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wie soll ich mit ihm umgehen?   •    (Noch) nicht genug Mut  
Autor Nachricht
Nathalia
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.05.2008
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 06.05.2008, 09:30    Titel: Neu hier Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ich möchte mir kurz vorstellen. Mein Name ist Nathalia, ich bin 33 Jahre alt, ganztags berufstätig, trinke keinen Tropfen Alkohol. Ich bin seit 10 Jahren mit meinem Lebensgefährten (54 Jahre alt) zusammen. Er ist (auf dem Papier) noch verheiratet und hat 2 erwachsene Kinder, die aber etwas weiter weg wohnen. Ich habe gerade meine Wohnung gekündigt und ziehe zu ihm. Ausserdem haben wir aus finanziellen Gründen geplant, auf ein Auto zu verzichten, und da meines älter ist, werde ich mich davon trennen. D.h. im Klartext, dass ich jetzt ein großes Stück Unabhängigkeit aufgebe.

Mein Freund hat schon immer gerne etwas mehr Alkohol getrunken. Allerdings nur, wenn wir abends weggegangen sind und in Gesellschaft waren. Tagsüber hat er nichts getrunken. Er war allerdings bis vor 8 Jahren starker Kettenraucher (bis zu 5 Schachteln am Tag) und hat von heute auf morgen (typischer Silvestervorsatz) damit aufgehört und seitdem keine Zigarette mehr angerührt.

Seine Familie weiss nichts von seiner Trinkerei. Wenn seine Kinder zu Gast sind, fällt ihnen zwar das 2. Viertel Wein auf und sie sagen auch was, aber mein Freund wiegelt immer ab und ich denke mir immer "Kinder, wenn ihr wüsstet ...".

Vor 4 Jahren wurde er arbeitslos. Das blieb er dann auch gut 2 1/2 Jahre. In der Zeit änderte sich sein Trinkverhalten. Er trank schon Nachmittags Wein.

Dann entschloss er sich dazu, ein Wein- und Speiselokal zu eröffnen. Im September 2007 haben wir eröffnet. Seitdem arbeitet er 16 - 18 Stunden am Tag körperlich und geistig hart, neben meinem Volltagsjob arbeite ich abends ebenfalls im Lokal. Er isst den ganzen Tag nichts und hat in der kurzen Zeit mittlerweile 27 Kilo abgenommen. Erst spätabends essen wir dann zusammen. Sein Alkoholkonsum an normalen Arbeitstagen: 1 - 1 1/2 Liter Wein täglich. Am freien Sonntag sind es 1 1/2 - 2 Liter Wein und 3 - 5 Stamperl Schnaps.

Im Januar wurde er von der Polizei angehalten. Der Bluttest ergab 2,11 Promille, der Führerschein ist erstmal für 1 Jahr weg. Wir sind beide nicht traurig darüber, es ist gut so, er will seinen Führerschein gar nicht mehr zurückhaben!

Seit Monaten leide ich unter dieser verschärften Situation und habe versucht, auf ihn einzuwirken. Ich mache mir sehr große Sorgen um seine Gesundheit. Ihm ist klar, dass er etwas ändern muss. Aber, aber, aber ... es gab immer irgendwelche Ausreden. Der harte Job, der viele Stress, der Tod eines guten Freundes ... etc. etc. Er hat sich immer strikt geweigert, zum Arzt zu gehen, obwohl dieser gut mit ihm befreundet ist und ihm jegliche Hilfe bieten würde. Schon vor 2 Jahren waren seine Leberwerte "unterirdisch", vor dem Ist-Stand hat er panische Angst.

Im Suff ist er aggressiv, unfair, ungerecht, beleidigend. Er ist nicht mehr er selbst. In Gesellschaft schläft er ab einem gewissen Alkoholpegel einfach am Tisch ein. Am nächsten Morgen folgt dann stets die Entschuldigung.

