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Der 20. Tag

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Andy
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BeitragVerfasst am: 18.11.2009, 14:33    Titel: Hallo Miteinander Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Miteinander

Danke erst mal allen für´s Daumen drücken.

Wenn ich ehrlich bin, dann bin ich von meinem Tropentauglichkeitstest etwas enttäuscht. Es war noch keine Untersuchung, nur ein langes persönliches Gespräch über mein bisheriges Leben und alle Krankheiten die ich bisher hatte, welche Medikamente ich regelmäßig nehme. Vor dem Gespräch lag die Ausfüllung eines endlosen Fragebogens. Ich bin schon fast dankbar, dass man da nur nach regelmäßigem Alkoholkonsum und wieviel fragte und ich dort eine Null hinmachen konnte. Aber da ich regelmäßig Medikamente brauche und nehme, musste ich dabei natürlich zur Sache kommen.
Als die Ärztin dann auf mein Bronchialasthma und meine Allergien schon sehr skeptisch reagierte und äußerte ihre Bedenken im Bericht zu erwähnen, wurde ich natürlich sehr vorsichtig. Hängt doch mein ganzes späteres Leben, vor Allem meine Altersversorgung von diesem Job ab und den Arbeitsvertrag habe ich auch schon unterschrieben zurückgeschickt. Ausserdem bin ich medikamentös so eingestellt, dass ich seit fast zwanzig Jahren schon keinerlei Beschwerden habe.
Aber: das erste Mal seit fast zwei Jahren, bin ich hier von meiner eigenen Offenheitsverpflichtung betreffend Alkoholiker abgekommen.
Ich habe dann lediglich noch mit ihr darüber gesprochen, dass ich schon längere Zeit ein Medikament gegen Depression nehme und deswegen auch regelmäßig in Behandlung bin. Das kann ich auch, da ich weiß, dass meine Ärztin im Dezember mit der Ausschleichphase beginnen will und mich als äußerst stabil betrachtet. Die Untersuchende hat sich dennoch unterschreiben lassen, dass sie mit meiner Ärztin sprechen darf.
Ich bin jetzt etwas verunsichert.
Auf der einen Seite habe ich am Montag einen neuen Termin für die ersten Tropenimpfungen, EKG und Blutentnahmen und sie hat mir auch gesagt, dass ich mich im Tropeninstitut gegen Gelbfieber und Cholera impfen lassen soll, da sie das nicht darf. Auf der anderen Seite ihre Skepsis, ihr Vorhaben ihre Bedenken in den Bericht zu schreiben und mir vielleicht damit den Job zu verwehren. Aber warum schickt sie mich dann schon zum Impfen???
Ich hoffe dennoch, dass alles glatt läuft. Optimismus ist angesagt, auch wenn ich mich nicht selbst betrügen will. Innerlich bereite ich mich schon auf das eventuelle Scheitern vor und habe heute zur Vorsorge schon mal wieder eine Bewerbung abgeschickt.

Auf jeden Fall habe ich mir aber fest vorgenommen, dass ich, wenn ich es doch schaffe im Januar in Nigeria loslegen zu können, meiner Offenheitsverpflicht wieder nachzukommen.
Mit meiner Arbeit habe ich bisher noch jeden überzeugt. Aber ohne erst mal an die Arbeit zu kommen, durch vielleicht Vorurteile dann eine Absage zu bekommen, dass war mir hier doch zu heikel.

Ein Kompromiss, den ich hier mit mir eingehen musste. Ein Thema, dass wir in einem früheren Thread schon mal hatten und wo ich noch ganz anderer Meinung dazu war.

Wie seht ihr das?

LG und trockene 24h, Andy[/b]
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Andy hat zum Thema: Hallo Miteinander geschrieben
Andy
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
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Wohnort: Abuja, Nigeria

BeitragVerfasst am: 14.02.2010, 22:53    Titel: Hallo Miteinander Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Miteinander,

ich bin gut hier angekommen in der neuen Welt Nigeria und sogleich richtig in die Arbeit gestürzt worden. In der Regel so um die 70-76 Stunden die Woche. Einen Internetstick zu bekommen hat ganze 4 Wochen gedauert, deshalb melde ich mich erst jetzt bei Euch. Habe dabei auch meinen 2. Geburtstag am 06.01.2010 vollkommen übersehen.
Na ja, habe ihn heute zum Valentinstag mit meiner Ex beim Kaffeetrinken über Skype Auf den Arm nehmen nachgefeiert.

