| Ein neues Leben • kann das überhaupt funktionieren |
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andreas57 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.03.2008 Beiträge: 203 Alter: 55 Wohnort: niederösterreich
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Verfasst am: 02.04.2008, 07:42 Titel: Etwas zum Nachdenken........ |
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Liebe Forenteilnehmer!
Hatte gestern mein wöchentliches Meeting in meiner SHG-Gruppe und möchte euch einen Fall schildern der mich außerordentlich beschäftigt und zum Nachdenken gebracht hat:
Eine Frau, nennen wir sie S. berichtete über ihren Rückfall der sich wie folgt ereignet hat:
S. war seit 10 Jahren trocken und ging die ersten fünf Jahre regelmäßig in eine SHG-Gruppe.
Danach hielt sie es nicht mehr für notwendig und ließ den Kontakt abbrechen – blieb aber weiterhin trocken. Ob sie auch in zufriedener Nüchternheit lebte konnte sie nicht beantworten.
Im Oktober vergangenen Jahres suchte sie ihren Hausarzt wegen Entzündungen in der Mundhöhle auf. Vorauszuschicken wäre, dass dieser Arzt von ihrer Alkoholkrankheit wusste. Er verschrieb ihr ein
alkoholhältiges Mundwasser zur Spülung und erwähnte so nebenbei, dass sie ja nach der nunmehr langjährigen Trockenheit auch gelegentlich Alkohol trinken könnte!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
S. trat im November einen schon seit längerer Zeit geplanten Kuraufenthalt an. Alles lief gut und die
Behandlung der ursächlichen körperlichen Beschwerden zeigte Erfolge. Am letzten Abend stand ein
Abschiedsfest der Kurteilnehmer an und eh sich S. versehen konnte stand ein Glas Wein vor ihr.
Sie trank es und noch ein zweites Glas – damit nahm das Schicksal seinen Lauf.
Binnen kurzer Zeit wurden die Mengen größer und die Zeitabstände kürzer bis sie wieder täglich trank.
Ihr Hausarzt vor die Tatsache gestellt daß sie wieder trank, meinte nur, dass dies eben in manchen Fällen und selten vorkommt – nach so langer Trockenheit!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Mittlerweile hat sie den Arzt gewechselt , ambulant entzogen bzw. ist noch dabei und gestern zum ersten Mal wieder unsere SHG aufgesucht was sie auch weiterhin tun wird. Ich hoffe für sie, dass sie es diesmal dauerhaft schafft.
Was mich aber beschäftigt ist wie konnte es dazu kommen bzw. was ist falsch gelaufen und was kann ich daraus für mich lernen ?
Ein paar Überlegungen:
S. hat nach 5 Jahren den Kontakt zu ihrer SHG abgebrochen.
Der Hausarzt hat scheinbar keine Ahnung über Art, Verlauf und Dauer einer Alkoholsucht.
S. hat sich am Beginn ihres Kuraufenthaltes nicht als trockene Alkoholikerin „geoutet“.
S. hat eine Veranstaltung besucht, wo vordergründig Alkohol konsumiert wird.
Und
die für mich entscheidenste Frage an S. war:
„Hast du wirklich daran geglaubt jemals wieder kontrolliert trinken zu können?“
Worauf sie sagte:„Ja, das habe ich ! „
Dieser Fall hat mich die ganze Nacht über beschäftigt. Habe nicht gut geschlafen und mir immer wieder Gedanken gemacht was ist alles falsch gelaufen und welche Lehren kann ich daraus für mich ziehen. Auch habe ich mir in den schlaflosen Stunden bereits im Geiste überlegt wie ich das Ganze zu Papier bringen könnte.
Ich würde euch nunmehr ersuchen mir eure Sicht der Dinge mitzuteilen bzw. was können wir daraus für uns und unsere weitere Arbeit an der Trockenheit annehmen bzw. vermeiden!
Liebe Grüße
Andreas |
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| andreas57 hat zum Thema: Etwas zum Nachdenken........ geschrieben
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Repetierer neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.03.2008 Beiträge: 12
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Verfasst am: 02.04.2008, 08:16 Titel: Re: Etwas zum Nachdenken........ |
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Hallo Andreas,
dazu fällt mir der Spruch ein: "Ein gebranntes Kind scheut das Feuer".
Ich meine damit, wer ausreichend Erfahrung mit einer massiven Negativsituation gemacht hat, wird sich scheuen - erneut wieder in diese zu geraten, auch wenn die "Brandwunden" verheilt sind oder scheinen.
Er wird die Gefahr scheuen.
Wenn mir heute ein Mensch sagt: "Du kannst nach 5 Jahren verheilter Brandwunde wieder ins Feuer greifen", würde ich mir überlegen ob er klaren Verstandes ist.
