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Pauli71
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 28.02.2008
Beiträge: 87
Alter: 40

BeitragVerfasst am: 09.03.2008, 18:03    Titel: Neuanfang Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Forum,

nachdem ich mich nun knapp 2 Wochen im Vorstellungsbereich tummle, möchte ich mich nochmal öffentlich vorstellen (ich übernehme dazu Teile des Vorstellungsthreads - für die, die das schon gelesen haben).

Ich bin 36 Jahre und seit ca. 6 Jahren Alkoholiker (wann ich die Grenze ziehen soll, weiß ich nicht). Ich bin verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Beruflich bin ich selbständig.

Warum bin ich hier? Ich habe in den letzten zwei Jahren mehrmals versucht, mit dem Saufen aufzuhören, das ging immer mal wieder für ein paar Wochen gut, insgesamt aber hat sich über die Jahre mein "Konsum", oder eher Missbrauch immer mehr gesteigert. Es ist ein Punkt erreicht, an dem ich mein Problem weder vor meiner Familie, noch beruflich weiter verheimlichen kann. Entweder ich tue jetzt etwas, oder mein Leben geht den Bach runter.

Ich habe lange und immer wieder darüber nachgedacht, warum ich trinke und bin zu dem Schluss gekommen, dass es richtig angefangen hat, als ich mit dem Hausbau Angstzustände entwickelt habe. Schlaflosigkeit, massiver Stress, körperliche Syntome des Stress (hatte monatelang Lidzucken und ähnliches), Zukunftsängste. Mein Heilmittel - wenigstens für ein paar Stunden - war der Kasten Bier (naja, nicht der ganze, aber...)

Getrunken habe ich vorher auch schon, allerdings beschränkte es sich da auf die Wochenenden, in der Disco und mit Freunden. Nun war es jeden Tag und alleine. Nach dem Bau hoffte ich, alles würde sich stabilisieren - aber es kamen andere Sachen und ich kam nicht mehr zur Ruhe. Mehrfache Abstinenzversuche liefen teilweise wirklich gut an, warum ich jeweils wieder angefangen habe, kann ich nicht sagen.

Die letzten Wochen war es nun so, dass mein Pensum in Regionen vorstieß, wo ich am nächsten Morgen z.B. auf keinen Fall hätte in's Büro fahren können. Ich hatte am folgenden Vormittag Besprechungen, bei denen ich mich im Nachhinein fragte, wie ich die überstehen konnte, ohne dass mich einer fragte, was los sei. Hauptgrund auzuhören ist aber, dass ich mir schäbig vorkomme, meine Familie zu belügen. Nicht verbal, aber dadurch, dass ich ständig heimlich ein paar Halbe aus dem Keller hole und mit der nächsten Ladung schnell die leeren Flasch mitnehmen, damit es niemand merkt. Oder dass ich unter irgendwelchen Vorwänden in den nächsten Ort fahre, um noch schnell beim Getränkemarkt einen neuen Kasten zu holen.

Auch dass ich seit einiger Zeit dazu übergegangen war, nach der letzten Halbe vorsorglich ein entsprechendes Medikament einzuschmeißen, um den Brummschädel zu vermeiden, stimmte nicht gerade fröhlich. Was nehme ich denn in einem halben Jahr für Dope um hochzukommen?

Mir wurde von den netten Leuten hier gleich am Anfang klar gemacht, dass ich als erstes zum Arzt muss - hat mir zwar nicht gefallen, bin aber hin.

War da insgesamt gut 2 Stunden, das volle Programm mit Blut, Urin, EKG usw., dann 45 Min. Gespräch mit der Ärztin. Am Anfang ging's etwas holprig, weil ich nicht wusste, was ich sagen sollte, sie hatte das Thema aber gut im Griff und schob mich in die Richtung, in die sie mich haben wollte. Ja, nun - ich entgifte jetzt erst mal ambulant, weil ich bereits 10 Tage symptomfrei nicht trinke und mein Umfeld sozial stabil ist (sagt sie). Ich werde täglich bei ihr antanzen, jedes Mal wieder mit Blut usw. - für den Fall der Fälle hat sie mir Rezepte ausgestellt und eine Notfallnummer gegeben. Zur Suchtberatung geht's dann am Montag oder Dienstag....

Selbsthilfegruppe gibt es lt. der Ärztin eine vor Ort, ich weiß aber nicht, ob ich da hin will. Das ist hier keine Großstadt, sondern nur so 25000 Einwohner, fühle mich unwohl wenn mich einer reingehen sieht.... Werde deshalb wohl 40 km weiter fahren. Das sehen wir aber dann bei der Suchtberatung.

Ich war nach dem Termin ziemlich aufgewühlt, nach dem Gespräch bin ich ein paar Stunden rumgelaufen, ich weiß auch nicht.... Was habe ich mir da nur angetan? Wie blöd muss man sein, um sich selbst so rein zu reiten? F***k!

Physisch geht's mir gut - außer dass ich ständig Appetit habe... Ist wohl so eine Art von Ersatzbefriedigung, was mir etwas Sorgen macht, denn eine Sucht durch eine andere zu ersetzen ist ja auch nicht gerade toll.

