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Ich hoffe auf eine Chance.......

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ruegi
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 28.03.2008
Beiträge: 9
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 30.03.2008, 19:52    Titel: Ich hoffe auf eine Chance....... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

wie soll ich anfangen, am besten so, ruegi kommt von Rüganer, ich stamme von der Insel Rügen, bin 44 Jahre alt, lebe seit 18 Jahren in Berlin. Bin einmal geschieden, habe 2 Söhne aus erster Ehe und lebe seit 13 Jahren mit meiner Lebensgefährtin zusammen und wir haben einen gemeinsamen Sohn. Von Beruf bin ich Vertriebsleiter im Telekommunikationsbereich.

Mein Problem ist der Alkohol, der in erster Linie meine Beziehung und mich frisst, davon will ich weg, das ist mein Ziel, endgültig.


Ich möchte Euch etwas mehr über mich berichten, warum, weswegen und wofür. Es beißt die Maus keinen Faden ab, ich bin alkoholabhängig, zwar konsumier(t)e ich keine "harten Sachen" aber dafür sprach ich immer mehr dem Bier zu. Aber der Reihe nach, das Dilemma begann eigentlich im Jahr 94 meine Ehe (2 Söhne) gab mir nichts mehr, ich war erfolgreich im Job, machte micht selbstständig und es lief. Die Telekommunikationsbranche erlebte damals den Boom. Es gehörte zum "guten Ton" das man sich abends nach Feierabend mit Lieferanten und Kunden traf und die obligatorischen Geschäftsbeziehungen pflegte, dabei ging es selten ohne reichlich Alkohol zu. Es plätscherte ehemäßig so dahin und es kam was kommen mußte, ich lernte meine jetzige Lebensgefährtin kennen und wir zogen zusammen. Frisch verliebt, war alles schön und gut, man machte ein wenig Party und es war alles noch im "kontrollierbaren" Bereich, dachte ich mir. Es kam was kommen mußte, ich gab die Selbstständigkeit auf und begab mich wieder in Anstellung, Grund mein Geschäftspartner hatte sich umorientiert und wir trennten uns. Uns traf natürlich auch die Marotte der "unbezahlten Rechnungen" und der Teufelskreis begann, auf der einen Seite die Forderungen der Lieferanten, auf der anderen Seite die offenen Rechnungen. Alkohol, zumindest Bier war immer dabei und die Mengen erhöhten sich. Kurzum, ich hatte Glück, bekam eine Anstellung und eigentlich wär alles gut gewesen. Plötzlich verzog meine Ex nach Bonn und die Kinder waren weg, ohne Vorankündigung, obwohl gemeinsames Sorgerecht. Folge, Kummer ertränken mit Alkohol, ging ja alles leichter. Es kam was kommen mußte, ich verlor den Lappen, eine Zeitlang machte die Firma noch mit, aber dann war Schluß und ich hatte Glück das ich sofort wieder eine Anstellung fand, ich kniete mich rein und wir wünschten uns ein Kind, wir bekamen einen ganz lieben Sohn (kann ich jetzt so sagen). Natürlich kam was kommen mußte, MPU, also Alk bei Seite und das hielt ich auch durch, MPU im ersten Anlauf geschafft und ich wurde wieder in den AD übernommen. Es ging lange Zeit gut ohne Alkohol, dann begann ich mich über Radler wieder an Bier und Wein ranzutasten, was mir auch gelang und schon war ich wieder im Fahrwasser. Regelmäßig konsumierte ich Bier, sass abends noch in der Kneipe und wollte partout nicht nach Hause. Meine Lebensgefährtin fand das auf Dauer nicht mehr lustig unsere Beziehung litt sehr darunter, ergo, Stop, zum Arzt mich geoutet und erklärt, er untersuchte mich, die Werte waren alle im leidlich grünen Bereich und es gab Tabletten, Balsam für die Nerven, Alkoholiker sehen anders aus, nicht so wie sie. Ich nahm eine Auszeit, zog eine Zeitlang zu Verwandten und konnte dort meinen Rhythmus wieder finden. Ich trank ab dato keinen Alkohol und hielt das auch lange durch. Die Beziehung normalisierte sich wieder und ich dachte, jetzt kannst du es schaffen kontrolliert zu trinken, ich dachte es auch nur. Wieder hangelte ich mich an den Alkohol heran, achtete damals noch drauf regelmäßig zu essen und erst(!) dann zu trinken, aber das hielt nicht lange vor, es ging wieder los, wieder vernachlässigte ich meine Familie in grober Weise und wieder zog ich damals einen Strich, zog wieder zu Verwandten und kam auch wieder ins richtige Wasser, kein Alkohol... Der Arzt der mich damals betreute, sagte Sie haben 2 Möglichkeiten, ich stecke Sie in die Klinik zur Entgiftung, oder sie versuchen es alleine, aber, aber suchen sie sich einen Ausgleich zu ihrer Tätigkeit, treiben Sie Sport und regulieren sie Ihren Tagesablauf und kümmer sie sich um ihre Familie und gehen sie in Therapie. Ich fühlte mich nach mehreren Wochen wieder fit und zog wieder ein. Im Job ging es gut voran, natürlich blieb dann irgendwann auch keine Zeit für den Sport und die Therapie........ Es kam wie es kommen mußte, es folgten wieder mehrere Abstürze, ich ging wieder in Kneipen, manchmal bis früh um fünf und erfand daheim tausenderlei Ausreden ... Klar das meine Frau irgendwann die Bremse zog, mit ach und krach kam ich im Job klar, Familienleben wurde immer outer, Gesprächen mit meiner Frau wich ich aus, mir war der Konsum von Alkohol wichtiger als ein offenes Wort zu meiner Frau, mein Sohn spielte manchmal die Nebenrolle. Die LAge spitzte sich zu und letzte Woche hatte ich einen Absturz und meine Frau und ich sprachen von Trennung, die Signale dafür hatte ich geflissentlich überhört. Seit Freitag letzter Woche habe ich keinen Alkohol mehr getrunken und nach ein paar Tagen mit klarem Kopf fing auch wieder das klare Denken an, als Mist bauen kann man es nicht mehr bezeichnen. Eigentlich habe ich den mir von meiner Familie gewährten "Kredit" mehr wie aufgebraucht und ans zurück zahlen in Form von Familienleben habe ich in keinster Weise gedacht, wird schon werden sagte ich mir nach dem dritten Bier.....

