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Auch 3 Jahre   •    Wieder ich werden, wer bin ich?  
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Sabine M
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Anmeldungsdatum: 13.02.2008
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BeitragVerfasst am: 06.03.2008, 14:47    Titel: Sehnsucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Falls jemand von Euch heute vormittag meinte, ein mittleres Erdbeben im Rhein-Main-Gebiet gespürt zu haben: das muß der Stein gewesen sein, der mir vom Herzen fiel, als die Ärztin mir sagte, meine Leberwerte (und die Blutwerte überhaupt) seien sehr gut. Und für alle, die mir gleich schreiben werden, das sei noch lange kein Grund zum Jubeln - ich weiss das selbst, aber beruhigend ist es doch. Aber schreibt es ruhig, denn Ermahnungen dieser Art kann man einer Kurzzeittrockenen wie mir nicht oft genug geben.

Entschuldigt, dass ich mich nicht zuerst vorgestellt habe, aber dieses Erdbeben war erst mal dringender. Aber nun zu mir: Ich heiße Sabine (44)und bin alkoholkrank. Meine Gechichte ist keine spektakuläre und deshalb schnell erzählt. Seit etwa 18 Jahren trinke ich regelmäßig Alkohol. Das Glas Rotwein zum Abendessen wurde für mich zur Gewohnheit (nun ich lebte damals in Frankreich, also soweit nichts außergewöhnliches). Lange blieb es bei dem einen Glas, bis ich dann vor 6 Jahren während einer länger andauernden Krisensituation immer mehr trank. Kaum ein Abend verging, ohne dass ich damals die ganze Flasche leerte. Als ich mit meinem Problem zum Arzt ging, wir feststellten, dass ich problemlos von heute auf morgen für 4 Wochen ohne Alkohol leben konnte und meine Leberwerte hervorragend waren, ermhnte er mich zu mehr Selbstkontrolle und entließ mich als geheilt. Nun, das ging dann einige Jahre gut mit der Selbstkontrolle, aber seit mehr als einem Jahr stieg mein Alkoholkonsum wieder auf die tägliche Flasche Wein an. Ich versuchte im letzten jahr mehrmals weniger zu trinken, legte immer mal wieder 1 - 2 Wochen ohne Alkohol ein und die Tatsache, dass das immer problemlos ging, war für mich die willkommene Ausrede mir einreden zu können, ich hätte meine Trinkerei noch unter Kontrolle. Aber danach setzte sofort immer wieder mein Suchtverhalten ein. Es verschlimmerte sich sogar, weil ich ab und an nun auch Flachmänner mit Vodka leerte. Mein Mann versuchte während dieser Zeit immer wieder, mich zur Vernunft zu bringen. Ich sah seine Wut und Trauer, hatte ein schlechtes Gewissen, aber den Entschluß wirklich aufzuhören konnte ich nicht fassen. Ich trank oft heimlich, damit er es nicht sah. Und das schlechte Gewissen wuchs von Tag zu Tag. Aber auch meine gesamte Unzufriedenheit. Ich erlebte keinen wirklichen Tiefpunkt, wie viele andere von Euch. Mein Aha-Erlebnis kam von einer ganz anderen Seite. Eine Freundin, die in ihrem Beruf als Krankenschwester wohl schon einigen Alkoholkranken begegnet ist, sprach mich beim letzten Besuch vor 4 Wochen auf mein Problem an. Sie sagte mir auf den Kopf zu "Du bist alkoholkrank und brauchst Hilfe" und dieser Anstoss war es, der mich endlich den lange überfälligen Entschluß fassen liess, gegen meine Sucht anzukämpfen. Sie riet mir auch, es nicht mehr alleine zu versuchen, sondern mir bei den Stellen Hilfe zu suchen, die sich mit meiner Krankheit auskennen, denn alleine hätte es wohl noch keiner geschafft. Dieses Gespräch fand Samstag abends statt. Am nächsten Tag beschloss ich, Ihrem Rat zu folgen. Schon viel zu lange trug ich meine Sucht heimlich mit mir herum. Nun war sie öffentlich geworden und das Bild, das ich in dieser Öffentlichkeit abgab, mißfiel mir sehr. Es war wirklich so, als hätte sie mir einen Spiegel vorgehalten und was ich darin sah, gefiel mir gar nicht. Aber es entsprach nur dem Gefühl, das sich schon seit langer Zeit in mir aufgebaut hatte: ich selbst gefiel mir nämlich schon lange nicht mehr, haßte mich manchmal schon selbst.
Anfangs fürchtete ich mich vor dem was nun zu tun war. Aber dann war alles ganz einfach - zumindest bisher. Die ersten Tage gab ich mich noch ein wenig meinem Selbstmitleid hin und mußte mir jeden Tag von neuem sagen "heute will ich nichts trinken", dann begann ich hier zu lesen, rief bei 2 SHGs an. Donnerstags war ich bei der ersten SHG und obwohl diese Erfahrung für mich sehr hilfreich war, war mir sofort klar, dass dies keine Gruppe für mich war. In der Folgewoche besuchte ich die hiesigen Guttempler und fühlte mich dort schon ein wenig wohler. Leider sind die anderen Gruppenmitglieder alle um einiges älter als ich und ich hätte mir eigentlich auch den Austausch mit Gleichaltrigen gewünscht. Nun, ich war vorgestern wieder in der Gruppe und durfte einen Abend anderer Art erleben, da 2 neue Mitglieder aufgenommen wurden. Nach dem gemeinsamen Singen und den Ansprachen, gab es ein kleines Buffet und lockere Unterhaltung von Nachbarn zu Nachbarn. Da ich mich doch noch ein wenig fremd fühlte, fragte ich dann einfach meinen Nachbarn zur Linken frech über seinen Lebenslauf aus. Er antwortete offen auf all meine Fragen, erzählte auch viel von selbst, sah mich aber die ganze Zeit nie richtig an. Was mich ein wenig wunderte, war, dass er mir keinerlei Fragen stellte. Nicht mal, wie es mir seit dem 1. Besuch der Gruppe 2 Wochen zuvor ergangen war.
Nun, ich werde diese Gruppe noch einige mal besuchen und dann entscheiden, ob ich dort heimisch werde, oder mich doch noch anderweitig umsehe.
Ansonsten war ich wie schon an Anfang geschrieben bei meinem Hausarzt und habe sein Attest für die Beantragung einer Suchttherapie. Fehlt nur noch die Suchtberatung. Da hatte ich eigentlich für heute einen Termin, aber der wurde wegen Krankheit des Therapeuten abgesagt. Nun denn: Wird dann wohl noch ein wenig dauern.