So, das war's erst mal - ich hoffe, weiterhin Zuspruch und Hilfe hier zu finden, dank der teils auch deutlichen Worte im Vorstellungsbereich bin ich schon weiter, als ich je war. Ich weiß, ich habe gerade die ersten Tippelschritte gemacht, aber ich bin fest entschlossen, weiter zu kommen!

Grüße

Pauli.
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Pauli71 hat zum Thema: Neuanfang geschrieben
lumho
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 27.12.2007
Beiträge: 190
Alter: 60
Wohnort: Langenfeld (Rheinland)

BeitragVerfasst am: 10.03.2008, 02:55    Titel: Re: Neuanfang Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Pauli,

Ich freue mich, Dich endlich hier im offenen Bereich zu finden. Wir hatten ja im Vorstellungsbereich schon mal kurz das Vergnügen. Nun hast Du ihn also geschafft, den Weg zur Ärztin und den ersten Versuch, Dich dort zu offenbaren. Prima, das ist doch schon was.
Wenn Du Dich jetzt noch dazu durchringen kannst, hier etwas ausführlicher zu schreiben, dann können wir uns ein Bild von Deiner Situation machen und entsprechend besser verstehen oder zielgerichtet von unseren eigenen Erfahrungen berichten. Wie sieht es zum Beispiel in Deinem familiären Umfeld aktuell aus? Weiß Deine Frau Bescheid? Hast Du beruflich viel um die Ohren in Deiner Selbstständigeit? Was machst Du in Deiner Freizeit - falls Du welche hast? Strebst Du eine Langzeittherapie an? usw.
Am Anfang hilft es meist, sich erst mal den Kopf und das Herz frei zu schreiben.

Ich schau wieder rein bei Dir
Gruß Michael
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lumho hat zum Thema: Re: Neuanfang geschrieben
Pauli71
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 28.02.2008
Beiträge: 87
Alter: 40

BeitragVerfasst am: 10.03.2008, 09:51    Titel: Re: Neuanfang Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo lumho,

meine Frau hat keine Vorstellung, in welchem Umfang ich getrunken habe. Sie hat recht viel um die Ohren, sie weiß zwar, dass ich Bier trinke (bzw. getrunken habe), anscheinend hat sie sich aber nie Gedanken gemacht, wieviel. Sie selbst trinkt nicht. Als wir am Wochenende im Getränkemarkt waren, war sie nur erstaunt, dass ich kein Bier mitnahm. Wie ich damit weiter umgehen soll, weiß ich momentan nicht.

Beruflich gibt's immer Stressfaktoren - habe seit ein paar Wochen einen neuen Auftraggeber, d.h. neue Ansprechpartner, Stress mit der Einarbeitung, Termine - habe eine zeitlang schlecht geschlafen, jetzt wird's besser.

Meine Freizeit verbringe ich jetzt wieder mehr damit, den Garten auf Vordermann zu bringen, ansonsten lese ich viel, ein wenig Vereinssachen - die meiste Zeit bin ich aber mit meiner Family zusammen. Richtige Hobbies habe ich keine - vor ein paar Jahren hatte ich ein Motorrad, ist aber jetzt finanziell nicht drin.

Wie es Therapie-mäßig weitergeht werde ich morgen sehen, wenn ich zur Suchtberatung gehe und mich informieren lasse. Offen ist auch noch, wer das bezahlt, bin als Freiberufler nicht rentenversichert. Eine stationäre Therapie würde allerdings mich und meine Familie finanziell sehr stark belasten (weil dann ja für lange Zeit mein ganzes Einkommen wegfällt) - ich hoffe, es gibt eine andere Möglichkeit.

Danke für Dein Interesse.

Pauli.
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Pauli71 hat zum Thema: Re: Neuanfang geschrieben
stellina
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 20.02.2008
Beiträge: 41

BeitragVerfasst am: 10.03.2008, 17:06    Titel: Re: Neuanfang Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hi pauli,
schön, dich hier zu lesen. du hast einen riesen schritt in ein neues, trockenes leben gemacht. diesen schritt habe ich vor vielen jahren acuh getan, da gab es dieses forum noch nicht. ich hatte keine langzeit therapie, weil ich unsere damals 4jährige tochter nicht hätte alleine lassen können. ich ging "nur " in eine shg. da geh ich noch heute hin. denn alkoholismus ist nicht heilbar, man kann die krankheit nur zum stillstand bringen. ich finde deine bisherige motivation, diesen neuen weg weiterzugehen, ganz toll. angehörige, sofern sie nicht abhängig sind, können den alki nicht verstehen. das mit dem "mehr essen" wird sich wieder geben. es ist am anfang ein ersatz. ich wohne in einem ort mit 16000 einwohnern und habe noch nie jemanden bekannten getroffen. wenn das doch mal der fall sein sollte, ist derjenige wegen des selben problems dort. früher fuhr ich auch 45km ins meeting, vor lauter angst, man könnte mich sehen.
ich freue mich auf weitere beiträge von dir und wünsche dir kraft und hoffnung.
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stellina hat zum Thema: Re: Neuanfang geschrieben
Spedi
Gast






BeitragVerfasst am: 10.03.2008, 17:44    Titel: Re: Neuanfang Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Servus Pauli71,

weise Entscheidung, die Du da getroffen hast. Weiter so!