Ich werde jetzt 45 und eigentlich sollte man da erwachsen sein, aber ich habe mich überschätzt in der Auffassung den Alkohol bändigen zu können, statt dessen hielt er mich in seinen Klauen und ich fühlte mich wohl dabei.

Ich schäme mich gegenüber meiner Frau und meinem Sohn und das jeden Tag mehr, die paar Tage die ich nichts getrunken habe sind kein Privileg zu glauben ich sei über den Berg, weit gefehlt, ich bin vielleicht meinem Ziel dauerhaft Alkoholfrei zu werden grade 1 cm näher gekommen, ich hatte eine Heidenangst vor Entzugserscheinungen, ich hatte wirklich keine, oder habe sie nicht gemerkt, was ich aber seit der kurzen Zeit bemerke das es mir besser geht, ich bin nicht mehr so schlapp und willenlos. Ich habe lange, lange mit meiner Frau gesprochen, wir haben uns eine Frist von 4 Wochen gesetzt und dann wollen wir über die weiteren Wege entscheiden. WArum, ich will meiner Famile beweisen, das ich letztendlich den Willen habe vom Alk los zu kommen, aber ich brauche dazu auch meine Famile. Ich will nicht von Daheim flüchten, sondern will es meiner Familie zeigen das ich es schaffen werde vom Alkohol weg zu kommen und mich aktiv in die Familie einbringen will. Ich will ein verlässlicher Partner und Vater sein, das ist mein Ziel. Der Weg ist bekanntlich immer das Ziel, ich habe meiner Frau versprochen, sollte ich in der gesetzten Zeit rückfällig werden, ziehe ich ohne Kommentar aus und erlöse sie von mir, ohne wenn und aber. Eigentlich weiß ich doch wie es geht, nur ich habe es bisher nicht auf die Reihe gekriegt, weil ich dem Alkohol gegenüber zu labil war. Viel schlimmer noch ich ließ meinen Sohn mehrfach im Stich und mißbrauchte das Vertrauen meiner Frau. Nun ist es nach 12, durch meine eigene Schuld und nur durch meine Schuld, aber ich will kämpfen, um meine Frau, meinen Sohn- unsere Familie. Mein nächster Schritt wird sein das ich mich in psychologische Behandlung begeben will um zu erkennen wo die Ursachen liegen, was mache ich falsch, oder was haben wir vielleicht in unserer Beziehung falsch gemacht, wie gesagt, ich schäme und verurteile mich für das was ich ihnen angetan habe, aber ich will es mir und ihnen beweisen das es geht und gehen wird.

