie es über haupt dazu kam.
Das wuste ich noch sehr gut mein großer Bruder hat mir immer vorm Schlafen gehen ein Bildband mit Schlangen vor die Nase gehalten und mich in panische Angst versetzt.
Die nächste Frage war dann diese: Wie war das vor diesen Ereignissen hat sie da schon Angst? Als ich das verneinte, bat mich der KP mich gedanklich vor die Zeit zu begeben wo das mit der Angst war und bat mich dort gedanklich zu verweilen.
Kurz um ich habe diese Phobie damals fast über wunden. Heute kann ich mit meinem Sohn Tierfilme ansehen, erschrecke zwar kurz wenn eine Schlange vom Baum fällt, aber das was dann auch.
Was ich sagen will der richtige Therapeut zu rechten Stelle kann wirklich weiter helfen.
LG
Bömby |
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| Bömby hat zum Thema: Re: soziale Phobie geschrieben
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Andreas1970 aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 03.04.2006 Beiträge: 842 Alter: 41 Wohnort: Thüringen
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Verfasst am: 12.05.2008, 05:17 Titel: Re: soziale Phobie |
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Guten Morgen Plejaden,
mit Interesse habe ich deinen Beitrag hier gelesen und viele Parallelen zu mir fest gestellt.
Ich habe so mit ca. 20 Jahren eine Sozialphobie entwickelt, die ich mit dem Alkoholkonsum zu unterdrücken versuchte. Dies funktionierte am Anfang mal gut und mit zunehmender Dauer mal weniger gut. Daraus resultierte ein gesellschaftlicher Rückzug, aber der Alkoholkonsum blieb. Sicherlich auch ein Baustein für meine Alkoholkrankheit.
Es gab mal von mir einen halbherzigen Versuch, der mich schon viel Überwindung gekostet hat, zu meinen Hausarzt zu gehen und darüber zu reden. Nach einer "witzigen" Bemerkung vom Hausarzt war das Thema erledigt und ich fühlte mich nicht ernst genommen. Ich war froh als ich dort wieder raus war und vergrub mich weiter. Wenn ich da jetzt zurück blicke, hätte ich anders reagieren müssen und würde es heute sicher anders machen, aber damals war das für mich nicht vorstellbar.
Mir blieb ja immer noch mein Mittel Alkohol zur "Eigentherapie", wie du so schön schreibst.
Nun habe ich das Glück, das ich eine SHG besuche, die in der Klinik statt findet, wo ich entgiftet habe (08/2007). Die SHG wird von einer Therapeutin der Suchtklink geleitet und ich kann dort auch Einzelstunden bekommen. Die Symptome der Sozialphobie sind seit ich nicht mehr trinke weniger geworden, aber immer noch nicht ganz weg.
Mein nächstes Ziel seht fest!
Bis bald, Andreas |
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| Andreas1970 hat zum Thema: Re: soziale Phobie geschrieben
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carnel aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.10.2006 Beiträge: 986 Wohnort: Baden-Württemberg
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Verfasst am: 13.05.2008, 08:07 Titel: Re: soziale Phobie |
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hallo zusammen,
ich habe selbst auch jahre lang selbstmedikation mit alkohol betrieben. auch wegen meiner damals extremen sozialphobie. kein mensch konnte sich das bei mir vorstellen. als ich vor jahren mal einen freund ansprach sagte selbst er: ach was mensch, du? bist doch offen, selbstbewusst etc. erst als ich ihm sagte, dass er mich so nur mit alk im blut sah nahm er mich ernst. aber damals war ich noch weit weg vom eingeständniss schon süchtig zu sein.
ich glaube der wesentliche aspekt ist der, dass man sich trotzdem als "vollständigen" alkoholiker sieht. das war anfangs nämlich mein problem. ich dachte: du hast gesoffen weil du angst hattest! das normale resultat draus wäre ja, dass wenn ich meine sozialphobie erfolgreich therapiert habe ich wieder trinken könnte. es dauerte bei mir über ein halbes jahr bis ich wusste: ich bin alkoholiker und eben angstpatient. der zusammenhang ist sekundär. hätte ja auch sonstwas nehmen können damit ich "locker" werde.
mittlerweile bin ich soweit das ich fast angstfrei bin. immer dann wenn mein stresslevel hoch ist habe ich auch mehr angst. das wird wohl jeder kennen. von daher wege ich ab was notwendig ist. aber ich werde nie mehr vor meiner angst davonlaufen. ich schaue eben nur das keine alkbedingten gefahrensituationen damit verbunden sind.
ich nutze sie mittlerweile also als indikator wie es mir geht. da brauch ich mir auch keine sorgen zu machen. in dem punkt kann ich meiner angst vertrauen.
gruß
carnel |
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| carnel hat zum Thema: Re: soziale Phobie geschrieben
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carnel aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.10.2006 Beiträge: 986 Wohnort: Baden-Württemberg
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Verfasst am: 14.05.2008, 07:40 Titel: Re: soziale Phobie |
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..was mir noch einfällt..
zum thema therapie bin ich fest davon überzeugt, dass nur die konfrontation mit der angst hilft. sich ihr stellen und lernen damit umzugehen. ein internetforum, egal welcher art, kann nur einstieg in die erfolgreiche therapie bieten. den rest muss man sich schon im realen leben erarbeiten. von nix kommt nix.
gruß
carnel |
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| carnel hat zum Thema: Re: soziale Phobie geschrieben
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Plejaden sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.08.2007 Beiträge: 1174 Alter: 33
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Verfasst am: 20.05.2008, 21:47 Titel: Re: soziale Phobie |
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Hallo zusammen,
bei mir hat sich meine Angst auch vor allem durch Konfrontation gebessert. Man muss sich da langsam rantasten, darf sich nicht über- aber auch nicht unterfordern und das Erlebte kognitiv verarbeiten.
@Andreas1970: Ja, das ist eben das Problem - durch die Angst lässt man sich viel zu leicht entmutigen. Es reicht, dass es nicht 100%ig läuft und schon gibt man vor lauter Angst auf. Der Alk ist dann die leichtere Alternative .
@carnel: Diese Trennung musste ich auch für mich erkennen, das hast du sehr schön beschrieben. Ich bin Angstpatientin und Alkoholikerin, beides muss adequat behandelt werden, wobei die Behandlung der Angst anders aussieht als die der Alkoholkrankheit. Und selbst wenn meine Ängste irgendwann 100 % weg sein sollten, die Sucht bleibt.
Durch die Sucht ist der Alkohol vom "Medikament" (das er tatsächlich nie wirklich war!) zum Selbstzweck geworden. Das merkt man besonders deutlich, wenn man weiter Alkohol konsumieren muss, obwohl er die Ängste zu verstärken beginnt - das "Medikament" scheitert, aber man muss es trotzdem weiter konsumieren.
LG
Plejaden |
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| Plejaden hat zum Thema: Re: soziale Phobie geschrieben
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