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Vater verändert sich.....

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Skye
Gast






BeitragVerfasst am: 19.03.2008, 19:58    Titel: Re: Vater verändert sich..... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Sonnenblume,

es ist noch gar nicht so lange her, da war mein vorherrschendes Gefühl Angst. Angst meine Mutter zu verlieren, Angst allein zu sein, Angst etwas falsch zu machen, falsche Entscheidungen zu treffen, Angst nicht gut genug zu sein, Angst nicht geliebt zu werden, Angst etwas nicht zu schaffen, Angst meinen Job zu verlieren, Angst vor der Angst. Einfach Angst, Angst vor allem und jedem, mein Leben, mein Denken, mein Handeln war von Angst bestimmt. Ich hatte auch nicht wirklich eine Idee, wie ich da raus kommen sollte. Lebensfreude war für mich ein Fremdwort. Ich habe Menschen, die scheinbar, problemlos durchs Leben gingen, denen alles gelang, die jeden Stein den sie in den Weg gelegt bekommen haben, scheinbar mühelos beiseite geräumt haben, die alles bekamen was sie wollten, immer beneidet. Ich war der festen Überzeugung nicht mal annähernd so was haben zu können.

Ich kann nicht sagen, dass ich jetzt keine Ängste mehr habe, wäre schön wenn das so schnell ginge, doch es sind wesentlich weniger geworden. Mit den bis jetzt noch verbliebenen kann ich allerdings schon wesentlich besser umgehen, die meisten davon werden auch irgendwann eliminiert. Ich habe jetzt wieder etwas, dass sich Lebensqualität nennen darf. Ich kann auch nicht sagen, dass ich jetzt alles habe, um das ich andere beneidet habe, aber ich bin auf dem Weg und weiß wie ich es bekommen kann, zumindest das was ich jetzt noch will.

Außerdem sehe ich inzwischen auch, dass die Menschen die ich früher so beneidet habe, auch Probleme haben. Zum Teil sind es Dinge die ich früher gar nicht als Problem angesehen habe, weil mein Leben ohnehin ein „Jammertal“ war. Mir ging’s ja ohnehin schon schlecht, da habe ich vieles als gegeben hingenommen oder besser gesagt meinem, wie ich meinte, ohnehin unabänderlichem Schicksal entsprechend angenommen. Zum anderen sehe ich jetzt aber auch, dass diese Menschen aktiv etwas getan haben und nicht wie ich die Hände in Schoss gelegt haben. Das habe ich nämlich getan, aus lauter Angst etwas falsch und damit noch schlimmer zu machen. Das Schlimmste was ich jedoch getan habe, war nichts zu tun. Ich war nur noch ein jämmerlicher Haufen Selbstmitleid.

Zwei Dinge haben mir geholfen etwas zu ändern, die Einsicht, das es Dinge gibt auf die ich keinen Einfluss habe und die Erkenntnis, dass ich alles, egal was in meinem Leben bisher gemeistert habe.

Ich bin meiner Angst mit Kontrolle begegnet. Ich habe versucht alles, jeden und jedes zu kontrollieren. Das ich nicht überprüft habe, ob ich meinen Hintern mitgenommen habe, wenn ich das Haus verließ, war alles. Ich war der Meinung, wenn ich die Kontrolle habe, kann ich der Angst entgehen, die Dinge und Situationen vor denen ich Angst hatte vermeiden. Ich kontrollierte und kontrollierte und musste doch immer wieder feststellen, dass ich nicht gut genug kontrolliert hatte, es war wieder etwas eingetreten vor dem ich Angst hatte. Also kontrollierte ich noch genauer. Wo das hingeführt hat kannst Du Dir sicherlich denken, nirgendwo hin oder genauer gesagt meinem eigenen Ende entgegen. Ich war am Ende soweit, dass ich gedacht habe am besten abends einschlafen und morgens nicht mehr aufwachen. Ich habe die Befürchtung, dass es von dieser passiven Haltung nicht mehr lange bis zum aktiven Handeln gedauert hätte.