Tut mir leid, ich habe bestimmt einiges verkehrt geschrieben, oder Satzzeichen verkehrt gesetzt, ich hoffe ihr seht es mir nach, viel wichtiger ist es für mich über mein Problem reden zu können auch wenn es manchmal nicht nach meinem Geschmack sein wird. Ich habe die letzten Tage viel hier im Forum gelesen, bei manchen Beiträgen habe ich geheult wie ein Schloßhund weil ich mich in diesen Beiträgen spiegelte, es war für mich kein Trost das ich Leidensgefährten in diesen Beiträgen sah, sondern die bittere Wahrheit und Realität das ich ein Alkoholproblem habe und es lange Zeit negierte, zu Lasten meiner Familie und das macht mich schon nach ein paar Tagen Klarheit im Kopf rasend wütend das ich so ein verdammter Idiot bin, wenn ich es geschafft habe meine Familie zu retten und dann trocken bin dann werde ich vielleicht nur noch Idiot zu mir sagen. Aber das wird ein langer schmerzhafter Weg.

Mitleid habe ich für mein Werk nicht verdient.

Ich bin dankbar für Ratschläge und Hilfen die mich zu meinem Ziel begleiten können, letztendlich muß ich diesen Weg ganz alleine gehen und mein Ziel erreichen. Ich sitze hier und heule wie ein kleines Kind, es fiel mir nicht leicht diese Zeilen zu schreiben, aber ich bin der Meinung es muß ein Strich gezogen werden ich muß mich der Vergangenheit und erst recht der Zukunft stellen. Ich würde mich freuen wenn ich hier über wirkliche Fortschritt berichten kann und darf.

In diesem Sinne

ruegi
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ruegi hat zum Thema: Ich hoffe auf eine Chance....... geschrieben
Gänger
Gast






BeitragVerfasst am: 31.03.2008, 09:44    Titel: Re: Ich hoffe auf eine Chance....... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen Ruegi,

beim lesen Deines Themas ist mir immer wieder aufgefallen, dass Du dir und deiner Familie etwas beweisen möchtest, indem Du nicht trinkst. Aus meiner Sicht ist das der falsche Ansatz.
Wenn Du zukünftig abstinent leben möchtest, dann muss Dir klar werden, dass Du es ausschließlich für Dich willst, um ein besseres Leben führen zu können. Seit ich das verstanden habe, fällt mir nicht nur das Nichttrinken um ein vielfaches leichter, sondern mein ganzes Leben hat an Klarheit gewonnen.
Zudem hälst Du dir durch den Willen, es für die Familie zu tun, eine Hintertür offen. Denn was ist, wenn sie irgendwann nicht mehr hinter dir stehen sollte ( was ich Dir natürlich nicht wünsche!) ? Hättest du dann wieder einen Grund zu trinken?
Die Schuldgefühle, die dich plagen, kennen sehr viele von uns, damit bist Du nicht alleine. Ich persönlich habe dieses als Teil meiner Krankheit akzeptiert und denke nur noch selten über meine Missetaten in der Vergangenheit nach, denn ich kann sie nicht ungeschehen machen. Aber ich kann die Verantwortung für meine Zukunft übernehmen und dafür sorgen, dass sich ähnliche Katastrophen wie in meiner Saufzeit, nicht wiederholen. Und zwar nicht aus der Motivation heraus, anderen besser zu gefallen, sonder um mit mir selbst besser klarzukommen.

Bist Du eigentlich mal beim Arzt/Suchtberatung gewesen?

