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Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht !

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Freund
Gast






BeitragVerfasst am: 12.04.2008, 14:09    Titel: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo ...,

viele stellen sich ja am Anfang ihres Weges die Frage, oft mit der unglaublichen Vorstellung nie wieder trinken zu können, wie es denn nun geht, glücklich und zufrieden trocken zu werden.

Der Weg zur Trockenheit bedarf vieler persönlicher Lebensveränderungen.
Nur nichts trinken reicht nicht !

Hier stellt sich nun die weitere Frage, inwieweit man bereit ist, diese jene Lebensveränderungen aus den Erfahrungen von Langzeittrockenen anzunehmen und umzusetzen, sich damit auch den eigenen, persönlichen Tiefpunkt zu hinterfragen, ... man wirklich neue Wege gehen will.

Ich möchte hier gerne einen Gedankenaustausch anregen,
... dass manche ihre Erfahrungen wiedergeben, was ihnen einfach oder schwer fällt ... und auch ihre Fragen schreiben.

Gruß, Freund.
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Freund hat zum Thema: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! geschrieben
clare
Gast






BeitragVerfasst am: 12.04.2008, 18:10    Titel: Re: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

Was ich als am schwierigsten empfinde....da fällt mir prompt etwas ein.

Für mich war, als ich abstinent werden wollte, die Horrorvorstellung schlechthin, zu vereinsamen. Insbesondere dadurch, da mir ja geraten wurde, mich von allen mit Alkohol in Verbindung stehenden Ereignissen fernzuhalten.
Tjaaaaa......nur was blieben da noch für Ereignisse übrig???
Es ist ja nicht so, dass ich an wenigen Dingen interessiert bin, aber da für mich immer der Alkohol im Vordergrund stand, war so ziemlich das einzige, dass ich regelmäßig unternahm eben feiern.
Und nun bin ich abstinent und könnte endlich mal die Interessen verfolgen, für die ich des Saufens halber keine Zeit hatte.
Nur mit wem? (Schwierigkeit 1)
Mal etwas salopp ausgedrückt: Ich hatte doch jahrelang meinen Fokus auf die feiernden Leute gelegt und alle anderen als langweilig empfunden und gemieden.
Woher die richtigen Leute nun nehmen und nicht stehlen?
An dieser Stelle ist wohl Aktionismus gefragt. (Schwierigkeit 2) Bekanntlicherweise ist es nicht immer so einfach, seinen Hintern hochzubekommen.
Und selbst wenn ich das hinbekommen habe, dann heißt es vor allem noch, dran bleiben und Ausdauer beweisen (Schwierigkeit 3). Denn die Leute kommen ja nicht von heute auf morgen. Eine Bekanntschaft/Freundschaft und Vertrauen aufzubauen braucht seine Zeit.
Meine Schlussfolgerung daraus ist: Ja, es kann was werden, aber erst mal wirst du buchstäblich auf dem Trockenen sitzen, soviel ist mal klar.

Um es mal kompakt auszudrücken, in der Regel ist es doch so: Ich werde abstinent und beginne ab da an, mein Leben hinreichend zu verändern (sollte zumindest so sein) um sowohl abstinent zu bleiben als auch ein ausgefülltes soziales Leben zu führen. Aber zwischen Beginn der Abstinenz und ausgefülltem sozialen Leben ist augenscheinlich eine Lücke. Und genau diese Lücke, die ich weiter oben beschrieben habe, sehe ich für mich als den kritischen Punkt an.

Wie gehe ich damit um?
Ich bin froh, dass ich mir dieser "Lücke" bewusst bin. Denn solange mir klar ist, dass es "nur" eine "Lücke" ist, die ich zu schließen in der Lage bin, labe ich mich so lange an meiner Vorstellung, wie die Zukunft aussehen wird (vorausgesetzt, ich tue etwas dafür). Ich habe auch in dieser Hinsicht ein ganr klares Ziel.
Wäre mir nicht klar, dass es nur eine Lücke ist (so war es bei mir zu Beginn), dann wäre ich ziemlich hoffnungslos. Dann, ganz ehrlich, würde ich weitersaufen. Dann lieber noch 20 Jahre Feiern und Alkoholexzesse, als 50 Jahre in sozialer Isolation.