Gruß v. R. |
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| Repetierer hat zum Thema: Re: Etwas zum Nachdenken........ geschrieben
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Spedi Gast
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Verfasst am: 02.04.2008, 08:58 Titel: Re: Etwas zum Nachdenken........ |
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Servus Andreas57,
wie Du vielleicht aus meinen Beiträgen gesehen hast, bin ich sehr direkt und offen.
Nach dem was Du hier schreibst, insbesondere
| Zitat: | | ...die für mich entscheidenste Frage an S. war: "Hast du wirklich daran geglaubt jemals wieder kontrolliert trinken zu können?" Worauf sie sagte:"Ja, das habe ich !"... |
halte ich ihre Abstinenzphase von fünf Jahren keinesfalls für Trockenheit, sondern für eine Trinkpause. Und Trinkpausen führen bekanntlich nicht zu einer Veränderung, die aber für eine zufriedene Trockenheit unerlässlich ist.
Wenn ich vor dem Alkohol kapituliert habe, dann ist er für mich nicht mehr erstrebenswert. Ich habe verinnerlicht, dass er trügerisch, schlau und verschlagen ist. Selbst "Angebote" wie die dieses Arztes (paradox, ich habe erst kürzlich ähnliches erlebt) sind dann für mich keine Option mehr.
Lebe ich jedoch nur abstinent, dann kommen mir solche "Einladungen" und "Beschwichtigungen" natürlich sehr gelegen, ich bin empfänglich dafür - bis hin zur Folge, dass ich das lange erwartete Ende der Trinkpause "dankbar" annehme...
Für mich wieder mal ein Beispiel, dass
1.) Nur ich für meine Gesundheit verantwortlich bin, niemand sonst!
2.) Ich meine Motivation zur Abstinenz genau hinterfragen muss - (warum) will ich trocken leben?
3.) Ich nur trocken leben kann, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin!
Ich hoffe, dass ich mir auf meinem Weg diese Fragen immer dann stellen und positiv beantworten kann, wenn es nötig sein sollte.
LG
Spedi |
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| Spedi hat zum Thema: Re: Etwas zum Nachdenken........ geschrieben
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JoeDoe aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.08.2007 Beiträge: 612 Alter: 37 Wohnort: Köln
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Verfasst am: 02.04.2008, 09:43 Titel: Re: Etwas zum Nachdenken........ |
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Hallo Andreas, Hallo Spedi,
| Spedi hat Folgendes geschrieben: | | Wenn ich vor dem Alkohol kapituliert habe, dann ist er für mich nicht mehr erstrebenswert. Ich habe verinnerlicht, dass er trügerisch, schlau und verschlagen ist. |
Sag mal Spedi, sprichst Du eigentlich auch mit Autoreifen und Waschmaschinen? (T'schuldigung, aber der musste sein ). Ich reagiere auf alkoholische Reize wie z.B. das oft zur Schau gestellte Wohlgefühl beim Konsum alkoholischer Getränke oder Situationen, in denen ich mich trinkender Gesellschaft exponiert sehe, aber genau darin sehe ich das Wesen meiner Alkoholkrankheit. Alles in meinem Kopf und keine Kommunikationsversuche von Seiten einer primitiven, chemischen Verbindung!
Ansonsten allerdings meine volle Zustimmung zu dem hier:
| Spedi hat Folgendes geschrieben: | Für mich wieder mal ein Beispiel, dass
1.) Nur ich für meine Gesundheit verantwortlich bin, niemand sonst!
2.) Ich meine Motivation zur Abstinenz genau hinterfragen muss - (warum) will ich trocken leben?
3.) Ich nur trocken leben kann, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin! |
Gerade Punkt 2 und 3 finde ich für mich persönlich sehr wichtig. Die Eigenverantwortung aus Punkt 1 ergibt sich dann völlig selbstverständlich.
Liebe Grüße
J. |
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| JoeDoe hat zum Thema: Re: Etwas zum Nachdenken........ geschrieben
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Mannberlin Gast
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Verfasst am: 02.04.2008, 09:52 Titel: Re: Etwas zum Nachdenken........ |
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Hallo Andreas,
bei Deiner Schilderung viel mir als erstes die Bemerkung auf, ja ich glaubte kontrolliert trinken zu können.
Bei meiner Therapie war eine Mitpatientin welche immer davon redete ihr größter wunsch sei mal eines Tages wieder mit "Genuß" ein Glas Wein zum essen zu trinken.....
Da half keine massive Intervention der anderen Gruppenmitglieder, des Therapeuten. Sie war einfach nicht von ihrer Auffassung abzubringen. wie es ihr Heute geht weiß ich nicht.