Es gibt Dinge die liegen außerhalb meiner Macht, da bin ich machtlos und das musste ich akzeptieren. Seitdem kann ich die Dinge besser auf mich zukommen lassen und auch mit ihnen umgehen wenn sie da sind. Denn ich brauche mich nur noch mit dem Problem beschäftigen und nicht mehr damit wie ich es hätte verhindern können, was von vorn herein nicht konnte.

So geht es mir auch mit dem Tod meiner Mutter. Ich weiß nicht nur, sondern ich sehe und bin überzeugt davon, dass ich ihn nicht verhindern konnte. So habe ich jetzt Platz für meine Trauer, ich kann um meine Mutter trauern, ohne mir Vorwürfe zu machen, wie ich es in der Vergangenheit getan hätte.

Ich war immer der Meinung ich hätte nichts geleistet, ich könnte nichts. Ich stehe auf eigenen Beinen, habe einen Job, ein Auto, ein Dach über dem Kopf, kann für mich selbst sorgen. Das habe ich immer als selbstverständlich angesehen, das hat man, das ist normal, das ist ebenso. Bestimmt habe ich das nicht als meine eigene Leistung angesehen. Ist es aber, es ist nicht selbstverständlich, es ist etwas auf das ich stolz sein kann. Das ich heute einen Job mache, der weit über meiner eigentlich beruflichen Qualifikation liegt, habe ich immer als Glück angesehen, nicht als Können. Ich war eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mit Leistung hatte das in meinen Augen nichts zu tun. Heute sehe ich das anders, heute sehe ich das als Erfolg, den ich mir selbst erarbeitet habe. Ich habe gelernt zu sehen, was ich leiste und geleistet habe.
Ich habe gelernt zu sehen, dass ich bisher für jedes Problem eine Lösung gefunden habe, dass ich alles, was ich so schrecklich und beängstigend fand, immer und irgendwie gemeistert habe, ich habe nie aufgegeben. Wenn die Lösung im Nachhinein betrachtet auch eine andere, bessere hätte sein können, egal ich habe es gelöst, ich habe nie aufgegeben. Ich habe es trotz all meiner Ängste immer geschafft eine Lösung zu finden, wie gut wird das erst ohne funktionieren. Das habe ich nie gesehen, heute sehe ich es. Ich kann etwas und ich habe etwas geschafft.
Ein ganz einfaches Beispiel, ich backe sehr gerne. Meine Weihnachtsplätzchen finden immer guten Anklang. Auch das habe ich als normal angesehen, backen kann doch jeder, Weihnachtskekse sind doch keine Kunst. Doch sind sie, die meisten anderen können das lange nicht so gut, wie auch meine eigene Zunge leidvoll festgestellt hat. Früher hätte ich mich für eingebildet gehalten so was zu sagen oder meine Leistung eben abgewertet. Heute bin ich einfach stolz auf mich.

Beides, die Einsicht in meine Machtlosigkeit was gewisse Dinge angeht und das Erkennen und Anerkennen meines eigenen Wertes, habe ich mir zum großen Teil in meiner Therapie erarbeitet. Was sich jetzt so einfach anhört hat mich sehr viel Schweiß und vorallem Tränen gekostet.


Warum ich Dir das alles schreibe? Du schreibst:

Zitat:
Aber wie schwer wird es denn noch????


So schwer, wie Du es Dir selbst machst.

Gruß
Skye
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Skye hat zum Thema: Re: Vater verändert sich..... geschrieben
Sonnenblume77
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 01.06.2007
Beiträge: 108
Alter: 35
Wohnort: berlin

BeitragVerfasst am: 26.03.2008, 19:54    Titel: Hallo Skye Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Skye... dein Text hat soviel Wahrheit, und auch einiges worin ich mich selber sehe.
Deswegen brauche ich auch nicht viele Worte sondern nur eines

DANKE

lg cora
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Sonnenblume77 hat zum Thema: Hallo Skye geschrieben

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