Also ich persönlich muss sagen, diesen Übergangszeitraum zu überbrücken und durchzuhalten, fällt mir am schwersten. Denn zum einen fordert es mir viel Ausdauer und Geduld ab, da es eben nicht von heute auf morgen geht. Der zweite Punkt ist, dass es auch viel Kraft und Mühe kostet, sich ein neues Umfeld aufzubauen.
Aber das ist halt so und da muss ich eben durch.

Dazu fällt mir noch spontan eine Frage eines Profs von mir ein: Was wäre ihnen lieber: 1000€ heute oder 1100€ in einem Jahr?

Liebe Grüße
Clare
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clare hat zum Thema: Re: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! geschrieben
Karsten
Administrator
Administrator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.11.2004
Beiträge: 32788
Alter: 49
Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 12.04.2008, 18:28    Titel: Re: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Clare,

als ich nüchtern wurde, hatte ich keine Freunde und meine sozialen Kontakte beliefen sich auf Kneipenbekanntschaften, aber meist war ich eh alleine.

Ich hatte damals das Glück, in einer Wohngemeinschaft leben zu dürfen, welche mir meine Entscheidungen abnahm. Dort gab es von morgends bis abends irgendwelche Arbeiten zu erledigen ( unendgeltlich ) und Abends halt die Gruppengespräche oder gemeinsame Freizeitgestaltung, wie Gesellschaftsspiel, Buchvorlesungen oder Sport.

Sicherlich war das für mich ein Glückszustand und ich brauchte mich nicht zu fragen, wie ich meinen Tag rumkriegen soll, ohne zu vereinsamen oder mich mit trinkenden Menschen zu umgeben.

Es war nicht einfach und oft habe ich den Sinn nicht verstanden, aber weil ich nicht mehr trinken wollte, nahm ich das ein Jahr lang in Kauf.
In dieser Zeit bildeten sich Freundschaften, die ich heute noch pflege.

Was ich damit sagen will?
Mir war alles recht, sogar die Gruppengespräche, wo man noch als faule S.. beschimpft wurde, weil man angeblich nicht genug für die Gemeinschaft getan hat, gaben mir Kraft, mich noch besser einzubringen und meine Gedanken zu ändern.

Also selbst wenn ich dieses Leben 10 Jahre hätte führen müssen, wäre es besser gewesen, als wieder einen Schluck zu trinken.

Für mich war jeder Tag, egal was ich tun mußte, mich einsam fühlte oder den Sinn meines Daseins nicht verstand und als schlecht emfand, dieses Leben war 100 mal besser, als trinken, denn ich brauchte nicht trinken, hatte Menschen, die mich verstanden und mir durch ihr vorleben zeigten, dass es auch für mich ein glückliches Leben kann, wenn ich ihnen vertraute.

Das habe ich gemacht und ich habe keinen Tag bereut.

Wenn ich solche Ansprüche, wie ich sie hier oft lese, gehabt hätte, würde ich heute noch saufen oder wäre längst an den Folgen des Alkoholkonsum verreckt.

Clare, es dauert vielleicht etwas, aber der Weg lohnt sich.

Gruß
Karsten
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Karsten hat zum Thema: Re: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! geschrieben
Leseratte
Gast






BeitragVerfasst am: 12.04.2008, 19:01    Titel: Re: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich will das mal mit dem Rauchen vergleichen. Ich selbst habe über 20 Jahre geraucht, die letzten Jahre sehr stark ( 2- 3 Schachteln am Tag). Vor 13 Jahre habe ich aufgehört ( NR- Programm " NR in 30 Tagen"- eine Methode mit Autosuggestion und täglichen Aufgaben). Damals war es für mich unvorstellbar wenn nicht gar absurd, ein glückliches schönes Leben ohne Rauch zu führen. Heute kann ich diese Gedanken nicht mehr nachvollziehen. Rauchen ist ja nicht lebensnotwendig - ja, nicht einmal lecker oder wenigstens gesund. Es macht krank, alt und hässlich. Man stinkt aus allen Poren, die Klamotten riechen und die Nase funktioniert nicht richtig. Der Genuss des Lebens bleibt irgendwie auf der Strecke. Eigentlich doch genau wie beim Alkohol. Es ist eine SCHEINWELT, die wir uns vorgaukeln, wenn wir meinen, dass wir nur glücklich und zufrieden sein können, wenn wir einer Sucht ( was auch immer) nachgehen. Es ist doch eher so, dass wir ABHÄNGIG sind von etwas. Wir entscheiden nicht allein, ob wir trinken oder rauchen oder sonstwas - die DROGE entscheidet. Sie zwingt uns, sie zu konsumieren.

