| ich will es schaffen • Die große Leere |
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stellina neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 20.02.2008 Beiträge: 41
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Verfasst am: 22.02.2008, 17:35 Titel: tiefpunkt - wo ist ganz unten? |
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meinen tiefpunkt hatte ich vor heute genau 29 jahren. ein arzt hatte mir gesagt, daß man mir meine tochter, 5 jahre, nehmen würde. mein mann sagte mir, daß er mich so nicht mehr ertragen könnte. und ich konnte mich nicht mehr im spiegel ansehen. meine seelische verfassung war eine einzige katastrophe. ich wollte nicht mehr trinken und hatte keine ahnung wie das zu schaffen ist. ich war völlig verzweifelt. zwei jahre zuvor hatte ich einen selbstmordversuch unternommen. soweit wollte ich es nicht wieder kommen lassen. ich kümmerte mich um eine shg. dort machte ich erstmals die erfahrung, daß ich mit meinem problem nicht allein war.
das war meine rettung - grade noch rechtzeitig. in der shg lernte ich von den anderen betroffenen, wie ich trocken werden kann. heute bin ich dankbar für diesen tiefpunkt. nur er hat es mir ermöglicht, mein leben wieder zu meistern.
dieses forum ist ganz toll, danke! |
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Frank2008 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.01.2008 Beiträge: 74 Wohnort: Köln
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Verfasst am: 23.02.2008, 22:19 Titel: Re: Tiefpunkt,wo ist ganz unten?? |
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Hallo Zusammen!
Meinen persönlichen Tiefpunkt hatte ich am Donnerstag, 13.12.2007. An diesem Tag sollte um 08:00 Uhr morgens meine Wohnung zwangsgeräumt werden. Um 05:00 Uhr habe ich meine Wohnung und meine nichts ahnende Freundin endgültig verlassen. Dies ist der traurige Höhepunkt aus 2 Jahren Lügen, extremen Alkoholmissbrauchs, Depressionen, Einsamkeit, Angst, Panik, sozialer Phobie, Hoffnungslosigkeit und Todessehnsucht. Am 13.12.07 habe ich für mich die Frage beantwortet, ob und wie ich weiterleben möchte.
Mein ursprünglicher "Plan" sah so aus, dass ich zum Penner werde, auf der Straße lebe und mich aus dem Müll ernähre. Zum Glück habe ich kein Geschäft gefunden, dass Zelte und Schlafsäcke verkauft. Zum Glück war es extrem kalt an diesem Tag und zum Glück habe ich keine Obdachlosen gefunden, die mich irgendwie aufnehmen.
Nach dem ich von keiner Brücke in den Rhein gesprungen bin habe ich angefangen meiner Familie einen Brief zu schreiben. Dies hat fast den ganzen Tag gedauert. Immer von Weinkrämpfen unterbrochen, war der Brief kurz vor 16:00 Uhr fertig und ich habe ihn an meinem Bruder geschickt. Um 21:00 Uhr habe ich beschlossen, mich am nächsten Tag bei meinen Eltern zu melden und Hilfe anzunehmen. Es war mir sehr wichtig, wenigstens eine Nacht auf der Straße zu erleben.
Meine jetztige Exfreundin hatte schon morgens meine Eltern informiert und als ich um 23:30 Uhr meine emails geprüft habe, waren schon mails von meinem Bruder im Posteingang.
Seit dem 14.12.07 lebe ich nun bei meinen Eltern und mein Leben nimmt sozialisiert sich langsam aber sicher.
Grüße
Frank |
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| Frank2008 hat zum Thema: Re: Tiefpunkt,wo ist ganz unten?? geschrieben
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Blizzard aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 11.01.2007 Beiträge: 649 Alter: 32 Wohnort: München
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Verfasst am: 23.02.2008, 22:40 Titel: Re: Tiefpunkt,wo ist ganz unten?? |
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Hallo,
mein persönlicher Tiefpunkt lief folgendermaßen ab:
Nachdem ich in den Jahren zuvor schon etliche Trinkpausen (mehrere Wochen bis hin zu 5 Monaten) eingelegt hatte und Schritt für Schritt begriff, dass ich nicht kontrolliert trinken kann, nahm ich mir am 2.1.2007 vor, endgültig mit dem Trinken aufzuhören. Es war ernster als bei den bisherigen Trinkpausen gemeint, jedoch zweifelte ich innerlich doch stark, hatte sogar Gedanken, bei der einen oder anderen Gelegenheit wieder zu trinken. Aus heutiger Sicht: Blödsinn hoch 3.
2 Monate ging das ganze wieder halbwegs gut, jedoch nahmen die Depressionen (die ich immer während der Trinkpausen bekam) schnell zu und entluden sich schließlich in einem Rückfall am 8. März 2007. Schon zuvor - am 12. Februar und die darauffolgenden 3 Tage - konnte man als die finsterste Zeit meines Lebens betrachten. Die Depression, die Verzweiflung über meine Perspektivlosigkeit, das Eingeständnis, mein Gefühlsleben nicht unter Kontrolle haben zu können, ohne Alkohol keine Lebensfreude mehr empfinden zu können - all das brachte mich dem Zustand nahe, den man wohl fast überall auf der Welt mit "Hölle" überschreiben kann.