VG
Oliver
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Gänger hat zum Thema: Re: Ich hoffe auf eine Chance....... geschrieben
ruegi
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 28.03.2008
Beiträge: 9
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 31.03.2008, 14:20    Titel: Re: Ich hoffe auf eine Chance....... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Oliver,

ich danke dir für deinen Beitrag. Klar, du hast völlig Recht, letztendlich muß ich es für mich wollen durch Abstinenz ein besseres Leben führen zu wollen, ohne FRage. Genau wie du schreibst, das ich mir eine imaginäre Hintertür offen halte wenn die Familie nicht mehr hinter mir steht, tja was dann. Im Moment ist es so das sich meine Lebensgefährtin und ich erstmal räumlich trennen, jeder eine eigene Wohnung, aber im Füßgängerbereich wegen Sohnemann. Räumliche Trennung ja und auch die Beziehung soll aufrecht erhalten werden und da hab ich so meine Zweifel. Nicht das meine FRau fremd geht, nein eher das unsere Beziehung auf den Nullpunkt abkühlt. Was mich wahnsinnig stört ist das sie immer wieder die alten Kamellen von anno Zopf ausgräbt und mir vor hält. Manchmal fehlen mir da einfach die Argumente um sachlich dagegen zu halten. Letztendlich muß man nach vorne schauen, das man mit sich ins Reine kommt und sich darüber klar ist das man die Abstinenz vom Alkohol für sich will. Du schreibst das ihr alle schon vor ähnlichen Problemen gestanden habt in Sachen Beziehung etc., wie habt ihr diese Situation gemeistert, hat es Sinn sich erstmal räumlich zu trennen??

Einen Azttermin hab ich am Donnerstag der nächsten Woche, ich trinke seit ca. 15 TAgen keinen Tropfen und fühle mich wohl, hab nur ein paar Einschlafprobleme.
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ruegi hat zum Thema: Re: Ich hoffe auf eine Chance....... geschrieben
Gotti
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.02.2008
Beiträge: 3410
Alter: 56
Wohnort: Bayern

BeitragVerfasst am: 31.03.2008, 19:05    Titel: Re: Ich hoffe auf eine Chance....... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Ruegi,
du hast eine lange Lebensgeschichte aufgeschrieben.
Es sind einige Jahre, die ihr alle zusammen verbracht habt.
Da kannst du nicht erwarten, dass jetzt alles so einfach vorbei ist. Klick, Schalter um - Ende der Saufzeit - Sorgen vorbei.
Ich muss zugeben, dass ich anfangs auch so dachte, bevor ich hier im Forum gelandet bin. Nachdem mein Mann nach 24 Jahren endlich trocken wurde, dachte ich auch jetzt beginnt unser Leben.!
Es begann, aber anders als erwartet. Alles, was sich so in den letzten Jahren eingeschliffen hatte (sei es Reaktionen, Worte, Wiederholungen im Tagesablauf, Gefühlsäußerungen - gut oder böse - ,...) kann nicht einfach ungeschehen gemacht werden.
Man sollte jetzt nach vorne sehen, ja, aber im Herzen ist noch so viel drin. Das zu Verarbeiten braucht Zeit und Geduld.
Gerade jetzt habe ich begonnen , eine Therapie zu machen. Die Jahre abzuarbeiten, damit ich neu anfangen kann. Mit meinem Mann.
Du hast einen guten Weg gefunden, für dich neu zu starten. Arzt, Suchtberatung, SHG - tu das für dich und dein trockenes Leben.
Deine Frau / Lebensgefährtin braucht genauso Zeit für sich und ihr "neues" Leben. Ob es mit dir ist, kannst du nur abwarten.
Ich wünsche dir ganz viel Geduld und Stärke in den kommenden Tagen und eine Gute Zeit, Gotti.
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Gotti hat zum Thema: Re: Ich hoffe auf eine Chance....... geschrieben
stellina
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 20.02.2008
Beiträge: 41

BeitragVerfasst am: 01.04.2008, 08:08    Titel: Re: Ich hoffe auf eine Chance....... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hi ruegi,
die ersten schritte hast du ja schon gemacht. hier im forum wirst du vieles finden, was dich begleitet. du hast einen scherbenhaufen vor dir, hier findest du die schaufel, um ihn zu beseitigen. ursachenforschung hat mir persönlich garnichts gebracht, davon wurde ich nicht trocken. ich habe mich auf das wesentliche konzentriert: 1. glas stehenlassen, nur für mich , anfangs sehr oft in die shg, alle hintertüren zumachen. am anfang war ich auch unheimlich empfindlich, wenn mein partner mir meine sünden vorbetete. jetzt hat er keinen grund mehr dazu. ich kann wunderbar ohne alk leben, aber niemals mit ein bißchen. also kontrolliert trinken geht bei einem alkoholiker nicht.
ich wünsche dir gute vorschritte.
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stellina hat zum Thema: Re: Ich hoffe auf eine Chance....... geschrieben
ruegi
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 28.03.2008
Beiträge: 9
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 05.04.2008, 10:24    Titel: Re: Ich hoffe auf eine Chance....... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

