skydog neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 30.12.2007 Beiträge: 32 Alter: 40 Wohnort: Bad Schönborn
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Verfasst am: 19.01.2008, 22:00 Titel: und nun, NACH der Therapie |
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Ein freudiges Hallo an alle Foren-User und Leser,
wie angedroht, möchte ich jetzt noch von der Zeit nach der Therapie erzählen. Nach einigem überlegen, kam ich zu dem Schluß, daß ich die Zeit der Therapie nicht erzähle. Die Gründe dafür sind, daß ich keine Einflussnahme haben möchte, bei der Entscheidung anderer eine LZ zu machen oder nicht. Mir wurden unendliche viele Meinungen von Mitpatienten während meinen Entgiftungen förmlich aufgedrängt, viele haben eine LZ Mieß gemacht andere haben motiviert. Ich denke, jeder sollte sich eine freie Meinung bilden können.
Nun gut, da war ich wieder, im "Leben", an einem Freitag, super gemacht Tom..... Ich stand in meinem behelfsmäßigen Zimmer bei meiner Schwester, meine Taschen mit dem was ich noch besaß und dachte nur eins "Sch..." Das Wochenende war der Horror, auf der einen Seite wollte ich ja nun beginnen mit meinem neuen Leben, aber ich hatte ja kein Geld, und Ämter haben ja auch zu. Ich weiß nicht, wie viele Kilometer ich an diesem WE gelaufen bin, ich kannte jedes Schaufenster in der Stadt, jeden Preis der Auslage. 2 Tage, von morgens um 7 bis in die Nacht, laufen. Endlich Montag, volles Programm, Staatsanwaltschaft, Arbeitsamt, Nachsorge. Die Genehmigung meine Führerscheinstrafe mit Sozialarbeit abzugelten hatte ich in der Tasche und innerhalb von einer Woche konnte ich auf einer Krebsstation beginnen. Der andere Kram hatte sich wider erwarten auch recht einfach erledigen lassen. Ich kann heute sagen, ich bin froh über die Sozialstunden, ich hatte auf einmal ein geregeltes Leben, musste Arbeiten und es tat so gut. Eine Aufgabe, Bestätigung durch Patienten und Personal, hey, das Leben kann auch wieder Spaß machen...
Die 6 Wochen gingen rum wie im Flug, ich lernte mich einzuschränken, Hartz IV eben. Arbeit musste her, nicht wegen der Kohle in erster Linie, sondern einfach nur für das Gefühl ein Teil der Gesellschaft zu sein, wieder. Mir selbst sagen zu können, die Jammerzeiten sind durch, Du bist jetzt der Tom der was tut, damit es wieder ein Leben wird. Danke Herr oder Frau Lidl, daß sie an mich dachten und zum kleinen Preis im 3er Pack Bewerbungsmappen ausgerechnet jetzt verkaufen wollten. Innerhalb von wenigen Tagen konnte ich über eine Zeitarbeitsfirma beginnen, im kleinen wieder ganz alleine für mich zu Sorgen. Heute,arbeite ich immer noch bei der Zeitarbeit, aber ich konnte mir innerhalb von 8-9 Monaten ein kleines Leben aufbauen. Habe eine kleine 1 Zimmer Wohnung, arbeit, sogar Festnetz und Internet, und das Gefühl als das Freizeichen in meinem Telefon zu hören war, MEIN Festnetzanschluss, es war so geil... Wieder ein kleines Stück normales Leben. Für jemanden der noch nie weit unten war ist das vielleicht gar nichts, für mich war es etwas ganz ganz besonderes, das mich motivierte alles zu tun um nicht noch einmal diese Dinge zu erleben, die hinter mir lagen. Es ist noch ein langer Weg vor mir, den ich nur bestehen kann wenn ich trocken bleibe, wenn ich weiter mit der gleichen Sturheit in der ich trank, jetzt das Gegenteil mache, nicht trinken. Es gibt keinen Alkohol in meiner Wohnung, ich habe mir ein Umfeld gesucht indem es überhaupt keine Debatten gibt, a) dass ich Alkoholiker bin und b) dass da irgendjemand versuchen würde mir was an zu bieten. Es gibt Menschen, die habe ich ganz einfach und rigoros aus meinem Leben verbannt, auch welche die ich eigentlich lieb hatte oder habe, aber ich weiß das Sie mir nicht gut tun. Sicher, gibt es auch schöne Dinge auf die ich gezwungener Maßen verzichten muss, aber auch das ist es Wert.
Vielleicht musste ich ja einfach zum Trinker werden um das trockene Leben genießen zu können, ich weiß es nicht, aber es ist ein besseres Leben, nicht immer schöner aber definitiv besser...
Tom |
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