Am Abend des 8. März ließ ich mich volllaufen und kündigte per E-Mail meine Stelle, die ich erst Mitte Januar angetreten hatte. Nun war mir endgültig klar, das was passieren musste. Doch noch hatte mich die Gier. Ich trank noch 10 Tage munter weiter, bevor ich schließlich am Abend des 18. März 2007 mein letztes Bier öffnete. Ich wusste, das dies ein Abschiedsbier war und das ich jetzt vor einer fundamentalen Wende stehe. Wie fundamental, darüber sollten die nächsten Monate bishin zum heutigen Tag Auskunft geben.
Herzlichst,
Johannes |
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| Blizzard hat zum Thema: Re: Tiefpunkt,wo ist ganz unten?? geschrieben
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Martin Moderator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.01.2007 Beiträge: 10020 Alter: 47 Wohnort: Frankfurt a. M.
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Verfasst am: 23.02.2008, 23:21 Titel: Re: Tiefpunkt,wo ist ganz unten?? |
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Hallo,
mein Tiefpunkt sah folgendermaßen aus:
Ich trank bis zum 03.09.03 ca. 20 Jahre lang, auch auf der Arbeit.
Als ich dann Anfang 2003 arbeitslos wurde hatte ich noch mehr Zeit zum trinken und ich tat es auch.
Ich nutzte jede Gelegenheit um zu trinken und den Nachschub besorgte ich mir fast überall.
Ich wechselte die Geschäfte für meinen Nachschub nicht dauernd, ich kaufte da ein wo ich gerade war.
Was die Leute dachten war mir schon relativ egal geworden, hauptsache ich hatte Alk zu trinken.
Dadurch daß ich kaum noch feste Nahrung zu mir nahm war ich vollkommen kraftlos.
Ich war am Ende und gestand es plötzlich auch selbst ein. Ich ging zu meinem Hausarzt.
Mit der Einweisung in der Tasche ging ich in die Klinik, keine Sekunde zu spät.
Ich wundere mich heute noch wie ich dort selbst hin kam denn ich blieb dort ca. 4 Mon.
Dadurch daß ich körperlich so am Ende war mußte ich erst wieder richtig atmen, essen und laufen lernen.
Aus heutiger Sicht kann ich nur jedem/jeder raten nicht so lange zu warten, ich muß nicht erst abhängig werden um ein Leben ohne Alk zu leben.
LG Martin |
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| Martin hat zum Thema: Re: Tiefpunkt,wo ist ganz unten?? geschrieben
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Whitewolf sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 03.09.2006 Beiträge: 1204 Alter: 44 Wohnort: Homburg/Saar
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Verfasst am: 24.02.2008, 07:56 Titel: Re: Tiefpunkt,wo ist ganz unten?? |
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Hallo,
interessantes Thema.
Schlüsselwort in diesem Zusammenhang ist der innere Leidensdruck der von uns (dem Alkoholkranken) empfunden wird.
Was dazu führt einen grossen inneren Leidensdruck aufzubauen ist mit Sicherheit bei jedem verschieden.
Es müssen also nicht eine gewisse Anzahl von Katastrophen erreicht, eine gewisse Anzahl von Sachen kaputtgegangen oder Beziehungen und Ehen zu Bruch gegangen sein.
Was zählt ist das innere Empfinden.
Mir persönlich ging es wohl am schlechtesten als ich das letzte Mal von der Polizei ins KHS gebracht wurde.
Ich hatte versucht mir das Leben zu nehmen, konnte kaum noch laufen und wurde von niemandem wiedererkannt. Dieses nächtelange Gepiepe auf der Intensivstation prägt sich bis heute ein.
Einen konkreten Punkt kann ich nicht festmachen, ich wusste ja das ich nicht mehr trinken darf. Es ging darum den Willen zum Leben wiederzubekommen.
Es gibt einige persönliche Schocksituationen die sich abgespeichert haben, die mich stellenweise auch noch nicht losgelassen haben. Dabei ging es meist um andere Mitmenschen die ich von Herzen geliebt oder gemocht habe und sie regelrecht dadurch verschlissen habe bis sie die Fahnen gestrichen haben.
Nach meiner Erfahrung lief das mit den Tiefpunkten in etwa so:
Je mehr und je lauter jemand davon erzählt hat, umso sicherer wurde das es noch nicht gereicht hat.
Jemand der nicht in der Lage ist über eine kleine ( nach aussen unwichtige )Situation zu sprechen, gefragt werden muss und sollte, bei dem konnte man beobachten das sich ein innerer Prozess in Gang gesetzt hat.
Es wurde eine Art Demut und Respekt bei dem Thema spürbar.