ich danke euch für die Beiträge. War jetzt einige Tage dienstlich unterwegs, war etwas stressig aber auch mit einer ersten großen Herausforderung verbunden. Heute ist "bereinigt" der Tag 16 ohne Alkohol, Fazit, ich fühle mich zwar körperlich besser, ansonsten fahren die Gefühle Achterbahn. Wenn ich mich heute im Forum angemeldet hätte, dann würde ich dem Thread eine andere Überschrift geben, nicht "Ich hoffe auf eine neue Chance" sondern "Mein neues Leben ohne Alkohol".

Ich weiß, 16 Tage sind nicht viel, ich bin noch weit, sehr weit weg vom eigentlichen Ziel, mein Leben ohne Alkohol zu führen. Ich alleine begebe mich auf den Weg dieses noch sehr ferne Ziel zu schaffen. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, erst recht nicht will ich es wagen zu behaupten den richtigen Weg in die Abstinenz eingeschlagen zu haben. Vor allem wenn einem alle möglichen Sachen im Kopf herum schwirren und mir es mitunter schwer fällt mein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, grad wenn ich Ruhe habe, hänge ich vielen Gedanken nach, schmiede Pläne und verwerfe sie im nächsten Moment wieder, setze mir ein Ziel und stell daneben gleich ein neues auf, emotional bin ich sehr aufgewühlt und mitunter sehr gereizt und für meine nähere Umgebung vielleicht eher eine Belastung als eher jemand der sich ändern will, es auch wirklich will, aber dem alles zu langsam geht . In manchen Momenten bin ich sehr gereizt, obwohl ich es gar nicht sein will, ich steigere mich dermassen rein in Kleinigkeiten, das ich sehr lange brauche um mich wieder ein zu kriegen, wie ich schon sagte, Achterbahn. Angetreten bin ich mit den Flausen im Kopf, kein Alkohol mehr, straffen Tagesablauf, stur nach Plan und in 3-4 Wochen bist auf der richtigen Seite, ordnest alles neu und gut ist's. Aber so einfach geht es nicht, man bemisst den Weg in die Abstinenz nicht nach Tagen und Wochen oder gar Jahren ohne Alkohol, sondern man steht schlicht und einfach an der Schwelle zu einem 2. neuen Leben, einem Leben ohne Alkohol, letztendlich bin ich es ganz alleine der diese Entscheidung trifft eine Wende für mich und mein weiteres Leben einzuleiten. Letzte Nacht habe ich vielleicht 1 Stunde richtig geschlafen und ansonsten nur gegrübelt und mir mitunter chaotisch Gedanken gemacht und habe meine Familie genervt. DAs ist eher das Gegenteil von dem was ich erreichen will.

Am Donnerstag habe ich einen Termin bei meinem langjährigen Doc, er war etwas geplättet als ich ihm vorab telefonisch reinen Wein einschenkte was der Zweck meines Termines sei, aber besser jetzt als nie meinte er nur. Er meinte es wäre dringend erforderlich entsprechende Untersuchungen zu tätigen, um eine Therapie medizinisch zu stützen und um gesundheitliche Schäden zu verhindern. Was er medizinisch nicht therapieren kann ist mein Kopf, der gehört mir ganz allein und die Verantwortung für mein weiteres Leben liegt einzig und allein in meiner Hand.