Gestern abend konnte ich nicht mehr! Er war wieder einmal sturzbetrunken. Ich bat ihn am Nachmittag, mir vom Lokal meine Cola mitzubringen, das einzige was er mitbrachte, war sein Nachschub an Wein. Nach dem Lesen hier im Forum wurde mir klar, dass mein Freund ein Alkoholiker ist. Den Alkohol hab ich sofort entsorgt. Heute morgen hat er von sich aus das Gespräch gesucht und ich habe ihm auf drastische Weise zu verstehen gegeben, wie abstossend ich seine Sauferei finde und dass ich ihn nicht mehr dabei unterstützen kann und wir uns trennen müssen, wenn er nicht mit dem Trinken aufhört.

Er ist einsichtig. Er will damit aufhören. Heute morgen sprach er noch von kaltem Entzug. Er meinte, ihm würde es vielleicht besser als Warnung dienen, wenn er die Entzugserscheinungen ohne Hilfe durchstehen müsse. Ich hab ihm geraten, unbedingt zum Arzt zu gehen. Heute Mittag rief er mich an: er hätte heftige Entzugserscheinungen, müsse ständig erbrechen, zittere, an vernünftiges Arbeiten ist gar nicht zu denken. Ausserdem beichtete er mir, dass er mich angelogen hat, er fängt schon mittags an, zu trinken. Und er hat doch endlich beim Arzt angerufen und sich "geoutet". Er bekommt jetzt Medikamente gegen die Entzugserscheinungen. Das gefürchtete Blutbild ist natürlich unverzichtbar. Ich bin sehr froh, dass er diesen Schritt gewagt hat. Ist es doch ein Zeichen, dass er aus diesem Teufelskreis wirklich raus will.

Es liegt ein sehr steiniger Weg vor uns. Er, der Alkoholiker, hat ein Weinlokal. Seine Freunde und Stammgäste trinken selbst nahezu täglich bis zu 2 Liter Wein. Das sind keine guten Voraussetzungen, trocken zu werden. Das Geschäft können wir nicht einfach schliessen. Er hat zuviel investiert und es müssen im Grunde 2 Familien davon leben.
Eine stationäre Therapie ist ebenfalls nicht möglich und eine ambulante in einem 18 Stunden-Arbeitstag unterzubringen wird sicher auch nicht einfach. Geschweige denn von Treffen in einer SHG.

Ich hoffe, dass ich hier viele Anregungen bekomme, wie ich ihn bei seinem Weg in die Abstinenz unterstützen kann.

Viele Grüsse
Nathalia
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Nathalia hat zum Thema: Neu hier geschrieben
Jenny2
Gast






BeitragVerfasst am: 06.05.2008, 09:39    Titel: Re: Neu hier Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Nathalia,

erstmal herzlich Willkommen.

Dein Freund hat einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, aber zu glauben, dass jetzt alles gut wird ist ein bisschen naiv. Dein Freund ist Alkoholiker und hat ein Lokal, wie soll er dann dort wirklich vom Alkohol wegkommen, wenn irgendwo immer die Fallen sind. Zu schreiben, dass ihr nicht einfach schliessen koennt, kann ich etwas nachvollziehen, aber das ist auch nur ein Gedankengang, der in die voellig falsche Richtung geht. Ihr solltet ernsthaft darueber nachdenken wie ihr zukuenftig einen trockenen Weg geht und das sehr wahrscheinlich ohne Lokal. Alkoholismus endet toetlich, wenn Dein Freund da nichts macht, mein Stiefvater ist letztes Jahr mit 56 Jahren gestorben.

Alles Liebe,

Jenny
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Jenny2 hat zum Thema: Re: Neu hier geschrieben
Nathalia
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.05.2008
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 06.05.2008, 10:23    Titel: Re: Neu hier Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Jenny,

das tut mir so leid, dass Dein Stiefvater diese furchtbare Krankheit nicht überlebt hat! Traurig

Wir wissen genau um diese tödliche Gefahr. Er ist sich dessen völlig bewusst. Er will es jetzt wirklich schaffen. Dass er seinen Hausarzt eingeweiht hat (der allerdings schon durch mich lange vorher informiert war) war für ihn schon ein Riesenschritt.

