| frohe ostern • Wie kann ich mich aus einer Co-Abhängigkeit befreien ? |
|
|
| Autor |
Nachricht |
|
|
Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32787 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
|
Verfasst am: 22.03.2008, 13:32 Titel: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? |
|
|
Hallo,
bedingt durch einige Beiträge hier im Forum, möchte ich mal die sicherlich provozierende Frage aufwerfen, ob es zu viele Hilfsangebote für Alkoholiker gibt?
Ich habe ja in meinem Leben selbst die vielen Möglichkeiten ausgenutzt, wenn es mir mal dreckig ging.
Es gab ja genügend Krankenhäuser und sonstige Einrichtungen, wo man mal schnell hinkonnte, sich wieder fitt machen lassen konnte und dann für die nächste Runde vorbereitet war.
Wird es uns Alkoholkranken zu leicht gemacht, das wir uns das für uns geeignete Hilfsangebot aussuchen können? Ich denke da so an die Wünsche nach Einzelzimmern, nach Familienkontakten und Kommunikationsmöglichkeiten, nach Tierbetreuung, nach Sofortaufnahme und anderen Wünschen, die über die eigentliche Hilfe hinausgehen.
Wir lesen hier ja auch oft, dass nach einer guten Therapieeinrichtung gesucht wird, die in einer schönen Gegend liegt und die oben genannten Wünsche erfüllt, aber selten die Frage aufkommt, wie die inhaltliche Behandlung abläuft.
Müssen sich die Hilfsangebote nach den Hilfesuchenden richten oder sollte die Hilfe ohne Bedingungen so angenommen werden, weil sie eben hilft, auch wenn sie mir vom "Umfeld" her nicht gefällt?
Ich habe mir durch die, aus heutiger Sicht zu vielen Hilfsangeboten, meine Saufzeit unnötig verlängert, weil ich so meinen persönlichen Tiefpunkt immer vor mir herschieben konnte, denn es waren immer irgendwelche Ärzte, Krankenhäuser, Sozialarbeiter oder Einrichtungen da, die mich auffingen, wenn ich mal wieder abgestützt bin.
Ich habe erst wirklich angefangen über mein Leben nachzudenken und die Einsicht zur Veränderung gefunden, als alle diese Hilfsangebote mir nicht mehr oder nur noch im Rahmen der gesundheitlichen Notwendigkeit, geholfen haben und mich dann wieder mich alleine überlassen haben.
Dann mußte ich um Hilfe betteln und beweisen, dass ich diesmal wirklich Hilfe möchte.
Selbst hier in unserem kleinen Rahmen, glauben ja einige Hilfesuchende, dass es selbstverständlich ist, dass sich hier fremde Menschen mit ihren Problemen beschäftigen.
Ich möchte meine Erfahrungen nicht als Grundsatz angesehen wissen, aber die Frage zur Diskussion stellen.
Frohe Ostern und Gruß Karsten
____________________________________________
Das Thema Hilfe zur Selbsthilfe |
|
| Nach oben |
|
| Karsten hat zum Thema: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? geschrieben
|
|
 |
Vaan sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.08.2007 Beiträge: 1400
|
Verfasst am: 22.03.2008, 13:57 Titel: Re: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? |
|
|
Hallo Karsten
| Zitat: |
Es gab ja genügend Krankenhäuser und sonstige Einrichtungen, wo man mal schnell hinkonnte, sich wieder fitt machen lassen konnte und dann für die nächste Runde vorbereitet war. |
Ich hatte vor ca. 2 Jahren mal einen Gichtanfall auf einem Samstag und mir blieb nichts anderes übrig als in die Ambulanz eines Krankenhauses zu gehen. Die machten dort keinen Hehl daraus, dass man mir nur sehr notdürftig helfen kann und hat mir einen Tropf mit einer Kochsalzlösung verpasst.
Als ich da so lag habe ich ein Gespräch im Nebenraum mitbekommen :
"Ja aber mein Mann sieht doch schon wieder ganz gut aus"
"Was meinen Sie wie toll der erst aussieht wenn der mal nen viertel Jahr nichts getrunken hat"
Ich habe den Arzt als er dann zu mir kam (wohlwissend dass ich auch nicht reinspucke) auf den Satz angesprochen.
