| Ich habe angst und bin völlig verwirrt • nicht loslassen können |
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Mistmaus neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 28.03.2008 Beiträge: 59 Wohnort: Saarland
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Verfasst am: 28.03.2008, 18:09 Titel: wie ernst ist das zu nehmen? |
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Hallo Leidensgenossen,
ich habe mich gerade hier angemeldet und mich und MEIN Problem als Co-Alkoholikerin vorgestellt.
Betroffen ist meine jüngere Schwester. Sie ist Alkoholikerin und wir haben sie heute Nacht zum x-ten mal ins Krankenhaus gebracht zum Entzug.
Es war aber nicht wirklich ihre Entscheidung. Nachdem sie gestern zum erstenmal in ihrer langjährigen Suchtkarriere geäußert hat, sie wolle nicht mehr kämpfen - ihr sei eh nicht mehr zu helfen - sie würde nur jedem Kummer machen - es wäre besser sie wäre nicht mehr da usw. hab ich sie aus Angst um ihr Leben massivst gedrängt ins Krankenhaus zu gehen.
Heute Nacht war sie noch sehr aggressiv gegen mich, fühlte sich abgeliefert, weggegeben usw. Als ich sie heute Morgen besuchte, war sie ruhiger (wegen der Medikamente natürlich) aber immer noch sehr mutlos. Sie fragte, was sie im KH solle - sie wäre doch schon sooft dort gewesen, und sie würde es ja eh nicht schaffen.
Wie ernst sind solche Äusserungen nicht mehr leben zu wollen zu nehmen, wenn jemand sehr massiv getrunken hat? Wäre es sinnvoller gewesen sie irgendwo einliefern zu lassen? Ich will doch ihr Leben retten - aber ihr doch nicht jegliche Würde nehmen - vor allem wenn sie sich massivst dagegen wehrt.
Ist es mehr Selbstmitleid, Hoffnungslosigkeit? Gehört es zur Krankheit dazu?
Bitte gebt mir einen Rat, was ich machen soll. Ich bin die einzige der sie noch einigermaßen vertraut, und die noch einen ganz geringen Einfluss auf sie hat.
Dank euch
Liebe Grüsse
Heike |
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| Mistmaus hat zum Thema: wie ernst ist das zu nehmen? geschrieben
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Jenny2 Gast
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Verfasst am: 28.03.2008, 18:27 Titel: Re: wie ernst ist das zu nehmen? |
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Hi Heike,
erstmal herzlich Willkommen.
Du meinst bestimmt mit Co-Alkoholikerin, Co-Abhaengigkeit.
Erstmal zu der Krankheit, Du kannst Deiner Schwester nicht helfen, sie muss selbst erkennen, dass sie etwas aktiv gegen ihr Suchtverhalten unternehmen muss. Wenn Sie sagt, sie will nicht mehr leben, dann kann Dir keiner von uns hier sagen, ob sowas ernst zu nehmen ist, denn wir kennen Deine Schwester nicht.
Wie gesagt, Du selbst kannst nichts machen, man kann niemanden zwingen Hilfe anzunehmen und wenn Deine Schwester keinen Ausweg sieht, dann will sie vielleicht die Sucht noch nicht aufgeben.
Du kannst ihr einfach nur sagen, dass wenn sie eine Therapie machen will, sie immer beim Arzt oder bei einer Suchtberatung fragen kann, aber mehr kannst Du nicht machen, die Initiative muss von ihr ausgehen.
Alles Liebe,
Jenny |
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| Jenny2 hat zum Thema: Re: wie ernst ist das zu nehmen? geschrieben
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Mistmaus neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 28.03.2008 Beiträge: 59 Wohnort: Saarland
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Verfasst am: 28.03.2008, 19:04 Titel: Re: wie ernst ist das zu nehmen? |
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Hallo Jenny,
vielen Dank für die liebe Begrüssung.
Ja ich meinte natürlich Co-Abhängigkeit. Sorry kann heute kaum einen klaren Gedanken fassen vor Sorge.
Vielleicht sollte ich zum besseren Verständnis kurz erzählen, daß mein Vater als sogenannter Quartalssäufer unsere Jugend und seine Ehe zur Hölle gemacht hat. Erst als ich 18 war, konnte ich meine Mutter dazu bewegen ihn zu verlassen.
Er hat mit dem Trinken (ob er wirklich Alkoholiker war kann ich bis heute nicht beurteilen) nie aufgehört. Und 10 Jahre nach unserem Auszug ist er mit 2,6 Promille mit einer Zigarette eingeschlafen und es gab einen Schwelbrand bei dem er getötet wurde. Ich hab ihn damals gefunden.