Das mit dem Mundwasser kann ich voll nachvollziehen. Ich hatte zum Anfang auch nicht drauf geachtet und so erhebliche Probleme welche erst mit dem Absetzen des Mundwassers verschwanden.
Ob ich mich gegenüber den gesamten Anwesenden in einer Kur outen muß/soll darüber kann ich mir kein Urteil erlauben da ich in dieser konkreten Situation noch nicht war.
@repetierer
Wenn es so einfach wär wie Du meinst dann gäbe es bei Alkoholikern keine Rückfälle. Lese ich doch bei Dir die weitverbreitete Auffassung heraus es sei alles nur eine Frage des Willens, der Beherrschung und eines starken Charakters.
10 Jahre pauschal als Trinkpause zu bezeichnen, ich weiß nicht.
Das ist mir zu einfach. Aber hier nicht das Thema.
Gruß
Mannberlin |
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| Mannberlin hat zum Thema: Re: Etwas zum Nachdenken........ geschrieben
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Blizzard aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 11.01.2007 Beiträge: 649 Alter: 32 Wohnort: München
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Verfasst am: 02.04.2008, 13:29 Titel: Re: Etwas zum Nachdenken........ |
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| andreas57 hat Folgendes geschrieben: | Ein paar Überlegungen:
S. hat nach 5 Jahren den Kontakt zu ihrer SHG abgebrochen.
Der Hausarzt hat scheinbar keine Ahnung über Art, Verlauf und Dauer einer Alkoholsucht.
S. hat sich am Beginn ihres Kuraufenthaltes nicht als trockene Alkoholikerin „geoutet“.
S. hat eine Veranstaltung besucht, wo vordergründig Alkohol konsumiert wird.
Und
die für mich entscheidenste Frage an S. war:
[b]„Hast du wirklich daran geglaubt jemals wieder kontrolliert trinken zu können?“
Worauf sie sagte:„Ja, das habe ich [b/] „
Liebe Grüße
Andreas |
Der letzte Satz sagt alles. Ich frage mich, wie man 10 Jahre lang mit einer Illusion leben kann - es war tatsächlich nur eine längere Trinkpause.
Die Frau hat ihre Krankheit offenbar nie verstanden bzw. verinnerlicht. Das ist natürlich haarsträubend.
Von Ihrem inkompetenten Arzt mal ganz zu schweigen....aber das kennen wir ja. Ein Arzt bei dem ich mal war, schrieb auf eine Überweisung von mir "Patient war früher Alkoholiker", - nachdem ich informiert hatte, das ich Alkoholiker bin, aber seit 2 Monaten abstinent lebe....  |
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| Blizzard hat zum Thema: Re: Etwas zum Nachdenken........ geschrieben
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dorothea Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 26.08.2006 Beiträge: 7452 Alter: 48 Wohnort: Salzgitter
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Verfasst am: 02.04.2008, 14:25 Titel: Re: Etwas zum Nachdenken........ |
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hallo andreas
hm... jemand anderem die schuld geben ist ja nun doch nasses denken.
der arzt hat hier was falsches gesagt, steht außer frage. wieso steht auf nem anderen blatt, ist hier nicht zu klären, aber auch nicht wirklich wichtig. wenn er das einem menschen sagt der von nüscht ahnung hat, trägt er die schuld aber so?? ich weiß das jegliche art von alk gift für mich ist, kein mundwasser kein medikament mit alk absolut null. das wußte auch diese frau, das weiß jeder der jahrelang in einer shg mitarbeitet.
hier fängt doch meine verantwortung an, ich weiß doch das ich das nicht darf, es wird immer situationen geben wo man so konfrontiert wird, aus unwissenheit, aus ignoranz oder warum auch immer. das kann in allen lebenslagen geschehen. wieso soll ich das machen was mir ein anderer sagt wenn ich weiß das er unrecht hat, da schließe ich auch ärzte nicht aus. ich ganz allein entscheide mich für mein handeln. ich habe auch schon ärzten medikamente hingebracht die sie mir verschrieben haben und wo alk drin war, was ich erst nach erhalt gelesen habe. ich entscheide doch ob ich das nehme.
sie wußte genau was sie tut, sie wollte es tun, sie hat ihre krankheit nicht eingesehen, so einfach ist das für mich. jetzt die schuld bei anderen suchen ist wie schon anfangs gesagt mal wieder typisch nasses verhalten.
doro |
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| dorothea hat zum Thema: Re: Etwas zum Nachdenken........ geschrieben
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Karibikeumel neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 03.02.2008 Beiträge: 6 Alter: 51
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Verfasst am: 02.04.2008, 18:14 Titel: dankbar |
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Ich bin dankbar, dass solche Dinge publik gemacht werden.
Man wird sich so der Gefahr bewusst. |
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