Im Moment hilft es mir sehr, bei Euch mitzulesen. Ich habe lange gezögert, ob ich überhaupt einen eigenen Thread eröffnen soll und wenn ja, ob im offenen oder geschützten Bereich, ist doch meine Geschichte so trivial und einfach. Ja, bisher geht mir alles recht locker von der Hand, aber wer weiß, wie lange noch. Und mich hier und jetzt hier vorgestellt zu haben ist einer der Bausteine, die gelegt werden mußten, um vor allem dann Eure konkrete Hilfe zu bekommen, wenn ich sie brauche.

Was nicht heißt, dass ich nicht jetzt schon dankbar für Eure Anteilnahme, Ratschläge und Fragen wäre. Insbesondere was die Suche nach der passenden SHG betrifft, bin ich neugierig auf Eure Erfahrungen.

Ach so, bevor ich es vergesse: am kommenden Sonntag werde ich seit 4 Wochen abstinent leben.

LG Sabine
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Sabine M hat zum Thema: Sehnsucht geschrieben
Hartmut
Moderator
Moderator


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Beiträge: 10672
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BeitragVerfasst am: 06.03.2008, 14:55    Titel: Re: Sehnsucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Sabine,

schön das du dich so ausführlich vorgestellt hast, somit weiß jeder gleich mit wem er es zu tun hat!
Dann bleibt mir erstmal nur zu deine ersten 3,5 Wochen gratulieren und werde mich bei Gelegenheit, sicherlich melden! Winken

Gruß Hartmut
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Hartmut hat zum Thema: Re: Sehnsucht geschrieben
Kelli
neuer Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 18.03.2007
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BeitragVerfasst am: 06.03.2008, 14:56    Titel: Re: Sehnsucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Sabine, herzlich willkommen in Deinem eigenen Thread! Du hast sehr schön ausführlich geschrieben und ich habe mich in einigen Punkten wieder erkannt. (Du Dich ja bei mir auch Lachen )
Ich freue mich mit Dir, das Deine Blutwerte alle okay sind und hoffe, das das auch so bleibt. Wir sind ja mit der trockenen Zeit nur einen Tag auseinander (und im Alter 1 Jahr), wir werden also diesen Weg ein Stück weit zusammen gehen. Wie erging es Dir denn in diesen 4 Wochen? War es für Dich schwer, nichts zu trinken? Und was hast Du für Pläne für die Zukunft, um durchzuhalten?
Trinkt Dein Freund Alkohol oder verzichtet er Dir zuliebe darauf?
LG kelli
P.S. muß mich eilen, habe Kuchen im Ofen
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Kelli hat zum Thema: Re: Sehnsucht geschrieben
Sabine M
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
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Wohnort: Mainz

BeitragVerfasst am: 06.03.2008, 20:49    Titel: Re: Sehnsucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Hartmut und Kelli.

@Hartmut: danke für Deinen Gruß.