Sehr lange habe ich mir Vorwürfe gemacht, ob er wohl noch leben würde, wenn ich nicht auf einen Auszug gedrängt hätte. Ich habe mittlerweile verstanden, daß es seine Entscheidung war zu trinken und auch seine Verantwortung wie er gestorben ist............
aber ich möchte nicht noch meine Schwester durch den Alkohol verlieren - ich weiß nicht ob ich das überwinden würde......
ich weiß, daß nur sie alleine sich helfen kann, aber wenn sie keine Hoffnung mehr hat, dann kann ich sie doch nicht einfach alleine lassen.......
Liebe Grüsse
Heike |
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| Mistmaus hat zum Thema: Re: wie ernst ist das zu nehmen? geschrieben
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Jenny2 Gast
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Verfasst am: 28.03.2008, 19:16 Titel: Re: wie ernst ist das zu nehmen? |
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Hi Heike,
die Co-Abhaengigkeit laesst uns glauben, dass wir helfen muessen, deswegen wahrscheinlich Dein Gedankengang, aber die einzige Hilfe ist die NICHT-HILFE, denn somit gibst Du dem Alkoholiker die Chance seine Krankheit im vollen Umfang zu erkennen.
Es gibt keine magischen Worte, die Du sagen kannst, damit jemand aufwacht. Wenn Du Deiner Schwester hilfst, sie zu einer Therapie draengst und sie nicht von sich aus das anleiert, dann wird diese Therapie keine Chance haben. Das einzige was Du Deiner Schwester sagen kannst ist, dass sie zu einer Suchtberatungsstelle gehen soll und sich erkundigen soll, Du kannst sie auch dort hinfahren, aber sie muss das alles alleine anleiern und wollen.
Alles Liebe,
Jenny |
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| Jenny2 hat zum Thema: Re: wie ernst ist das zu nehmen? geschrieben
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Gotti sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.02.2008 Beiträge: 3354 Alter: 51 Wohnort: Bayern
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Verfasst am: 28.03.2008, 19:38 Titel: Re: wie ernst ist das zu nehmen? |
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Hallo Heike,
auch von mir ein herzliches Willkommen hier!
Deine Geschichte hat mich schon ganz schön erschüttert.
Was du jetzt am meisten brauchst ist Hilfe für dich. Du bist doch ganz fertig. Hast du schon mal eine Therapie gemacht, oder mit irgendeinem Berater, Arzt, o.ä. gesprochen? Such dir ganz dringend Hilfe für dich, dann kannst du deiner Schwester helfen. Wie sagen dir dann die Therapeuten.
Du steckst ja nicht nur in der Co - Abhängigkeit mit deiner Schwester drin, sondern hast die Ängste und Co - Probleme mit deinem Vater noch zu lösen. Das schafft niemand alleine.
Ich wünsche dir gaaaanz viel Kraft für die nächste Zeit und ganz schnelle Hilfe, damit du ganz bald wieder "Luft" bekommst.
Liebe Grüße, Gotti. |
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| Gotti hat zum Thema: Re: wie ernst ist das zu nehmen? geschrieben
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Lillith67 Gast
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Verfasst am: 28.03.2008, 19:47 Titel: Re: wie ernst ist das zu nehmen? |
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Hallo Heike,
auch von mir herzlich Willkommen hier im Forum.
Ich glaube Du weist selber (nachdem Du Dich schon länger intensiv durch Bücher u.s.w. informiert hast) das wir hier Dir auch keinen Rat Deine Schwester betreffend geben können. Ich kann Deine Ohnmacht und Verzweiflung gut nachvollziehen, auch ich habe inzwischen Vater, Ex Mann und Oma durch den Alkoholmissbrauch und seine Folgen verloren. Mein jetziger Partner hat gerade noch die Kurve bekommen, aber wie man ja an Deiner Schwester sieht, kann einen diese heimtückische Krankheit/Sucht immer wieder einholen. Eigentlich hat Deine Schwester doch das wertvollste was es gibt auf dieser Welt, eine Schwester die sie über alles liebt. Aber auch das hilft nicht diese Krankheit zu besiegen. Vieleicht wäre die einzigste Hilfe tatsächlich noch die Nicht Hilfe. Bei meinem Partner hat es geklappt, aber eine Garantie gibt es nicht, aber das weist Du ja selber. Es tut mir furchtbar leid wie Du leidest. Am liebsten möchte ich was gutes für Dich tun, denn Deine Schwester ist ja zur Zeit gut aufgehoben. Sorge dafür das Du nicht noch ganz krank wirst vor Kummer!