Jeder weiss in sich selbst, was ihn dazu bewegt hat nicht mehr zu trinken. Erzählt er es jemandem, steht es niemandem zu über dieses Empfinden zu urteilen.
Manchmal ist es nur eine Kleinigkeit die den Ausschlag bringt, dazu führt das der innere Leidensdruck unaushaltbar gross wird.
Ich möchte damit alle die ermutigen etwas dazu zu schreiben, die es eigentlich wollen aber der Meinung sind, das es zu wenig ist, zu geringfügig, zu wenig katastrophal.
Viele Grüsse
White |
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| Whitewolf hat zum Thema: Re: Tiefpunkt,wo ist ganz unten?? geschrieben
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engel1000 Gast
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Verfasst am: 24.02.2008, 10:52 Titel: Re: Tiefpunkt,wo ist ganz unten?? |
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Hallo,
| Zitat: | Es war irgendwie die Summe dieser Sachen, dazu das tiefsitzende Gefühl, nicht glücklich zu sein, obwohl ich eigentlich die Chance habe, mein Glück im Leben zu finden.
Kein klarer Tiefpunkt also. Mein Anspruch an mein Leben und die Realität klafften immer weiter auseinander. Ich wollte einfach nicht mehr so weitermachen |
genau so war das bei mir. Ich wollte einfach so nicht mehr weitermachen. Es muss doch noch mehr geben????
Genau das versuche ich nun zu leben und zu finden, in kleinen Schritten allerdings, nunja, Geduld, Geduld----
Alles Liebe  |
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| engel1000 hat zum Thema: Re: Tiefpunkt,wo ist ganz unten?? geschrieben
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Timster neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 25.11.2006 Beiträge: 361
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Verfasst am: 24.02.2008, 12:39 Titel: Re: Tiefpunkt,wo ist ganz unten?? |
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Hallo zusammen,
mein persönlicher Tiefpunkt war ebenfalls eine Strecke von Punkten, was ich allerdings erst später verstanden habe. Das Begreifen und Verstehen, dass ich ein Alkoholproblem habe, geschah als ich dieses Forum fand. Ich hatte noch meine Arbeit, meinen Führerschein, meine Wohnung und ein Konto bei der Bank. Das - und den Suff hatte ich noch im Leben. Unter der Woche bin ich täglich in den Supermarkt gefahren und habe mir meine abendliche Ration gekauft, weil ich einen Vorrat nicht im Haus haben konnte ohne ihn bis zum Limit in mich reinzuschütten - egal, was am nächsten Tag anstand. So habe ich versucht mich selbst auszutricksen. Am Wochenende hab ich dann meine Bierkisten nach Hause geschleppt und alleine leer getrunken. Mein Verdauungssystem war dermaßen im Eimer, dass ich eigentlich nur noch in der Nähe einer Toilette und eines Kasten Biers sein wollte. Und einer Schachtel Kippen und eines PCs vielleicht noch. Mein Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein waren nur kümmerlich entwickelt. Angst, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Ausweglosigkeit waren Grundzüge in meinem täglichen Empfinden. Ein Bezug zu meinen Gefühlen war schlicht und einfach nicht vorhanden.
Hier im Forum habe ich mich in vielem wiedergefunden und nach kurzer Zeit war mir klar, so gehts nicht weiter. Der 18.11.2006 ist dann mein erster trockener Tag geworden. |
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| Timster hat zum Thema: Re: Tiefpunkt,wo ist ganz unten?? geschrieben
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Bernd G aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 24.11.2006 Beiträge: 824 Alter: 51 Wohnort: Waldbronn
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Verfasst am: 24.02.2008, 21:07 Titel: Re: Tiefpunkt,wo ist ganz unten?? |
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Hallo liebe Leute !
Ich dachte , das ich meinen Tiefpunkt vor der ersten Therapie hatte. Keine Arbeit, Geld , Freunde mehr .
Nach ca. zweieinhalb Jahren dann der Rückfall. Ich hatte Arbeit, Geld und eine Freundin. Die Beziehung war eigentlich schon zu Ende, da klammerte ich mich noch daran, hatte Angst allein zu sein.
Da bin ich drei Tage nicht zur Arbeit und bekam die Kündigung. Ein Kollege ( auch Alkoholiker ) kam am 6,12,1993 zu mir nach Hause und fragte mich direkt, : " Willst Du leben ? dann kann ich dir helfen. Ansonsten Viel Glück ! "
Er hat mich zur Entgifftung gefahren und dann habe ich meine Zweite Therapie gemacht, danach meine Arbeitsstelle per Klage zurück gewonnen und bin regelmässig zum Freundeskreis ( SHG ) gegangen.
Diesen Tag feier ich seit dem als meinen Geburtstag, vorher habe ich nicht wirklich gelebt.
Viele liebe Grüsse von Bernd G |
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| Bernd G hat zum Thema: Re: Tiefpunkt,wo ist ganz unten?? geschrieben
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