| Bin die Neue - soll hier singen! • langsam stink sauer |
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einfachnurleben Gast
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Verfasst am: 14.09.2005, 09:45 Titel: Teufelskreislauf Nähe und Distanz |
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Hallo,
ich bin Tochter aus "gutem Hause". Meine Mutter trinkt versteckt seit 20 Jahren. Mein Vater hat sich bisher geweigert, dies als Problem zu sehen. Er verlangt von mir und meinen Geschwistern (35, 40, 42 Jahre alt) immer Verständnis und Schweigen darüber. Er fürchtet, daß meine Mutter von Bekannten und Nachbarn schlecht dasteht. Er selbst trinkt auch abends, aber er ist nicht abhängig, eher ein Gewohnheitstrinker. Letztens meinte er empört, daß er auch nicht darauf verzichten möchte. Es sei schließlich sein Haus und sein Recht. Meine Mutter ist inzwischen ein Wrack. Trinkt den ganzen Tag, heult und badet im Selbstmitleid. Sie bildet sich immer schwere Krankheiten ein. Für sie bedeutet leben = leiden. Sie droht und terrorisiert. Mein Vater erwartet unsere Unterstützung. Wenn er auf Dienstreise geht, dann soll ich mich um sie kümmern. Meinen vierjährigen Sohn, soll ich meiner Mutter über das Wochenende geben, da er ihr so gut tut. Es dreht sich alles um meine Mutter. Inzwischen sehe ich sie als Tyrannin und danach gleich meinen Vater. Wir Kinder wurden nie wirklich gesehen. Meine Eltern waren nur immer mit sich selbst beschäftigt. Wir lieben uns sehr, aber es gibt eine unüberbrückbare Distanz. Ich kann es nicht mehr ertragen. Meine Mutter wird sich bald in den Tod trinken. Alles wissen es und nichts geschieht. Mein Vater deckt sie, nimmt sie in Schutz. Er will es nicht sehen, weil ja dann seine heile Welt offiziell zusammenbricht. Die beiden sind wie ein "Gaunerteam", das sich systematisch Alibis verschafft. Ich habe sehr viel Wut, Verzweiflung und Schmerz in mir. Mir ist es bis heute nicht gelungen, mich davon frei zu machen. Ich weiß, daß man für niemanden die Verantwortung übernehmen kann. Mein Kopf ist klar und ich weiß, wie hoffnungslos die Geschichte ist. Doch gibt es tief in der Seele ein Schlachtfeld, daß sich nicht mit Verständnis befrieden läßt. Ein Teil möchte jetzt wirklich die Distanz, den Kontakt einfrieren. Der andere Teil hat Angst zu verlieren. Gibt es Wege aus diesem Teufelskreislauf? |
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| einfachnurleben hat zum Thema: Teufelskreislauf Nähe und Distanz geschrieben
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32761 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 14.09.2005, 10:14 Titel: Re: Teufelskreislauf Nähe und Distanz |
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Hallo,
manchen ist es leider wichtiger, das Leben und das Ansehen nach außen hin aufrecht zu erhalten, als sich zu helfen.
Meist macht man sich da aber selbst was vor. Wenn man regelmäßig Alkohol trinkt, bekommt es die Umwelt, also die Menschen um einen herum auch mit.
Ich dachte früher auch immer, ziehst Dich ordentlich an und dann ist gut.
Jeder in meiner näheren Umgebung wußte aber, was mit mir los ist. Vor allem die Verkäuferinnen, wo ich meinen Alkohol holte.
Wenn Dein Vater es nicht einsehen will, sollte er auch alleine damit fertig werden.
Du und sicher auch Deine anderen Geschwister haben ihr eigenes Leben.
Versucht Euch zu distanzieren. Dann kommt vielleicht auch Dein Vater zur Besinnung und denkt mal drüber nach.
Ich lese es mit Besorgnis, dass jetzt auch Dein Kind mit in die Sache hinein gezogen wird. Ein so kleines Kind kann sich nicht wehren. Du bist dafür Verantwortlich und wenn ein Vater verlangt, dass zum Wohlwollen Deiner Mutter, das Kind leidet, kann das Kind damit sicher nicht umgehen.
Dieses so genannte "gute Zuhause" wird zerbrechen, wenn Du zu der Situation stehst. Mit Deiner sicher gutgemeinsten Fürsorge Deiner Mutter gegenüber, hilfst Du ihr auch nicht, eher im Gegenteil.
Das Leben bzw. das Dahinleben, wird ihr sehr leicht gemacht, weil alle sich um sie kümmern.
Warum sollte sie dann auch aufhören.
So schwer es für Dich auch sein wird, eine Distanz mit allen Konsequenzen ist die beste Lösung.
Gruß
Karsten
____________________________
Das Thema 3.Kind
Umgang mit Betroffenen |
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| Karsten hat zum Thema: Re: Teufelskreislauf Nähe und Distanz geschrieben
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silvermoonlight Gast
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Verfasst am: 14.09.2005, 16:29 Titel: Re: Teufelskreislauf Nähe und Distanz |
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das tut mir sehr leid, auch ich denke es ist besser wenn du eine distanz aufbaust, denn wie du ja selber siehst macht es dich kaputt und das darf nicht sein.
Einem nassen alkohoiker fällt es leider nicht auf, welchen schmerz er anderen zufügt und denkt meistens nur an sich.
die situation ist in der tat sehr verfahren
du solltest wirklich versuchen mehr an dich zu denken, denn man kann keinen alkoholiker trocken kriegen, wenn er es selber nicht will.
du schreibst "dein vater ist ein gewohnheitstrinker", auch das ist eine Form der Abhängigkeit, auch wenn man es körperlich nicht merkt, kann es allerdings sehr gut sein das man psychisch abhängig ist.
ich wünsche dir aber auf jeden fall viel erfolg bei deinem weiteren weg.
ich finde es sehr tapfer
liebe grüsse silver |
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| silvermoonlight hat zum Thema: Re: Teufelskreislauf Nähe und Distanz geschrieben
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einfachnurleben neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 15.09.2005 Beiträge: 2 Wohnort: Berlin
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Verfasst am: 15.09.2005, 09:56 Titel: habe doch noch Hoffnung! |
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Guten Morgen,
danke für Eure Antworten. Es tut gut, gehört zu werden. Oft habe ich von Freunden und Bekannten nur sehr unsensible, abstoßende Reaktionen oder Gleichgültigkeit erfahren, wie "dann laß sie sich doch zu Tode saufen", oder was "soll´s denn". Es ist doch sehr verletztend, warum auf Schwäche mit Ignoranz und sogar mit Aggression reagiert wird. Menschen, die sich als schwach empfinden, leiden sehr darunter, ziehen sich zurück und fühlen sich unverstanden, abgelehnt.
Mir ist jetzt klar geworden; ich habe noch eine Hoffnung. Ein Mensch, der in einem Sumpf von Elend und Trostlosigkeit steckt, dem kannst du vielleicht helfen, wenn Du ihm nur einfach zuhörst. Selbst, wenn er nicht reden will, wenn nur Tränen fließen oder du dich beschimpfen läßt. Einfach nur zuhören bedeutet den anderen ganz wahrzunehmen ohne zu werten. Einem Menschen ,dem es so miserabel geht, kann sich angenommen fühlen. Der wichtigste Schritt in unserem menschlichen Dasein ist doch sich selbst zu anzunehmen.
Und wie heißt es so schön "die menschliche Würde ist unantastbar". Fühlt ein Leidender noch Würde. Wahrscheinlich nicht. Vielleicht, ist es aber das, was wir einander geben können.
Besten Gruß |
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