Liebe Grüße
Lillith67 |
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| Lillith67 hat zum Thema: Re: wie ernst ist das zu nehmen? geschrieben
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Mistmaus neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 28.03.2008 Beiträge: 59 Wohnort: Saarland
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Verfasst am: 28.03.2008, 19:50 Titel: Re: wie ernst ist das zu nehmen? |
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Hallo Gotti,
danke für die liebe Begrüssung.
Ja ich bin völlig am Ende.
Zur Vervollkommenung meiner Geschichte muss ich erzählen, daß ich u.a. wegen meiner vom Alkoholkonsum meines Vaters geprägten Jugend unter Angst- und Panikattacken leide. Seit ca. zweieinhalb Jahren mache ich deshalb auch eine Gesprächstherapie.
Vieles hat sich gebessert - aber die ständigen Rückfälle meiner Schwester werfen mich in der Therapie auch immer wieder zurück.
Es ist ein richtiger Teufelskreis.
Ich habe meiner Schwester versprochen sie niemals im Stich zu lassen, und egal wieviele Rückfälle sie hat - daß sie immer zu mir kommen kann.
Und wenn es dann wieder einmal soweit ist, dann stelle ich meine eigenen Bedürfnisse immer wieder in den Hintergrund. Komischerweise leide ich gerade in diesen Situationen nicht unter meiner Krankheit - dafür dann aber unter der meiner Schwester.
Mir wird grade klar - jahrelange eigene Therapie, jahrelanges Lernen die mit der Krankheit meiner Schwester umzugehen.......... und nichts begriffen, bzw. wenns wieder soweit ist, handel ich genau wieder verkehrt.
Aber die Angst um sie ist so beherrschend !!!
Danke auch Jenny für deine Antwort.
Nachdem ich am eigenen Leib erfahren habe, was passieren kann, wenn man jemanden mit Alkoholproblemen alleine läßt, fällt es mir doppelt schwer NICHT zu helfen.
Gegen jede Vernunft !!!
Ich glaub ich hab noch jede Menge Ängste, Schmerz und Arbeit vor mir...............
Liebe Grüsse
Heike |
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| Mistmaus hat zum Thema: Re: wie ernst ist das zu nehmen? geschrieben
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Mistmaus neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 28.03.2008 Beiträge: 59 Wohnort: Saarland
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Verfasst am: 28.03.2008, 20:02 Titel: Re: wie ernst ist das zu nehmen? |
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Hallo Lilith,
auch dir vielen Dank für die lieben Worte.
Ich bin überhaupt überwältigt von Eurer Anteilnahme.
Ja, wenn ich ehrlich bin, habe ich gehofft irgendwo zu lesen: mach dir keine Sorgen, solche Aussagen sind ganz normal, so wie die Lügen, die leeren Versprechungen und alles andere.
Aber mir ist auch klar, daß wenn ich als so nahe Angehörige das nicht beurteilen kann, wie sollt ihr als "Fremde" das können.
Ich versuche mich einfach damit zu beruhigen, daß sie mich gestern angerufen hat. Nicht umgekehrt. Sie hat mich angerufen und mir all ihre Hoffnungslosigkeit geschildert. Ich denke jemand der wirklich nicht mehr will, der wirklich keine Hoffnung mehr hat, der ruft auch niemanden mehr an.
Und schließlich hab ich sie ja auch nicht ins Krankenhaus geschleppt. Ich hab zwar auf sie eingeredet. Aber ich habe unzählige Male schon vergebens auf sie eingeredet. Da stand der Krankenwagen schon vor der Tür, und ist ohne sie wieder weggefahren. Und gestern brauchte ich "nur" zwei Stunden bis sie mitgefahren ist.
Vielleicht liege ich auch mit diesem Denken falsch, aber nur so kann ich im Moment eingermaßen klar kommen. Du hast recht. Für die nächsten paar Tage ist sie ja unter Beobachtung. Leider nur medizinisch gesehen, denn in dem Krankenhaus gibt es keine spezielle psychische Betreuung.
Du sagst, du würdest mir gerne was gutes tun. Erstens hast du das bereits, indem du mir geschrieben hast. Vielen Dank dafür. Und zweitens bin ich in einer ganz seltsamen Stimmung, ich mag nichts essen, sitze im Dunkeln - so nach dem Motto, wenn es ihr nicht gut geht, dann brauch es mir auch nicht gut zu gehen.
Als wenn ihr das etwas helfen würde. Mir wird während dem Schreiben gerade klar, wie dumm dieses Denken ist.
Liebe Grüsse
Heike |
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| Mistmaus hat zum Thema: Re: wie ernst ist das zu nehmen? geschrieben
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