Gestern hat er von sich aus das Gespräch mit einem weiblichen Stammgast gesucht, die Frau war selbst Vollalkoholikerin und hat enorme Organschäden davon getragen und sie hat ihm ihre Leidensgeschichte erzählt. Seine Mutter (75 und seit 30 Jahren trockene Alkoholikerin) hat er heute informiert. Seinen Freunden hat er bereits mitgeteilt, dass er jetzt keinen Alkohol mehr trinkt, gab aber andere Gründe dafür an. Er meinte zu mir, dass ihm der Alkoholgeruch beim Einschenken der Getränke im Lokal nichts ausmache.

Einige erschütternde Details musste ich erfahren. Er beichtete mir, dass er bereits morgens vor 10 Uhr das erste Glas getrunken hat. Weinen Er hat den Wein regelmässig umgefüllt und in leere Weinflaschen Leitungswasser gefüllt, damit ich nicht kontrollieren kann, wieviel er getrunken hat. Geschockt

Er hatte gestern ziemlich starke Entzugserscheinungen, er musste sich ständig erbrechen, nichtmal Wasser konnte er behalten, Krämpfe in den Händen (er konnte nichtmal ein Glas halten), Zittern, Schüttelfrost, Nervosität. Aber mit jeder Stunde wurde es besser. Das Abendessen konnte er schon wieder behalten und die Nacht konnte er gut schlafen.

Sein Körper ist seit Wochen übersät mit dunkelblauen Flecken, teilweise sehr grossen. Kein Wunder, das Blut muss ja enorm dünn sein. Aber schon jetzt sind die Hämatome um einiges besser.

Seit Arzt hat ihm für die erste Zeit Campral verschrieben. Er ist sich aber nicht sicher, ob der die Tabletten nehmen soll. Frage

Er ist momentan hoch motiviert, er meint, der Tag gestern war einer der Schlimmsten in seinem Leben und er will das nie mehr erleben müssen. Er möchte es unbedingt schaffen.

Was kann ich tun, um ihn dabei zu unterstützen?

Viele Grüsse
Nathalia
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Nathalia hat zum Thema: Re: Neu hier geschrieben
Eric
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 22.09.2006
Beiträge: 470
Wohnort: Trocken seit Januar 2007

BeitragVerfasst am: 06.05.2008, 10:29    Titel: Re: Neu hier Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Nathalia!

Nathalia hat Folgendes geschrieben:
Er meinte zu mir, dass ihm der Alkoholgeruch beim Einschenken der Getränke im Lokal nichts ausmache.


Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Unserer Krankheit kommt man nicht alleine mit dem Willen bei. Wir haben ein Suchtgedächtnis, das jederzeit wieder anspringen kann. Und es wird anspringen, wenn man den ganzen Tag Wein um sich hat. Dann ist auch mit dem guten Willen nicht mehr viel zu machen.

Wir hier betreiben Risikominimierung, d.h. wir meiden alle Veranstaltungen und Orte, bei denen vordergründig Alkohol konsumiert wird.

Alles gute euch beiden
Eric
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Eric hat zum Thema: Re: Neu hier geschrieben
Jenny2
Gast






BeitragVerfasst am: 06.05.2008, 10:40    Titel: Re: Neu hier Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hi Nathalia,

ich schliesse mich da Eric an. Auf Dauer kann das nicht gutgehen, jetzt momentan hat er noch den Kaempfergeist, aber ein trockener Alkoholiker als Kneipenbesitzer, sowas hab ich noch nicht erlebt.

Ich wuerde mich da wirklich mal erkundigen, ob ihr nicht vielleicht das Lokal verkauft und etwas anderes macht, denn wie gesagt diese Erkrankung kann toetlich enden.

Helfen kannst Du soweit eigentlich garnicht, die Initiative muss von Deinem Partner ausgehen.

Tu etwas fuer Dich erkundige Dich ueber diese Krankheit, les hier im Forum und vielleicht gehst Du auch mal zu einer Suchtberatungsstelle.

Alles Liebe,

Jenny
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Jenny2 hat zum Thema: Re: Neu hier geschrieben

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