Eine Kleinigkeit am Rande: sprich mit Deinem engsten Umfeld (=Familie/Frau) offen über Dein Problem - das nimmt Dir schon mal den Druck, hier irgendwas (auch von den kommenden Aktionen?!) verheimlichen/beschönigen/lange erklären zu müssen und lässt Dir statt dessen den Freiraum, Dich mit Dir und Deinem neuen Leben zu beschäftigen.

Geh den geraden Weg weiter, er lohnt sich! Winken

LG
Spedi
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Spedi hat zum Thema: Re: Neuanfang geschrieben
Hartmut
Moderator
Moderator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 13.02.2007
Beiträge: 10672
Alter: 49

BeitragVerfasst am: 10.03.2008, 19:09    Titel: Re: Neuanfang Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Pauli71,

wir beide kennen uns ja auch schon aus dem Vorstellungsthread!
Kannst dich sicherlich noch an mich erinnern Winken

Ob deine Frau nun von dem Umfang des Alkoholmissbrauchs weiß, kannst du mit einem Offenen Gespräch herausfinden! Ich nehme an ,sie weiß mehr wie du selbst weißt Winken

Das mit der Selbstständigkeit war auch immer mein Problem oder bessser gesagt ein vorgeschobener Grund nichts gegen meine Krankheit tun zu können! Nur irgendwann war ich zu krank um überhaupt selbständig sein zu können!

Nun warte mal deine Suchtberatung morgen ab und du siehst weiter!
Berichte uns dann mal , wie es war! Es gibt ja auch noch mehr Möglichkeiten als eine stationäre Therapie!

Step by Step

Gruß Hartmut
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Hartmut hat zum Thema: Re: Neuanfang geschrieben
Pauli71
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 28.02.2008
Beiträge: 87
Alter: 40

BeitragVerfasst am: 11.03.2008, 09:36    Titel: Re: Neuanfang Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo....,

vielen Dank für die freundliche Aufnahme. Vor dem Gespräch mit meiner Frau graut's mir ehrlich gesagt schon ziemlich - nicht weil ich mich schäme, sondern weil ich ihr damit nochmal was auflade. Der einzige Grunde, warum ich damit bis jetzt noch nicht zu ihr gegangen bin, ist dass ich sie nicht auch noch mit diesem Problem belasten will. Wird aber auf die Dauer nicht anders gehen.....

Heut früh war ich wieder beim Arzt, die Blutwerte sind soweit in Ordnung, Leber ist unauffällig - allerdings habe ich wohl ein Problem mit der Schilddrüse. Ich konnte nicht mit der Ärztin selber reden, aber vielleicht weiß jemand von Euch, ob das mit dem Alk zu tun haben kann??

Heute abend dann Gespräch in der Beratungsstelle - bin schon gespannt.

Gruß
Pauli.
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Pauli71 hat zum Thema: Re: Neuanfang geschrieben
Spedi
Gast






BeitragVerfasst am: 11.03.2008, 09:46    Titel: Re: Neuanfang Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Servus Pauli71,

bleib mit der Schilddrüse ruhig mal beim Arzt - hier im Forum ist die falsche Plattform für sowas, das soll ein Fachmann/-frau beurteilen.

Schieb das Gespräch mit Deiner Frau nicht auf die lange Bank. Natürlich ist das ein blödes Gefühl, seinem nächsten Menschen zu "beichten", dass er/sie nur die Nr.2 hinter dem Alkohol war - aber es muss sein.

Warum reite ich darauf so rum? Ganz einfach, die Zeit des Alkoholmissbrauchs verändert auch bei sehr vielen Alkoholikern die Psyche. Im Umkehr: beim Trockenwerden verändern wir uns erneut. Manche stärker, andere weniger stark. In jedem Fall muss der Partner aber Bescheid wissen, soll er/sie adäquat auf uns "reagieren" können.

Punkt zwei, und der ist mir wichtiger: wir haben (alleine durch unsere Sauferei) so viel gelogen (uns selbst & Andere), dass irgendwann mal Schluss sein muss. Und wann passt es besser als beim Aufhören? Es macht mir bewusst, dass ich einen neuen Lebensabschnitt beginne. Ich fange von vorne an, eventuell auch bei meiner Beziehung, je nach dem, wie weit die (schon) gelitten hat. Auf jeden Fall fange ich für mich neu an, und zwar ohne die Altlasten "da wäre noch was, was ich Dir sagen sollte..."...

Mach hin, Du hast so schön "gerade" angefangen, lass Dich jetzt nicht vom inneren Schweinehund überrumpeln...

LG
Spedi
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Spedi hat zum Thema: Re: Neuanfang geschrieben

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