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Individualität in der Sucht

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Spedi
Gast






BeitragVerfasst am: 29.04.2008, 16:08    Titel: Individualität in der Sucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Nachdem hier in sehr vielen Threads immer wieder das Thema "Individualität" hochkommt, würde mich mal interessieren, was denn bei den Einzelnen so individuell an ihrer Alkoholsucht war. Geschockt

Die "Begleitumstände" (z.B. soziales Umfeld, berufliche Situation etc.) meine ich bewusst nicht - weil die nicht suchtrelevant sind wenn es darum geht, unsere Krankheit zum Stillstand zu bringen.

Also, ran an die Tasten, erklärt es mir bitte:
    wo ist diese so oft ins Feld geführte Individualität in der Sucht?
    Wie äußert sich diese?
    Wie kann es sein, dass diese Individualität einen Alkoholiker vom "geraden" Weg in die Trockenheit abbringen muss?


Frage

Danke und LG
Spedi
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Spedi hat zum Thema: Individualität in der Sucht geschrieben
JoeDoe
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 02.08.2007
Beiträge: 612
Alter: 37
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 29.04.2008, 17:16    Titel: Re: Individualität in der Sucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Spedi,

da dieser Thread ja direkt aus einer meiner Aussagen aus einem anderen Thread entsprungen ist, mag ich ganz kurz mal:

Ganz ehrlich: Ich bewundere Deine Stringenz und Deine Konsequenz in der Umsetzung der Grundbausteine. Aber bei aller Vorsicht bist auch Du immer wieder alkoholischen Reizen ausgesetzt. Sei es nun in der Werbung, oder wenn Du in der Stadt eine angetrunkene Person zu sehen bekommst. Jetzt behaupte ich einmal ganz verwegen, dass solche Reize eben auch eine individuell intensive Aktivierung des Suchtgedächtnisses hervorrufen. Nur eine These, aber in letzter Konsequenz hättest Du ansonsten auch Deinen Führerschein schon lange abgeben müssen, da sich ja die Gefahr ergeben könnte, an einer Bierreklame vorbeizufahren. Zum Schutze der Trockenheit gäbe es nur eine Möglichkeit: Augen zu und mit Vollgas an der Gefahr vorbei! Und zwar ohne Rücksicht auf querende Fußgänger oder andere in dieser Situation irrelevante Dinge. Wenn Du mir sagst, dies sei Blödsinn, so bitte ich Dich, mir zu erklären, warum und wie Du es schaffst, an einer Bierreklame vorbeizufahren? Ferner würde ich Dich bitten, mir zu erklären, warum manche in diesem Forum tatsächlich Probleme mit Werbung für alkoholische Getränke haben und ob es dann im Sinne der eigenen Sicherheit wäre, künftig aus beschriebenem Grunde kein Auto mehr zu fahren.

Sei mir nicht böse, dass ich jetzt ein wenig überzeichnet habe, aber diese Fragen stellen sich mir tatsächlich Geschockt.

Zuletzt sei bemerkt, dass

Spedi hat Folgendes geschrieben:
Die "Begleitumstände" (z.B. soziales Umfeld, berufliche Situation etc.)

mit Sicherheit keinen suchtrelevanten Faktor im engsten Sinne darstellen, wohl aber sehr wichtig für die eigene, persönliche Zufriedenheit sind. Und diese Umstände positiv zu gestalten, da sind wir uns sicher einig, ist für eine dauerhafte Trockenheit mit Sicherheit von Vorteil (und leider auch sehr individuell).

That’s all! Winken

Liebe Grüße

J.
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JoeDoe hat zum Thema: Re: Individualität in der Sucht geschrieben
Nicole
Gast






BeitragVerfasst am: 29.04.2008, 17:50    Titel: Re: Individualität in der Sucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ich bin zwar nur Co, aber trotzdem interessiert es mich.

Ich habe das mit der Individualität die hier so oft beschrieben wurde so verstanden:

Wenn jemand z.B. den ganzen Tag in/am einem Kiosk gestanden hat und dort getrunken hat, bedeut das für mich das er wenn er trocken ist, am sichersten seine Zeitungen nicht mehr an einem Kiosk kaufen sollte.

Jemand anders der nie in/am einem Kiosk getrunken hat kann problemlos dort Zeitungen kaufen.

Weil der eine assoaziert mit Kiosk= Alk
also Suchtgedächnis= Suchtdruck= evt. Rückfall

Oder bin ich jetzt ganz am Thema vorbei?