Nigeria ist ein sehr sehr armes Land was die meisten Einwohner betrifft, viel ärmer als meine geliebte und bisher von mir unterstütze Ukraine und einiges erinnert mich sehr an Filme über Sklavenhaltung. Bei 12-14h Arbeitszeit können sich die meisten Arbeiter nichts zu essen kaufen und dafür, dass ich täglich von meinem Geld für sie Wasser kaufe (Durchschnittstemperaturen um die 40° im Schatten) bin ich schon gerügt worden. Die sollen das Wasser aus den verschmutzen Flüssen trinken, wenn sie Wasser haben wollen. Auch, dass ich ihnen bei der Sonntagsarbeit ein kleines warmes Mittagessen spendiere, ist schon auf Kritik gestossen. Die fangen vor Hunger jede Ratte und machen einen Festschmauss daraus.
Die Probleme, wegen denen ich in Deutschland zum Alkoholiker wurde, erscheinen hier nicht mehr nur lächerlich.
Ich bedaure sehr, dass ich nur so begrenzt helfen kann. Ich habe mir eine Patenfamilie ausgesucht, 3 Kinder und Mutter, Vater seit 2 Jahren tot. Die Mutter kocht für ein paar Feldarbeiter Essen aus Wurzeln und dabei fällt etwas Essen für sie und die Kinder ab. Diese Familie unterstütze ich jetzt etwas mit Kleidung, Essen und Sachen für die Schule.
Das Land steht kurz vor einem Bürgerkrieg. Die Islamisten haben den Katholiken den Krieg um die Vormachtstellung im Land erklärt und die Armee hält fleissig dazwischen, hunderte Tote, und das nur noch 200 km vor der Hauptstadt in der ich arbeite. Man kann auch nichts bei den Moslems kaufen, wurde uns untersagt, wegen Vergiftungsgefahr.

Aber im Großen und Ganzen geht es mir nicht schlecht. Das Team aus Einheimschen, welches ich mir selbst zusammenstellen und einstellen musste, steht hinter mir und ich versuche so viele wie möglich weiter zu qualifizieren. Mittlerweile können wir auf ganz gute Arbeitsleistungen zurückblicken.

Das soll´s erst mal in Kürze von mir gewesen sein.

Ich wünsche allen einen schönen Abschluß des Valentinstages und trockene 24h.