Ich bin jetzt ein paar Tage ohne Alkohol, aber viel mehr habe ich in den paar Tage auch noch nicht gekonnt. Meine Lebensgefährtin hat es im Moment auch nicht grade einfach mit mir. Es ist einfach zu sagen, ab heute keinen Alk mehr, ab jetzt wird alles besser, so nach dem Motto, "Schalter" umlegen und alles wird wieder gut. Weit gefehlt, sehr weit gefehlt, alleine wenn ich nur die letzten 3 Jahre sehe was ich ausser Job und Alkohol zu Wege gebracht habe, die Familie hatte meist immer hinteren Stellenwert und da kann ich jetzt nicht von ihr verlangen das ab sofort wieder alles tutti paletti ist. Sie sagte mir sie kennt jemanden der vor Jahren ein ganz anderer, sehr liebenswerter Mensch war und man eine geimeinsame schöne Zeit verbracht hat und dann kam eine Zeit die für sie sehr schmerzhaft und traurig war. Ich habe die Signale nicht erkannt oder erkennen wollen. Dieses Vertrauensverhältnis wieder zu erlangen und Empfindungen füreinander neu zu beleben ist ebenfalls ein langer Prozeß, dessen Ausgang ich massgeblich durch meine persönliche Veränderung mitgestalte. Ich fange an kleine Brötchen zu backen, als erstes gestalte ich meinen Tagesablauf um, früh aufstehen, nach Möglichkeit gemeinsam frühstücken, den Job erledigen und rechtzeitig Feierabend machen, Montags meinen Sohn zum Training bringen und auch abholen, werde auch wieder aktiv anfangen Sport zu treiben, Radsport und schwimmen, Zeit für die Familie haben, kurzum mir einen neuen Rhythmus schaffen, vor allem früh ins Bett gehen um ausreichend Ruhe zu finden. DAs Wochenende sollte der FAmilie gehören und meine Lebensgefährtin soll auch ihre Hobbys und Freundschaften pflegen, damit sie auch ein wenig Abstand zur Vergangenheit bekommt. Der Blick sollte nach vorne gehen, Zeit und Veränderung und vor allem eine gegenseitige neue Vertrauensbasis kann eventuell Wunden heilen, wie lange es dauert vermag ich im Moment nicht vorher zu sagen. Nur eins ist fakt, in diesem Spiel bin ich der Hauptakteur und ich will es in erster Linie für mich mein Leben ohne Alkohol gestalten zu können und auch langfristig ohne Alkohol abstinent zu leben. Es ist vielleicht etwas wirr, aber ich mußte es mir mal von der Seele schreiben, mir geht es jetzt auch etwas besser.

nachdenklich

ruegi
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ruegi hat zum Thema: Re: Ich hoffe auf eine Chance....... geschrieben
sweety15
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 19.02.2007
Beiträge: 372
Alter: 70
Wohnort: Norddeutschland

BeitragVerfasst am: 05.04.2008, 10:55    Titel: Re: Ich hoffe auf eine Chance....... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Rügi,

du hast deine Seele über viele Jahre mit Alkohol betäubt.
Jetzt prallen deine Gefühle nicht mehr ab, sondern du nimmst alles wahr.
Kein Wunder, dass du im Moment ziemlich"durch den Wind" bist.

In den Jahren der Trinkerei haben wir verlernt, mit unseren Gefühlen umzugehen. (Wenn wir sie überhaupt noch gemerkt haben)
Das hat mich am Anfang auch fast umgehauen.

Allein wäre ich damit nicht klar gekommen.
Ich habe mir Hilfe gesucht.

"Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut" - stimmt.
Das sagt uns der Verstand.
Ich vermute mal, dass dein Gefühl dir sagt: so'n Mist, warum geht es nicht schneller voran? Ich will nicht warten, warten macht mich fertig!

Bei mir war es jedenfalls so.
Sorry, ich hoffe, dass ich dich jetzt nicht verschreckt habe.

Liebe Grüße
Sweety
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sweety15 hat zum Thema: Re: Ich hoffe auf eine Chance....... geschrieben
kommal
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 24.06.2007
Beiträge: 6842
Alter: 59
Wohnort: Niederrhein

BeitragVerfasst am: 05.04.2008, 10:59    Titel: Re: Ich hoffe auf eine Chance....... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Ruegi,

Zitat:
vom eigentlichen Ziel, mein Leben ohne Alkohol


Das Ziel hatte ich auch mal. Heute weiß ich, der Weg ist das Ziel. Gerade.
Seitdem bin ich unterwegs.

Du wirst dein Leben lang mit deiner Krankheit leben- so oder so. Aber ich denke, Du hast die lebbare Richtung eingeschlagen.

Ich wünsche Dir, dass Du die Kraft und Ausdauer hast, dort weiterzugehen.

LG kommal
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kommal hat zum Thema: Re: Ich hoffe auf eine Chance....... geschrieben

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