Er hat mir daraufhin erklärt, dass sich etlichen Patienten immer wegen Alkohol die Wochenenden teilen in der Notaufnahme und dass er eigentlich jeden Samstag/Sonntag so die selben Leute bei sich sitzen hätte.  |
|
| Nach oben |
|
| Vaan hat zum Thema: Re: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? geschrieben
|
|
 |
Gänger Gast
|
Verfasst am: 22.03.2008, 15:20 Titel: Re: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? |
|
|
Hallo Karsten,
auch mir ist, besonders in der Entgiftung, aufgefallen das viele dort nur ihre Zeit verbringen wollen, um beispielsweise nicht auf der Straße schlafen zumüssen. Was ich ja auch durchaus verstehen kann.
So hat ein Patient am Tag seiner Entlassung schon angekundigt:" Ich komme morgen wieder!" Während meiner vierwöchigen Therapie, wurde er dreimal entlassen und kam dreimal wieder. Immer jeweils für eine Woche.
Ein anderer dort "feierte" seine 93 Entgiftung.
Aber trotz dieser Beispiele bin ich nicht der Meinung, dass es zu viele Hilfsangebote gibt.
In anbetracht der schwere der Erkrankung, denke ich, ist es notwendig, da viele Todesursachen nicht einmal auf den Alkoholismus zurückzuführen sind.
Wenn der Wille zur Abstinenz nicht vorhanden ist, ist eine Therapie natürlich sinnlos. Aber ich glaube nicht, dass der Wille und der Wunsch, sein Leben zu verändern, durch weniger Hilfsangebote, schneller erreicht wird.
Zum anderen ist Alkoholismus eine Krankheit, wie jede andere auch. Es gibt auch eine Menge Krebskliniken, in der auch nicht jede Behandlung erfolgreich verläuft. Trotzdem stellt sich niemand die Frage, ob man sie vielleicht schließen sollte.
Viele Grüße
Oliver |
|
| Nach oben |
|
| Gänger hat zum Thema: Re: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? geschrieben
|
|
 |
Andi Gast
|
Verfasst am: 22.03.2008, 15:56 Titel: Re: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? |
|
|
Hallo!
Ich bin der Meinung,das es ausreichend Hilfsangebote für Alkoholiker gibt!
Wenn ich natürlich für mich der Meinung bin,ich müsste in einem 4 Sterne Hotel entgiften,und dieses am besten noch mit Kleinkinderbetreuung,inklusive Haustierbetreung,dann sollte ich mich wirklich einmal fragen,ob ich da nicht an der Realität vorbeischramme!
Ich sag dann immer,der oder die jenige hat einen"Hund"weil der wirkliche Wille dann für mich nicht erkennbar ist,denn wenn ich es wirklich will,finde ich eine Betreuung für diesen Zeitraum für meine Kinder oder Haustiere.
Auch hierfür gibt es wiederrum Einrichtungen die geschaffen wurden,um so etwas zu unterstützen.
Es wird meines erachtens genug für uns getan,nur muss ich auch selbst bereit sein,es im Rahmen der Selbsthilfe zu nutzen,denn gesoffen hab Ich!!,und nicht die Menschen die Ihre Hilfe in diesen Einrichtungen zur Verfügung stellen!!
Wenn ich dann so manches mal höre,dort lief es so oder so ab,dann frage ich mich,inwieweit der/die Betroffene bereit war wirkliche Hilfe in Anspruch zu nehmen,und diese auch als solche anzuerkennen statt sich auch noch zu beschweren,das das Essen dort mal wieder nicht geschmeckt hat,oder das Personal ein wenig forscher mit mir umgegangen ist,was will ich denn??
Sind jene Menschen Schuld an meinem Zustand,oder bin ich es selbst?
Ich habe nichts zu erwarten,ich kann mir im Höchstfall etwas wünschen,ob es dann eintrifft so wie ich es mir vorstelle sind zweierlei Paar Schuh!
Ich habe nichts erwartet,ich habe angenommen,angenommen das was ich an Hilfe bekam,und dieses war nicht wenig,und jenes empfinde ich nicht als normal,hierfür bin ich unendlich dankbar,und werde es immer sein,alles weitere obliegt mir,denn für mich ist niemand verantwortlich,ausser Ich selbst!!