@Kelli: Es fiel mir leichter, als ich gedacht hätte, keinen Alkohol zu trinken. Zu Hause komme ich eh nicht in Versuchung, da natürlich keiner mehr in der Wohnung ist. Wie ich in Deinem Thread schon geschrieben habe, bewege ich mich aber auch weiterhin beruflich und privat in Gefilden, die nicht alkoholfrei sind. Es fiel mir aber auch hier bisher nicht schwer, Apfelschorle zu trinken, auch wenn andere Bier oder Wein vor sich hatten. Mein Mann trinkt zu Hause auch keinen mehr, allerdings wenn wir ausgehen und andere auch trinken, will ich nicht, dass er meinetwegen auf sein Radler verzichtet - auch wenn er es sicher täte. Mir ist bewußt, dass diese Situationen gefährlich für mich sind, aber ich möchte weder auf den Kontakt mit lieben Freunden verzichten noch diese zwingen, meinetwegen auf Alkohol zu verzichten. Und das bedeutet nun ja auch nicht, dass ich dauernd in Kneipen unterwegs wäre. Meist bin ich ja auch zusammen mit meinem Mann unterwegs und das gibt mir in dieser Hinsicht doch eine gewisse Sicherheit. Seit ich offen mit meinem Alkoholproblem umgehen kann, können wir darüber diskutieren und er hilft mir, indem er in solchen Situationen auf mich aufpaßt. Klingt vielleicht komisch, aber ich mag es, wenn er auf mich aufpaßt. Mag mit an meiner devot masochistischen Veranlagung liegen.
Habe mir auch die Tage oft überlegt, wie das bei mir mit dem viel diskutierten Saufdruck ist. Natürlich beschäftige ich mich fast jeden Tag mit dem Thema Alkohol, schon durch das Surfen hier im Forum. Das Gefühl absolut gerne etwas trinken zu wollen aber es nicht zu dürfen hatte ich eigentlich nur am 1. Tag ein mal. Ansonsten fiel es mir an einem geselligen Abend anfangs kurz schwer dem Suchtgedanken zu widerstehen. Aber nachdem ich kurz in mich gegangen war und mich davon überzeugt hatte, dass es nicht "ich darf keinen" sondern "ich will keinen Alkohol trinken" ist, was mich in meinem Handeln motiviert, erlebte ich den Abend als sehr schön und ohne Verzichtsgedanken.

Zu meiner Vorgehensweise: Ich hatte Dir ja schon in Deinem Thread geschrieben, dass ich noch nicht so weit bin, dass ich den Gedanken "ich will nie mehr trinken" verinnerlicht habe. Obwohl ich weiss, dass dies die einzig richtige Lösung für mich ist, brauche ich wohl noch eine Weile, um mit diesem Gedanken wirklich klar zu kommen. So habe ich mir im Moment einfach mal vorgenommen, 6 Monate nichts mehr zu trinken. Einfach deshalb, weil ich das für mich selbst im Moment für ein realistisches und realisierbares Zwischenziel halte und der Zeitraum mir Zeit läßt, an mir zu arbeiten. Will ja eine ambulante Therapie beantragen und hoffe, dass ich darauf nicht allzu lange warten muss.
Soweit zu Deinen Fragen. Werde nachher auch noch kurz bei Dir reinschauen.

LG Sabine
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Sabine M hat zum Thema: Re: Sehnsucht geschrieben
Kelli
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 18.03.2007
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Alter: 49
Wohnort: Sachsen

BeitragVerfasst am: 07.03.2008, 12:04    Titel: Re: Sehnsucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Sabine, ich habe mich bisher noch nicht wieder in Situationen getraut, wo andere an meinem Tisch Alkohol trinken, aber wir gehen eh nicht so sehr viel weg.
Wenn Dein Mann auf Dich aufpaßt, läufst Du aber auch Gefahr, das Du heimlich was trinkst. Also, ich würde das vielleicht machen. Meiner sagt auch manchmal abends "Was hast Du da im Glas" und riecht dran (weil Kirschsaft wie Rotwein aussieht), aber wenn ich trinken wollte, würde ich es heimlich machen, um dem Streß mit meinem Mann zu umgehen. Also ist es schon besser, Du paßt auf Dich selber auf.
Ich versuche, den alkoholfreien Weg Stück für Stück zu meistern, gar nicht so weit voraus zu denken. Klar, wenn ich an einen heißen Sommerabend denke, wo ich im Biergarten keine schöne Gose trinken kann, stinkt mich das auch an, aber der Sommer ist noch weit weg und bis dahin bin ich sicher schon viel gefestigter und komme damit klar, nur eine Fassbrause zu trinken, also konzentriere ich mich nur auf den heutigen Abend. Morgen bin ich 4 Wochen trocken und darüber freue ich mich. Heute morgen bin ich mit häßlicher Migräne aufgewacht und war froh, das nicht wie früher noch Kopfschmerzen oder Übelkeit vom Alkohol dazu kamen.
Wir schaffen das schon!
LG kelli
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Kelli hat zum Thema: Re: Sehnsucht geschrieben
Sabine M
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 13.02.2008
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Wohnort: Mainz

BeitragVerfasst am: 09.03.2008, 18:44    Titel: Re: Sehnsucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo an alle.
Ich schreibe jetzt erst mal im geschlossenen Bereich weiter. Wollte zuerst in beiden gleichzeitig schreiben, aber das ist mir zu viel Arbeit. Natürlich schaue ich weiterhin regelmäßig bei Dir vorbei Kelli.
LG Sabine
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Sabine M hat zum Thema: Re: Sehnsucht geschrieben

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