Liebe Grüsse
Elocin
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Nicole hat zum Thema: Re: Individualität in der Sucht geschrieben
Rose2
Gast






BeitragVerfasst am: 29.04.2008, 18:09    Titel: Individualität in der Sucht ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Spedi,


vielleicht aus Karsten`s letzten Satz auf der ersten Seite:


Zitat:
Das Alkoholikerforum ist nur ein Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten. Bitte darauf achten, dass nicht alle Erfahrungen auf jeden anwendbar sind, da jedes Suchtproblem individuell ist.


Wenn ich ehrlich bin, hab ich meine Alkohol-Erkrankung auch am Anfang als etwas ganz individuelles gesehen.

Ich habe vermeintlich getrunken weil,........

meine Mutter Selbstmord beging,
meine Kindheit und Jugend so schlecht war,
mein Vater und meine Stiefmutter auch schon immer gerne mal einen tranken,
Depressionen dazu kamen,
meine Ehe zerbrach,..........und so weiter ........

Heute kenne ich Menschen aus meinem Umfeld die genau dieselben Strukturen durchlebt haben, denen es noch viel schlimmer erging,.......

die trinken nicht !!!!!!!!!!

Ich sehe heute meine Suchterkrankung nur noch als individuell an, weil sie meine eigene Person betrifft, ansonsten gelten für mich alle Faktoren der Sucht gleichermaßen, SUCHT ist SUCHT, meine Meinung !

L.Gr. Rose
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Rose2 hat zum Thema: Individualität in der Sucht ? geschrieben
Mannberlin
Gast






BeitragVerfasst am: 29.04.2008, 18:59    Titel: Re: Individualität in der Sucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Spedi,

jetzt wechseln wir mal den Thread.

Spedi hat Folgendes geschrieben:
Die "Begleitumstände" (z.B. soziales Umfeld, berufliche Situation etc.) meine ich bewusst nicht - weil die nicht suchtrelevant sind wenn es darum geht, unsere Krankheit zum Stillstand zu bringen.


Ich hoffe das Du da einen Schreibfehler beganngen hast!!!!!!!

Denn ich frage mich warum in der Therapie so vehemend und nachdrücklich, hier im Forum übrigens auch, darauf hingewiesen wird sein, wenn vorhanden, trinkendes soziales Umfeld umgehend zu verlassen!!!!
Denn aus Deinem Satz könnte ich entnehmen dass das Umfeld, auch ein trinkendes keine Relevanz hat ob meine Krankheit zum Stillstand gebracht wird oder nicht.

Individualität im Verlauf der Sucht ist für mich wie mein Suchtgedächtnis programmiert ist.
Viele Dinge welche bei Anderen den Wunsch hervorrufen zu trinken, wecken bei mir dieses Verlangen nicht.
Weil eventuell genau diese Programmierung bestimmter optischer Reize, akustischer Reize = Aktivierung des Suchtgedächtnisses = Verlangen nach dem Suchtmittel bei mir so nicht vorhanden ist.

Eine Bierreklame zum Beispiel spricht mich nun mal nicht an. Weder im Fernsehen, noch im Kino, noch in einer Zeitung, noch als riesiggroßes Poster auf ner Werbetafel.
Da kann ich nichts dafür, das ist so bei mir.
Wenn da irgendwas in meinem Gedächtnis in Gang gesetzt würde, dann höchstens solche Gedanken wie Magen und Leibschmerzen durch zu kaltes Bier, der ständige Gang zur Toilette und andere unangenehme Erinnerungen.....
Ist das jetzt die von Dir angesprochene Individualität?
Du könntest doch bei dem von mir geschilderten Beispiel saufdruck schieben.
Da reagieren wir beide sehr unterschiedlich, individuell bei der gleichen Krankheit auf die gleiche Situation.
Deswegen ist Deine Krankheit nicht individueller als meine. Vielleicht in der Ausprägung, aber da bin ich mir auch nicht so sicher.

Ich muß nicht zum Beispiel nach der Entgiftung direkt ins Bierzelt marschieren um mir zu beweisen das mir das trinkende Umfeld nicht ausmacht. Das ist nicht individuell, das ist höchstgradig leichtsinnig.

Ich muß nicht im Eiscafe sitzend mir einen Eisbecher bestellen und mir nachher einen Wunderbeutel umhängen das da Likör drin war. Lesen und Fragen kann ich vorher, das ist auch nicht individuell.

Ich muß nicht den auf sein "Feierabendbier" pochenden Partner auf dem Sofa neben mir dulden, weil er nichts für meine Krankheit kann und warum soll er verzichten, das zeugt von wenig Respeskt und mangelnder Achtung des Anderen mir gegenüber und ist nicht Ausdruck von Individualität.