Gruß Andi |
|
| Nach oben |
|
| Andi hat zum Thema: Re: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? geschrieben
|
|
 |
Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32787 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
|
Verfasst am: 22.03.2008, 17:09 Titel: Re: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? |
|
|
Hallo,
ich habe mir mal das Unterforum "Geburtstage" durchgelesen, was ja leider nicht alle lesen können.
Wenn ich mir dazu die jeweils anfänglichen Beiträge der Forenteilnehmer durchlese, stelle ich bei fast allen eine Gemeinsamkeit fest, dass sie halt nach Antworten gefragt haben, weil sie diese Antworten nicht kannten.
In letzter Zeit können wir uns ja über viele Geburtstage freuen, die es mit Hilfe des Forums geschafft haben, sich ein neues Leben aufzubauen.
Im Laufe der Zeit als Forenadmin mache ich für mich immer wieder eine Analyse, wie jemand trocken wird und ob dieser Weg mit dem Meinem vergleichbar ist, der mir ein Leben ohne Alkohol ermöglicht.
Beil lesen wird mir immer wieder bewußt, dass es ein Grundelement ist, lernen zu wollen, wie es viele heutige "Geburtagskinder" , gezeigt haben.
Sie haben vertraut und die Hilfe angenommen, die ihnen geboten wurde.
Sicherlich sehe ich auch, dass die Fragestellung, ob es zu viele Hilfsangebote gibt, sehr provozierend ist, weil viele zum Beispiel auf einen Therapieplatz oder eine Entgiftung warten müssen, weil es scheinbar noch zu wenige Plätze gibt.
Schade eigentlich, dass es hier so wenige Meinungen dazu gibt?
Gruß
Karsten
_____________________
Büchertipp
Bücher zum Thema Angst
Bücher zum Thema Depressionen |
|
| Nach oben |
|
| Karsten hat zum Thema: Re: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? geschrieben
|
|
 |
Plejaden sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.08.2007 Beiträge: 1356 Alter: 33
|
Verfasst am: 22.03.2008, 19:20 Titel: Re: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? |
|
|
Hallo Karsten
ich hatte heute nachmittag schonmal geschrieben, aber es wieder gelöscht, weil ich meinen Beitrag für unwichtig hielt. Wenn er es jetzt doch ist, bitte überlesen .
Zuerst einmal möchte ich etwas zu der "Kinder-, Haustier-, und Schöne Lage"-Thematik schreiben. Das ist eine seltsame Konsumentenhaltung, die ich schon seit einigen Jahren im Selbsthilfebereich beobachten kann (nicht nur bezogen auf Alkohol!). Da werden die Arme verschränkt und dann soll der Therapeut mal sehen, was er mit mir macht. Und wenn dann das Essen, die Lage, die anderen Leute, der fiese Therapeut und etc. pp. in der Einrichtung nicht stimmen, wir die stationäre Therapie halt mal eben abgebrochen, "weil es so nicht geht".
Dahinter würde bei mir eine innere Abwehr stecken. Kenne ich nur zu gut, ich hab meine erste Therapie so la la durchgeschleift. Ich bin dann nicht bereit, mein Leben zu ändern, jahrzehntelang antrainierte kognitive Prozesse neu zu überdenken und kann den Mut nicht aufbringen, neue Wege zu gehen, die (oh Schreck!) mitunter völlig anders sind als die bekannten, ausgelatschten.
Es ist wieder eine Frage des berühmten Tiefpunkts. Den hatte ich ganz hart in Bezug auf die Soziale Phobie und Depressionen - da war ich dann Jahre nach der ersten Therapie am Boden, und wollte einfach nur noch, dass irgendjemand mir bitte bitte hilft, egal wie. Mit dem Alkohol war es analog dazu dasselbe, ich kannte das Gefühl jedenfalls schon total am Boden zu sein und nur noch Hilfe zu wollen, weil ich es alleine nicht schaffe.