LG, Andy
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Andy hat zum Thema: Hallo Miteinander geschrieben
Andy
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
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BeitragVerfasst am: 13.11.2011, 19:36    Titel: Hallo Miteinander Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Lange ist es her, dass ich das letzte Mal hier geschrieben habe und vieles hat sich für mich verändert in dieser Zeit. Aber das Wichstigste habe ich beibehalten - ich bin trocken.
Schon nach 5 Monaten habe ich den deutschen Arbeitgeber, mit dem ich nach Nigeria kam, verlassen. Zu groß war dort der Druck, erzeugt durch richtig böswilliges, offensichtliches und hobbymäßig betriebenes Mobbing unter dem deutschen Teil Belegschaft und von ihm ausgehend das ganze Unternehmen infizierend. Es ging in keiner Sekunde darum, wer seine Arbeit gut und richtig machte, sondern nur um den Fakt sich selbst besonders gut und alle anderen besonders schlecht dastehen zu lassen. Die Arbeit geriet komplett zur Nebensächlichkeit. Ich war schon Einiges gewohnt von Deutschland, aber eine solche Ansammlung brauner Zungen vom Nach-Oben-Lecken habe ich noch nie erlebt.
Am Anfang habe ich gedacht, kümmere dich nicht darum, mach deine Arbeit und aus. Aber man findet in einer Schlangengrube keinen Platz, wo eine Schlange nicht auch hinkommt. Als es mich dann persönlich betraf, habe ich erst versucht (altes Verhaltensmuster) dagegen Stellung zu beziehen. Aber diese Haltung war genau der Reiz den die anderen suchten. Es galt ja jemanden fertig zu machen. Von nun an passierten die haarsträubendsten Dinge. Die Projektleitung (vom selben Kaliber) bekam kund getan, dass man mich desöfteren schlafend im Auto gesehen habe. Die unglaubwürdigen "Schwarzen", welche hätten bezeugen können und wollen, dass dem nicht so ist, da ich mich zu den fragwürdigen Zeitpunkten an anderen Stellen befand, wollte niemand dazu hören. Ich bekam nur die ältesten, schrottreifen Maschinen und aufgrund der damit verbundenen häufigen Reparaturen, den nichtssagenden Beinamen "Maschinenkiller". Andere große Baumaschinen, welche ich für meine Sektion zugeteilt bekommen und mir selbst auf der 40 km langen Baustelle zusammen suchen sollte, wurden kurzerhand (und auf Anweisung, wie ich später erfahren habe) versteckt. Ich sah natürlich ziemlich dumm aus, als die Maschinen wie frisch geleckt und unübersehbar zur Abholung bereit am Straßenrand standen, während ich mit den "Vorgesetzten" anrückte.
Wenn ich heute so darüber nachdenke dann bin ich auch richtig froh, dass ich denen nichts von meiner Alkoholkrankeit erzählt habe, sonst hätte ich bestimmt jeden Morgen eine Kiste Bier vor meinem Bürocontainer gefunden.
Kurzum, ich hatte eine Entscheidung zu treffen. Entweder weiter dagegen anzukämpfen, mit zweifelhaften Erfolgsaussichten, oder an mich und die steigende Rückfallgefahr zu denken und das Feld zu räumen.
Früher hätte ich mich wahrscheinlich für Ersteres entschieden und den steigenden Kummer beim Schattenboxen, in Wut und Selbstmitleid zerfliessend, mit Betäubung bekämpft.
Heute, mit klarem Kopf, konnte ich die richtige Entscheidung treffen. Man muss loslassen können von dem was einen bedrückt. Egal, ob sich dadurch erneut die gesamten Lebensumstände ändern. In erster Linie zähle ich und meine Gesundheit, was natürlich nicht heissen soll komplett zum Egoisten zu werden. Aber nur so kann ich leben, arbeiten, wirken und für meine Lieben da sein.
Ich arbeite nun schon wieder seit fast 1 1/2 Jahren für ein rein nigerianisches Unternehmen und bin mittlerweile auch komplett hierher nach Nigeria umgesiedelt. Ein klarer Kopf gepaart mit Verhandlungsgeschick und etwas Glück, haben zudem keine finanziellen Einbußen hinterlassen. Meine Arbeit macht wirklich Spaß, wird geachtet und einige Freunde habe ich auch schon gefunden, denen ich natürlich "Reinen Wein" eingeschänkt habe. Die Einheimischen wissen meine Abstinenz sehr zu schätzen, da sie hinlänglich Erfahrung mit betrunkenen und verkaterten Weissen haben.
Nigeria ist zwar kein Land für Immer, aber die nächsten Jahre, bis zu meinem 60-sten, will ich gern noch hier bleiben und arbeiten.
Zum Deutschtum zieht mich nichts mehr hin, obwohl man nicht alle über einen Kamm scheren kann/soll und meine Familie/Freunde ja auch noch dort sind. Aber diese müssen sich vorerst mit meinen Urlaubsbesuchen begnügen. Ich werde wohl auch nie wieder ganz nach Deutschland zurück kehren. Es gibt viel "wärmere", menschlichere Orte auf der Welt, auch wenn sie dem ersten Anschein nach bettelarm sind.
In erste Linie zähle ich und nur zufrieden kann ich trocken bleiben!

Ich wünsche Euch allen trockene 24h!

LG, Andy
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Andy hat zum Thema: Hallo Miteinander geschrieben
silberkralle
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.12.2009
Beiträge: 4472
Alter: 60
Wohnort: Wilkau-Haßlau

BeitragVerfasst am: 14.11.2011, 09:20    Titel: Re: Hallo Miteinander Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

glück auf andy

Andy hat Folgendes geschrieben:
ich bin trocken.
hochachtung! unter den beschriebenen bedingungen ne richtig tolle leistung.

schöne zeit

Sehr glücklich
matthias
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silberkralle hat zum Thema: Re: Hallo Miteinander geschrieben
Oliver
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 05.11.2011
Beiträge: 16
Alter: 47
Wohnort: Dresden

BeitragVerfasst am: 15.11.2011, 19:11    Titel: Re: Der 20. Tag Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Andy,

meine Bewunderung hast Du, unter derartigen Umständen trocken zu bleiben! Aber wie Du schreibst, hättest Du es früher so nicht gemacht. Das heißt das Du ganz schön an Dir gearbeitet hast, Daumen hoch. Ich selbst gehe mit meiner Alkoholkrankheit ziemlich offen um, aber in dieser Situation die Du beschreibst wäre ich vielleicht auch so vorsichtig wie Du gewesen und hätte es nicht unbedingt jeden erzählt.
LG Oli
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Oliver hat zum Thema: Re: Der 20. Tag geschrieben

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