Der eine bekommt den Filmriss mit 2, 0 Promille, der nächste "schafft" 3,2.
Auch das ist kein Ausdruck von Indivualität sondern mehr ein Zeichen der Toleranzgrenze und Gewöhnung an den Alkohol.

Unterm Strich kommt keine wirkliche Individualtät raus. Das jedes Suchgedächtnis auf die genannten Reize mehr oder weniger heftig reagiert hat nichts damit zu tun das die Krankheit bei mir individuell sein könnte. Das ist sie garantiert nicht!

Das meine Gedanken dazu.

Gruß
Mannberlin
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Mannberlin hat zum Thema: Re: Individualität in der Sucht geschrieben
Blizzard
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 649
Alter: 32
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 29.04.2008, 19:09    Titel: Re: Individualität in der Sucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Spedi,

die Suchterkrankung verläuft individuell sehr unterschiedlich. Während einer sich mit Ende 20 tot gesoffen hat, trinkt ein anderer ein halbes Jahrhundert süchtig vor sich hin, ohne dass sich sein Pensum merklich verändert. Das Trinkverhalten eines Alkoholikers ist genauso individuell, wie sein Krankheitsverlauf. Und was Joe mit den Reizen geschrieben hat, die verschiedene Situationen im Suchtgedächtnis auslösen, ist natürlich auch zu berücksichtigen, wenn wir von einer Individualität der Sucht sprechen.

Nichtsdestotrotz berührt das natürlich nicht die Tatsache, das die "Grundbausteine der Trockenheit" für JEDEN ein richtiger Weg sind. Es ist ein Weg der sich bewährt hat - und mit dem man nichts falsch machen kann. Wer von der Grundphilosophie der hier vertretenen Trockenheitsarbeit individuell abweicht geht ein gewisses Risiko ein - aber das ist eben bei jedem individuell. Ich z.B. habe mich im ersten Jahr meiner Trockenheit auch nicht immer 100 % an die allgemein empfohlene Distanz zu alkoholtrinkenden Mitmenschen (v.a. im familiären Umfeld) gehalten - weil es für mich o.k. war und ist und ich das Restrisiko vor mir selbst vertreten konnte.

Im Unterschied zu manch anderem vielleicht, versuche ich aber nicht durch diese individuellen Abweichungen Aufmerksamkeit zu erregen, oder gar Grundsatzdiskussionen im Forum zu beginnen, ob die Grundbausteine der Trockenheit alle notwendig seien, und ob das nicht alles zu eng gesehen wird. Denn ich weiß, das hier auch viele neue Mitglieder surfen, die eben nicht wissen, was richtig und was falsch ist, und die am besten und am sichersten aufgehoben sind, wenn sie Grundbausteine zur Trockenheit 1:1 umsetzen. Und im Interesse dieser Mitglieder würde ich mir heute nicht mehr anmaßen, Grundbausteine infrage zu stellen und das mit meiner Individuellen Suchtgeschichte zu rechtfertigen.

Herzlichst,

Blizzard
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Blizzard hat zum Thema: Re: Individualität in der Sucht geschrieben
kommal
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 24.06.2007
Beiträge: 6388
Alter: 53
Wohnort: Niederrhein

BeitragVerfasst am: 29.04.2008, 21:19    Titel: Re: Individualität in der Sucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

für mich ist der Kontrollverlust das, was die Sucht ausmacht.

Ich kann nicht wenig trinken. Und das geht uns allen so.

Wie, wo, wann, wieviel. ob verheiratet, geschieden, ledig...

Das spielt alles keine Rolle dabei, es sei denn wir beurteilen die Ursachen der Sucht. Die sind sicher bei jedem andere, individuelle.


LG kommal
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kommal hat zum Thema: Re: Individualität in der Sucht geschrieben
Paolo
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 31.12.2006
Beiträge: 2849

BeitragVerfasst am: 29.04.2008, 21:58    Titel: Re: Individualität in der Sucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Spedi,
Zitat:
was denn bei den Einzelnen so individuell an ihrer Alkoholsucht war
Nix!
Umso länger ich mich hier im Forum aufhalte, desto bewusster
wir mir wie sehr sich doch die einzelnen Suff-Karrieren gleichen.
Unterschied: Der ein bekommt die Kurve früher, der andere später,
mache nie.
Individualität kann ich nur bei der "Trockenwerdung " erkennen.

Paolo
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Paolo hat zum Thema: Re: Individualität in der Sucht geschrieben

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