Was dann wieder zu den Schluss führt - geht es den Leuten, die hohe Ansprüche an ihre Einrichtung stellen, noch zu gut? Der berühmte Vergleich "wenn du dir ein Bein brichst und eine Woche ins KH musst" bietet sich auch hier wieder an - denn da ist dann plötzlich irgendwie für Kind und Hund gesorgt, irgendwie kriegt man das dann hin. Und das, erstaunlich, ohne Vorlaufzeit, von jetzt auf gleich! Also eine Frage des "Wollens"?
Ich denke, für viele ist es auch ganz ganz weit weg, dass der "harmlose Spaßmacher" Alk sie eines Tages umbringen soll. "Körperliche Schäden habe ich zum Glück noch keine und Entzugserscheinungen auch nicht". Warum? Weil unsere wunderbaren Körper, die uns die Natur (oder Gott oder sonstwer, ganz wie es beliebt ) gegeben hat, jahrelange Vergiftung mit Nikotin, Alkohol oder sonstwas fast ohne zu Klagen wegstecken. Das verführt zu der Annahme, sich einfach aus der Sucht heraus schleichen zu können. Einfach nichts mehr trinken, es ist ja nochmal gut gegangen. Ich habe vor sieben Monaten auch noch so gedacht.
Was ich damit sagen will: Der Mensch neigt dazu, die Notbremse erst zu ziehen, wenn er schon auf der Rückseite des anderen Fahrzeug erkennen kann "Wenn Sie dies lesen können, sind Sie zu nah.". Darüber hatte ich auch was in meinem Thread geschrieben, irgendwo .
Von daher denke ich nicht, dass es zuviel Hilfe gibt; das Problem liegt eher an den Konsumenten, die sich auch als solche sehen - Konsumenten von Hilfe. Und ein Konsument ist äußerst passiv. Gäbe es nur eine einzige Einrichtung in Deutschland, die stationäre LZT bieten würde, wäre es im Prinzip dasselbe. Denke ich.
Soviel zu meinen ungeordneten Gedanken, die wahrscheinlich fürchterlich am Thema vorbeigehen .
LG
Plejaden |
|
| Nach oben |
|
| Plejaden hat zum Thema: Re: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? geschrieben
|
|
 |
Vaan sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.08.2007 Beiträge: 1400
|
Verfasst am: 22.03.2008, 19:48 Titel: Re: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? |
|
|
Hallo Plejaden.
| Zitat: | | Ich denke, für viele ist es auch ganz ganz weit weg, dass der "harmlose Spaßmacher" Alk sie eines Tages umbringen soll. "Körperliche Schäden habe ich zum Glück noch keine und Entzugserscheinungen auch nicht". Warum? |
Es gibt hier viele Leute, die lt. Arzt keine körperlichen Schäden haben und bis auf den Einschlafprobleme konnte ich bei mir auch keine Entzugserscheinungen feststellen. Trotzdem verbringe ich viele Stunden hier im Forum und lese alles was ich zum Thema Alkoholismus vor die Flinte bekommen. Ich weiß, dass ich nach dem ersten Bier/Wein ganz schnell wieder auf meinem alten Pegel sein würde.
Also um sich ein Alkoholproblem einzugestehen muss man doch nicht zwangsweise erst auf der Intensivstation aufgewacht sein ..
Gruss Vaan |
|
| Nach oben |
|
| Vaan hat zum Thema: Re: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? geschrieben
|
|
 |
Spedi Gast
|
Verfasst am: 22.03.2008, 20:08 Titel: Re: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? |
|
|
Servus Karsten
meine Meinung hat sich nicht geändert, wir hatten das Thema ja auch schon in abgewandelter Form mehrfach.
Es gibt nie zu viel Hilfe, es gibt nur zu viel Menschen, die Hilfe in der gebotenen Form nicht annehmen wollen.
Aus welchem Grund auch immer - das ist auch egal. Wer nicht will, dem kann halt nicht geholfen werden.
Und im Umkehrschluß hat's auch schon immer gestimmt, wer wollte, hat immer Wege gefunden.
LG & frohe Ostern
Spedi |
|
| Nach oben |
|
| Spedi hat zum Thema: Re: Gibt es zu viel Hilfe bzw. Hilfsangebote für Alkoholiker? geschrieben
|
|
 |