Also so empfinde ich das. Jetzt bin ich seit acht Wochen trocken und fühle mich einfach sauwohl. Ich bin SICHER, dass die Entscheidung ( endlich!!!) richtig war, aufzuhören mit dem Suff. Ich will nicht mehr abhängig sein. Ich will selbst entscheiden, was ich tue. Und ich kann jetzt sogar überall hin, weil ich nicht mehr trinken muss. Und mit dem Auto fahren und wieder abhauen, wenn mir danach ist. Das ist doch FREIHEIT PUR, oder????!!!

Eure Heike
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Leseratte hat zum Thema: Re: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! geschrieben
Chrischi
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
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Alter: 43
Wohnort: Hannover

BeitragVerfasst am: 12.04.2008, 19:10    Titel: Re: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich habe mir schon oft gewünscht,dieses Forum in ein reales um zusetzten.Leider geht das nicht aber bis jetzt habe ich keine SHG gefunden,die in meinem Alter sind oder wo ich mich gut aufgehoben fühle.Wie gerne würde ich die Leute ,die mir hier helfen und ans Herz gewachsen sind kennenlernen,schade!!! Es macht mir echt zu schaffen,mich von Allen fernzuhalten,die Alk trinken. Es grüßt, Chrischi
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Chrischi hat zum Thema: Re: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! geschrieben
Gänger
Gast






BeitragVerfasst am: 12.04.2008, 19:27    Titel: Re: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

es ist schon komisch, als ich noch trank hatte ich viele "Freunde", fühlte mich aber trotzdem einsam.
Vorhin bin ich mal meine Adressen durchgegangen und habe festgestellt, dass wirklich niemand mehr da ist, den ich als Freund bezeichnen würde.
Keiner mehr, mit dem ich etwas unternehmen möchte, oder auch nur sehen will. Totzdem fühle ich mich nicht mehr einsam, denn ich habe mich als Freund gewonnen.
Gestern habe ich mich mit meinem, wie ich dachte, bestem Freund getroffen. Wir haben uns lange nicht gesehen, kennen uns aber schon seit über 15 Jahren. Er trinkt fast keinen Alkohol. Dennoch ist es nicht mehr wie früher, ich habe ganz deutlich gemerkt, wie wir uns auseinander gelebt haben. Wir gehen unterschiedliche Lebenswege und ich habe gespürt, dass unsere Kontakt vermutlich bald ganz "einschlafen" wird. Ich bin traurig darüber. Aber so ist das Leben. Man muss loslassen, auch wenn es manchmal weht tut.

Es gibt ein chinesisches Sprichwort, das mir gerade einfällt: Edit xxx keine Zitate bitte Danke Hartmut
Ich würde lieber nur noch 20 Jahr abstinent leben, als 50 Jahre und dafür saufen müssen.

Gruß
Oliver
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Gänger hat zum Thema: Re: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! geschrieben
Chrischi
neuer Teilnehmer


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Beiträge: 40
Alter: 43
Wohnort: Hannover

BeitragVerfasst am: 12.04.2008, 20:01    Titel: Re: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Gibt es treffen wo WIR uns Real treffen???
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Chrischi hat zum Thema: Re: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! geschrieben
Karsten
Administrator
Administrator


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Beiträge: 32788
Alter: 49
Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 12.04.2008, 20:14    Titel: Re: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Chrischi,

nein, solche Treffen sind über das Forum nicht geplant.

Gruß
Karsten
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Karsten hat zum Thema: Re: Veränderungen ... nur nichts trinken reicht nicht ! geschrieben

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